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Karlsruhe Karlsruhe ist ein ganz besonderer Faschings-Mix: Woher die Traditionen kommen...

Mit dem sogenannten Schmutzigen Donnerstag startete die heiße Phase der Karlsruher Fastnacht. Die Fächerstadt wird dabei zum regelrechten Schmelztiegel der Traditionen: Hier werden der rheinische Karneval und die schwäbisch-alemannische Fastnacht vereint. Doch welche Elemente aus dem Karneval und welche Elemente aus der Fastnacht stammen jetzt eigentlich woher? ka-news.de bringt Licht ins närrische Dunkel.

Der Schmutzige Donnerstag, der immer auf den Donnerstag vor dem Aschermittwoch fällt, läutet in schwäbisch-alemannischen Regionen heute offiziell die Fastnacht ein. In der Geschichte wurde dieser Tag als letzter Schlacht- und Backtag vor der Fastenzeit genutzt, die am Aschermittwoch beginnt.

Die Kirche ließ im Spätmittelalter nur in den Tagen zwischen Schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch das närrische Treiben zu. Deshalb beginnt auch heute noch mit diesem Tag die Hochzeit der Fastnacht - und für die Narren die schönste Zeit des Jahres.

Karlsruhe: Das närrische Grenzgebiet

Auch in Karlsruhe geht es jetzt so richtig rund. Das Besondere: Hier treffen rheinische Jecken und schwäbisch-alemannische Narren aufeinander. Denn Fasching wird in der Fächerstadt zwar nach schwäbisch-alemannischer Tradition Fastnacht genannt, greift aber auch auf Elemente des rheinischen Karnevals zurück. 

Der Grund: Karlsruhe liegt im direkten Grenzgebiet zwischen beiden Fastnachts-Formen und bildet somit einen Sonderfall unter den närrischen Städten. 

Der Elferrat der GroKaGe 1937.
Der Elferrat der GroKaGe 1937. | Bild: Pfinzgaumuseum, UI 439

Schwäbisch-alemannische Hexen

Die schwäbisch-alemannische Fastnacht gibt es seit dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts als eigenständige Form und kommt vor allem im südlichen Baden-Württemberg und der Schweiz vor. Sie orientiert sich an mittelalterlichen Traditionen und greift auf dämonische, teilweise schaurig anmutende und altertümliche Figuren zurück.

In einigen Orten beginnt die Fastnacht am 11. November, meistens jedoch erst nach der Weihnachtszeit ab dem 6. Januar, dem Feiertag Heilige Drei Könige. Ab diesem Tag beginnen die Veranstaltungen der Narrenzünfte, der Vereine im schwäbisch-alemannischen Raum. Die eigentliche Fastnacht hat ihren Höhepunkt jedoch zwischen dem Schmutzigen Donnerstag und dem Aschermittwoch.

Bild: Hans-Joachim Of

Narrenzünfte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

Jede Narrenzunft geht dabei ihrer eigenen örtlichen Tradition nach. Eine Zunft setzt sich meistens aus Hexen, Narren, einem Teufel und vielen weiteren Figuren zusammen. Auch tierische Gestalten oder Fantasiefiguren - angelehnt an regionale Sagen und Geschichten - können dabei vorkommen.

Je nach Tradition des Vereins unterscheidet sich diese Zusammensetzung. Hexen gibt es allerdings in den meisten Narrenzünften. Die Vermummung spielt hier eine große Rolle. Die Masken der Figuren, auch "Larve" oder "Scheme" genannt, sind dabei aus Holz geschnitzt und verfolgen meist eine lange Tradition. "Plätzle", eine Gegenfigur zu den Hexen, haben freundliche Holzgesichter und ein Flickenkostüm. 

Bild: Thomas Riedel

Auch in Karlsruhe wurden Narrenzünfte, wie beispielsweise die Weiherwälder Belzebube, gegründet, die hier meistens aus Gruppen von Hexen und vereinzelt aus "Plätzle" bestehen.

Rheinisches Militär in Karlsruhe 

Auch der rheinische Karneval hat unterschiedliche Formen. Er beginnt am 11. November um 11.11 Uhr  und steigert sich bis zum Aschermittwoch. Hier beginnen die Feierlichkeiten schon ab Neujahr.

Am Schmutzigen Donnerstag wird - ebenfalls um 11.11 Uhr - der Straßenkarneval eingeläutet. Ab dem Tag wird öffentlich gefeiert, bis der Karneval am Aschermittwoch endet. Wie bei der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gelten diese Tage als Hauptzeit des Karnevals. 

© Paul Needham / www.paulneedham.de
© Paul Needham / www.paulneedham.de | Bild: Paul Needham

Kritik und Hohn für Politik

Im Fokus des rheinischen Karnevals steht die Verhöhnung der jeweiligen Machthaber. Die Tradition geht unter Anderen auf das 19. Jahrhundert zurück. Die hier eingesetzten Umzugswägen werden mit kritischen, satirischen Motiven geschmückt, die auf gesellschaftliche und politische Probleme aufmerksam machen sollen und diese gleichzeitig verspotten.

Figuren des rheinischen Karnevals haben häufig militärhafte Züge. Zu sehen sind diese beispielsweise in den Tanzgarden, deren Kostüme teilweise an die Militärsuniformen des 18. Jahrhunderts erinnern. 

Karlsruher Fastnacht

Durch die Angrenzung an die schwäbisch-alemannische Fastnacht und an den rheinischen Karneval hat die Karlsruher Fastnacht von beiden Formen des Faschings Elemente übernommen.

Die Fastnacht beginnt in Karlsruhe, ebenso wie beim Karneval, am 11. November und endet am Aschermittwoch mit der Fastenzeit. Die meisten Veranstaltungen finden jedoch erst nach dem Dreikönigstag statt, was wiederum an die schwäbisch-alemannische Fastnacht erinnert.

Das Bonbonwerfen kommt aus dem Rheinland

Der erste Umzug zog 1841 durch die Fächerstadt und orientierte sich am rheinischen Karneval. Außerdem sind in Karlsruhe mehr Karnevalsvereine als Narrenzünfte vertreten. So sieht man auf dem Fastnachtsumzug Wägen mit meist kritischen, parodistischen Motiven zu politischen Themen. Vom rheinischen Karneval kommt außerdem die Tradition, mit Bonbons zu werfen. 

Motivwagen des Badischen Staatstheaters 1956.
Motivwagen des Badischen Staatstheaters 1956. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4 9/5/36

Der Konfettiregen entstammt dem Schwäbisch-Alemannischen

Doch auch Figuren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sind in Karlsruhe vertreten, ebenso wie Tanzmariechen und Gardemädchen. So sieht man viele Hexen mit Holzschemen, die den Zuschauern Konfetti in die Haare werfen. Auch die in Karlsruhe beliebte Guggenmusik und "Plätzle" laufen nach schwäbisch-alemannischer Tradition auf den Umzügen mit.

Der Aschermittwoch schließt das Treiben

Doch egal ob Karneval oder Fastnacht: Am Aschermittwoch ist das närrische Treiben in der Region allgemein beendet. Mit dem Tag wird die vierzigtägige Fastenzeit eingeläutet. Dabei wird von manchen Christen ein Aschekreuz empfangen, woher auch der Name des Tages kommt. Der Aschermittwoch orientiert sich dabei immer an Ostern. Der frühestmögliche Termin für diesen Tag ist der 4. Februar, der späteste der 10. März.

Dann heißt es für Guggemusiker, Plätzle, Hexen, Narren, Gardemädchen und Militärskapellen erst einmal wieder: warten - bis der 11. November beziehungsweise der Schmutzige Donnerstag im nächsten Jahr die fünfte Jahreszeit erneut einläutet.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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  •   Waterman
    (6525 Beiträge)

    22.02.2020 21:11 Uhr
    Fasching
    quasi als Oberbegriff für Karneval und Fastnacht zu benennen, ist gewagt.

    Besser gesagt: Nonsens.

    Helau!
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