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Karlsruhe Ist Fastnacht nur noch Saufgelage? "Es ist schwierig, das in den Griff zu kriegen"

Faschingszeit ist Feierzeit - das hat für viele vor allem mit Alkohol zu tun. Unter den Feierwütigen sind es vor allem Jugendliche, die durch übermäßigen Alkoholkonsum auffallen. In Durlach wurden am Wochenende 24 betrunkene Jugendliche an die Eltern überstellt und über 50 Platzverweise ausgesprochen, um Handgreiflichkeiten unter Betrunkenen zu vermeiden. Mit Jugendschutzteams will man die Lage in den Griff bekommen, doch das klappt nicht immer.

Alkohol gehört in der Faschingszeit für viele zur Feier dazu - viele Jugendliche nutzen die fünfte Jahreszeit jedoch, um sich maßlos zu betrinken. 

Veranstaltungen verschieben?

Das Problem ist kein Neues. "Aufgrund dessen gibt es den Nachtumzug in Grötzingen nicht mehr", so Thomas Kalesse, Vorsitzender der Karneval-Gesellschaft Ost (KGO) in Karlsruhe.

Thomas Kalesse, seit 2000 Vorsitzender der Karneval-Gesellschaft Ost.
Thomas Kalesse, seit 2000 Vorsitzender der Karneval-Gesellschaft Ost. | Bild: privat

Hier wurde viel und exzessiv im Vorfeld der Veranstaltung getrunken - nun ist sie auf mittags verlegt, um sie aus dem "Abendprogramm" der Jugendlichen zu nehmen. Mit mäßigem Erfolg. 

"Es wird schwierig, das in den Griff zu kriegen"

Beim Narrensprung in Grötzingen attestiert die Polizei weiterhin einen erhöhten Alkoholkonsum. Trauriger Höhepunkt: Ein 16-Jähriger mit über zwei Promille im Blut. Auch am vergangenen Wochenende stellte die Polizei vermehrt über die Maßen betrunkene Jugendliche fest.

"Es wird schwierig, das überhaupt in den Griff zu kriegen", so der 66-Jährige im Gespräch mit ka-news.de. "Ich habe das Gefühl, dass es nicht besser wird, sondern eher schlimmer." Bei Veranstaltungen im Umland, könne man die ankommenden Jugendlichen bereits direkt am Bahnhof kontrollieren und ihnen die hochprozentigen Getränke abnehmen.

Stadt stockt Jugendschutzteams auf

Was unternimmt die Stadt, um die Problematik in den Griff zu kriegen? "Wir stocken die Jugendschutzteams in diesem Jahr auf. Wir setzen auf Prävention und Ansprache", sagt ein Sprecher der Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de. "Wir wollen die Jugendlichen über die Risiken aufklären." 

Vor allem bei unter 18-Jährigen geht das Jugendschutzteam auch über Prävention hinaus: "Wenn wir bei Minderjährigen hochprozentigen Alkohol finden, entsorgen wir diesen", so die Stadt. Doch damit nicht genug. "In manchen Fällen informieren wir auch die Eltern." Für die Minderjährigen steht dann oft ein unangenehmes Gespräch in den eigenen vier Wänden an. 

450 Ansprachen durch das Jugendschutzteam gab es beim Umzug in Durlach am vergangenen Sonntag. 24 Jugendliche wurden an die Eltern überstellt. 

Bei "Unbelehrbaren" unterstützt die Polizei

Durch das Trinken von Alkohol steigt auch das Aggressionspotenzial. "In extremen Fällen sprechen wir auch Platzverbote aus", sagt die Stadt im Gespräch mit ka-news.de. In Durlach betraf dies 57 Jugendliche. "Es ging auch so weit, dass wir schon Personen in Gewahrsam genommen haben." Bei "Unbelehrbaren" setzt die Stadt zudem auf Unterstützung durch die Polizei.  

Diese weist in diesem Jahr vermehrt darauf hin, dass übermäßiger Alkoholkonsum sich auch auf das Erlangen des Führerscheins auswirken kann: Bei Verdacht auf eine Konsumgewohnheit von Alkohol, werden entsprechende Meldungen an die zuständigen Führerscheinstellen vorgelegt. Bleibt abzuwarten, wie sich der Alkoholkonsum beim anstehenden Umzug, dem 88. Fastnachtsumzug, in Karlsruhe entwickelt.

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Fasching in Karlsruhe und der Region: Fasching, Fastnacht, Karneval - Bilder, Fotos und Infos zum närrischen Treiben in und um Karlsruhe, zu den Faschingsumzügen und von den Prunksitzungen finden Sie in unserem Dossier.
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Kommentare (20)
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  •   AlterMann
    (136 Beiträge)

    26.02.2020 12:52 Uhr
    die Suchtbeauftragte
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere Netiquette und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   SunCityKA
    (31 Beiträge)

    25.02.2020 09:59 Uhr
    Spaß muss sein
    Lasst doch den Kindern ihren Spaß. Wer sich sonst so heftig für Fridays for Future engagiert, der hat genug Bonuspunkte gesammelt, um auch mal ein paar nachhaltig produzierte Luftschlangen zu werfen und sich mit ein paar Shots die Kante zu geben. Die Pappbecher und Glasflaschen werden doch von denen sicherlich fachgerecht entsorgt - und falls nicht, die Stadtreinigung kümmert sich schon um die Hinterlassenschaften, genau wie Mutti zu Hause.
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  •   HerrNilson
    (1318 Beiträge)

    25.02.2020 15:41 Uhr
    Mal wieder
    nur reine Polemik und sonst nichts. Thank you for nothing.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11726 Beiträge)

    25.02.2020 07:36 Uhr
    da die jungen Leute heute kaum noch Bezug
    zu Brauchtum und Riten haben, filtern sie das, was sie augenscheinlich aufnehmen können raus und damit haben wir die Saufgelage und Abpumpen bis zum Umfallen. Dass es soweit gekommen ist, liegt am Verhalten des Umfelds, in dem unsere "Zukunft" heranwächst.

    Keiner ist für irgend etwas verantwortlich...
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  •   ka-lex
    (1661 Beiträge)

    24.02.2020 21:13 Uhr
    Solange der "Platzverweis"
    bzw. die "Überstellung" an die Eltern keine weiteren Konsequenzen nach sich ziehen wird sich nix ändern. Es braucht Sanktionen die weh tun!
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  •   andip
    (10133 Beiträge)

    25.02.2020 12:19 Uhr
    Was für Sanktionen?
    Als Jugendlicher besoffen herum zu schreien bzw. ihn nur trinken zu wollen ist kein Verbrechen, weshalb man jetzt irgendwelche grossartige Strafen aussprechen muss.
    Das mit den Meldungen an die Führerscheinstelle halte ich im Übrigen für rechtlich sehr bedenklich.
    Dann müsste man eigentlich alle betrunkenen Führerscheinbesitzer auch da melden, was aber nicht gemacht wird.
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  •   kunvivanto
    (63 Beiträge)

    24.02.2020 21:34 Uhr
    Ich vermute, das wird auch nichts nützen.
    Wenn, wie so oft bei Kindern und Jugendlichen, hinter Fehlverhalten die Suche nach Aufmerksamkeit steckt, kann das sogar als Belohnung wirken. Negative Aufmerksamkeit (Strafe) ist in dieser Konstellation immer noch besser, als gar keine Aufmerksamkeit. Ich denke, dass in vielen Fällen bereits Ansätze zu einer Emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vorliegt (wegen fortdauernder Vernachlässigung durch die Eltern). Hier wäre eine fortdauernde Erziehungsmaßnahme nötig, die aber auf Grund Missbrauch im Dritten Reich nur unter sehr strikten Voraussetzungen möglich ist.
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  •   andip
    (10133 Beiträge)

    24.02.2020 15:54 Uhr
    Nun ja
    Auch schon frühere Generationen haben bei Fastnacht gesoffen und nicht nur die Jugendlichen, auch ältere Semester.
    Auch schon immer gab bei den Jugendlichen (und auch Älteren), die dabei zu viel erwischt haben.
    Der Unterschied war, das man damals kein grosses Gedöns daraus gemacht hat, schon gar nicht durch die Polizei.
    Wenn einer zu viel intus hatte, liess man den sich in einer Ecke auskotzen und der wurde dann von Freunden nach Hause gebracht.
    Ob die heutigen Jugendlichen mehr saufen als die früheren, kann ich nicht beurteilen.
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  •   Route66
    (2267 Beiträge)

    24.02.2020 16:11 Uhr
    Jo
    wir haben alle früher an Fasching gesoffen. Aber es gab eben früher keine Verabredung zum Massensaufen mit hunderten Jugendlichen und aktivem gezielten Stören einer Veranstaltung.Das wäre damals bei uns auf dem Dorf so abgelaufen: 30 Jugendliche stören betrunken den Ablauf und werden umgehend von den Zuschauern aus dem Dorf ihren Eltern übergeben. Die Eltern hatten dann gezielt und konsequent dafür gesorgt, dass das nicht nochmal vorkommt. Mit dem Wissen, dass selbst in einem 8000 Seelen-Dorf rauskommt, wer da randaliert hat, kam man schnell zur Vernunft.
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  •   Ein_Wanderer
    (387 Beiträge)

    24.02.2020 16:09 Uhr
    Saufen allein
    ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass diese Jugendlichen aggressiv werden und versuchen, die ganzen Umzüge aufzumischen. Das kann man nicht tolerieren.
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