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Karlsruhe 7 Wochen ohne: Beginn der Fastenzeit oder die Frage warum ich mir das antue

Aschermittwoch - das heißt nicht nur Abschiednehmen von der Fastnacht, sondern auch Abschiednehmen von sogenannten Genussmitteln. Denn ab heute beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Doch woher kommt dieser Brauch und was verlangt er von mir ab? Ein Selbstversuch von Anya Barros.

Fasten, das gibt es in allen Kulturen, das ist nicht nur rein christlich, erklärt Tobias Tiltscher vom Dekanat der Katholischen Kirche in Karlsruhe. "Beim Fasten geht es darum, auch mal die alten Gewohnheiten zu durchbrechen und mal auf sich selbst aufmerksam zu sein", so Tiltscher weiter.

Und dafür biete sich die sechswöchige Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag an. "Das ist ein überschaubarer Zeitraum, denn man sieht ein Ziel und das macht es etwas erträglicher!" Er lacht und ich auch - noch. Denn ich mache mit: 40 Tage keine Chips, Schokolade, Gummibärchen oder anderer Süßkram, was das (Arbeits-)Leben angenehmer macht. 

Österliche Bußezeit oder Passionszeit - Fastenzeit hat viele Namen

Doch beim Fasten, wie man es im kirchlichen Sinn versteht, geht es nicht allein um den Verzicht. "Es ist die christliche Vorbereitung auf Ostern", sagt Tiltscher. "In der österlichen Bußezeit geht es darum, besser zu leben, sich selbst zu bessern. Darauf arbeitet man in den Wochen hin!" Thomas Schalla, der Dekan der Evangelischen Kirche, nickt bestätigend. Ostersonntag ist der Tag der Auferstehung Jesu Christi, ein Freudentag und somit das Ende der Passionszeit, der Zeit des Leidens.

Aber warum 40 Tage? "Das ist eine symbolträchtige Zahl in der Bibel", erklären mir die beiden Kirchenvertreter. Der Auszug aus Ägypten: 40 Jahre wanderten die Israeliten durch die Wüste. Die Sintflut: 40 Tage und 40 Nächte lang ergoss sich der Regen über die Erde. Moses auf dem Berg Sinai: 40 Tage. Die Zahl 40 ist also ein Symbol für Buße, Besinnung und den Neuanfang.

Doch Fasten hat noch einen anderen Zweck: "Es ist ein Prozess der inneren Reinigung, bei dem man sich auf das konzentriert, was für einen selbst wesentlich ist", so Schalla. Also hinterfragen, was vordergründig ist. Auch er will in den kommenden sieben Wochen fasten, möchte weniger Fleisch essen. Ich merke nun, dass ich mit meinem Plan nicht alleine bin, das spornt mich an. 

Fastenzeit Gummibärchen
(Symbolbild) | Bild: pixabay.de/Hans

Gemeinschaftssinn und Gruppendynamik

Vor allem dann, wenn viele Menschen mitmachen, fällt es leichter, ist sich Tobias Tiltscher sicher. "Dann entwickelt man eine Dynamik!" "Auch bei uns in den Gemeinden treffen sich regelmäßig Fastengruppen", sagt Thomas Schalla.

Doch inwieweit hat das "moderne" Fasten, beispielsweise Autofasten, der Verzicht auf Alkohol, Fleisch oder das Handy, noch etwas mit dem Ursprungsgedanken des Fastens zu tun? Viel, heißt es von beiden Seiten. "Es ist immer noch ein Wegweiser zum Glauben, denn oft verstellt uns zum Beispiel das Handy den Blick aufs Leben", beschreibt Schalla. "Mit dem Verzicht merken wir vielleicht, welche Selbstverständlichkeiten wir haben im Leben", führt der Dekan weiter aus. Er denkt, dass es immer weiter zunimmt, der Trend zum Fasten geht. 

Surfen mit dem Smartphone
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com © Pexels

Ausbruch aus dem Alltag

In der Fastenzeit können also mit dem Verzicht auch alte Gewohnheiten durchbrochen werden. "In dem Moment, wo wir andere Dinge machen, als in unserem Alltag, hinterfragen wir unsere Routinen", erklärt Schalla die Fastenzeit. Tobias Tiltscher ergänzt: "Hin und wieder brauchen wir das, um aus dem Hamsterrad auszubrechen!" Mein persönliches Hamsterrad ist, vor allem nachmittags, der Griff zur Schokolade oder anderen Süßigkeiten.

Ob ich in den 40 Tagen von dem süßen Gift loskomme und ob ich es auch danach noch brauche? Ich freue mich darauf, das herauszufinden. "Es ist eine Erfahrung und hinterher kann jeder entscheiden, wie er nach der Fastenzeit damit umgeht", weiß Tiltscher. 40 Tage - eine ganz schöne Wegstrecke die da vor mir liegt.

"Für die Katholiken gilt aber, dass sonntags nicht ganz so streng gefastet wird, das macht es etwas erträglicher", sagt Tiltscher mit einem Augenzwinkern. Für einen kurzen Moment überlege ich, freue mich, dass ich einen "Cheatday" in der Woche habe. Aber nein, ich will das jetzt durchziehen und bis Ostern durchhalten! Tag 1, bleiben noch 39... 

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Kommentare (4)
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    (2905 Beiträge)

    14.02.2018 19:25 Uhr
    Sinnvoll
    ist Facebook- und ka-news-Fasten. grinsen
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  •   Waterman
    (6105 Beiträge)

    14.02.2018 18:41 Uhr
    Fasten
    In dem Artikel werden jede Menge Gründe genannt warum Fasten gut sei. Sich selbst finden, innere Reinigung, Vorfreude auf die Auferstehung etc. p.p. usf.

    In Wahrheit geht es um Macht. Die Religionsherren zeigen, wer Herr im Haus ist und wer glaubt, muss den Anordnungen Folge leisten, oder begeht Sünde und bratet dafür irgendwann in der Hölle.

    Essen ist ein Grundbedürfnis und wer jemand dazu bringt, dieses zu unterdrücken übt Macht über diese Person aus. Deshalb findet es sich auch in allen Religionen, weil es in allen Religionen genau darum geht.

    Man kann und sollte sich selbst beschränken, wenn man es will und liegt damit richtig. Es verschafft ein gutes Gefühl der Selbstbeherrschung und auch etwas geschafft zu haben, was man angestrebt hat.

    Aus religiösen Gründen würde ich zumindest es nie tun.
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  •   Waterman
    (6105 Beiträge)

    14.02.2018 18:28 Uhr
    Stimmt Das:
    "Tag 1, bleiben noch 39... "

    Wer nachrechnet, kommt leicht darauf, dass es 46 Tage bis Ostersonntag sind. Die gute Frau Barros sollte die fastenfreien Sonntage schon einhalten, sonst ist sie fertig und es ist immer noch kein Ostersonntag.

    Man hat die fastenfreien Tage eingeführt, um das (früher) strenge Fasten zu unterbrechen. Vielleicht haben es die Priester selbst nicht durchgehalten.

    Frau Barros hätte eben mit den Baslern nächste Woche Fastnacht feiern sollen und dann anfangen zu fasten. Dann hätte es gestimmt. Die aufrechten Basler haben damals diesen Kuhhandel mit dem Fastenunterbruch am Sonntag nicht mitgemacht. So ist er der Schweizer, 40 Tage sind 40 Tage und nicht 40+6 oder so! Deshalb feiern sie noch heute ihre eigen Fastnacht eine Woche später.
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  •   andip
    (8948 Beiträge)

    14.02.2018 15:39 Uhr
    Na ja
    Der eigentliche Sinn des Fastens war ursprünglich, das man mit seinen Wintervorräten haushalten sollte, damit man nicht plötzlich gar nichts mehr hatte, bevor was Frisches auf den Markt kam.
    Die Kirche hat das dann entsprechend ummantelt, damit sich auch alle daran hielten.
    Heutzutage hat das man nicht mehr nötig.
    Wer heute auf irgendwas verzichten will, kann das gerne tun. Aber eine religiöse/esoterische Begründung braucht es dazu eigentlich nicht und eigentlich auch keine besondere Jahreszeit, das könnte man eigentlich immer machen, wann man will.
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