Es ist Freitagnachmittag, gegen 15 Uhr, als Vogelbräu-Inhaber Rudi Vogel eine verstörende Nachricht von einem Gast erhält. "Macht ihr etwa zu?", wird er gefragt. Der Gastronom ist verwirrt und entdeckt kurz darauf im Internet den Artikel auf "ka-insider.de", welches sich selbst als "Stadtmagazin für Karlsruhe und die Region" betitelt. 

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"Das ist absolut rufschädigend"

Dass Vogel aufgrund der Corona-Pandemie - wie jeder andere Gastronom vermutlich auch - mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, will er gar nicht mal negieren. So hatte der Gastronom und Braumeister wegen Personalmangels beschlossen, seinen Betrieb jeweils montags zu schließen. Das wurde über entsprechende Schilder an den Filialen deutlichgemacht. Von einer endgültigen  Schließung sei nie die Rede gewesen. Im Gegenteil:  Am kommenden Dienstag, 12. Oktober, soll der Betrieb in allen Häusern wie gewohnt wieder aufgenommen werden. 

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Bild: Screenshot@ka-insider.de

"Ich wollte damit einfach meine Mitarbeiter vor Überlastung schützen", erläutert Vogel gegenüber ka-news.de. "Das hat uns auch mal gutgetan, einfach mal durchzuatmen. Mit finanziellen Engpässen hatte das überhaupt nichts zu tun."

Umso erstaunlicher findet er es, dass die Seite "ka-insider.de" nun behauptet, dass der Vogelbräu-Inhaber "nicht mehr ein noch aus" wüsste, dem Personal die "die Arbeit über den Kopf wachse" und seine drei Gasthäuser "ab dem 11. Oktober endgültig schließen" würden. Das Gegenteil ist der Fall: nach dem 11. Oktober  sei wieder jeden Tag in der Woche geöffnet. Der Clou: Laut Vogel habe ihn der Schreiber weder für ein Interview kontaktiert, noch sei die Redaktion nach Erscheinen des Artikels telefonisch erreichbar gewesen.

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Karlsruher Vogelbräu (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

"Nur weil da einer schlecht und falsch recherchiert hat, muss ich vielleicht damit rechnen, dass mir dann ab Dienstag die Gäste wegbleiben", ärgert sich Vogel, "das ist absolut rufschädigend."

Aber was gedenkt Vogel nun zu tun? "Ich bin gerade dabei eine E-Mail an das Unternehmen zu schicken, wenn die das nicht umgehend rausnehmen, werde ich juristisch dagegen vorgehen. Wäre das am Montag passiert, wäre ich direkt zum Anwalt gegangen."

Glück im Unglück für Vogel: Selbst die Leser der Meldung des selbst ernannten Insiders zweifeln offenbar den Wahrheitsgehalt der Meldung an. Bei Facebook gibt es unter dem Post zur Nachricht derzeit drei Kommentare, die allesamt auf deren Unrichtigkeit verweisen.

Aktualisierung 16:40 Uhr:

Kurz nach Erscheinen der ka-news-Meldung hat "ka-insider.de" sowohl den Facebook-Post als auch die dazugehörige Meldung kommentarlos entfernt.

Aktualisierung Montag, 11. Oktober 2021, 10 Uhr:

Die Redaktion von "ka-insider.de" hat sich inzwischen bei Rudi Vogel gemeldet und sich für den Artikel entschuldigt, wie uns der Brauereichef mitteilt. ka-insider hat außerdem am vergangenen Samstag eine Richtigstellung veröffentlicht.