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Karlsruhe Stockender Ausbau in Karlsruhe: Wie sieht das "Radnetz der Zukunft" aus?

Auf dem Sattel durch Karlsruhe - das ist an vielen Stellen nicht so leicht. Auf dem beengten Verkehrsraum kommen sich die Radler oft mit Autofahrern oder Fußgängern in die Quere. Spezielle Radrouten sollen dieses Problem umgehen und Radlern gleichzeitig den schnellsten Weg durch die Stadt zeigen. Doch der Ausbau der Radrouten stockt - wie geht es mit dem Radnetz in Karlsruhe weiter?

Viele Fahrradfahrer - dafür ist Karlsruhe über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Seit 2005 hat die Stadt es geschafft, den Anteil der Radfahrer im Straßenverkehr von 16 auf 33 Prozent zu verdoppeln.

Dem Zuwachs der Radfahrer muss auch das Radnetz standhalten: Ein dichtes Geflecht aus Haupt- und Nebenrouten in Karlsruhe soll entstehen. Um festzulegen, wie dieses "Radnetz der Zukunft" konkret aussehen wird, wurde ein Zielnetzplan erstellt. Bis heute sind viele der Strecken jedoch noch nicht in die Realität umgesetzt.

So sieht das Karlsruher "Radnetz der Zukunft" aus:

So soll das Radnetz in Karlsruhe künftig aussehen. | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Im Vergleich zu anderen Städten schneidet Karlsruhe mit seinem Engagement für Radfahrer dennoch gut ab: Im vergangenen Jahr hat die Stadt im großen Städtetest des Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) das erste Treppchen ergattert und wurde zur "fahrradfreundlichsten Stadt" ihrer Größenordnung gekürt. 

Kritik: Trotz Spitzenrang nur Note "3"

Obwohl die Stadt besser als ihre Mitstreiter abschnitt, erreichte sie aber nur die Bewertung 'befriedigend'.  "Die Note 3,15 ist keine besonders gute und die Bewertung kein Lob für Karlsruhe, sondern ein besorgniserregender Misserfolg für die anderen Städte", so die Umweltschutzbewegung Fridays For Future, die sich Ende Mai mit einer Fahrraddemo für den Ausbau der Radwege stark gemacht hatte. 

Ob Spitzenrang oder schlechte Note: Wichtig für die unzähligen Radler in Karlsruhe ist der Status quo. Wie führt der Weg auf dem Sattel schnell und unfallfrei durch die Stadt? Welche verschiedenen Radwege gibt es in und um Karlsruhe? Und an welchen Stellen wird das Radnetz in den kommenden Jahren ausgebaut?

1. City-Routen: Sicher durch die turbulente Innenstadt 

Mitten in der Karlsruher Innenstadt ist das Radfahren kein Vergnügen. Auf der zentralen Kaiserstraße ist der Verkehrsraum knapp, Bahnen fahren dicht an dicht durch die Fußgängerzone und Passanten wechseln von einer Straßenseite auf die andere. Aus diesem Grund gibt es für Radler die beiden Cityrouten Nord und Süd. Sie sollen die Fahrradfahrer abseits des Getümmels von einer Seite der Innenstadt auf die andere führen. 

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Damit Radler die beiden Strecken finden, sind sie besonders gekennzeichnet: Grüne Fahrräder sind entlang der Strecken auf dem Asphalt zu entdecken. "Die Piktogramme auf dem Boden zu Kennzeichnung der Cityrouten sind eine Ausnahme", sagt Ulrich Wagner, Bereichsleiter Verkehr des Stadtplanungsamtes.

"Wir wollten den Streckenverlauf noch deutlicher hervorheben." Zusätzlich zu den rund 200 Bildern auf dem Asphalt weisen so Schilder an Laternen- und Straßenmasten den Radlern den Weg. 

Eröffnung der neuen Cityroute-Nord
Die Cityrouten Nord und Süd leiten Radler durch die Karlsruher Innenstadt. | Bild: unb, ka-news, ka-news

Auch der Karlsruher Stadtteil Durlach hat seit Oktober 2019 eine eigene Cityroute. Eine Pflicht, die Strecken zu fahren, gibt es allerdings nicht. Sie sind lediglich als Empfehlung der Stadt zu verstehen, um die Verkehrsströme möglichst gut zu leiten. 

2. In die Wohngebiete: 20 Stadtteilrouten entstehen

Bereits im Jahr 2005 wurde beschlossen: 20 Routen sollen aus der Karlsruher Innenstadt in die einzelnen Stadtteile führen. Ursprünglich war das Zeil, jedes Jahr zwei der Strecken fertigzustellen. Doch davon hat die Stadt ablassen müssen.

"An den Stadtteilrouten bauen wir stattdessen flächendeckend", sagt Ulrich Wagner vom Stadtplanungsamt. Oft würden auf den Strecken nur einzelne Lückenschlüsse oder Kreuzungsbereiche fehlen. Das bedeute nicht, dass die Routen noch nicht befahrbar sind: "Wir heben lediglich den Standard nach und nach an."

Ulrich Wagner, Bereichsleiter Verkehr Stadtplanungsamt. | Bild: Ulrich Wagner

Von den 20 geplanten Routen sind 13 vorhanden - zum größten Teil aber nur abschnittsweise. Zuletzt wurde ein neu fertiggestelltes Stück der Route in Richtung Hagsfeld ausgebaut. 

Auf die Frage, wann alle Karlsruher Radrouten fertig sein werden, konnte die Stadt zum Jahresbeginn noch keine genaue Antwort geben. Es müssten an vielen Stellen noch Kompromisse zwischen dem Radnetz auf der einen und Naturschutz oder Autoverkehr auf der anderen Seite gefunden werden. 

3. Ins Umland: Zwei Schnellradrouten geplant

Ein Highway für Fahrradfahrer: Das sind die sogenannten Schnellradrouten. Sie sollen Städte miteinander verbinden und getreu ihrem Namen ein Radeln mit hoher Geschwindigkeit und ohne Unterbrechung ermöglichen - auch im Hinblick auf Pedelecs und E-Bikes. Das Land Baden-Württemberg hat beschlossen, bis 2025 zehn dieser Strecken umzusetzen.

Der Vorteil der Routen: Das Land übernimmt einen Teil der Baulast und der Planungskosten. Läuft die Route auf städtischem Gebiet, müssen sich allerdings auch die Kommunen am Ausbau beteiligen. 

Damit die Strecken das Potential zu Schnellradwegen haben, müssen sie besondere Kriterien erfüllen. Mindestens 2.000 Fahrradfahrer am Tag, wenig Steigung und eine Breite von drei oder vier Metern sind die Voraussetzung. Darüber hinaus muss die Gesamtstrecke mehr als fünf Kilometer betragen. 

Konkret sind im Raum Karlsruhe aktuell zwei solcher Schnellradverbindungen in der Planung: Eine Strecke soll von Karlsruhe nach Ettlingen führen, eine zweite von Karlsruhe nach Rastatt. Diese beiden Verbindungen haben in einer Studie des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein das größte Potential gezeigt. Auch eine rund 26 Kilometer lange Ringroute rund um die Fächerstadt war in der Überlegung

4. Entstehen in Karlsruhe reine Fahrradstraßen?

Neben Radspuren am Straßenrad sind immer wieder reine Fahrradstraßen in der Diskussion, die für den Autoverkehr komplett gesperrt sind. Doch die Umsetzung ist nicht so einfach, denn in nahezu jeder Straße müssen Anwohner oder Händler die Gebäude mit dem Auto erreichen.

"Reine Fahrradstraßen wären nur dort möglich, wo keine Erschließung erforderlich ist", teilt die Stadt Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de mit. Mit einem kompletten Verbot des Autoverkehres würden beispielsweise Einkäufe unmöglich gemacht werden. 

Sperrung für den Kfz-Verkehr in Karlsruhe. | Bild: rmv

Ein weiteres Problem ist, dass mit jedem Durchfahrtsverbot der Verkehr nicht einfach verschwindet, sondern auf andere Straßen verlagert wird. "Man muss immer im Blick behalten: Jede Sperrung sorgt an einem anderen Ort für mehr Verkehr", sagt Ulrich Wagner, Bereichsleiter Verkehr vom Stadtplanungsamt. 

Um den Radverkehr zu stärken wird deshalb mehr auf die geltenden Verkehrsregeln gepocht. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Cityroute Nord, die durch den Karlsruher Zirkel verläuft. Da die Autofahrer in der Vergangenheit das Gebot "Anlieger frei" missachtet und die Straße als Abkürzung genutzt hatten, wurden kurzerhand nach halber Strecke eine Barriere errichtet. Nur für Fußgänger und Radler heißt es hier: Freie Fahrt. 

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Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

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  •   Robert1959
    (2018 Beiträge)

    16.06.2020 08:37 Uhr
    Da kommt nicht wirklich viel dabei heraus!
    Karlsruhe-Ettlingen und Karlsruhe-Rastatt haben schon Radwege, ansonsten gibt es auch wenig Verbesserung, die Fahrradwege sind Kurzzeitparkplätze, und auf der Fahrradstr fahren nach wie vor Autos!
    Aus meiner Sicht wären breitere Radwege auf Steigungen schon wünschenswert! Aber die Realität sieht anders aus, das sieht man immer wieder bei Regenwetter, dort wo die Straßenspur verkleinert wurden, dort stehen die Laub bedeckten Dohlen, daneben gibt es noch Unebenheiten, wo das Wasser steht und im Winter wird nicht der Radweg vom Schnee befreit, sondern mit Schnee versorgt!
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  •   schmiedel
    (36 Beiträge)

    15.06.2020 17:40 Uhr
    ...zusammen ist nicht immer gut...
    Ich fühle mich mit dem Fahrrad schon eher wohl, wenn ich auf der Straße bei den Autos fahre. Aber das liegt auch daran, dass ich selten mit <25kmh unterwegs bin. Da ist man in 30er Zonen eigentlich kein Hindernis für andere Verkehrsteilnehmer (gut, doch für die Schlauen, die mit 50 durch die 30er Zone rasen müssen). Allerdings finde ich es dann doch lästig, wenn ich an unübersichtlichen Straßen in 30er Zone mit dem Auto 10kmh fahrende Radfahrer nicht überholen darf, weil die 1,5m nicht einzuhalten sind. Für die Leute ist ein "Radfahrer Frei" Zusatzschild oder ein Radweg an einer Alternativstraße dann doch ein Vorteil.
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  •   schmiedel
    (36 Beiträge)

    15.06.2020 17:42 Uhr
    ...dieses Kommentar....
    war eigentlich als Antwort auf das Kommentar von Propagandahilfskraft gedacht. Ich werde wohl auf den falschen Knopf gedrückt haben...
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  •   mikado46
    (192 Beiträge)

    15.06.2020 15:06 Uhr
    ....auf die geltenden Verkehrsregeln gepocht.
    Soll das etwa heissen, dass die totale Narrenfreiheit für Radfahrer ein Ende hat ?
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  •   Freigeist1
    (1224 Beiträge)

    15.06.2020 15:37 Uhr
    Nee. Ich glaube, es sind
    vor allem die 1000fachen Verstöße von Autofahrern gemeint. Dringend näher hingeschaut sollte dort die Gefahren am größten sind, also z.B.
    - Autofahrer, die beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt der Radfahrer mißachten
    - Autofahrer, die die Abstände beim Überholen nicht einhalten.
    - Autofahrer, die bei "orangerot" über Ampeln preschen ohne Rücksicht auf Verluste.
    - Autofahrer, die Durchfahrtsverbote mißachten, z.B. Fußgängerzone Erbprinzenstraße.
    Bisher kann der Autofahrer, der die Blitzerstellen kennt, in KA weitestgehend unbehelligt sämtliche Regeln brechen, so lange es nicht tatsächlich kracht (meist halten die Opfer vorbeugend an oder weichen aus...).
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  •   mikado46
    (192 Beiträge)

    16.06.2020 00:37 Uhr
    Ich würde es mir...
    problemlos zutrauen, einen ganzen Tag als Fahrradfahrer bei "Rot" über die Ampel zu fahren.
    Entgegen der Fahrtrichtung zu fahren.
    Auf den Gehrweg zu fahren.
    Ohne Licht bei Dunkelheit fahren.
    Freihändig zu fahren, usw.
    Im schlimmsten Fall, hätte ich mit einer milden Verwarnung zu rechnen.
    Als Autofahrer hätte ich wohl den "Lappen" weg.
    Bei den ca. 3500 jährlichen Verkehrstoten, ist der Anteil der Radfahrer mit ca.500 Toten
    nicht unerheblich.
    Die Frage ist auch zweitrangig, wer wieviele Unfälle verursacht hat. Tod ist Tod.
    Warum gibt es für Radfahrer in geschlossenen Ortschaften keine Helmpflicht ?
    Und wenn schon Erwachsene kein Hirn zum schützen haben, dann sollte wenigsten
    für Kinder eine Helmpflicht bestehen.
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  •   mueck
    (11585 Beiträge)

    16.06.2020 11:31 Uhr
    !
    ... weil eine Helmpflicht das Radfahren gefährlicher macht, so die Ergebnisse aus Australien. Helmpflicht = weniger Radfahrer = man rechnet als Autofahrer nicht mehr mit ihnen = rumms, erhöhtes Risiko für die verbliebenen Radler.
    Woran erkennt man deutsche Radtouristen in den Niederlanden? Am Helm, denn die Niederländer tragen keinen, weil sie wissen, wie Radverkehr richtig funktioniert.
    Davon abgesehen ist die Schutzwirkung des bisschen Styropors minimal, reicht evtl. gerade mal bei einem Alleinunfall, wenn man wegen Fahrfehler einen Abgang macht und mit wenig Geschwindigkeit aufschlägt, für typische Krafteinwirkungen bei Unfällen mit Autos sind die Radhelme eigentlich nicht ausgelegt und wenn der 40-Tonner blind abbiegt, ist der Kopf mitsamt Helm platt wie 'ne Briefmarke ... Aufpassen und sicher radeln bringt mehr als Styropor. Wer nicht so gut selbst aufpassen kann als Senior oder Kind mag freiwillig einen tragen, helfen tut's aber nur gut, wenn man alleine purzelt ...
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  •   schmiedel
    (36 Beiträge)

    15.06.2020 17:34 Uhr
    ...und noch...
    ... Autofahrer, die den Radweg blockieren
    ... Autofahrer, die an Kreisverkehren meinen, Fahrradfahrer müssen absteigen
    ... Autofahrer, die in 30er Zone unbedingt mit 50 fahren müssen

    Ich bin schon voll dabei, dass von beiden Seiten große Verstöße kommen. Allerdings bin ich als Rad-Pendler und Wochenend-Autofahrer schon überzeugt, dass die großen Gefahren meistens von Autofahrern kommen, und seltener von Radfahrern. Schlussendlich riskiert ein Radfahrer bei Fahrlässigkeit schnell sein Leben, beim Autofahrer ist die Blechdose immerhin ein guter Schutz.
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  •   Freigeist1
    (1224 Beiträge)

    15.06.2020 21:12 Uhr
    danke. Die
    Unfallstatistik bestägt Ihre Überzeugung.
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  •   FCKSUV
    (239 Beiträge)

    15.06.2020 13:42 Uhr
    Als Radfahrer fühle ich mich wohl in KA.
    Einige Lücken dürfen gerne noch geschlossen werden, aber im großen und ganzen passt das.

    Bitte nicht immer Radfahrer und Autofahrer gegeneinander ausspielen, alle Verkehrsteilnehmer müssen miteinander auskommen. Auch in der Fahrradstraße muss man nicht auf sein Recht pochen und nebeneinander herfahren, obwohl sich hintendran der Autoverkehr staut, man darf die ruhig passieren lassen.

    Die Verantwortlichen sollten sich Gedanken machen warum der ÖPNV nicht in die Gänge kommt. zwinkern
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