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Karlsruhe ka-news.de-Leser besorgt: Sind Radfahrer auf der Ettlinger Allee "Freiwild" für Autos? - Wir machen den Selbsttest

Mit dem Auto oder dem Fahrrad mal eben schnell nach Rüppurr. Wer von der Südtangente oder aus Richtung Südstadt kommt, dürfte dafür oftmals die Ettlinger Allee nutzen. Doch die vielbefahrene Straße hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof soll ein hohes Sicherheitsrisiko mit sich bringen - zumindest ist dies die Meinung eines ka-news.de Lesers, der sich schriftlich an uns wandte. Erst kürzlich kam es dort zu einem Unfall, bei dem eine 78-jährige Radfahrerin lebensgefährlich verletzt wurde. Aber ist die Straße wirklich so gefährlich? Um das zu klären, hat sich ka-news.de einmal selbst auf den Sattel geschwungen und die Strecke abgefahren.

Radfahren gehört in Karlsruhe einfach dazu, schließlich wird seitens der Stadt auch viel dafür getan. Zum Beispiel der Ausbau von Radwegen an viel befahrenen Straßen. Dass dies nicht ungefährlich ist, beweisen die zahlreichen Unfälle die sich zwischen Zwei und Vierrädern regelmäßig ereignen. Die häufigste Ursache: Nicht angepasste Geschwindigkeit. Zumeist haben dabei die Radfahrer das Nachsehen. 

Bei der Abbiegung in Richtung "Wolfartsweier/Durlach Aue" steht ein Fahrrad angekettet an einem Straßenschild. | Bild: Verena Müller-Witt

Für viele Bürger ein Grund mehr, sich Sorgen zu machen. Vor allem wenn bekannte Strecken zum "Tatort" werden. So zuletzt am vergangenen Wochenende, als ein Autofahrer beim Abbiegen in Richtung Durlach eine Radfahrerin übersah und mit dieser kollidierte. Die Frau wurde hierbei lebensgefährlich verletzt.

"Es war nur eine Frage der Zeit"

Ein besorgter Bürger, der nur "hgh" genannt werden möchte, wendet sich über den ka-Reporter direkt an die Redaktion. Dass es an der Anschlussstelle zwischen Südtangente und Ettlinger Allee gekracht habe, sei seiner Ansicht nach nur eine Frage der Zeit gewesen. "Es war an dieser Stelle vermutlich nicht der erste Unfall dieser Art, und es wird - leider - mit einiger Sicherheit nicht der Letzte gewesen sein", so der Karlsruher.

Straßenkreuz B10 Südtangente, Ettlinger Allee
Straßenkreuz B10 Südtangente, Ettlinger Allee | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Schuld an der Misere seien seiner Meinung nach die Autofahrer, die die Anschlussstelle mit Schildern, rotem Belag und gelbem Warnblinklicht angezeigten Fahrradspuren "ignorieren und damit die Radfahrer zum Freiwild" machen.

"Radfahrende, die regelmäßig auf dieser vielbefahrenen Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und Rüppurr unterwegs sind, kennen diese Gefahrenstellen seit Langem. Insbesondere die nicht 'Vorgewarnten' haben hier beste Chancen, zum Unfallopfer zu werden", so hgh weiter. Deswegen, so der ka-Reporter, sollten vor Ort mehr Polizeikontrollen durchgeführt werden. 

ka-news.de macht den Selbsttest

Klar, mit dieser Nachricht ist die Redaktion "vorgewarnt". Dennoch wollen wir die Strecke einmal selbst abfahren, um uns selbst ein Bild von der Lage zu machen. Gestartet wird am Dienstag, 26. Oktober gegen 13 Uhr. Von der Redaktion in der Oststadt, über die Stuttgarter Straße geht es weiter in Richtung Südseite des Karlsruher Hauptbahnhofs. Hier biegt die Ettlinger Allee links in Richtung Rüppurr ab.

Die Ettlinger Allee, Blick von der Ettlinger Straße. | Bild: Verena Müller-Witt

Doch bereits auf der Fautenbruchstraße und der Ettlinger Straße fällt auf: Durch die Baustelle, die das Radfahren auf der rechten Seite unmöglich macht, kann die Ettlinger Allee nur erreicht werden, wenn auf der linken Seite gefahren wird oder eben auf der Straße. Nach meinem subjektiven Empfinden nicht ganz ungefährlich.

Ist die Allee erstmal erreicht, kann es auch schon losgehen. Ich fahre bis zur "Dammerstock" Haltestelle, wende dort an der Ampel und fahre in entgegengesetzter Richtung wieder zurück.

Nicht unbedingt sofort erkennbar? Manche Übergänge werden möglichweise nicht sofort von den Autofahrern wahrgenommen. | Bild: Verena Müller-Witt

Fazit: Dass auf der Strecke von Rad und Autofahrern äußerste Vorsicht gelten sollte, wird schon durch die Straßenschilder, die blinkenden Lichtsignale und rote Radüberführungen deutlich.

Abfahrten sind verwinkelt

Doch obwohl zum Zeitpunkt meiner "Radtour" nicht viel Verkehr herrscht, fällt mir auf, dass die Radübergänge meist nicht über die Ab- beziehungsweise Einfahrten angelegt wurden, sondern etwas verwinkelt. Dass hier mal ein Radfahrer übersehen wird, kann ich mir gut vorstellen - egal, ob durch unangepasste Geschwindigkeit oder wegen des toten Winkels.

An der Ausfahrt in Richtung Durlach und Wolfartsweier steht sogar noch ein abgeschlossenes Fahrrad an einem Straßenschild. Ich überstehe meinen Ausflug jedenfalls ohne Zwischenfälle. Aber wie gefährlich ist die Strecke nach Ansicht der Polizei?

Birgt die Ettlinger Allee ein erhöhtes Gefahrenpotential?

Laut dem Polizeipräsidium Karlsruhe sind seit dem Jahr 2019 insgesamt 15 Unfällen zwischen Rad- und Autofahrern an oder auf der Ettlinger Allee verzeichnet worden. In zwölf Fällen wurden leichte Verletzungen und in drei Fällens schwere Verletzungen registriert. 

Schilder und Lichtsignale weisen auf die Übergänge hin. | Bild: Verena Müller-Witt

Neun dieser Unfälle sollen sich aufgrund der Missachtung der Vorfahrt ereignet haben. Davon gehen sechs Stück auf das Konto der Autofahrer und zwei nachweislich auf das Konto der Fahrradfahrer.  Bei den übrigen gibt die Polizei unter anderem "nicht angepasste Geschwindigkeit" oder "beim Linkseinbiegen übersehen" als Unfallgründe an.

Dass die Ettlinger Allee damit eine Straße mit hohem Gefahrenpotential sei, wird damit jedoch nicht belegt. Aber: Eine Reduzierung der Unfälle könnte eventuell durch bestimmte Maßnahmen vorgenommen werden.

"Lediglich die Vorfahrtsfälle könnten vielleicht mit einer baulichen Entschärfung, einer Ampel oder Ähnlichem, entschärft werden", argumentiert die Karlsruher Polizei gegenüber ka-news.de. Ob so ein Vorhaben jedoch in Zukunft umgesetzt werden soll, bleibt unklar. 

 

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Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

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Kommentare (98)
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  •   BMWFahrer
    (825 Beiträge)

    01.11.2021 14:22 Uhr
    "besorgte Bürger"
    kümmern sich neuerdings um die Sorgen der Radfahrer? Was ist passiert?
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  •   FinnMcCool
    (601 Beiträge)

    31.10.2021 20:17 Uhr
    War der Test durchdacht?
    Wenn ich lese, dass der Test um 13 Uhr begonnen hat - aber sonst keine weitere Angaben gemacht wurden, da frage ich mich wie "sinnvoll" der Test ist.
    Warum nicht zur Hoch-Verkehrszeit (um nicht Rush-Hour zu schreiben) machen? Wenn die Leute schnell zur Arbeit oder nach Hause wollen? Denn ich denke gerade da geschehen eher die gefhrlichen Situationen.
    Solche Ein- und Ausfahrten sind immer Gefahrenpunkte. Genau die Durlacher Allee bei den Anshclussstellen für die A5. Wenn ich da als Autofahrer untewegs bin vergewissere ich mich immer mehrfach, dass wirklich kein Radler da ist. Doch für die Ortsunkundigen stellt dies eine Herausforderung dar.
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  •   BMWFahrer
    (825 Beiträge)

    01.11.2021 18:30 Uhr
    Wer hat den Test durchgeführt?
    Zitat von FinnMcCool War der Test durchdacht?

    Frage beantwortet?
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  •   Wilde13
    (79 Beiträge)

    31.10.2021 12:38 Uhr
    Bisher hatte ich Glück
    Ja, an genau dieser Stelle hatte ich schon einige Fast-Unfälle. Inzwischen fahre ich da nicht mehr, weil ich Angst habe.

    Eine grellgelbe Jacke und doppelte Beleuchtung haben nichts geholfen.

    Einmal hat sogar eine Autofahrerin einen DHL-LKW, der dort hielt, um mich - vom Hauptbahnhof kommend - vorbei zu lassen, auf dieser einspurigen (!) Zufahrt überholt. Ich hab sie erst gesehen, als sie hinter dem LKW hervorschoss. Wir beide haben voll gebremst und es ist nichts passiert.

    Wenn Karlsruhe eine Fahrradstadt werden möchte, dann bitte diese Stelle entschärfen. 4 Bettelampeln für Radfahrer wären keine Lösung. Bettelampel, STOP-Schild oder Schranke für Autos, rechtwinklige Abbiegung, Schwellen und Tempo 30 schon eher.
    Ich träume mal:
    [Anf.]
    Anschlussstelle ganz sperren
    Ettlinger Straße, Ettlinger Allee + Herrenalber Allee zum Radschnellweg ausbauen, viel Platz für Fußgänger einplanen, viel grün und Platz für Kinder.
    [Ende]

    Für Autos gibt es hier mehr als genug Straßen
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  •   Günter
    (2 Beiträge)

    30.10.2021 21:03 Uhr
    Was ist mit den Fußgängern?
    Radfahrer halten nie an Zebrastreifen
    Radfahrer fahren immer über Rot
    Radfahrer fahren in der Fußgängerzone
    Radfahrer steigen nie ab....
    Radfahrer wollen Respekt von den Autofahrern aber haben selber keinen Respekt vor niemanden, weder Autofahrern noch vor Fußgängern...

    Die haben zuviel Narrenfreiheiten!
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  •   mkalle
    (107 Beiträge)

    31.10.2021 15:50 Uhr
    Der Narr hier ist jemand anderer
    Die Gefährdung anderer durch Radfahrer ist verschwindend gering, nicht nur im Vergleich zu Autos. Radfahrer erzeugen keine Abgase, keinen Feinstaub (so gut wie nix), machen keinen Lärm, und wie gesagt fahren niemanden tot, nirgendwo auf der Welt. Radfahrer in der Stadt erhöhen die Lebensqualität für alle.
    Dennoch müssen sich Radfahrende ihre wenigen Prozent Platz auf der Straße erkämpfen, werden von Autos viel zu oft bedrängelt, zu dicht überholt und gefährdet.
    Die Verkehrsfläche in Deutschland ist zu 60% dem fahrenden Auto vorbehalten, zu 18% dem stehenden Auto, und nur zu 3% dem Radverkehr.
    Und oft ist es für Radfahrer sicherer eine Straße dann zu überqueren, wenn halt nix kommt, und nicht wenn es eine Ampel signalisiert, und dann links und rechts die Autos vorbeirauschen. Was glauben sie denn, wo diese ganzen weißen Fahrräder herkommen, die im Stadtgebiet verteilt rumstehen? Ampeln gibt es nur wegen Autos, im reinen Rad- und Fußgängerverkehr werden diese nicht benötigt.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (775 Beiträge)

    31.10.2021 22:34 Uhr
    Yes!
    welch wohltuende Aufklärung und Fakten basierte Einordnung.
    Danke, bitte mehr davon.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (775 Beiträge)

    31.10.2021 18:50 Uhr
    @Günter, Ja
    "was ist mit den Fußgängern?"
    Fußgänger gehen immer über Rot
    Fußgänger laufen immer los ohne zu gucken
    Fußgänger respektieren immer den Vorrang von Autofahren, aber nie den von Radfahrern
    Fußgänger latschen immer zu 5 nebeneinander mit Hund in für Radfahrer freigegebenen Bereichen, um Radfahrer diese auszubremsen
    Fußgänger wollen Respekt von den Radfahrern aber haben selber keinen Respekt vor diesen, nur vor Autofahrern (das wird jedem Kind eingebleut), weil mehr Aua
    Die haben zuviel Narrenfreiheiten!
    grinsen grinsen grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (13035 Beiträge)

    02.11.2021 11:25 Uhr
    so und nun noch einmal das Ganze
    mit Elektroroller fahrenden Verkehrsteilnehmern (m/w/d) ...

    ...damit alle was davon haben.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (775 Beiträge)

    28.10.2021 15:13 Uhr
    Krass,
    was man an solchen Einmündungen erlegen kann:
    Autofahrerin rauscht mit Tempo 70 heran, ich vorfahrtsberechtigt auf dem Radweg, unsere Wege würden sich treffen. Sie fährt mit unverminderter Geschwindigkeit weiter und hofft wohl, dass ich bremse. Ich möchte aber eigentlich nicht freiwillig auf meine Rechte verzichten und mach es genauso. Sie bremst in letzter Sekunde, leicht quitschende Reifen, ich bremse/weiche aus, da ich doch an Leben hänge.
    Wir stehen also beide, knapp nebeneinander. Sie kurbelt die Scheibe herunter und regt sich auf, wie "unverschämt" ich doch sei, sie absichtlich bis zum Anhalten auszubremsen.
    So die Verkehrsrealität in Karlsruhe 2021, zwischen Traumtänzerei vom "sportlichen" Autofahren, Anspruchsdenken und Krankenhaus.
    Dabei hätte es ausgereicht, wenn sie Ihre Geschwindigkeit auf 40 km/h gedrosselt hätte und wir hätten beide problemlos durchrollen können.
    So weit zu denken kann man aber offenbar nicht von jedem Autofahrer (m/w/d) erwarten.
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