29  

Karlsruhe "Daumen hoch" sogar von Autofahrern: Karlsruher Pop-up-Radwege kommen gut an

Die Fächerstadt muss fahrradfreundlicher werden. Dieser Ansicht sind sechs Karlsruher Verkehrs- und Klimagruppen und haben daher in den vergangenen vier Wochen jeden Samstag auf einer mehrspurigen Straße in der Stadt einen Pop-up-Radweg eingerichtet. Nun steht der letzte Radweg in der Hans-Thoma-Straße an. Wie die Protestaktion angekommen ist und ob die Stadt künftig mehr für Radfahrer tun will - ka-news.de hat mit einem der Initiatoren gesprochen.

Die Karlsruher Ortsgruppen von Greenpeace, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), dem Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Critical Mass, Fossil Free und Fridays for Future fordern bessere Bedingungen für Fahrradfahrer in Karlsruhe. 

"Selbst von Autofahrern gab es einen 'Daumen hoch'"!

Daher mussten in den vergangenen Wochen die Autos in diesen vier vielbefahrenen und für Radler unattraktiven Straßen zurückstecken und den Fahrern von Drahteseln freie Fahrt einräumen:

  • Karlstraße
  • Fritz-Erler-Straße
  • Kaiserstraße
  • Kapellenstraße
Bild: Thomas Riedel

Am Samstag, 29. August, kommt von 11 bis 15 Uhr der letzte Pop-up-Radweg in der Hans-Thoma-Straße entlang der Staatlichen Kunsthalle und des Botanischen Gartens hinzu. "Die Aktion war bisher ein voller Erfolg, wir haben sehr positive Reaktionen von Radfahrern und sogar 'Daumen hoch' von vorbeifahrenden Autofahrern bekommen", sagt Karsten Kilian, Mit-Initiator und Mitglied von Greenpeace Karlsruhe, im Gespräch mit ka-news.de.

Positives Feedback von Karlsruher Stadträten

Mit der Aktion wollen die Gruppen auf drei Forderungen an die Stadt aufmerksam machen:

  • ein lückenloses Radstraßennetz
  • eine Priorisierung des Radverkehrs gegenüber Autos in allen Aspekten wie Flächenverteilung, Planung, finanzielle Ressourcen und Vorfahrtsregelungen inklusive Ampelschaltungen
  • die bauliche Trennung von Radwegen zu anderen Verkehrsmitteln

Auch mehrere Karlsruher Stadträte hätten sich die zurückliegenden Pop-up-Bikelanes angeschaut, so Kilian. "Bei fast allen gab es positives Feedback und Verständnis für unsere Aktion." Zum Abschluss der ebendieser wolle sogar Oberbürgermeister Frank Mentrup selbst am Samstag vorbeischauen.

In einer Pressemeldung der Karlsruher CDU-Fraktion erklärt auch Stadtrat Tilman Pfannkuch zu dem Thema: "Leider wird in der Diskussion um den Radwegenetzausbau immer wieder das Fahrrad gegen das Auto ausgespielt. Dies sehe ich kritisch. Wir benötigen ein abgestimmtes Verkehrskonzept für Karlsruhe, das alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt und bei dem besonders die Verkehrssicherheit gewährleistet ist."

Bild: Thomas Riedel

"Druck der Öffentlichkeit war nötig"

Karsten Kilian sieht darin einen ersten Schritt der Stadt, um schon vorhandene und dringende Radfahrthemen und -konzepte endlich umzusetzen. "An vielen Stellen gibt es bereits gute Ansätze, die dann aber abrupt enden. Wir brauchen ein lückenloses Radnetz, das sich wie ein Raster über die Stadt legt - und dafür war vielleicht einfach nur der Druck der Öffentlichkeit nötig", sagt er.

Gerade die Stadt hatte sich zuletzt eher zurückhaltend gegenüber der Einrichtung von Pop-up-Radwegen gegeben. In der Siemensallee wolle man die Einrichtung solcher Radstreifen prüfen. Ansonsten weist auf bereits in der Planung beziehungsweise Umsetzung befindliche Radverkehrsprojekte hin:

  • In Rheinstraße soll im September oder Oktober die überbreite Autospur reduziert und ein Radstreifen geschaffen werden.
  • In der Haid-und-Neu-Straße und der Karl-Wilhelm-Straße werden ab den Sommerferien Umbauten und Markierungen an der Radroute 15 vorgenommen.
  • In der Kriegsstraße zwischen Reinhold-Frank-Straße und Weinbrennerplatz sollen Verbesserungen für den Fußverkehr umgesetzt werden, ein Umbau mit "Radverkehrsprüfung auf Fahrbahnniveau" sei frühestens 2024 geplant.
Bild: Thomas Riedel

"Den Worten müssen nun Taten folgen"

Das sei laut Karsten Kilian aber nicht genug. Er verlangt von der Stadt, an verschiedenen Stellen Pop-up-Radwege zu errichten und dadurch Erfahrungen zu sammeln, etwa im Sinne eines Reallabors. "Es muss dauerhafte Verbesserungen geben - unsere Aktion sollte das Problem vor allem zum sichtbaren Gesprächsthema machen."

Von Seiten der Karlsruher Organisationen ist mit dem Radweg in der Hans-Thoma-Straße daher auch erst einmal Schluss, was das Thema Pop-up-Bikelanes angeht. Man wolle den Verantwortlichen nun erst einmal Gelegenheit geben, "ihren Worten Taten folgen zu lassen", so Kilian. "Aber wenn sich nichts tut, dann ist es durchaus denkbar, dass wir wieder aktiv werden."

Mehr zum Thema
Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (29)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Svantovit
    (152 Beiträge)

    30.08.2020 08:24 Uhr
    E-Bike
    Könnte einer der Gründe für den E-Bike Boom in Karlsruhe sein, denn seien wir mal ehrlich, viele Gründe gibt für ein elektrisches Rad in Karlsruhe nicht(ausgenommen die Bergdörfer).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (1051 Beiträge)

    30.08.2020 08:37 Uhr
    Doch
    .. um vielliecht schneller voran zu kommen, denn schneller ampelfreier Radverkehr ist attraktiver Radverkehr.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (1031 Beiträge)

    03.09.2020 10:03 Uhr
    Das gleiche Argument
    gilt auch für den Autoverkehr!

    Der würde viel besser fliesen, wenn nicht immer diese Radfahrer und Fußgänger dazwischen kämen. (z.K. für die, die es nicht verstanden haben: Das war jetzt Ironie)
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Denkfehler
    (198 Beiträge)

    02.09.2020 07:51 Uhr
    Um schneller....
    ....voran zu kommen, sind E-Bikes eher hinderlich. Ab 25 km/h - also da, wo "schneller" anfängt - hören die Dinger ja auf zu helfen.....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   FCKSUV
    (602 Beiträge)

    29.08.2020 17:14 Uhr
    das gibt stramme
    Waden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kommentar
    (443 Beiträge)

    29.08.2020 15:31 Uhr
    Für Design
    .. muss man auch mal Opfer bringen. Von etwas weiter weg hat diese Brücke eine schöne Form! Die steht hier klar im Vordergrund - auch wenn unten drunter kaum Gleise liegen. Und mit dem Auto kann man schließlich auch nicht drüber fahren.

    Ein bewanderbares Kunstwerk!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Denkfehler
    (198 Beiträge)

    02.09.2020 07:43 Uhr
    Die Wasserwerkbrücke....
    ....ist in jeglicher Hinsicht ein Ausweis absoluten Versagens der Planer bezüglich der "Leichtigkeit des Radverkehrs" und somit der vollmundig verkündeten Förderung des Radverkehrs.
    Steile Abrollrampe, die unten (Richtung Oberwald) mit drei(!) massiven Hindernissen auf eine noch nutzbare Durchgangsbreite von knapp 30% der tatsächlichen Fahrbahnbreite verengt wird (wofür eigentlich?).
    Die Sperrbaken sollen mit Sicherheit dem Schutz der Radfahrer dienen - damit begründet man ja jede Behinderung des Radverkehrs durch Baken, Pfosten, Bügel, Umlaufsperren, etc. auf sog. Radwegen.

    Außer "muß von weitem schön aussehen" kann dort hinsichtlich Nutzungszweck nichts im Lastenheft gestanden haben. Was die Nutzung / Gebrauchstauglichkeit für Fuß- und Radverkehr angeht, hat die Brücke eine Mängelliste, die eigentlich zum Bauverbot bzw. zum sofortigen Abriss nach Fertigstellung hätte führen müssen.
    Oder schulisch ausgedrückt: "Sechs - setzen"!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   lenzmond
    (17 Beiträge)

    02.09.2020 18:50 Uhr
    Ein Armutszeugnis
    diese Brücke. Die Planer waren auf jeden Fall keine Radfahrer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   patrickkk
    (1850 Beiträge)

    29.08.2020 10:57 Uhr
    ...
    vermutlich autokorrektur für Zündhütle?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   patrickkk
    (1850 Beiträge)

    29.08.2020 05:39 Uhr
    ...
    Weil da eh nur SUV fahrer wohnen!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.