Browserpush
4  

Karlsruhe Rollende Bälle und flitzende Räder: Bikepolo erobert Karlsruhe

3-2-1 Polo - so beginnt jedes Bikepolo-Spiel. Anders als beim Polo zu Pferd geht es hier richtig zur Sache im Kampf Mann gegen Mann, Schläger gegen Schläger, Fahrrad gegen Fahrrad. Eine vorüberziehende Trendsportart ist das Spiel, das US-amerikanische Fahrradkuriere vor rund zehn Jahren ins Leben gerufen haben, keineswegs. Seit ungefähr drei Jahren wird das Spiel nun auch in Karlsruhe gespielt.

Drei gegen drei flitzen die Karlsruher Bikepolo-Spieler über den ehemaligen Tennisplatz auf den Gelände des Sport- und Schwimmclubs Karlsruhe in der Waldstadt. Wer nicht spielt, sitzt oder steht am Spielfeldrand, mit einer Flasche Bier in der Hand und einer Kippe zwischen den Fingern und kommentiert das Geschehen auf dem Feld. Elitär geht es hier kein bisschen zu. Von Hochglanz- oder Hightech-Fahrrädern keine Spur.

"Welches Rad man nimmt, ist erstmal egal", erklärt Thomas Metz, der das Karlsruher Bikepolo mit aus der Taufe gehoben hat. "Man kann im Grunde mit jedem Rad spielen, auf dem man sich wohl fühlt." Nur scharfe Kanten sollte es keine haben, denn gelegentlich komme man auf seinem Gefährt den anderen Spielern sehr nahe. Spezielle Poloräder gebe es nicht. Die meisten Spieler fahren mit Renn- oder Kunstfahrrädern, die sie dann ihren Wünschen entsprechend "aufmotzen". Besonders die Trickräder seien für das Spiel geeignet, weil sie kürzer und wendiger seien, erläutert Metz.

Die Schläger, die die Spieler benutzen, sind Marke Eigenbau. An alte Skistöcke bringen sie ein kurzes Stück eines Hochdruckwasserrohrs aus Kunststoff an. Mit diesem führen sie den kleinen Plastikball Richtung Tor, während die Füße nicht den Boden berühren dürfen. Zählbare Tore dürfen nur mit der Kopfseite des Schlägers geschossen werden. Berührt ein Spieler doch einmal den Boden mit den Füßen, muss er zum Spielfeldrand auf Höhe der Mittellinie die Bande abschlagen, bevor er wieder in die Partie eingreifen darf.

Weniger Konfrontation im Training als beim Turnier

Schaut man den Spielern auf ihren Drahteseln zu, die nur eine Bremse am Lenker und keine Gangschaltug haben, wie sie dem kleinen Plastikball hinterher jagen, kann man die Verbindung zum elitären Polo nur schwer erkennen. In der Tat hat Bikepolo weitmehr mit Hockey gemeinsam. Die Gemeinsamkeit zum Polo ergibt sich lediglich aus der Tatsache, dass die Spieler beider Sportarten auf einem sich bewegenden Objekt sitzen und mit einem ähnlichen Schläger gegen einen kleinen Ball schlagen.

In der Regel wird solange gespielt, bis eine Mannschaft fünf Tore erzielt hat. Da das gelegentlich recht lange dauert, spielen die Karlsruher während der zwei Trainingstage pro Woche nur zehn Minuten pro Spiel. Was erlaubt ist, wenn Spieler auf ihrem Rad auf Konfrontationskurs mit dem Gegner gehen, schreiben die Regeln international klar fest. Im Training spiele man allerdings weniger hart, als auf einem Turnier, räumt Metz ein. Dort wird zudem mit festen Mannschaften gespielt. Im Training ist die Teamwahl weitaus spontaner.

Großteil der Spieler ist zwischen 25 und 30 Jahre

Wer spielen will, legt seinen Schläger auf den Platz. Die Schläger werden aufgesammelt und drei auf jede Spielhälfte geworfen. Daraus ergeben sich dann zufällig zusammengewürfelte Mannschaften. Spielen wollen heute mehr als sonst, sagt Oliver Witzemann, ebenfalls passionierter Polospieler. "Das liegt wohl am guten Wetter." Denn darauf ist die Outdoor-Sportart angewiesen. "Wenn es trocken ist, kann man auch im Winter spielen", erklärt er. Schnee sei sehr ungünstig.

Ernsthafte Unfälle und Verletzungen seien bisher kaum passiert, versichert Thomas Metz. Das liege in erster Linie daran, dass die Polospieler mittlerweile auf einem hohen Niveau spielen. Das war natürlich nicht immer so. "Als wir angefangen haben, sind wir die ganze Zeit ineinander reingefahren", erinnert sich Witzemann. Stuttgarter Polobiker haben den Sport in die Fächerstadt gebracht. "Wir sind damals ins kalte Wasser gesprungen", erzählt er. "Wir haben uns aufs Rad gesetzt, Schläger in die Hand und losgespielt."

Geselligkeit spielt sehr große Rolle

Ein vorüberziehender Trend ist Bikepolo aus Sicht seiner Spieler keinesfalls. Davon sind auch die Karlsruher überzeugt. Für sie ist die Sportart zugleich die Lebenseinstellung eines besonderen Menschenschlags, der rund um den Erdball auf Gleichgesinnte trifft. "Bikepolo ist Familie", stellt Thomas Metz fest. Egal wohin man kommt, "man hat immer einen Platz zum Schlafen und jemand, der einem die Stadt zeigt."

Dass die Übung auch beim Bikepolo den Meister macht, haben die Karlsruher bereits auf verschiedenen Meisterschaften im In- und Ausland gezeigt. Eine Liga mit regelmäßigen Spielen gibt es in Deutschland noch keine. Vielmehr verabreden sich die Bikepolo-Spieler über Foren im Internet zum Kräftemessen auf dem Zweirad. Seit 2009 gibt es neben nordamerikanischen und Europameisterschaftenauch eine jährliche Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr im September in Seattle stattfindet - natürlich mit Karlsruher Beteiligung.

Spezielle Räder für das Bikepolo bietet der Markt zwar noch nicht. Doch schon jetzt besteht die Möglichkeit, sich ein individuelles Fahrrad zusammenschrauben zu lassen. Eine Durlacher Firma baut aus Einzelteilen Räder nach Wunsch. Mehr dazu lesen Sie in den kommenden Wochen im ka-news-Fahrrad-Spezial.

Mehr zum Thema
Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (4)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5582 Beiträge)

    23.08.2011 09:26 Uhr
    dafür
    könnten wir doch auch mal die innensatdt sperren, damit sie in ruhe spielen können! grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3882 Beiträge)

    23.08.2011 05:54 Uhr
    Nordic-Biking
    mit Stöcken...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   joka
    (9833 Beiträge)

    22.08.2011 17:44 Uhr
    Als ob wir...
    in Karlsruhe nicht schon genug Zweiräder hätten. Bikepolo? Was kommt als nächstes? Bikegolf? Außedem ist zeitgleiches Radeln gefährlich. Guckst du hier.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    23.08.2011 00:07 Uhr
    Bikegolf,
    mal mir hier nicht den Teufel an die Wand!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen