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Karlsruhe Mehr Radunfälle, weniger Schwerverletzte: Wie Karlsruhe noch fahrradfreundlicher werden möchte

Karlsruhe ist die "Fahrradhauptstadt" - das zeigt unter anderem der Fahrradklimatest des ADFC. Damit das so bleibt, wird der Radverkehr stetig weiterentwickelt. Ein wichtiger Akteur ist dabei das Expertemgremium "Radlerforum". Dort wurde analysiert, wo es in der Stadt am häufigsten zu Radunfällen kommt - und neue Ideen für eine fahrradfreundliche Stadt vorgestellt.

Wer aus anderen Städten nach Karlsruhe kommt, dem fällt vor allem eines auf: An vielen Stellen in der Stadt wimmelt es nur so von Fahrradfahrern. Und das kommt nicht von ungefähr: Laut Fahrradklimatest des ADFC ist Karlsruhe, verglichen mit ähnlich großen Städten, die fahrradfreundlichste Stadt in Deutschland. 

In der Kaiserallee wurde heute eine neue Fahrradstraße ausgewiesen. | Bild: Julia Wessinger

Dass in der Fächerstadt das Radfahren groß geschrieben wird, daran ist ein Gremium besonders beteiligt - das "Radlerforum". Es ist ein Expertengremium, das seit Mitte der 90er-Jahre die "Fahrradstadt" weiterentwickelt. Von Gemeinderäten über den ADFC bis hin zur Polizei sind viele verschiedene Akteure mit an Bord. Am 11. Oktober ist es zum letzten Mal zusammengetreten. Welche neuen Ideen gibt es für die Radler in Karlsruhe?

Mehr Radunfälle - weniger Schwerverletzte

Um Verbesserungen anzustoßen, muss immer auch der Stand der Dinge reflektiert werden. Deshalb ist die Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Karlsruhe "Standardthema im Radlerforum", so die Stadt in einer Pressemeldung.

Eröffnung Radroute 15 Innenstadt nach Hagsfeld
Radfahrer sind in Karlsruhe wichtige Verkehrsteilnehmer: Die Stadt hat beim Fahrradklimatest gut abgeschnitten. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Die Bilanz der Polizei: 2018 gab es 588 Fahrradunfälle mit Personenschaden, seit 2010 stieg die Kurve stetig an. Dabei zeige die Statistik bei den Schwerverletzten eine rückläufige Tendenz, so Joachim Zwirner, Leiter des Referats Verkehr beim Polizeipräsidium Karlsruhe.

Wo in der Stadt passieren die meisten Radunfälle?

Nach oben gehen jedoch die Zahlen bei den Leichtverletzten. 287 Unfälle - und damit rund 50 Prozent der Rad-Unfälle - ereigneten sich an sogenannten Unfallhäufungsstellen. Das sind Stellen, an denen sich innerhalb von drei Jahren fünf Unfälle mit Personenschaden ereignen. "Unter den ersten zehn Unfallhäufungsstellen sind Abschnitte, die künftig nach erfolgten Umbauten aus der Liste verschwinden dürften, etwa Kapellenstraße/Durlacher Tor oder Mendelssohnplatz", so die Stadt.

Unfälle am Oststadtkreisel
Joachim Zwirner vom Polizeipräsidium Karlsruhe. | Bild: Ramona Holdenried

Schon verbessert habe sich die Situation auch im Bereich Karl-Friedrich-Straße und Zirkel - seit der Zirkelsperrung für Autofahrer hat die Polizei nur noch einen Radunfall dokumentiert. Näher anschauen müsse sich die Karlsruher Unfallkommission unter anderem noch die Erzbergerstraße/Michiganstraße. Bei fünf Unfällen in der Durlacher Allee/Alte Karlsruher Straße fuhren die Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung. "Das muss man unterbinden", so Zwirner.

Durchgehende "Radfahranlage" in der Kriegsstraße

In die richtige Richtung geht es auch für den Radverkehr in der Kriegsstraße. Ist die Baustelle erstmal Geschichte, wird es dort voraussichtlich eine durchgehende Radfahranlage mit Berücksichtigung der ab- und einbiegenden Radler an den Querungen geben. Positiv aufgenommen wurde im Radlerforum die Überlegung, Radlern zwischen Herren- und Sophienstraße eine Gleisquerung zu ermöglichen.

Eröffnung Radroute 15 Innenstadt nach Hagsfeld
Ein parkendes Auto blockiert den Radweg. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Aus der Mitte des Radlerforums sei zudem die Bitte gekommen, Radfahrstreifen großzügig zu bemessen und Aufstellflächen für Radfahrer an Ampeln vorzusehen. "Das System ist extrem ausbalanciert mit allen Verkehrsarten", gab Bürgermeister Fluhrer laut Pressemeldung zu bedenken. Dennoch: Gerade an den großen Kreuzungen schaue man aktuell noch nach Optimierungen. 

Um den Verkehr in der Stadt noch fahrradfreundlicher zu gestalten, wird es ein neues "BYPAD-Audit" geben. Mit dieser Methode konnte schon im Jahr 2005 der Ausbau der Radverkehrsförderung vorangetrieben werden. Mit dem BYPAD-Audit soll das Leitbild "Radverkehr als System" mit konkreten Maßnahmen und Zielen für die nächsten zehn bis 15 Jahre unterfüttert werden. Erstmals soll auch der Fußverkehr ins Verfahren einbezogen werden.

ka-news.de-Hintergrund: Das Radlerforum

Das Radler­fo­rum ist das Exper­ten­gre­mium zum Thema Radverkehr. Es besteht aus Vertretern der im Gemein­de­rat vertre­te­nen Parteien sowie Vertretern verschiedener städtischer Ämter. Mitglie­der der Inter­es­sen­ver­bände des Radver­kehrs sowie weitere ­In­ter­es­sen­grup­pen sind eingebunden. Beim jüngsten Radlerforum erstmals mit dabei war auch ein Vertreter von "Fridays for Future". Das Gremium besteht seit Mitte der 90er-Jahre und tritt etwa ein- bis zwei Mal im Jahr zusammen.

Im Radler­fo­rum werden Ziele der Radver­kehrs­po­li­tik disku­tier­t und Radver­kehrs­pla­nun­gen vorge­stellt. Die Ergebnisse werden dann als Empfeh­lun­gen an den Planungs­aus­schuss oder Gemein­de­rat wei­ter­ge­ge­ben. Geleitet wird das Radler­fo­rum von Bau­bür­ger­meis­ter Daniel Fluhrer.

Mehr zum Thema
Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

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  •   DangerMouse
    (201 Beiträge)

    17.10.2019 17:52 Uhr
    Kennzeichenpflicht
    für Radfahrer ist dringend notwendig.
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  •   Skudder
    (454 Beiträge)

    17.10.2019 18:46 Uhr
    .
    Frag mal die Schweizer. Die hatten das mal, haben es aber wegen des heftigen Verwaltungsaufwands wieder abgeschafft. Hauptsinn war eine Haftpflichtversicherung wie beim Mofa. Übrigens: Kannst auf die Schnelle das Kennzeichen eines E-Scooters erkennen und dir merken? Ich nicht.

    Unpraktikabler Unsinn, zumal die meisten Leute sinnvoller Weise eine private Haftpflicht haben, die Schäden durch Radfahrer zahlt.
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  •   andip
    (9880 Beiträge)

    18.10.2019 08:59 Uhr
    Im Übrigen
    waren die Fahrradkennzeichen so klein, dass die niemand ablesen konnte, wenn das Rad in Bewegung war.
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  •   barheine
    (167 Beiträge)

    17.10.2019 16:23 Uhr
    Und welchen Anteil haben die E-Biker an den Unfallzahlen in Karlsruhe? Die meist älteren Semester beherrschen ihr Gefährt oft nämlich nicht wirklich.
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  •   andip
    (9880 Beiträge)

    18.10.2019 09:02 Uhr
    Dazu müsste man die Unfallursache genau kennen
    Wenn einem Radfahrer die Vorfahrt genommen wird, ist es völlig egal, ob das per E-Motor oder Muskelkraft betrieben wird.
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  •   Ulan
    (186 Beiträge)

    17.10.2019 14:31 Uhr
    Radfahren steht in auch in Karlsruhe oft der Kraftverkehr im Weg
    Kritik am Radeln ist oft direkt damit zu erklären: Der Kraftfahrer, der sich über Radverkehr auf der Straße ärgert ist an der Kreuzung zu oft der, der sie blockiert obwohl sichtbar kein Ausfahren möglich ist, der den Radler beim Abbiegen übersieht und mit um die rechte Ecke bringt, der auf dem Radweg nur "mal kurz" parkt, der ohne Abstand überholt oder der am Radweg hält und die Türe ohne Schulterblick aufstößt. KFZ parken bis dicht an Kreuzungen und Radler tauchen dann "aus dem Nichts" auf und werden als rasend schnell empfunden.

    Natürlich kein Grund über Fußwege, durch Fußgängerzonen oder schneller als Schrittgeschwindigkeit durch freigegebene Strecken zu radeln. Aber auch an Baustellen wird in Karlsruhe noch immer penibel dem Kraftverkehr Platz gelassen oder auf Kosten von Rad- und Fußwegen gar Platz geschaffen, während Beschilderung dem Fuß- und Radverkehr oft über Stufen und Schotter hanebüchene, schmale Umwege zumutet.

    Karlsruhe: "Bitte absteigen" statt MehrPlatzFürsRad ?
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  •   DangerMouse
    (201 Beiträge)

    17.10.2019 18:06 Uhr
    Radfahren
    Die Kritik am Radfahren ist nicht, daß man es dem Anderen nicht gönnen würde, sondern daß es schlicht den Bedarf nicht erfüllt. Den größten Anteil am Vekehr hat der Berufsverkehr, mit Bedarfen um 40-50 km pro Tag. Wenn man jetzt versucht den Einsatz eines Verkehrsmittels zu erzwingen, welches für Strecken bis 5 km einsetzbar ist, hängt man die Mehrheit der Menschen ab.
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  •   Ulan
    (186 Beiträge)

    17.10.2019 18:33 Uhr
    Die hier und in den sozialen Medien genannte Kritik zielt auf Radlerverhalten
    Dass Leute den Weg von 20 km oder mehr zur Arbeit nicht mit dem Rad zurücklegen (was oft durchaus eine vernünftige Alternative wäre) sehe ich kaum mal wo als Kritik von den Radelnden, sondern als Begründung der Autofahrenden dass Radeln für Sie spezifisch keine Alternative sei.

    Wobei man dann schon die Frage stellen muss, was die dann in der City zu suchen haben wo Durchgangsverkehr eh nicht vom Fleck kommt - bei Tempo 20 und drunter im Schnitt. Und da stehen nicht die Radler, sondern die anderen Autos im Weg.
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  •   CenaroBotti
    (20 Beiträge)

    17.10.2019 13:04 Uhr
    das leidige Thema...
    Leider muss man sagen, daß sich Fahrradfahrer - vor allem die zahlreichen sportlich ambitionierten Innenstadt Rennfahrer - teilweise rücksichtslos ungeachtet jeder Verkehrsregel kreuz und quer fahren.
    Leider ist es auch so, daß es eine bestimmte Sorte überzeugter Radideologen gibt, die glauben einen Kampf gegen Autofahrer in der Stadt führen zu müssen und sich dabei an keine Reglen halten zu müssen.
    Wenn jeder sich an die Verkehrsregeln halten würde weitgehend und mit mehr gegenseitiger Rücksicht unterwegs wäre, würde das allen guttun und das gilt auch für Fahrradfahrer!
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  •   Skudder
    (454 Beiträge)

    17.10.2019 19:48 Uhr
    .
    Mein Fazit: Es gibt auf / in jedem Verkehrsmittel Idioten, auch bei Fußgängern. Ich sehe da ehrlich gesagt wenig Unterschiede in der Häufigkeit. Ich bin sowohl Auto- als auch Radfahrer und natürlich auch Fußgänger.

    Das ist eine triviale Erkenntnis. Halt Statistik.
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