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Karlsruhe Mehr Park-and-Bike-Parkhäuser in Karlsruhe: "Das Konzept muss weiter ausgebaut werden, damit die Pendler gerne umsteigen"

Karlsruhe ist eine Fahrradstadt, doch in den Augen der SPD-Fraktion könnte die Stadtverwaltung noch mehr in Sachen Fahrrad machen. In einem Antrag an die Stadt fordert die Karlsruher SPD-Gemeinderatsfraktion einen besseren strukturellen Ausbau an zentralen Ein-und Ausfallstraßen der Fächerstadt in Verbindung mit Knotenpunkten des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Damit könnte Karlsruhe anderen europäischen Großstädten wie Amsterdam oder Straßburg folgen, die das Konzept bereits erfolgreich umgesetzt haben.

Fahrräder sind ein Teil der Verkehrswende. Durch ein flächendeckendes Netz an Park-and-Bike-Parkhäusern in Verbindung mit ÖPNV-Knoten an zentralen Ein- und Ausfallstraßen könnte nach Ansicht der SPD-Fraktion erheblich zur Reduzierung des innerstädtischen Autoverkehrs beitragen werden. 

Fahrradstation Süd am Hauptbahnhof
Fahrradstation am Karlsruher Hauptbahnhof. (Archivbild) | Bild: Paul Needham

In einigen europäischen Großstädten, darunter Straßburg im Elsass, der niederländische Hauptstadt Amsterdam oder in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, wurden solche Park-and-Bike-Konzepte in Verbindung mit ÖPNV-Punkten bereits erfolgreich umgesetzt.

Standorte für Fahrradgaragen finden

"Der Verkehrsentwicklungsplan ist uns hinlänglich bekannt, und dass es dort auch Ansätze gibt, um das Thema Park-and-Ride voranzubringen, ist uns durchaus bewusst. Aber es geht uns um die Qualität. Vielleicht ist die Qualitätsfrage nur jemandem bewusst, der regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, unabhängig von der Witterung", so SPD-Stadtrat Raphael Fechler in der Anfrage aus dem März.

Dr. Raphael Fechler
Dr. Raphael Fechler war bis Mai 2019 für die SPD im Karlsruher Gemeinderat. | Bild: SPD Karlsruhe

Die SPD-Fraktion fordert deshalb in ihrem Antrag, dass die Stadt Karlsruhe mögliche Standorte im Stadtgebiet prüft, um dieses Konzept anzuwenden. Mögliche Standorte mit Potential sieht die SPD-Fraktion unter anderem bei der Durlacher Allee, der Linkenheimer Landstraße an der B36 oder der Herrenalber Straße/A5. Ebenso fordern die Stadträte in ihrem Antrag eine Zusammenarbeit mit der Stadt Wörth, um Möglichkeiten eines aufeinander abgestimmten Park-and-Bike-Konzepts für die Region zu erörtern.

Hauptsache umsteigen, am liebsten aufs Rad

"Wenn diese Park-and-Bike-Parkhäuser akzeptiert werden sollen, müssen sie zum einen sichtbar sein und zum anderen braucht es in der Infrastruktur eine entsprechende Qualität", begründet Fechler, der im Mai 2019 nicht mehr gewählt wurde, den Antrag der SPD-Fraktion.

Fahrradstation Süd am Hauptbahnhof
Fahrradstation am Karlsruher Hauptbahnhof. (Archivbild) | Bild: Paul Needham

Aus Sicht der Grünen ist es unausweichlich, den Auto-, Bahn- und Radverkehr zusammenzuführen: "Das kann gut gelingen, es braucht aber bestimmte Zutaten, und dazu gehört einfach der Punkt, dass Autoverkehrsströme, Bahnverkehrsströme und Radverkehrsströme an einem konzentrierten Punkt zusammen treffen und dann insbesondere die Radverkehrsverbindungen ab diesem Knotenpunkt stadteinwärts attraktiv fortgesetzt werden müssen", erklärt der mittlerweile ehemalige Stadtrat Tim Wirth.

Gespaltene Lager im Gemeinderat

Auch die CDU-Fraktion begrüßt den SPD-Vorstoß mit Hinblick auf die zukünftige Mobilität in der Fächerstadt. "Der Antrag ist im Grundsatz gut, daran kann auch die CDU sehr viel Gutes abgewinnen. Wir sehen es etwas kritisch, diese Mobilitätsstützpunkte im städtischen Gelände zu finden. Das hat auch die Diskussion heute weitgehend gezeigt, weil wir ein Flächenproblem haben, das beim Wohnen anfängt und nicht bei Flächen für den Verkehr aufört", so Ex-CDU-Stadtrat Jan Döhring.

Fahrräder am Hauptbahnhof
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Anderer Meinung ist die Kult-Fraktion: "Wir sehen in dem Antrag keinen Vorteil für die Mobilität in Karlsruhe und werden ihn deshalb ablehnen", so Stadtrat Uwe Lancier in der Plenarsitzung vom März.

Kunden schon am Wohnort erreichen

In ihrerer Stellungnahme bekräftigt die Verwaltung das Ziel, gemäß Verkehrsentwicklungsplan und Klimaschutzkonzept, die nachhaltige Mobilität zu fördern und betont dabei, dass die Stadt und die Region Karlsruhe durch den öffentlichen Personennahverkehr, der weit in die Region reicht, flächendeckend und nachhaltig erschlossen ist. Durch ein dezentrales Konzept für Park-and-Ride oder Bike-and-Ride-Anlagen werde der Kunde des öffentlichen Personennahverkehrs dort abgeholt, wo er wohnt.

Verkehrsschild neben Fahrradfahrer auf Radweg
(Symbolbild) | Bild: Arne Dedert/Archiv

Im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt sind bereits 160 Park-und-Ride-Stationen im gesamten KVV-Verbundraum außerhalb des Stadtgebietes ausgewiesen. Weitere 16 gibt es im Karlsruher Stadtgebiet.

Park-and-Ride-Punkte in der Region
Mehr als 160 Park-and-Ride-Punkte gibt es in der Region. | Bild: Screenshot Mobilitätsportal Karlsruhe/ka-news.de

Wer im Auto sitzt, steigt ungern um

Generell sei das Prinzip eines wohnortnahen Park-und-Ride-Angebotes weiter zu verfolgen, um zu bewirken, dass der größere Anteil der innerstädtischen Wege mit dem ÖPNV zurückgelegt wird. Solche Konzepte seien die nachhaltigste Möglichkeit, innerstädtischen Autoverkehr durch einpendelnde Kraftfahrzeuge zu reduzieren, denn wer erst einmal im Auto sitzt steigt kurz vor seinem Ziel nicht mehr unbedingt um.

Park and Ride
(Symbolbild) | Bild: Jens Wolf

Im Mobilitätsportal ist bereits die Dichte an Park-und-Ride-Anlagen dargestellt, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung und. Im Zuge des Projektes Regiomove sollen multimodale Umsteigepunkte für die Region überprüft und aufgewertet werden. Auch mit der benachbarten Stadt Wörth gibt es im Zuge der Rheinbrückensanierung bereits Kooperationen und abgestimmte Konzepte, um den Umstieg für Berufspendler auf das Rad oder öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern. Die Stadt hat die Thematik nach der Debatte in den Planungsausschuss verwiesen.

 

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  •   DangerMouse
    (175 Beiträge)

    06.08.2019 13:48 Uhr
    ÖPNV, alles super?
    "... und betont dabei, dass die Stadt und die Region Karlsruhe durch den öffentlichen Personennahverkehr, der weit in die Region reicht, flächendeckend und nachhaltig erschlossen ist."

    Das dieses Statement hier nicht auf mehr Gegenwehr trifft wundert mich doch sehr.

    Wenn das wahr wäre, dann wäre es allerdings eine finanzielle und energetische Katastrophe. Mit ÖPNV meint man natürlich Massentransport, der nur dann energetisch sinnvoll ist, wenn Massen an Menschen auf engem Raum transportiert werden und nicht nur die Masse des leeren Fahrzeugs. Ein engmaschiges, kurzgetaktetes, 24 stündiges ÖPNV Netz wird unser Klimaproblem nicht lösen können, da es icht flexibel genug sein kann.

    An dieser Stelle nochmal der Hinweis, dass auch ein elektrifizierter Individualverkehr notwendig ist mit kleinen Fahrzeugen um den Möbilitätsbedarf überhalb des Fahrrads zu decken, z.B. für die notwendige Fahrt zur Arbeit.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Renault_Twizy
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  •   FloadRithle
    (126 Beiträge)

    06.08.2019 02:06 Uhr
    Ich fände Park&Boat geil-
    Landgraben öffnen, ein paar Abzweigungen einbauen, DAS kOMBILOCH ALS kANAL NUTZEN, Kreuzfahrtschiffe in KA nicht zulassen grinsen
    Das wäre ne Hausnummer. Kühlung während der Klimakatastrophe inbegriffen. Kasrlsruhe rettet die Welt!
    Bötchen fahren ist schon echt klasse. Aber bitte keinen Fischlaich aufwirbeln, sonst gibt es Mecker von den Farbigen. Grün ist übrigens ne Farbe...
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  •   Verkehrsplaner
    (9 Beiträge)

    05.08.2019 15:32 Uhr
    Wörth ist ungeeignet.
    Heute kommen schon viele mit dem Auto und Fahrad zum Wörther Bahnhof (teilweise mit Stau vor dem Wörther Kreuz), um auf die Bahn umzusteigen. Dort ist die Taktung sehr interessant. Parkhaus, Parkplatz und Fahradabstellplätze sind voll.
    Vorschlag:
    Man muss mehr Züge aus Germersheim nach Karlsruhe und umgekehrt einsetzen. Entlang der Bahnstrecke Germersheim-Wörth gibt es noch genügend B+R-Plätze. ...aber kein Geld für weitere attraktve Bahnen. Hier herrscht ab 7:30 der Stundentakt!!!
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  •   malerdoerfler
    (5776 Beiträge)

    05.08.2019 10:21 Uhr
    Park and Bike Häuser
    Kann ich mein Fahrrad dort kostenlos unterstellen?

    Sollte dem nicht so sein, dann sehe ich eine Vielzahl dieser Häuser schon jetzt als gescheiterte Vision.
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  •   malerdoerfler
    (5776 Beiträge)

    05.08.2019 08:50 Uhr
    solch große Parkhäuser
    braucht nicht wirklich die große Masse der Fahrradfahrer.

    Vernünftige Abstellmöglichkeiten in Zielnähe sind ausreichend.
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  •   kommentar4711
    (2300 Beiträge)

    05.08.2019 09:31 Uhr
    RE: solch große Parkhäuser
    Sehe ich auch so. Am Hbf macht das Sinn da dort schon immer viele das Rad als Zubringer nutzen. Aber ansonsten dürfte es wenige Stellen geben, an denen die entsprechende Nachfrage da ist.
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  •   andip
    (9814 Beiträge)

    05.08.2019 12:06 Uhr
    Eben
    Am Hbf macht so ein Parkhaus Sinn, aber da ist ja schon eines.
    An der Durlacher Allee, der Linkenheimer Landstraße an der B36 oder der Herrenalber Straße/A5 dagegen sehe ich keinen.
    Wer sollte die nutzen?
    Autofahrer, die von da aufs Rad umsteigen? Sicherlich nicht.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11407 Beiträge)

    06.08.2019 15:57 Uhr
    am HBF gibt's nach meinem Kenntnisstand sogar 2 Fahrrad-Parkhäuser
    1 vorn neben der Post, 1 hinten, ehemals Parkhaus 3.

    Trotzdem parken die Zausel ihre Drahtesel wild vor dem Haupteingang und sonst wo an Laternen etc.

    Die Gefahr auf'm Gehweg per Fahrrad erlegt zu werden ist zwischen HBF und Ettlinger Straße am größten.
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  •   andip
    (9814 Beiträge)

    07.08.2019 12:00 Uhr
    Ist doch klar
    Ein Parkhaus kostet was, auf die Strasse stellen dagegen nichts.
    Würde aber auch jeder Autofahrer machen, wenn er es könnte.
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  •   lynx1984
    (3214 Beiträge)

    05.08.2019 10:28 Uhr
    als Zubringer
    Eben als Zubringer um z.B. von Rüppur zum HBF zu radeln, um dort mit der DB z.B. nach Stuttgart zu pendeln usw. Aber außer dem HBF kann vielleicht noch der Durlacher Bahnhof als eine solche Mobilitätsdrehscheibe dienen. Weitere solcher Fahrradgaragenstandorte bedarf es nicht.
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