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Karlsruhe Karlsruhe ist zuversichtlich, dass Zirkel autofrei bleibt - ein Problem muss allerdings noch gelöst werden

Seit Juli ist der Zirkel für den Autoverkehr mit einer Barriere gesperrt. Mit den Auswirkungen ist man bei der Stadt Karlsruhe grundlegend zufrieden. Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramts, ist zuversichtlich, dass das Testprojekt in einen dauerhaften Zustand übergehen könnte. Es gibt allerdings noch ein Problem, das gelöst werden muss.

Der Zirkel ist bereits seit Jahren für den Durchgangsverkehr gesperrt, beachtet wurde das Verbot allerdings nicht. Die Straße ist eine ausgewiesene Radroute und quert zwei Fußgängerzonen zwischen Schloss- und Marktplatz - gerade wenn es in der Stadt voll war, kamen sich auf dem Zirkel drei Verkehre in die Quere: Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer.

Durchfahrtsverbot wurde jahrelang missachtet

"Zwischen Marktplatz und Schloss hat es insbesondere bei Sonderveranstaltungen wie den Schlosslichtspielen einen erheblichen Kreuzungsverkehr", sagt Björn Weiße im Gespräch mit ka-news.de. Seit der Sperrung habe man einen Rückgang bei der Autos auf dem Zirkel festgestellt: "Wir haben den Eindruck, dass die Sperrung langsam dazu führt, dass weniger Fahrzeuge in den Zirkel fahren. Das belegt, wie wenig das Durchfahrtsverbot in der Bevölkerung akzeptiert war."

Björn Weiße
Björn Weiße, Leiter Ordnungs- und Bürgeramt Karlsruhe. | Bild: ps

Im Juli hat die Stadt Karlsruhe auf die Verkehrssituation reagiert und eine Barriere auf Höhe der Karl-Friedrich-Straße errichtet. Ziele östlich und westlich der Baken müssen entweder von der Waldhornstraße oder der Waldstraße aus angefahren werden.

Hans-Thoma-Straße, Kreuzung Waldstraße. | Bild: Bohner

Für den Durchgangsverkehr gibt es nach wie vor den Tunnel unter dem Schlossplatz. "Eine gute Umfahrungsmöglichkeit", sagt Weiße. Es gebe keine Notwendigkeit, den Zirkel zu durchfahren – alle Ziele entlang des Zirkels seien weiterhin entweder von Osten oder von Westen gut erreichbar, die Belieferung der dort ansässigen Geschäfte sei sichergestellt.

 

 

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Es ist ein Modellversuch, ein Testbetrieb und bleibt vorerst bis zum Ende des Jahres bestehen. "Wir haben nach wie vor die Sperrung stark im Blick. Wir sind jede Woche mehrfach vor Ort, um uns ein Bild von der Situation zu machen", so Weiße, "wir schauen, wie sich der Verkehr verlagert und in wie weit das für alle okay ist." 

Weiße ist jedoch zuversichtlich, dass die Sperrung eine dauerhafte Lösung sein kann: Inzwischen nutzen Radfahrer und Fußgänger den freigewordenen Verkehrsraum - jetzt wieder zusätzlich Autoverkehr zuzulassen, würde erneut Konflikte zwischen den Verkehren verursachen.

Einfahrt ist nicht verboten

Von Seiten der Bevölkerung habe es bislang relativ wenig Rückmeldungen zur Sperrung gegeben, heißt es - weder in die eine, noch in die andere Richtung. Vereinzelt hat das Ordnungsamt Hinweise erreicht, die aber nicht bestätigt werden konnten. Dabei räumt Weiße ein, dass es sich bei den Beobachtungen der städtischen Mitarbeiter vor Ort immer um punktuelle Wahrnehmungen handelt.

Zirkel-Sperrung ab Ende Juli
Bild: Stephanie Meyer

Verboten ist die Einfahrt auf den Zirkel nicht, allerdings sollte man sein Ziel kennen. Denn kritisch sind unwissende Autofahrer, die an der Sperrung wenden müssen, weil sie eigentlich durchfahren wollten. Sie gefährden unter Umständen andere Verkehrsteilnehmer. 

Zirkel Höhe Karl-Friedrich-Straße
Auto wendet an Barrikade auf Zirkel | Bild: Corina Bohner

"Es ist eine offizielle Straße, man darf rein- und rausfahren", sagt Weiße, "man muss allerdings Rücksicht nehmen." Auffallend sei bereits jetzt, dass vor allem von Westen - aus der Waldstraße - viele Fahrzeuge in den Zirkel einfahren, von Osten kommend seien es weniger.

Zirkel, Höhe Herrenstraße. | Bild: ka-news.de

Die Stadt hat mehrere Versuche unternommen, um vor allem ortsfremde Autofahrer auf die unmögliche Durchfahrt hinzuweisen: Zeitweise war eine mobile Anzeigetafel im Einsatz. Auf Höhe Waldstraße  steht eine rot-weiße-Bake prominent auf der Fahrbahn, die zusätzlich auf entsprechende Schilder hinweisen sollte.

Hinweis auf gesperrte Durchfahrt im Zirkel. | Bild: Corina Bohner

Auch in den von Google gestützten Navigationsgeräten sei die Sperrung inzwischen vermerkt. "Ich muss vier Schilder bewusst missachten, um dann vor der Barriere zu stehen", sagt Weiße. Wenn der Autofahrer jedoch dort steht, muss er wenden.

Zirkel auf Höhe Lammstraße | Bild: Bohner

Das geschieht auf begrenzten Raum mit Gegenverkehren: Autofahrer, die regulär entgegenkommen sowie Radfahrer und Fußgänger. "Das ist nicht gut", sagt Weiße. Problematisch dabei ist, dass dieses Verhalten  nicht geahndet werden kann: Es handelt sich um keine Ordnungswidrigkeit, es werden lediglich Hinweise missachtet.

Die Wendemanöver sind gefährlich und das Sorgenkind der Sperrung. Hier müssen die Verkehrsplaner eine Lösung finden. Und wie wäre es, den Zirkel vollständig für den Autoverkehr zu sperren – mit einem elektrischen Poller? "Zumachen geht nicht, es gibt Geschäfte mit Lieferverkehr und ein Parkhaus, das erreicht werden muss. Die jetzige Verortung der Barriere ist optimal", sagt Weiße.

Verkehrskameras bald im Einsatz

Um valide Daten zu den Verkehrsflüssen zu erhalten, wird die Stadt in den kommenden Tagen Verkehrskameras, sogenannte "Traffic Eyes" auf dem Zirkel einsetzen. Sie sind bereits auf großen Kreuzungen im Einsatz; hängen an Ampeln oder Laternenmasten.

Zirkelsperrung auf Höhe Karl-Friedrich-Straße. | Bild: Bohner

Die Anbringung ist vorübergehend und erfolgt an vermeintlichen Problemstellen - entweder nach Hinweisen aus der Bevölkerung oder um die Verlagerung von Verkehren, beispielsweise in Baustellen, zu erfassen. Personen oder Kennzeichen sind auf den Kameras nicht zu erkennen.

Auch auf dem Zirkel sollen die Kameras über einen begrenzten Zeitraum die Fahrzeugbewegungen erfassen und den Planern eine ganzheitliche Betrachtung der Verkehrssituation liefern, um so eine Lösung zu finden.

 

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Kommentare (17)
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  •   barheine
    (167 Beiträge)

    22.10.2019 15:04 Uhr
    Als wenn es die Leute nicht glauben würden, müssen sie bis zur Absperrung fahren, um dort ein Wendemanöver zu vollziehen. Das beobachte ich in Ettlingen, wenn es mal wieder irgendwo eine Sperrung gibt, auch ständig.
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  •   Weichei
    (417 Beiträge)

    23.10.2019 14:35 Uhr
    Alle Achtung
    sie sind ein hervorragender Beobachter.
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  •   malerdoerfler
    (5843 Beiträge)

    22.10.2019 19:28 Uhr
    So ein Sackgassenschild ist doch vollkommen ausreichend.....
    ......oder sind so viele Personen unterwegs, die zwar am Steuer sitzen, aber die Verkehrsregeln nicht kennen?
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  •   mueck
    (11045 Beiträge)

    22.10.2019 19:36 Uhr
    Schildergucken ist wohl uncool ...
    ... konnte man bspw. auch bei der Sperrung der Fritz-Erler zum MP hin die Tage öfters sehen ...
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  •   Denkfehler
    (111 Beiträge)

    22.10.2019 11:17 Uhr
    Wenn, was zu hoffen ist,....
    ....die Sperre zur Dauerlösung wird, gibt es zur Lösung dieses KFZ-Problems: "Ich muss vier Schilder bewusst missachten, um dann vor der Barriere zu stehen" m. E. nur die Lösung, den KFZ-Verkehr schon deutlich vor der Waldstraße Richtung Schloßplatz-Tunnel zu führen. Das könnte durch optische Signale / Fahrbahnmarkierungen / Beschilderungen erfolgen, in dem man den rechten Fahrstreifens ab der Knielinger Allee / Tankstelle als "Normalspur" raus nimmt und ab dort in eine Busspur mit "Radverkehr frei" (nach der Stephanienstr. in einen Radfahrstreifen) übergehen lässt. Der "Normalverkehr" wird gleich in die linke Spur geführt und damit in den Schloßplatz-Tunnel.
    Die Zufahrt zum Breuninger-Parkhaus erfolgt über den Schloßplatz und von dort den Stummel der Herrenstraße runter. Damit ist für den Radverkehr der gesamte Abschnitt ab Kniel. Allee bis in den Zirkel entschärft.
    Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum man dort bis vor den Zirkel den KFZ-Verkehr zwei-spurig führen muss.
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  •   mueck
    (11045 Beiträge)

    22.10.2019 12:23 Uhr
    !
    Warst Du etwa beim Radlerforum? zwinkern
    Das mit der Bus-/Radspur wurde da nämlich so ähnlich vorgestellt, erst mal bis zur Stephanienstr., wo der Bus abbiegt (Anfang habe ich nicht mehr exakt in Erinnerung ... Könnte aber in der Tat rund um die Knielinger Allee gewesen sein), die Weiterführung des Radverkehrs bis zur Waldstr. sei noch nicht fertig geplant.
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  •   Denkfehler
    (111 Beiträge)

    22.10.2019 12:54 Uhr
    Nein....
    ....ich war nicht beim Radlerforum (welches denn?):
    Ich fahre aber mehrmals die Woche diesen Abschnitt in die Stadt - da muss man sich das Ganze nur mit etwas gesundem Menschenverstand ansehen (also weder die radikale Fahrradbrille, noch die radikale KFZ-Brille aufhaben), um zu erkennen, wie dieser Abschnitt entschärft werden kann.
    Dieser minimalistische Radweg zw. Kniel. Allee und Moltkestraße mit enormen Gegenverkehr, aus dem Schloß kommend, falsch fahrender Studis, und der noch miserablere Radweg zw. Moltke- und Bismarckstr. (mit häufig durch wartende Radfahrer und Fußgänger versperrter Überfahrt der Moltkestraße und der unsäglichen Überleitung in die rechte KFZ-Spur an der Bismarckstraße) zwingen diese Lösung geradezu auf.
    In diesem stark Radverkehr-belasteten Bereich nur solche Radverkehrsangebote zu machen, wie sie aktuell bestehen, ist m. E. schon absolutes Behördenversagen......
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  •   mueck
    (11045 Beiträge)

    22.10.2019 13:03 Uhr
    !
    Auf dem von kürzlich ...

    Ja, deswegen plant man ja gerade fleißig ... zwinkern
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  •   mueck
    (11045 Beiträge)

    22.10.2019 12:53 Uhr
    !
    Die Idee mit der Blockumfahrung zum Breuninger-P hat auch was ... Wenn die Route auch für den Lieferverkehr für den restlichen halben Zirkel kompatibel ist, wäre das die Lösung ... Auf dem Abschnitt Waldstr.-- Herrenstr. gibt es jedenfalls keinen Bedarf für Autoanliegerverkehr.
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  •   Waterman
    (6371 Beiträge)

    22.10.2019 10:49 Uhr
    Sehr gute Kamera!
    Glückwunsch Frau Bohner!
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