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Karlsruhe Grüne wollen Verkehrsversuch in der Karlstraße: Wird der Europaplatz bald "autofrei"?

Wer mit dem Fahrrad von Norden kommend zum Europaplatz fahren möchte, wird feststellen: Das ist auf direktem Wege nicht so leicht. Denn: Auf der Karlstraße darf gegen die Fahrtrichtung der Einbahnstraße nicht gefahren werden, das Fahren auf dem Gehweg ist ebenso verboten und ein Radweg ist auch nicht in Sicht. Die Grünen-Fraktion fordert deshalb die Stadt zu einem "Verkehrsversuch" auf. Wir haben mit Aljoscha Löffler, Fraktionsvorstand der Grünen, darüber gesprochen, ob der Platz für Radfahrer in Zukunft besser zu erreichen sein wird.

Karlsruhe hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Die Stadt möchte "Fahrradhaupstadt Nummer eins" bleiben. Diesen Titel hat sie inne - denn sie wurde vom ADFC erstmals zur fahrradfreundlichsten Stadt ihrer Größenklasse gekürt. Trotz dessen ist die Karlsuher Innenstadt an einigen Stellen noch alles andere als fahrradfreundlich - beispielsweise am Europaplatz. Wer dort mit dem Fahrrad vom Schlossgarten oder Zirkel kommend zum Europlatz fahren möchte, wird schnell feststellen: Das ist nicht so einfach.

Europaplatz Karlsruhe
Europaplatz Karlsruhe | Bild: Bohner

Die Innenstadt zu umfahren, ist für Radfahrer leicht: Dafür gibt es die beiden "Cityrouten", die einmal nördlich und einmal südlich der Kaiserstraße den Radverkehr von West nach Ost durch die Stadt leiten. So kommen die Radler sich nicht mit Fußgängern und Autofahrern ins Gehege. Doch was, wenn Fahrradfahrer, - beispielsweise um einzukaufen - die Postgalerie am Europaplatz erreichen möchten?

Radfahrer kommen von Norden nicht zum Europaplatz

"Von Norden kommend gibt es für den Radverkehr überhaupt keine legale Streckenführung zum Europaplatz, obwohl ausreichend Raum dafür vorhanden wäre", so die Grünen-Fraktion, die in einem Antrag die Stadt dazu auffordert, die Situation für Radfahrer zu verbessern.

(Symbolbild)
Fahrradfahren wird in Karlsruhe groß geschrieben, dennoch sind nicht überall Radwege vorhanden.(Symbolbild) | Bild: Arne Dedert/Archiv

Der Grund: Zum einem müssen Radler, wenn sie von Süden kommen, die Autofahrstreifen nutzen. Zum anderen dürfen sie, wenn sie mit ihrem Drahtesel aus der Gegenrichtung kommen, eigentlich gar nicht zum Europaplatz fahren, denn: Dort ist eine Einbahnstraße und daneben schließt direkt ein Fußgängerweg an. 

 

Dass auf der Karlstraße in diesem Bereich früher oder später ein Radweg entstehen wird, scheint relativ sicher. Denn: Im Zielkonzept für den Radverkehr in Karlsruhe ist die Straße als einer der Wege des Hauptnetzes gekennzeichnet. "Es kann sein, dass dort noch nicht viel passiert ist, da die Straße im Zuge der Kombilösung sowieso umgestaltet wird", sagt Aljoscha Löffler, Fraktionsvorstand der Grünen, im Gespräch mit ka-news.de. 

Aljoscha Löffler von der Grünen-Fraktion Karlsruhe. | Bild: Grüne Karlsruhe

Wie sich die Karlsruher Innenstadt und damit auch der Bereich rund um den Europaplatz entwickeln soll, war auch in einer groß angelegten Studie zur Zukunftsfähigkeit der Stadt Thema, die die Stadtverwaltung  im Jahr 2017 in Auftrag gegeben hatte. Zusammengefasst kommt die Studie zu dem Ergebnis: Um die Attraktivität der Innenstadt zu stärken, sollte die Karlstraße innerhalb der nächsten drei Jahre barrierefrei, verkehrsberuhigt und fahrrad- sowie fußgängerfreundlicher ausgebaut werden.

Wird der Platz in Zukunft komplett "autofrei"?

Denn: Der Europaplatz ist derzeit ein viel befahrener Verkehrsknoten: Autofahrer dürfen den Platz zwar nur von Süd nach Nord auf der Einbahnstraße kreuzen und dabei weder nach rechts noch nach links abbiegen - dennoch ist hier zu so gut wie jeder Tageszeit viel los.

Der Europaplatz ist ein Verkehrsknoten: Straßen- und Stadtbahnen fahren dort in drei verschiedene Richtungen. | Bild: Thomas Riedel

Aus drei Richtungen führt das Straßen- und Stadtbahnnetz über die Kreuzung und Fußgänger, die beispielsweise zu den Läden in der Innenstadt gelangen möchten, überqueren die Straßen. Selbst wenn sich die Lage auf dem Europaplatz mit dem Wegfall der oberirdischen Bahnen entspannen soll, bleibt immer noch der Konflikt zwischen Autofahrern, Fußgängern und Radfahrern.

Wie der Bereich für Fußgänger und Radfahrer in Zukunft angenehmer gestaltet werden kann, war daher schon im vergangenen November Thema im Gemeinderat. Damals dachten die Grünen an, eine komplett autofreie Zone am Europaplatz einzurichten. 

"Der Fokus liegt nicht nur auf dem Radverkehr"

Nun fordern sie die Stadt erneut auf, die Situation für Fahrradfahrer zu verbessern. Eine Lösung, die die Fraktion vorschlägt, greift die Idee der autofreien Zone aus dem vergangenen Jahr noch einmal auf:  In einem Verkehrsversuch könnte herausgefunden werden, wie ein solches Autoverbot am Europaplatz von den Verkehrsteilnehmern angenommen wird.

"Das könnte beispielsweise temporär über drei oder sechs Monate getestet werden", sagt Aljoscha Löffler, der diesen Vorschlag am heutigen Dienstag mit seiner Fraktion erneut in den Gemeinderat trägt. Wie genau dieser Verkehrsversuch aussehen soll, steht aber noch nicht fest.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Doch die Stadt macht klar: Bei der künftigen Verkehrsplanung am Europaplatz und der Karlstraße werden nicht nur die Interessen der Radfahrer berücksichtigt: "Die Verwaltung verfolgt bei der Planung einen integrierten Ansatz, sodass der Fokus nicht nur auf dem Radverkehr liegt", erklärt die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme. Ob und wie das Angebot für Radler künftig auf dem Europaplatz umgesetzt werden soll, bleibt also erst einmal abzuwarten.

Diskussionen in der vergangenen Gemeinderatssitzung

Dem Antrag der Grünen stimmten nur die Linken zu. "Volle Zustimmung. Ich hätte den Antrag am Liebsten selbst gestellt. Die aktuelle Situation am Europaplatz ist problematisch", sagt Mathilde Göttel im Rahmen ihrer ersten Gemeinderatssitzung. 

Die anderen Fraktionen sprachen sich gegen den Antrag aus. "Die Gegebenheiten sind nicht optimal, allerdings wurde im Antrag nicht weit genug gedacht. Einen vorgezogenen Verkehrsversuch sollten wir hinten anstellen und die Analyse abwarten", so Thomas Müller von der CDU. 

"Sollten erst das Ende der Kombilösung abwarten"

Ähnlich sieht es die Fraktion der SPD: "Es ist noch zu früh für einen Verkehrsversuch, wir sollten erst das Ende der Kombilösung abwarten. Der Antrag ist eine gewisse Wiederholung vom vergangenen November", so Stadtrat Michael Zeh. 

Oberbürgermeister Frank Mentrup hält fest: "Der aktuelle Zustand ist sehr kritisch, allerdings müssen wir eine Gesamtlösung finden und nicht nur an die Fahrradfahrer denken." 

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Kommentare (138)
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  •   DangerMouse
    (234 Beiträge)

    24.07.2019 16:05 Uhr
    Also in KA....
    Die Aussage war auch nicht, dass man nicht irgendwie mit dem ÖPNV auch ans Ziel kommen könnte, sondern das der elektrifizierte Individualverkehr hier mithalten kann. Wenn man den zulässt kommen wir zügig zu einer Energiewende, ohne die ganze Infrastruktur umkrempeln zu müssen.

    Ansonsten entsprechen die Zahlen nicht der Realität, das habe ich oben schon aufgeklärt. Spätestens bei dem von Ihnen genannten Verhältnis von 1:125 (1g CO2 Straba vs 125g CO2 Auto) sollte man mistrauisch werden, dass man da doch Äpfel mit Birnen vergleicht.
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  •   mueck
    (11910 Beiträge)

    23.07.2019 15:50 Uhr
    !
    Der ÖV müsste nur bei Ökostromanbietern einkaufen, dann wär's das mit der CO2-Steuer im ÖV zwinkern
    Ok, Busse kriegen Pferde vorgespannt, so haben "Omnibusse" ja mal angefangen, aber Busse sind in KA ja nur ein nebensächliches Problem ... zwinkern
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  •   schmidmi
    (2722 Beiträge)

    29.07.2019 15:08 Uhr
    Die Busse
    könnte man hilfsweise anstatt mit Pferden auch mit Brennstoffzellen ausrüsten. Dann muss auf den Straßen nicht so viel Dreck eingesammelt werden grinsen
    Den nötigen Wasserstoff bekäme man von : siehe Ökostromanbieter...
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  •   mueck
    (11910 Beiträge)

    29.07.2019 16:53 Uhr
    Schade
    Habe schon auf kostenlosen Dünger und Heizmaterial gehofft ... zwinkern
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  •   DangerMouse
    (234 Beiträge)

    23.07.2019 21:03 Uhr
    !
    Genau deswegen habe ich den Energieverbrauch in kWh im ÖPNV vs E-Auto angegeben, damit ersichtlich ist, daß beide gleich sind. Wenn wir die Verkehrsinfrastruktur grösstenteils so lassen können wie sie jetzt ist, können wir die Energiewende schneller und billiger schaffen. "Scientists for Future" setzen sich durchaus für das E-Auto ein.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12042 Beiträge)

    23.07.2019 14:02 Uhr
    den kostenlosen ÖPNV wird's in KA nicht geben,
    wie soll denn die ganze KVV/VBK/AVG-Mühle ansonsten aufrechterhalten werden?

    Durch Spenden???
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  •   Holzbierebub
    (295 Beiträge)

    23.07.2019 14:38 Uhr
    Keine Ahnung,
    aber ich vertraue darauf dass die Grünen das längst durchgerechnet haben, die Pläne bereits in der Schublade liegen, und in Kürze der Öffentlichkeit vorgestellt werden. zwinkern
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  •   mueck
    (11910 Beiträge)

    23.07.2019 15:48 Uhr
    !
    Bei kostenlosem ÖV spart man sich schon mal den Aufwand des Fahrscheinverkaufs und der -kontrolle ...
    Der Rest ist eine Frage der richtigen Besteuerung etc.
    Habeck hat ja die Tage vorgerechnet, dass eine Besteuerung der Inlandslüge genau die Mittel einbringt, um beim Fernverkehr (genauer: bei Bahntickets über 50 km) die Umsatzsteuer von derzeit 19 % auf 7% abzusenken (wie beim Nahverkehr < 50 km).
    In anderen europ. Ländern ist der Schienenverkehr übrigens ganz von der Ust. befreit, das sollte das Ziel sein ...
    Um den ÖV ganz kostenlos zu machen, müsste man vermutlich nur die Steuern, die Autos zahlen (Mineralöl bspw.), entsprechend hochsetzen ...
    In Tübingen wird wohl überlegt, durch stadtweite Parkgebühren (nicht nur City) den kostenlosen ÖV zu finanzieren, kürzlich am Rande aufgeschnappt, noch nicht genauer recherchiert, was der Palmer da ausgeheckt hat ... Das wäre jedenfalls auch ein Ansatz auf kommunaler Ebene ...
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  •   DangerMouse
    (234 Beiträge)

    23.07.2019 19:40 Uhr
    !
    Es bezweifelt niemand, dass alle möglichen Dinge durch Umverteilung bezahlt werden können, aber es bleibt halt Umverteilung zu denjenigen die Glück haben. Nur weil man jetzt Glück hat dass man nahe am Arbeitsplatz wohnt heisst das nicht das es immer so bleibt.

    Ob eine staatlich organisierter ÖV am Ende wirklich leistungsfähig ist kann man durchaus bezweifeln. am Ende spart die Politik ja dann doch an diesem "single point of failure"...
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  •   DangerMouse
    (234 Beiträge)

    23.07.2019 15:00 Uhr
    Keine Ahnung...
    Mein Tipp: Machen Sie eine persönliche CO2 Bilanz und überlegen Sie sich dann, was Sie von der Politik einfordern. Am Ende muss die Klimawende doch von den Bürgern kommen und auch von diesen bezahlt werden. Und um schonungslos ehrlich zu sein: Das wird teuer!

    Sich auf eine Partei zu verlassen ist bequem, kann aber nach Hinten losgehen. Wie in jeder Partei gibt es auch bei den Grünen verschiedene Flügel und Strömungen. Die Grünen werden von den "Scientists for Future" genauso kritisiert wie die anderen Parteien.
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