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Karlsruhe "Fahrradfreundliche Kommune": Karlsruhe will Titel erneut holen

Die Stadt Karlsruhe will im Jahr 2022 wieder als "Fahrradfreundliche Kommune" ausgezeichnet werden. Über das was getan werden muss, um dieses Ziel zu erreichen, sprach der Planungsausschusses in der vergangenen Woche.

Dran bleiben: Das ist der Anspruch der Stadt, weshalb die "Fahrradstadt Karlsruhe" auch Leitprojekt im sogenannten IQ-Korridorthema Mobilität (IQ: innovativ und quer) ist, welches dezernatsübergreifend bearbeitet wird. Als Richtschnur für das weitere Handeln sei wichtig, die Grundlagen und Zielsetzungen des 20-Punkte-Programms zu aktualisieren, betonte die Verwaltung am Donnerstag, 8. März, in der nichtöffentlichen Sitzung des Planungsausschusses unter Vorsitz von Bürgermeister Michael Obert.

Datenbasis für die Fortschreibung des 20-Punkte-Programms ist die "Modal-Split-Erhebung" in diesem Jahr. Für das aktualisierte Radförderprogramm sollen erneut alle Akteure des Radverkehrs beteiligt werden. Analog zur Aufstellung des 20-Punkte-Programms von 2005 wurde an ein sogenanntes "BYPAD-Verfahren" als zweitägiger Workshop gedacht.

Qualitätskriterien für modernen Radverkehr

Dran bleiben heißt es auch, wenn die Stadt 2022 ihr Engagement für den Radverkehr erneut durch die Zertifizierung "Fahrradfreundliche Kommune" bestätigt wissen will. Die für die Landesauszeichnung relevanten Kriterien können - angepasst auf die jeweilige Vor-Ort-Situation - als Qualitätskriterien für das Radfahren in der Stadt angesehen werden, hatten die städtischen Radexperten im Planungsausschuss vorgetragen.

Denn sie spiegeln die Erfahrung wider, "wie man heute modernen Radverkehr abwickelt", so Obert. Das Gremium hatte sich auf Antrag der Grünen ausführlich mit der Landesauszeichnung befasst.

Anregungen unterschiedlicher Verbindlichkeit

Karlsruhe hatte im Dezember 2017 nach 2011 zum zweiten Mal die Auszeichnung "Fahrradfreundliche Kommune" erhalten. Um sich 2022 wieder erfolgreich zu bewerben, hat das Landesverkehrsministerium der Stadt Auflagen mit unterschiedlicher Verbindlichkeit mitgegeben. Sie reichen von Auflagen mit "Pflichtcharakter", hierzu zählen auch die Erhebung des Modal-Split und die Aktualisierung des Radförderprogramms, bis zur reinen Empfehlung für die Personalausstattung. Bei Letzterer hatte die Prüfkommission der Stadt nahegelegt, sechs Stellen für den Radverkehr vorzuhalten.

Aktuell sind es vier Stellen in verschiedenen Ämtern. Viel wurde damit bereits erreicht, etwa die Ausweisung von Fahrradstraßen (auch eine Auflage der Zertifizierung 2011). Einige Bausteine, etwa einige personalintensive Umsetzungsplanungen, liegen jedoch auf Eis, hatte die Verwaltung informiert. Er sei davon überzeugt, so Obert, dass die aktuelle Erhebung des Modal Splits einen Radanteil über 25 Prozent ergeben wird. Dann erfordere "allein die schiere Menge" einen höheren Gang zugunsten der Radstadt. Ziel des IQ-Leitprojekts sei, die Nutzerzufriedenheit weiter zu erhöhen. Ein guter Indikator ist dabei der ADFC-Klimatest.

Zu den aktuellen Zertifizierungs-Auflagen mit "Muss-Charakter" gehören etwa die systematische Überprüfung der Radwegebenutzungspflicht und die Schaffung weiterer hochwertiger und überdachter Radabstellanlagen in der Innenstadt. Auch das Wachsen des Haupt- und Nebenradnetzes findet sich hier, auch unter Berücksichtigung des vom Land vorgesehenen Radnetzes Baden-Württemberg (RadNETZ-BW). Zudem geht es um den Ausbau des betrieblichen Mobilitätsmanagements.

Kampagnen weiterführen

Erwartet wiederum wird die Weiterführung von Kampagnen wie "Tu`s aus Liebe!", Radlerfrühstück und die Erstwohnsitzkampagne. Wo das Land eher die - teure - Beseitigung der Schiebestrecke im RadNetz-BW am Hafensperrtor sehen würde, wäre den städtischen Radplanern an einer Investition in das innerstädtische Netz mit einer Brücke über die Südtangente für die Radroute von Mühlburg an den Rheinhafen mehr gelegen, hatte die Verwaltung im Ausschuss vorgetragen.

Um das Niveau als Fahrradstadt zu halten oder weiter zu verbessern, hält das Land die Erhöhung des Radbudgets für geboten. Auf der Liste der Anregungen, die umgesetzt werden sollten, finden sich zudem die weitere systematische Freigabe von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung sowie die Ableitung konkreter Maßnahmen aus Sicherheitsanalysen. Einen Haken kann die Stadt voraussichtlich im April an einem weiteren Punkt der Liste machen: Die zweite Fahrradstation am Hauptbahnhof soll dann mit über 600 Stellplätzen für Radler zur Verfügung stehen.

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Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

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  •   ManuM
    (5 Beiträge)

    14.03.2018 13:42 Uhr
    Bestehende Radwege in Schuss halten
    Das bestehende Radnetz sollte als Erstes wieder in einen anständigen Zustand gebracht werden. Viele Radwege bestehen aus einem holprigen Flickenteppich, Schlaglochpiste oder durch Wurzeln angehobenen Asphalt.
    Auch durch Fahrradstraßen ist die Situation verschlechtert worden (z.B. Gartenstraße), da Autos beidseitig parken, der Fahrweg zu eng wird und somit Fahrradfahrer durch Autos behindert werden (größere Masse = Vorfahrt).
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  •   Joachim
    (6 Beiträge)

    14.03.2018 10:00 Uhr
    Preis für KA?
    Das ist schon mehr als peinlich (für Deutschland) wenn KA hier einen Preis holen kann. Da sieht man wie weit die 'Fahrradkultur' in Deutschland ist.
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  •   Denkfehler
    (25 Beiträge)

    15.03.2018 07:18 Uhr
    So einen Kommentar.....
    ....kann eigentlich nur jemand schreiben, der, außer für ein paar Sonntags-Ausflüge "rund um den eigenen Balkon", weder in BaWü noch in D irgendwo nennenswert Rad gefahren ist. Fahren Sie mal in Köln/Bonn, Dortmund, Berlin, Hamburg, Sindelfingen, Pforzheim, etc. im normalen Alltag Rad - dann werden Sie merken, dass in KA doch schon sehr paradiesische Zustände herrschen.
    Auch wenn es in KA abschnittsweise noch durchaus großes Potenzial der Verbesserung gibt - ich denke da z. B. an die Radwege Durlacher Tor -> Stadion entland des Adenauerrings oder Durlacher Allee ab Ostring nach Durlach. Die gehören mal durchgehend grundsaniert. Auch die Anbindung des HBF aus Süden von "jenseits der Südtangente" ist suboptimal - insbesondere die letzten 1000 Meter, bis man dann an der Radstation wäre.
    Insgesamt ist die Stadt aber auf 'nem guten Weg, und je mehr Leute Rad fahren, desto mehr Platz beleibt für diejenigen, die weiterhin ihre Brötchen mit dem Auto holen wollen. Also eine Win-Win-Situation...
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