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Karlsruhe Ausbau der geplanten 20 Radrouten stockt: Autofahrer und Naturschutz kommen den Plänen in die Quere

Die Stadt Karlsruhe möchte Fahrradfahrern mehr Verkehrsraum einräumen: Insgesamt 20 neue Radrouten sollen an allen Ecken und Enden der Stadt entstehen. Ursprünglich war das Ziel, in jedem Jahr zwei der Routen fertigzustellen. Doch die Konkurrenz mit dem Autoverkehr, zahlreiche Bürgerwünsche und besondere Anforderungen an die neuen Radwege erschweren die Umsetzung.

Im Jahr 2005 war der Startschuss: Die Stadt Karlsruhe setzte sich das Ziel "Fahrrad-Großstadt Nummer 1 in Süddeutschland" zu werden und das Radfahren verstärkt zu fördern. Dabei gibt das "20-Punkte-Programm" zur Förderung des Radverkehrs die Richtung vor. 

Vor über zehn Jahren wurde beschlossen, das Radnetz auszubauen: Insgesamt 20 Hauptrouten sollten auf den Karlsruher Straßen den Radlern künftig das Fahren erleichtern. Waren damals lediglich 16 Prozent der Karlsruher mit dem Fahrrad unterwegs, ist der Anteil seitdem auf über 25 Prozent gestiegen. Doch oftmals leben Radfahrer in der Fächerstadt gefährlich, müssen sie sich den begrenzten Platz mit den Bahnen, Autos und Fußgängern teilen.

13 der Routen sind teilweise umgesetzt

Eigentlich müssten diese 20 Routen in der Fächerstadt schon lange zu finden sein – sind sie aber nicht. Denn ursprünglich war die Idee, jedes Jahr zwei der Strecken fertigzustellen. Von diesem Ziel hat die Stadt allerdings ablassen müssen.

Viel befahren: Der neue Abschnitt der Radroute in Richtung Hagsfeld. | Bild: Paul Needham

Der Stand der Dinge: Von den 20 geplanten Radrouten sind 13 - zumindest in Teilen - bereits vorhanden. Zwei der Routen, "Knielingen-Innenstadt" und "Waldstadt-Innenstadt", sind komplett fertiggestellt. Bei vielen anderen fehlen noch einzelne Kreuzungen oder Straßenabschnitte wie die Stadtverwaltung auf Anfrage von ka-news.de mitteilt. 

Ursache für die fehlenden Stellen in den Radrouten ist hauptsächlich die Konkurrenz zum Autoverkehr. "Die Lücken resultieren zu einem großen Teil daraus, dass hier die Radverkehrswegeplanung in Konkurrenz zur Kfz-Leistungsfähigkeit steht", teilt Helga Riedel, Sprecherin der Stadt Karlsruhe, auf Nachfrage von ka-news.de mit. 

Viele Bürgereingaben führen zu "Planungsstau"

Doch auch andere Faktoren erschweren die Umsetzung der geplanten Radwege - beispielsweise der Naturschutz. Zwar nicht mitten in der Stadt, dafür in den Außenbereichen, stelle er oft ein Hindernis dar. Hierbei Kompromisse zu finden sei zeitlich besonders aufwändig. 

Ein weiterer Grund, aus dem es nicht so schnell vorangeht wie geplant, sind die vielen Bürgereingaben. "In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl von etwa 200 auf 1.000 pro Jahr erhöht, die Beantwortung bindet Planungskapazitäten", teilt die Stadt Karlsruhe mit. Inzwischen wurden beim Tiefbauamt und beim Stadtplanungsamt Projektstellen besetzt, die den "Planungsstau" beheben sollen.

Zusätzlich hat das Land Baden-Württemberg ein riesiges Radnetz definiert: Auf einer Länge von 7.000 Kilometern sind zirka 700 Kommunen an das Netz angeschlossen - auch Karlsruhe. Teilweise verlaufen die Strecken auf den Karlsruher Radrouten, sollen allerdings besondere Standards erfüllen. Die Folge: Die Karlsruher Radrouten müssen überplant werden, teilt die Stadt mit.

Screenshot der Onlinekarte https://www.wegedetektiv.de/radnetz.
Das Land Banden-Württemberg hat im Jahr 2016 ein Radwegenetz definiert. Es führt auch durch die Fächerstadt. | Bild: Screenshot @ https://www.wegedetektiv.de/radnetz

So bringt der Ausbau der Karlsruher Radwege viele Schwierigkeiten mit sich, doch zumindest in der Oststadt haben die Pedalritter seit Mitte des vergangenen Jahres ein wenig mehr Freiheit: Der Radweg in Richtung Hagsfeld und Büchig wurde ausgebaut. "Damit ist jetzt ein wichtiger Abschnitt der Radroute 15 in Betrieb", sagte Oberbürgermeister Frank Mentrup bei der Einweihung der Strecke im August.

Oberbürgermeister Frank Mentrup im Gespräch mit ka-news.de-Redakteurin Anya Barros. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Wann werden alle Karlsruher Radrouten fertig sein?  Auf diese Frage kann die Stadt Karlsruhe keine genaue Antwort geben. Zuerst seien die auftretenden Konflikte zwischen dem Radnetz auf der einen und beispielsweise Naturschutz und Autoverkehr auf der andere Seite zu lösen. "Das erfordert einen sehr hohen zeitlichen Aufwand", teilt die Stadt mit.

Trotz aller Hindernisse wird der Ausbau der Radwege auch in diesem Jahr vorangehen. Welche Änderungen die Radler in Karlsruhe in Zukunft erwartet, ist nicht in Stein gemeißelt. Denn aktuell wurde damit begonnen, das "20-Punkte-Programm" zur Radförderung weiter zu schreiben. Auch die Meinung der Bürger wird - im Rahmen des Stadtbauforums - in die künftige Planung einfließen.


ka-news.de Hintergrund: Radwege-Ausbau in Karlsruhe

Der Gemeinderat hat im Jahr 2005 einstimmig das Konzept zum Ausbau des Radwegenetzes und das "20-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs in Karlsruhe" beschlossen. Der Grund: Das schlechte Abschneiden der Stadt im ADAC-Test "Radfahren in Städten" ein Jahr zuvor.

Seitdem hat sich einiges getan. Für das Jahr 2018 wurde Karlsruhe vom ADFC zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands ihrer Größenklasse gekürt. "Wir haben in Karlsruhe 520 Kilometer Radwege", sagt Bürgermeister Albert Käuflein auf Nachfrage von ka-news.de. Diese setzen sich aus 169 Kilometer Hauptrouten und 351 Kilometer Nebenstrecken zusammen.

Im 20-Punkte-Programm sind ambitionierte Ziele festgeschrieben: Eines besagt, dass der Radverkehrsanteil bis 2020 auf 30 Prozent steigen soll. Das will man bei der Stadt unter anderem damit erreichen, dass die Radwege attraktiv ausgebaut werden. So möchte auch das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP), gemeinsam mit dem Land, Radrouten und -schnellwege in der Region ausbauen. 

Mehr zum Thema
Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

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  •   mueck
    (11758 Beiträge)

    09.01.2020 23:34 Uhr
    "Radfahrer die Leistungsträger der Gesellschaft."
    Recht haste!
    Da sie kein teueres Auto finanzieren müssen, können Radfahrer viel mehr schöne Sachen konsumieren ...
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  •   kommentar4711
    (2691 Beiträge)

    09.01.2020 19:36 Uhr
    ANTWORT AUF "RADFAHRER"
    Schon mal auf die Idee gekommen, dass viele dieser Konflikte eben genau deswegen entstehen, weil kein Platz für die Radfahrer da ist? Der oben gelobte Weg Knielingen-Innenstadt ist da ein Paradebeispiel für.
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  •   Beiertheimer
    (1157 Beiträge)

    09.01.2020 12:05 Uhr
    Ja so ist es.
    Die Fußgänger haben ja auch in Karlsruhe endlich ihren Gehsteig wieder und die Autofahrer sind auf dem absteigenden Ast.
    Freie Fahrt für freie Radler.
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  •   ALFPFIN
    (7363 Beiträge)

    09.01.2020 10:45 Uhr
    Radwege
    "Doch oftmals leben Radfahrer in der Fächerstadt gefährlich, müssen sie sich den begrenzten Platz mit den Bahnen, Autos und Fußgängern teilen."
    Fußgänger, ja die sind so richtig lästig. So eine notorische Fußgängerin, wie ich, habe gerade heute morgen den arg begrenzten Platz auf dem Gehweg mit zwei Radfahrern, sozusagen Schnellwegfahrer, geteilt. Gut, dass ich mein Einkaufstäschle richtig festgehalten habe. 😉
    Natürlich, ich weiß, es gibt auch Radfahrer, die sich an Verkehrsregeln halten.

    Und überhaupt, ist ja typisch in unserem Land. Kaum ist so ein Konzept erarbeitet, kommen die Einsprüche aus allen Ecken. Befürchte, dass gibt jetzt auch wieder so ein Langzeitprojekt und nichts geht voran.

    Man sollte die Radfahrer unter Naturschutz stellen beim Bund für Naturschutz oder noch besser, bei der Deutschen Umwelthilfe, die gerade zur Zeit aufblühen, vielleicht ginge es dann doch schneller voran mit dem Radwegenetz. War jetzt e bissle ironisch gemeint.😉
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  •   mueck
    (11758 Beiträge)

    09.01.2020 23:33 Uhr
    "Fußgänger, ja die sind so richtig lästig."
    Recht haste!
    Vor allem, wenn sie mitten auf der Fahrbahn laufen, wie sie es viel zu oft auf den Fahrradstraßen-Abschnitten der Cityroute-Süd tun ...
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  •   ALFPFIN
    (7363 Beiträge)

    10.01.2020 12:43 Uhr
    Da bin ich aber froh,
    dass ich als Fußgängerin so gut wie gar nicht auf den Fahrradstraßen-Abschnitten der Cityroute-Süd
    unterwegs bin (auch nicht mittig) und ich Mück nicht mit seinem Fahrrädle, vielleicht noch mit Anhänger begegnen kann ….er mir natürlich auch nicht. 😊
    Ansonsten allseits gute Fahrt, ein gutes Fortkommen, wenn auch manchmal knapp an Fußgängern vorbei.😉
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