Morgen sollen die Bürger von Stutensee entscheiden, ob zugunsten eines neuen Wohngebiets ein Teil des Lachwalds abgeholzt werden soll. Bereits seit geraumer Zeit versuchen die beiden Fronten die Bürger von den jeweiligen Seiten zu überzeugen. Die "Allianz für Stutensee" wirbt für möglichst viele Nein-Stimmen, welche der Bebauung den Weg ebnen würde. Die Bürgerinitiativen "Rettet den Lachwald" und "Lachwald-erhalten" wollen mit einer Mehrheit an Ja-Stimmen eine Abholzung verhindern. Noch immer sind allerdings einige Fragen umstritten. Ein Überblick:

Gibt es in Stutensee keine andere Fläche für Wohnraum?

Die Bürgerinitiativen sprechen davon, dass laut Flächennutzungsplan 2010 des Nachbarschaftsverbands Karlsruhe für Stutensee noch 18 Hektar Fläche für Wohnraum vorgesehen sind, welche aber nicht angerührt wurde. Stattdessen soll nun der Lachwald fallen, um durch den Verkauf der Flächen die Haushaltslöcher zu stopfen, so die Initiative weiter.

Dem widerspricht Ansgar Mayr in Namen der "Allianz für Stutensee": Es sei zwar richtig, dass im Flächennutzungsplan auch weitere Flächen für Neubaugebiete ausgewiesen seien. "Die Grundstücke in diesen Quartieren gehören jedoch fast ausschließlich Privatpersonen und nicht der Stadt. Wollte die Stadt in diesen Neubaugebieten großflächig bezahlbaren Wohnraum anbieten, müsste sie das Bauland teuer aufkaufen", begründet die Allianz die Ablehnung für diesen Vorschlag

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Soll die Lachwald-Bebauung Geld in die Stutenseer Kassen spülen?

Mit dem Verkauf der Baugrundstücke will die Stadtverwaltung nur die klammen Kassen füllen. Diese Aussage plakatieren die Bürgerinitiativen derzeit an vielen Orten. Doch auch hier ist die Stadt anderer Ansicht. So heißt es in einer Pressemeldung: "Die Stadt Stutensee hat nach dem geltenden Haushaltsrecht keinen sanierungsbedürftigen Haushalt. Schulden werden durch die Erschließung des Lachwaldes nicht abgebaut. Auf einer Teilfläche des Lachwaldes soll bezahlbarer und geförderter Wohnraum realisiert werden. Zusätzliche Einnahmen werden in die für alle notwendige Infrastruktur der Stadt investiert." Insgesamt sollen 70 Prozent der Flächen verkauft werden, 30 Prozent sollen im städtischen Besitz bleiben.

Wer soll überhaupt im Lachwald bauen?

"Durch ein Wohngebiet auf einer südlichen Teilfläche des Lachwaldes können wir mit einem durchdachten Gesamtkonzept viele Anforderungen erfüllen: Bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum ebenso wie innovative Wohnkonzepte. Dabei soll die Chance genutzt werden, kommunale Wohnraumförderung in Stutensee über die Gründung einer städtischen Wohnungsgesellschaft oder Genossenschaft langfristig auf eine tragfähige Basis zu stellen", so Lukas Lang, Sprecher der Stadt Stutensee auf ka-news-Anfrage. Die konkrete Gestaltung des Wohngebiets solle dabei jedoch erst im weiteren Verlauf nach und nach entwickelt.

Soll das Land komplett für Wohnfläche verwendet werden?

"Es geht darum, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, vor allem bezahlbaren und geförderten; möglichst auch einen guten Teil barrierefrei. Wie dies im Detail gestaltet und die unterschiedlichen Bedürfnisse zusammengebracht werden, soll in breiten Bürgerbeteiligungsprozessen wie aktuell 'Zukunft Stutensee-Wohnen' gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt entwickelt werden.", lautet hier die Stellungnahme der Stadt.

Wird es dort dann nur sozialen Wohnungsbau gehen?

Auch zu dieser Frage bezieht Lang Stellung: So werde es kostengünstigen und geförderten Wohnraum geben, aber für eine "gute soziale Durchmischung" soll es auch die Möglichkeit geben, Eigentum zu erwerben. "Des Weiteren soll altersgerechter und auch barrierefreier Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten und für alle Altersgruppen entstehen", so Lang.

Bei einer Bürgerinformation gibt die "Allianz für Stutensee" an, dass ein Umweltgutachten den ökologischen Wert des Lachwalds prüfen soll. Liegt das Gutachten zum Bürgerentscheid schon vor?

Auf diese Frage antwortet Lang: "Die Artenschutz- und Umweltgutachten werden derzeit auf Grundlage des Aufstellungsbeschlusses zum Plangebiet 'Lachwald II' erstellt." Ein Ergebnis teilt er auf ka-news-Anfrage nicht mit.

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