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Karlsruhe Sylvia Kotting-Uhl zur Endlager-Suche: "Karlsruhe kommt nicht in Frage"

Am Montag stellte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Ihren Zwischenbericht für mögliche Atommüllendlager in Deutschland vor. ka-news.de sprach mit der Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl aus Karlsruhe über den 444 Seiten langen Bericht.

Derzeit lagern über die gesamte Bundesrepublik verteilt ca. 27.000 Kubikmeter radioaktiver Atommüll in Zwischenlagern. Die Suche nach einem Endlager erhitzt schon lange die Gemüter. Durch ein transparentes Verfahren will die BGE dafür sorgen, dass "das Verfahren in der Bevölkerung akzeptiert wird", so Sylvia Kotting-Uhl gegenüber ka-news.de

Bis 2031 soll ein Ort gefunden werden, an dem der strahlende Abfall aus Atomkraftwerken möglichst sicher unterirdisch gelagert werden kann. Von 2050 an soll das Endlager genutzt werden.
Bis 2031 soll ein Ort gefunden werden, an dem der strahlende Abfall aus Atomkraftwerken möglichst sicher unterirdisch gelagert werden kann. Von 2050 an soll das Endlager genutzt werden. | Bild: Sebastian Kahnert/dpa

Die Karlsruherin sitz für die Grünen seit vier Legislaturperioden im Bundestag und ist "Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit." Die Endlager-Suche beschäftigt Sie also fast täglich. 

Karlsruhe kommt nicht in Frage

Laut Zwischenbericht kommen 54 Prozent der Bundesfläche für ein mögliches Endlager infrage. "Karlsruhe selbst ist wegen des Rheingrabens nicht geeignet", aber schon in der näheren Umgebeung beginnt eines der Teilgebiete im Kristallingestein. "In Baden-Württemberg aber gibt es große Flächen, die nach aktuellen Erkenntnissen geeignet wären."

Laut Karte der BGE handelt es sich bei diesen Gebieten vor allem um den Schwarzwald und die schwäbische Alb. Auch um Pforzheim und Stuttgart kommen weite Gebiete infrage.

Suche benötigt Zeit - "2031 unrealistisch"

Kotting-Uhl stellt aber klar, dass die aktuell ausgewählten Regionen nur eine Vorauswahl sind und es noch keinen konkreten Plan für einen Standort gibt. Außerdem soll die Suche "die Zeit bekommen, die benötigt wird, aber getrödelt soll natürlich nicht werden." 

Die aktuellen Zwischenlager müssen nämlich zu einem bestimmten Zeitpunkt geräumt sein. 2031 soll ein geeignetes Endlager gefunden sein, für Kotting-Uhl kein realistischer Zeitplan. 

"Es gibt einfach sehr viele Dinge, die dabei beachtet werden müssen und deswegen denke ich, dass 2031 kein realistisches Ziel ist", so die zweifache Mutter deutlich.

Hohe Maß an Transparenz

Die Suche soll sorgfältig und mit der nötigen Transparenz vonstattengehen, damit die Bevölkerung vom Verfahren überzeugt ist. Diese Transparenz wird sehr wichtig sein, denn wenn einmal der passende Ort gefunden ist "hat die Bevölkerung kein Veto-Recht."

Wohin damit? Seit Jahrzehnten ist die Suche nach einem Endlager-Standort äußerst umstritten.
Wohin damit? Seit Jahrzehnten ist die Suche nach einem Endlager-Standort äußerst umstritten. | Bild: Jens Wolf

Ein Veto-Recht haben die Bewohner zwar nicht, sollte das Endlager aber tatsächlich in Ihrer Nähe landen, wird das ausgeglichen. Eine konkrete Idee für einen solchen Ausgleich gibt es bisher nicht, aber die "Betroffenen dürfen wählen wie er aussehen soll."

Hält die Kritik für falsch

Kritik am verfahren gab es schon vor Veröffentlichung des Berichts." Das ist eine Überraschungstüte", sagte der baden-württembergische Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke der Deutschen Presse-Agentur. "Durch die mangelnde Transparenz verspielt die Bundesgesellschaft für Endlagerung die Chance, dass eine solche Suche und ihr Ergebnis auch akzeptiert werden."

Sylvia Kotting-Uhl ist langjähriges Mitglied des deutschen Bundestages.
Sylvia Kotting-Uhl ist langjähriges Mitglied des deutschen Bundestages. | Bild: Kotting-Uhl Pressebild

Kritik, die Kotting-Uhl nicht nachvollziehen kann. "Das Verfahren ist transparent, davon können sich Kritiker auf der Seite der BGE selbst ein Bild machen."

 

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Kommentare (17)
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  •   FG1961
    (372 Beiträge)

    01.10.2020 06:37 Uhr
    In meinem Keller
    ist noch Platz für einen Kubikmeter "Abfall".
    Soweit ich mich erinnere, kann so ein Kubikmeter Abfall für die nächsten Jahrhunderte noch genug Wärme für Heizung und Warmwasser abgeben. CO2-frei.
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  •   bergdoerfler
    (1664 Beiträge)

    30.09.2020 21:01 Uhr
    Endlagerung bei den Gegner der Windkraftanlagen
    wäre auch eine Idee.
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  •   ka-lex
    (1681 Beiträge)

    30.09.2020 20:44 Uhr
    Pure Illusion
    Nirgendwo wird die Bevölkerung ein Endlager akzeptieren. Das kann man sich abschminken!
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  •   dipfele
    (5844 Beiträge)

    01.10.2020 01:38 Uhr
    Aber.....
    . .. irgendwo muss ja das Zeugs hin. Das der Oberrheingraben allein schon wegen der Geologie nicht in Frage kommt, ist ja wohl klar. Also kein Verdienst von Frau Kotting-Uhl.
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  •   Schillerlocke
    (346 Beiträge)

    30.09.2020 18:17 Uhr
    Da vertauen wir ganz 'der Wissenachaft"
    obwohl mir es nichts ausmachen würde. Ich leide nicht unter Atomphobie.
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  •   rheinstrandsiedler
    (91 Beiträge)

    30.09.2020 17:10 Uhr
    Ich hör immer AKW
    schon mal was von Nuklearmedizin gehört? Das ist das wo ihr Euch freiwillig drunterlegt
    bzw. Euch spritzen lasst (mehr oder minder freiwillig). Also die "gesunde" Radioaktivität. (Ironie Ende). Auch diese produziert radioaktiven Abfall. Da wird komischerweise nicht drüber gesprochen, da wahrscheinlich gar nicht bekannt. Und die Suche nach einem Endlager wird wieder Milliarden kosten und letztendlich so geeignet es auch sein mag an der Ablehnung der Gegner scheitern. Also ein Kreislauf den wir in 200 Jahren noch haben werden. Derweil werden die vielen zerstreuten Zwischenläger in den Kernkraftwerken, welche für 40 Jahre genehmigt wurden hoffentlich halten. Wahrscheinlich wird die Laufzeit mehrmals verlängert werden.
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  •   patrickkk
    (1686 Beiträge)

    30.09.2020 17:10 Uhr
    ...
    Naja, wir haben ja schon ein Lager. Da brauchen wir nicht noch ein fiktives Endlager dass unser Lager ablöst. So lange dass Endlager nur Wunschdenken ist (wie seit 50 Jahren) ist unser Lager das effektive Endlager. Mein Neffe ist nach dem Atemausstieg geboren und wird 40 sein bis dieses Endlager frühestens funktionsfähig ist. Bis dahin wird hier gelagert.

    Aber unsere Grüne sagt dass natürlich nicht.
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  •   Deisyy
    (320 Beiträge)

    30.09.2020 20:20 Uhr
    setze schnell wieder deinen Aluhut auf dann kann dir nichts passieren
    vor allem, er schützt dich vorm Atomschlag zwinkern
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  •   patrickkk
    (1686 Beiträge)

    30.09.2020 23:07 Uhr
    ...
    Atommülllager in Karlsruhe
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  •   VolkerGoebel
    (1 Beiträge)

    30.09.2020 17:05 Uhr
    DBHD Endlager bei Glasin
    Für ein TROCKENES und gas-dichtes Endlager gibt es bereits eine Planung - DBHD Endlager bei Glasin - MfG Ing Goebel
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