Karlsruhe Ein Tag mit der Karlsruher Zoo-Tierärztin: "Kein Tag ist wie der andere"

Erdmännchen streicheln, dem Löwen eine Spritze geben oder den Huf eines Zebras untersuchen. Zum Beruf eines Zoo-Tierarztes gehört noch viel mehr. ka-news hat der Karlsruher Zoo-Tierärztin Julia Heckmann einen Tag über die Schulter geschaut.

"Kein Tag ist wie der andere und genau das macht den Job so reizvoll". Das sagt Julia Heckmann, die seit Juli als Tierärztin im Karlsruher Zoo arbeitet - ihr absoluter Traumjob wie sie sagt. Die Arbeit im Zoo bietet tatsächlich viel Abwechslung. Gerade kommt die ausgebildete Tiermedizinerin vom Oberwald, jetzt geht es weiter ins Strauß-Gehege. Vogelstrauß-Dame Nani hat sich eine Sehnenentzündung zugezogen. Heute will Julia Heckmann die Verletzung und den Heilungsverlauf des Vogels begutachten. Vor einigen Tagen wurde ein Röntgenbild der Verletzung gemacht, keine Selbstverständlichkeit, wie die Tierärztin beschreibt.

Zoo Karlsruhe
Bild: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Viele Tiere im Zoo seien nur aus der Ferne oder unter Betäubung zu behandeln. Strauß Nani ist da eine Ausnahme: Ganz ruhig und zahm lässt sie sich von der jungen Tierärztin untersuchen. Weil die Wunde gut verheilt beschließt Julia Heckmann, in Rücksprache mit Hannis Pflegerin Vicky Herbst-Dreis, es in den kommenden Tagen ohne Wundsalbe zu probieren.

Über 4.000 Tiere leben im Karlsruher Zoo. Und für deren medizinische Betreuung ist Heckmann zuständig: "Meine Hauptaufgabe besteht in erster Linie in der Prophylaxe." Dazu gehören Untersuchungen von Blut- oder Kotproben im Labor aber auch Impfungen. Doch nicht immer geht es um die Krankheiten der Tiere.

Auf dem Weg zum nächsten Patienten erzählt Heckmann, dass sie schon als Kind davon träumte, Tierärztin zu werden. Weil ihre Mutter im Katzenschutz tätig war, kam sie schon früh mit Tieren in Berührung. Die Leidenschaft - sie brennt bei der in Waldbronn aufgewachsenen Heckmann bis heute.

Die Arbeit im Zoo ist vielfältig und abwechslungsreich 

Als nächstes geht es so für Julia Heckmann in den Streichelzoo.Dort lebenden Ziegen und bei denen gab Nachwuchs! Jetzt müssen die jungen Geißlein mit einem Chip markiert werden. Der Chip hat eine ähnliche Funktion wie ein Personalausweis und dient zur Identifizierung. Dabei erweist sich das ein oder andere Zicklein als durchaus störrisch wie ein Esel. Doch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl und mit der Hilfe von Pfleger Janosch Mattern lassen die Kleinen die Prozedur über sich ergehen.

Zoo Karlsruhe
Bild: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Ziegen leben die Wollschweine, wo ebenfalls der Einsatz der Tierärztin gefragt ist. Bei einem der Schweine wurde vor einigen Wochen ein Knoten entdeckt, möglicherweise ein bösartiges Geschwür. Doch an diesem Tag gibt die Veterinärmedizinerin eine vorsichtige Entwarnung. Der Knoten ist nicht weiter gewachsen. Die Patientenakte des Wollschweins ist aber trotzdem noch nicht geschlossen: Die Stelle wird Heckmann auch weiter im Auge behalten!

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Nur ein Gehege weiter führt die Ärztin dann auch schon die nächste Untersuchung durch. Dieses Mal sind es die Alpakas, die die Aufmerksamkeit von Heckmann brauchen. Die Tiermedizinerin, die an der Universität Gießen studiert und gearbeitet hat, kontrolliert den Zahnzustand der südamerikanischen Tiere. Bevor es zurück ins Büro und ins Labor geht, hat Julia Heckmann aber noch einen letzten Patienten.

Zoo Karlsruhe
Bild: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Arbeit im Labor bestimmt einen großen Teil des Arbeitsalltags 

Vom Zahnarzt zur Familienhelferin. Die Weißkopfsakis hatten einen ausgewachsenen Familienstreit und sich vor einigen Wochen ordentlich in die Haare bekommen. Der Streit hätte beinahe in einer Tragödie geendet, beschreibt Heckmann. Das Saki-Junge Loompha musste nach einer Auseinandersetzung mit dem Vater in einer Not-Operation gerettet werden. Er hat überlebt, ist nun aber getrennt von seiner Familie hinter den Kulissen des Zoos.

Dort wird er nun wieder aufgepäppelt und gleichzeitig für den Umzug vorbereitet. Dazu gehört beispielsweise das Training, damit er am Umzugstag möglichst stressfrei in die Transportbox klettert. Weil das nicht immer so einfach ist und die Primaten ihren ganz eigenen Kopf haben, nutzen die Tierpfleger einen simplen Trick: Sie locken das Jungtier mit seiner Leibspeise, Nüssen, in die Box. Auch wenn er sich wieder erholt, darf Loompha übrigens bis zu seinem Umzug in einen anderen Zoo nicht mehr zurück zu den anderen Sakis. Das war der letzte Patient auf der Warteliste. Jetzt geht es für Julia Heckmann zurück in die Verwaltung - Papierkram und Labor-Untersuchungen warten.

Nach den Tieren kommt der Schreibtisch

Bei den rund 4.000 Tieren im Karlsruhe Zoo kann die Tierärztin nicht alle im Blick haben, beschreibt sie. Sie ist daher auf die Beobachtung der Pfleger angewiesen, die tagtäglich die Tiere betreuen und sie auch sehr gut kennen.

Auch nach rund einem halben Jahr im Karlsruher Zoo ist ihr die Freude über die Stelle deutlich anzusehen. "Ich lebe meinen Traum", sagt sie. Ihre Augen leuchten. Dass sie jetzt ausgerechnet in dem Zoo arbeitet, den sie aus ihrer Kindheit kennt, freut sie umso mehr. Zur Vorbereitung auf den Job in der Fächerstadt hat sie verschiedene Praktika in den Zoos in Frankfurt und Magdeburg gemacht.

Daher weiß sie auch, wie gut die Arbeitsbedingungen im Karlsruher Zoo sind. So sei beispielsweise das Labor "extrem gut ausgestattet", unter anderem mit einem Röntgen-, einem Laser- oder einem Ultraschall-Gerät. Dorthin macht sie sich nun auch auf, um die Proben auszuwerten. Aber auch um neue Medikamente zu bestellen. Denn auch das gehört zum Job einer Zoo-Tierärztin einfach dazu.

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Bild: Timo Deible/Zoo Karlsruhe
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