Karlsruhe Disponent in der Polizei-Leitstelle: "Man muss sehr stressresistent sein"

Paketbote, Bahnfahrer und Richter: Es sind Berufe, die jeder kennt. Doch was machen diese Menschen den ganzen Tag? Hinter der Arbeit steht oft mehr, als es auf den ersten Blick scheint. In der neuen Reihe "Ein Tag mit ..." begleitet ka-news.de Menschen in ihrem Berufsalltag und schaut hinter die Kulissen. Die Serie erscheint jeden Sonntag auf ka-news.de - so spannend kann Alltag sein!

Eigentlich sind die Nachbarn in ihrem Jahresurlaub. Aber Moment, warum leuchtet eine Taschenlampe in ihrer Wohnung? Könnten das etwa Einbrecher sein? Wer eine solche verdächtige Beobachtung macht oder aus einem anderen Grund schnelle Hilfe der Polizei benötigt, wählt die Notrufnummer "110". Am anderen Ende der Leitung nehmen Thorsten Meixner oder einer seiner 59 Kollegen dann die Anrufe aus der Fächerstadt entgegen.

Die Leitstelle besteht nicht nur aus der Notruf-Annahme

Im Dachgeschoss des Polizeipräsidiums befindet sich das Führungs- und Lagezentrum. Von hier aus werden die Polizeikräfte im Einsatzgebiet koordiniert, mit Informationen versorgt- und eben auch die Anrufe der Notrufnummer 110 entgegen genommen.

Ein Tag in der Leitstelle

(Ein Blick in einen Teil der Leitstelle)

Auf der selben Etage befinden sich zudem unter anderem die Kommunikations-Betriebsstelle, die Anrufe von Bürgern entgegen nimmt, die nicht über die 110 erfolgen. Eine weitere Abteilung, der Abfragedienst, steht für die Polizisten auf der Straße zur Verfügung, wenn beispielsweise Personalien überprüft werden müssen.

Datenpfleger kümmern sich einige Büros weiter darum, dass rund 15.000 Datensätze zu Banken, Einkaufszentren, Schulen und weiteren Gebäuden stets auf dem aktuellen Stand sind. "Die Betreiber der Objekte können uns freiwillige Gebäudepläne und Ansprechpartner zukommen lassen. Im Einsatzfall hilft es uns sehr weiter, wenn wir diese Informationen haben", beschreibt der Leiter des Führungs- und Lagezentrums Uwe Bux.

Jeden Tag eine andere Schicht

Gearbeitet wird in der Leitstelle in fünf Arbeitsgruppen, die sich drei Schichten aufteilen. Gearbeitet wird in täglich wechselnden Diensten, gefolgt von zwei Bereitschaftstagen und einem Ruhetag. Schon während des Telefonats tippt der sogenannte Disponent das Einsatzstichwort und eine erste Beschreibung in ein System, das in Echtzeit alle anderen Einsätze und auf einer Karte sämtlichen Polizeifahrzeuge anzeigt. 2015 gingen 230.106 Notrufe ein - im Schnitt pro Tag also über 600.

Alle Daten, die in das System eingetragen werden, werden sofort gespeichert und können nachträglich nicht mehr geändert werden. Auch die Anrufe selbst werden aufgezeichnet. Da jedoch alles in Echtzeit stattfindet, können auch alle anderen Einsatzsachbearbeiter sehen, an welchem Stand der jeweilige Einsatz aktuell ist. "Wer einen Notruf annimmt, begleitet den Einsatz nicht unbedingt bis zum Schluss. Wenn eine Rückmeldung von vor Ort kommt, kümmert sich einfach derjenige darum, der gerade Zeit hat", beschreibt Bux das Vorgehen.

Ein Tag in der Leitstelle

So kann er den Auftrag an eine Einheit übermitteln, die möglichst nah an der Einsatzstelle ist: "Da kann es auch sein, dass ein Einsatz, der weniger wichtig ist, abgebrochen wird, damit die Kräfte schnell bei einem dringlicheren Notfall sein können", so Bux weiter.

40 Einsätze zu einer Zeit

"Es ist schon manchmal stressig", so Meixner im Gespräch mit ka-news. Denn nicht nur die eingehenden Notfälle müssten koordiniert werden, auch die laufenden Einsätze müssten ständig im Auge behalten und weiter geleitet werden. So sind an diesem Donnerstag, gegen 14.20 Uhr, rund 40 Einsätze offen: Von Lappalien wie einem Müllauto, welches ein Auto gestreift hat, bis zu einem Verkehrsunfall mit einer verletzten Person.

"Das ist schon eine harte Arbeit", beschreibt Meixner. Vor seiner Arbeit in der Leitstelle war er 18 Jahre lang im Streifendienst. Das habe ihm ungemein geholfen, sagt er, denn so könne er die Arbeit auf der Straße besser nachvollziehen. Auch seine Kollegen waren zuvor auf verschiedenen Revieren, bis sie oft auf eigenen Wunsch oder krankheitsbedingt in die Leitstelle kamen. "Man profitiert hier auf jeden Fall von der Erfahrung in den Revieren."

Manchmal ist es aber auch ruhiger: Am frühen Morgen, zwischen 3 und 5 Uhr, gehen die wenigsten Anrufe bei der Karlsruher Leitstelle ein. Am Morgen geht es dann los, oft mit Unfällen im Berufsverkehr. Gegen Mittag steigt die Zahl der Notrufe weiter an: "Da sind die Schüler auf dem Heimweg, und viel mehr Menschen sind zu Hause", weiß Bux. Die meisten Menschen rufen zwischen 16 und 20 Uhr an, "und was das angeht, ist jeder Tag der Woche gleich", so Bux weiter. Nur der Sonntag sei ein wenig ruhiger.

"Mal ist es ruhig und dann ist plötzlich viel los"

Doch nicht jeder, der sich hinter die vier Bildschirme eines Arbeitsplatz in der Leitstelle setzen möchte, darf auch die Notrufe koordinieren. "Es gibt einen Auswahlprozess, da muss man zeigen, dass man stressresistent ist." Wer genommen wird, muss dann zunächst Fortbildungen unter anderem zu den Themen "Gesprächspsychologie" und "Stressbewältigung" besuchen.

Bereut hat Meixner die Entscheidung bisher nicht. "Nach dem Streifendienst wollte ich einfach etwas anders machen, aber im Schichtdienst bleiben." So habe sich der Job in der Leitstelle angeboten. Was ihn an dem Job reizt? "Man weiß nie, was als nächstes passiert. Mal ist es ruhig und dann ist plötzlich sehr viel los", beschreibt Meixner, der bereits seit 1984 Polizist ist. Zuhause telefoniert er allerdings kaum noch: "Aber das habe ich auch schon vor meinem Leitstellen-Dienst nicht gerne gemacht."

Seine Frau habe sich mittlerweile an die Schichten gewöhnt: "Es hat alles Vor- und Nachteile. Ich kann einkaufen gehen, wenn andere arbeiten. Aber ich muss manchmal arbeiten, wenn meine Bekannten frei haben." Aber diese würden sich einfach Meixners Rhythmus anpassen: "Ich werde dann gefragt, wann mein nächstes freies Wochenende ist und dann verabreden wir uns alle." Ob er nochmal in einer anderen Abteilung arbeiten möchte, weiß er derzeit nicht. Eigentlich, hatte er sich vorgenommen, nicht mehr als 10 Jahre an einer Stelle tätig zu sein. Aber beim Streifendienst hat er dieses Vorhaben auch schon nicht ganz eingehalten.

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