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Karlsruhe Arbeit mit Aussicht: "Als Turmbergbahn-Fahrer drückt man nicht nur Knöpfe"

Paketbote, Bahnfahrer und Richter: Es sind Berufe, die jeder kennt. Doch was machen diese Menschen den ganzen Tag? Hinter der Arbeit steht oft mehr, als es auf den ersten Blick scheint. In der neuen Reihe "Ein Tag mit ..." begleitet ka-news.de Menschen in ihrem Berufsalltag und schaut hinter die Kulissen.

Beruflich geht es für ihn tagtäglich bergauf und bergab: Für Rainer Heimann ist das nichts Besonderes, sondern der Alltag. Er arbeitet für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) als Bahnfahrer- und ist als einer von wenigen immer auf derselben Strecke unterwegs. Diese ist ungewöhnlich, denn sie hat nur eine Gerade und zwei Weichen. Die Rede ist von der ältesten Standseilbahn Deutschlands, der Turmbergbahn in Durlach.

Einmal zur Kontrolle auf den Turmberg wandern

Als sich Heimann am vergangenen Samstag mit ka-news trifft, ist es bewölkt, immer wieder fällt ein wenig Regen. "Heute fängt der Tag schleppend an. Wenn es heute Mittag aufreißt, geht sicher ein bisschen mehr", prognostiziert Heimann lange bevor die erste Fahrt an diesem Tag stattfindet. Er ist bereits über eine Stunde vor der ersten Bergfahrt in der Talstation und trifft die Vorbereitungen für den Tag.

Auch wenn Heimann den Berg meist mit der Bahn erklimmt, muss er zumindest einmal zu Fuß auf den Turmberg laufen. "Am Morgen muss die Strecke kontrolliert werden, um zu prüfen, ob das Seil noch auf den Rollen liegt oder ob beispielsweise Äste auf die Schiene gefallen sind." Erst dann kann er die Bahn starten und in die Bergstation fahren. Hier steht dann eine Kontrolle des Maschinenraums an.

Rund eineinhalb Stunden braucht er für die Vorbereitungen, bevor der Betrieb starten kann. Dazu zählt aber nicht nur der technische Check: "Wir werfen dann auch schon mal einen Blick in die Toilettenräume, machen die Scheiben der Bahn sauber oder kehren Müll und Laub der Station zusammen", beschreibt Heimann. "Es soll ja alles gut aussehen."

Heimann genießt den Ausblick, aber nicht bei jeder Fahrt

Manchmal ist Heimann irritiert, wie die Fahrgäste über seine Tätigkeit denken. "Die Leute denken oft, ich stehe nur in der Turmbergbahn, drücke auf ein paar Knöpfe und fahre den ganzen Tag auf und ab", erzählt er. "Ich werde manchmal gefragt, ob das dann nicht langweilig ist." Das kann er allerdings nicht sagen. In einer Schicht, die er meist im "Einmannbetrieb verbringe, würde immerhin genügend Arbeit anfallen. 

Gleich nachdem er dann die Türen der Bergstation aufgeschlossen hat, kommt auch schon der erste Fahrgast. "Einige Leute nutzen die Turmbergbahn auch tatsächlich um sich fortzubewegen. Sie gehen beispielsweise in Durlach einkaufen und fahren dann wieder nach oben", erzählt er. Das ist aber eher die Ausnahme. Der Großteil der Fahrgäste kommt, um den Ausblick über Karlsruhe auf dem Turmberg zu genießen. 

Seit mittlerweile 34 Jahren ist Heimann schon für die VBK im Einsatz. Seine Karriere startete er allerdings nicht als Fahrer der Turmbergbahn, sondern als Bahnfahrer im Karlsruher Schienennetz. "Irgendwann habe ich dann am schwarzen Brett die Ausschreibung für diese Stelle gesehen und mich beworben", erzählt er.

Der Grund? "Die Arbeitszeiten sind viel geregelter." Allerdings heißt es auch, dass seine Arbeitszeit von der Saison abhängt: "Im Sommer bin ich schon mal sechs Tage in der Woche da, dafür arbeite ich im Winter weniger und gleiche so die Stunden aus." Und es gibt noch einen Unterschied: "Hier hat man viel mehr Kontakt zu den Fahrgästen."

Mal kommen viele Fahrgäste, dann ist wieder Pause

Kaum ist Heimann mit der Bahn wieder ins Tal gefahren, wollen zwei Fahrgäste auf den Berg hinauf. Berg- und Talfahrt oder nur eine einfache Strecke? Das wissen sie noch nicht und wollen es spontan entscheiden. So zahlen sie zunächst nur die Bergfahrt. "Manchmal kommen stundenlang keine Gäste und wenn man sich dann mal hingesetzt hat, kommt eine ganze Gruppe oder eben nur eine handvoll", schildert Heimann. "Sobald jemand da ist, fahre ich nach oben oder unten." Eine festen Fahrplan gibt es nicht, der Betrieb findet "bei Bedarf" statt.

Auch wenn es Tage wie diesen Samstag gibt, an dem einfach aufgrund des Wetters kaum Spaziergänger unterwegs sind, steigt die Zahl der Fahrgäste nach Aussage des Turmbergfahrers seit einiger Zeit: "Das liegt wohl auch an der Turmbergterrasse, die beliebter geworden ist," vermutet Heimann.

Diese Aussicht, die sich von dort über das Rheintal bietet, genießt Heimann auch heute noch. "Aber manchmal fragen mich die Leute, wie die Aussicht denn aktuell ist. Und dann merke ich schon, dass ich nicht immer hinschaue", erzählt er lachend.

Zukunft nach 2019? Heimann lässt sich überraschen

Auch die Frage, wie es mit der Turmbergbahn weitergeht, geht nicht an Heimann vorbei. Ab 2019 müssen die beiden historischen Fahrzeuge ausgemustert werden. Und dann? Werden neue Wagen angeschafft, oder die Bahn sogar ins Tal verlängert? In einer nicht-repräsentativen Umfrage sprachen sich im vergangenen Jahr der Großteil der ka-news-Leser für eine Verlängerung ins Tal aus. 

Was sagt der, der dann täglich mit der noch nicht beschlossenen Variante arbeiten muss? "Ich lasse mich überraschen", sagt er schulterzuckend. Er sei sich selbst unschlüssig, welche die beste Lösung ist. "Der Bau ins Tal ist sicher teuer und kompliziert, aber für Mobilitätseingeschränkte die bessere Lösung." Er könne sich aber auch mit neuen Wagen gut anfreunden.

Mit der noch zu beschließenden Änderung bei der ältesten noch in Betrieb befindlichen Standseilseilbahn in Deutschlands geht auch für Heimann eine Ära zu Ende. Immerhin seit 14 Jahren fährt er die Bahn nun schon die Turmbergbahn. Bereut habe er den Stellenwechsel bei den VBK nicht: "Bis zur Rente in zehn Jahren werde ich das hier auch noch machen."

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  •   Aussie
    (545 Beiträge)

    26.02.2017 18:07 Uhr
    Dass er nur Knöpfe drückt glaub ich auch nicht,
    aber Stress kriegt man dabei sicher nicht.
    Ich gönns ihm. grinsen
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  •   genter
    (469 Beiträge)

    26.02.2017 17:43 Uhr
    Bitte wieder mit Wasserkraft
    Als kleiner June war die Fahrt mit der Turmbergbahn noch ein echtes Erlebnis. Die alten Wagen hatten einen "Balkon" und der Hit waren für uns Kids die riesigen Räder, die mit Wasserkraft die Bahn hochzog.
    Dann kam die Bundesgartenschau und alles wurde modern und elektrisch und stink langweilig. In der Innenstadt wurden die Padelboote verbannt und durch Boote am Zugseil ersetzt. Alles stinklangweilig. Macht von mir aus die Verlängerung zur Endhaltestelle, wie das mal geplant war, aber bitte packt die alten Wagen und Wasserräder wieder aus und die Fahrgastzahlen werden explodieren.
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  •   mueck
    (10573 Beiträge)

    26.02.2017 10:42 Uhr
    ?
    "Werden neue Wagen angeschafft, oder die Bahn sogar ins Tals verlagert?"
    Wohin denn? Zwischen KSC und Marktplatz? zwinkern
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  •   KA-Martin
    (170 Beiträge)

    26.02.2017 12:07 Uhr
    Da war wieder die ka-news-Schülerredaktion am Werk...
    ...die Diskussion geht darum ob die Bahn weiter nach unten verlängert werden soll...
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  •   JimmyBluebutton
    (831 Beiträge)

    26.02.2017 12:44 Uhr
    Na Gottseidank wird sie nur nach unten verlängert.
    Nicht auszudenken, wenn sie runterreduziert oder gar auseinanderdividiert werden würde.
    Da sind wir gerade noch mit einem blauen Auge davon gekommen...
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  •   JimmyBluebutton
    (831 Beiträge)

    26.02.2017 08:48 Uhr
    Aufs Bergs
    oder ins Tals, das ist hier die die Frages.
    Freis nachs Shakespeares Hamlets.
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  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    26.02.2017 18:55 Uhr
    Darauf
    ein Seppelpeter's Spezial's. grinsen
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