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Karlsruhe Weg mit Hunde-Häufchen: Spart Karlsruhe bald die Gratis-Tüten ein?

Karlsruhe muss den Gürtel enger schnallen: Bis 2022 muss die Fächerstadt rund 400 Millionen Euro einsparen. Ein erstes Maßnahmenpaket wurde im April verabschiedet und ein zweites im Juni auf den Weg gebracht. Die Auswirkungen könnten dann auch Karlsruher Hundehalter zu spüren bekommen. Zu ersten Verwirrungen kommt es bereits jetzt.

Bislang konnten sich die Bello-Besitzer in der Fächerstadt über einen gewissen Luxus freuen: Wenn der Vierbeiner ein Geschäft erledigen musste, konnten die tierischen Tretminen dank kostenloser Hundekotbeutel von Straßen und öffentlichen Anlagen entfernt werden. Rund 2,5 Millionen kostenlose Tüten wurden an 66 Ausgabestellen im gesamten Stadtgebiet verteilt.

Stadt will bei Hundebeuteln den Rotstift an

Die Palette reichte von Ortsverwaltungen über Wertstoffstationen und Bürgerbüros bis hin zu Hundeschulen oder Fachgeschäften für Tierbedarf. Zusätzlich erklärte sich der Karlsruher Drogeriekonzern dm vor zwei Jahren bereit, neben den hauseigenen Kotbeuteln auch die kostenlosen Tüten der Stadt zu verteilen. Seither lagen in sämtlichen Filialen Beutel mit 50 Tüten aus.

Die Sparpläne, die sich die Stadt Karlsruhe auferlegt hat, könnten das allerdings ändern. Der Grund: Wie andere städtische Einrichtungen muss auch das Gartenbauamt Gelder einsparen. Der Sparkurs der Stadt macht dabei auch vor den kostenlosen Beuteln für tierische Hinterlassenschaften nicht Halt. Wie Gartenbauamtschef Helmut Kern im Gespräch mit ka-news erklärt, schlägt die Stadtverwaltung im zweiten Maßnahmenpaket vor, das Angebot künftig einzustellen.

Noch sei das Ganze keine beschlossene Sache, betont Kern. Das zweite Maßnahmenpaket muss noch im Gemeinderat diskutiert und abgesegnet werden. Dennoch: "Wenn der Einsparvorschlag, der im Rahmen des aktuellen Haushaltsstabilisierungsprozesses eingebracht wurde, vom Gemeinderat bestätigt wird, wird es ab 2017 keine kostenlosen Hundekotbeutel mehr geben", so der Gartenbauamtschef.

Dateiname : Ausgabestelle für Hundekotbeutel in Karlsruhe
Dateigröße : 44.98 KBytes.
Datum : 02.09.2016 15:09
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Gartenbauamt und dm uneinig über Verteilung

Die Gespräche über das Ende der kostenlosen Hundekotbeutel scheinen allerdings schon ihre Schatten voraus zu werfen. Der Drogerieriese dm jedenfalls gibt gegenüber ka-news an, keine städtischen Beutel mehr zu verteilen. "Leider wurde die Lieferung dieser kostenlosen Beutel durch das Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe nun eingestellt", schildert ein dm-Sprecher. Bei dm biete man darüber hinaus jedoch Hundekotbeutel der dm-Marke "Dein Bestes" an - diese sind allerdings nicht kostenlos.

Von einer Einstellung des Angebots will man beim Gartenbauamt aber nichts wissen. "Die dm-Märkte übernehmen auch weiterhin die Verteilung", stellt Kern klar. Der Vorrat für dm liege aktuell noch bei 400.000 Tüten und reiche bis auf Weiteres aus.

"Im Einzelfall kann es jedoch mal zu Verzögerung bei der Nachlieferung, die das Gartenbauamt übernimmt, kommen. Und zwar insbesondere dort, wo private Initiativen, die sich ehrenamtlich eine Unterverteilung im Stadtteil zur Aufgabe gemacht haben, große Mengen bei den Verteilstellen abgreifen", meint der Gartenbauamtschef.

ka-news Hintergrund:

Um dem jährlich ansteigenden Defizit entgegenzuwirken, startete die Stadtverwaltung 2015 einen Haushaltsstabilisierungsprozess. Die Vorschläge wurden in den einzelnen Dezernaten erarbeitet: Dabei erhielt jedes Dezernat eine individuelle Zielvorgabe für die Haushaltsjahre 2017 bis 2022. Die Stadt will hierzu zwei Maßnahmenpakete auf den Weg bringen.

Ende April stimmte der Gemeinderat über das erste Paket ab: Über 304 Maßnahmen waren enthalten - mehrheitlich wurden sie von den Stadträten zur Kenntnis genommen. Wirksam werden die verabschiedeten Maßnahmen zum neuen Doppelhaushalt 2017/2018. Im Juli sollen die ersten Entwürfe zum kommenden Haushalt stehen - im November/Dezember finden die Haushaltsberatungen statt. Zwischen beiden Terminen soll ein Bürgerforum geben - "da können all diese Dinge noch einmal diskutiert auch ausdiskutiert werden", so Mentrup im April. Das zweite Maßnahmenpaket, mit Einsparungen oder Mehreinnahmen von 30 Millionen Euro, soll ab 2019 schrittweise folgen.

Laut Oberbürgermeister Mentrup reduziert sich die Ursache im Wesentlichen auf einen Ausgabenanstieg von zwei bis drei Prozent pro Jahr bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen. "Diese geringe Steigerung hat ein paar Jahre lang durch gewisse Sonderkonditionen keine Rolle gespielt", so Mentrup im Januar und meint damit die positive überdurchschnittliche Einwohnerentwicklung in Karlsruhe sowie Einmal-Effekte gerade in den Gewerbesteuererträgen (2012/2013), die so in den Folgejahren nicht mehr erwartet werden können.

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  •   JaHe
    (30 Beiträge)

    06.09.2016 09:26 Uhr
    Kotbeutel
    Ich habe selbst einen 11kg Hund, der täglich 2-3 mal kotet. Das sind knapp über 1000 Tüten im Jahr. Auf Amazon kosten 1000 Tüten 14,55€, also 1,5 Cent pro Stück, mit Prime sogar am nächsten Tag da.
    Hier besteht sicherlich kein finanzielles Problem, da ein vernünftiges Fressen täglich um die 3€ kostet, sondern eher die Erwartung für seine geleistete Abgabe etwas zurück zu bekommen.

    Mir ist das relativ egal, ich mach den Kot immer weg, lass ihn nicht an Banken pinkeln etc., da ich mich selbst nicht in Urin setzen bzw. Kot laufen möchte.

    Ich denke nur, dass der Teil der bisher immer die kostenlosen Kotbeutel in Anspruch genommen hat aus Trotz gar keine mehr verwendet.
    Dann stehe ich wieder wie ein Idiot da, weil von Anderen auf mich geschlossen wird.
    Aber wenn Karlsruhe denkt, dass die Sparmaßnahme was bringt, sollen sie es gere machen. Nur um dann in 18 Monaten festzustellen, dass es vielleicht doch keine Gute Idee war...
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  •   Regina
    (83 Beiträge)

    05.09.2016 14:59 Uhr
    Ich finde,
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere Netiquette und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   lynx1984
    (3169 Beiträge)

    05.09.2016 13:17 Uhr
    Sonderabgabe
    Einfach eine Sonderabgabe für den erhöhten Reinigungsaufwand des öffentlichen Raums erheben und fertig ist. 100€ Einmalzahlung bei der Anschaffung eines Hundes. 20€ pro Jahr für die Tüten und die dazugehörige Logistik inkl. Entsorgung. Mehreinnahmen gerne an das Tierheim Karlsruhe geben.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    05.09.2016 13:07 Uhr
    Im Übrigen
    ist es wichtig anzumerken, dass der Anteil der Tütenbenutzer kleiner als 20% sind. Die restlichen 80% schauen zufällig grad in eine andere Richtung und merken gar nicht, dass der Wauzi ein Kacka gemacht hat...
    In meinem Viertel hat es überdurchschnittlich viele Hunde. Wenn ich von allen Hundehaltern die am Tag an meinem Haus vorbeilaufen und keinen Beutel benutzen 20 Euro pro Häufchen bekommen würde - der Lambo würde in greifbare Nähe rücken.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    05.09.2016 12:48 Uhr
    Die Hundetüten
    gehören zum Pflichtteil des Hundehalters. Die Kosten dafür sind derart gering, dass sie problemlos stemmbar sind. Wer das nicht zahlen kann darf auch keinen Hund halten, denn dann kann er sich auch kein ordentliches Futter leisten oder den Tierarzt, der schnell mal horrende Summen verlangen kann wenn was Ernstes ist.
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  •   Kartoffelsalat
    (523 Beiträge)

    05.09.2016 12:37 Uhr
    kein Hundehalter, aber für Tüten
    Angenommen: 3 Tüten pro Hund pro Tag, also ca. 1000 Tüten pro Jahr pro Hund.
    Bei 10.000 Hunden in KA (Schätzung) also ca. 10 Mio. Tüten, also ca. 200.000 Euro im Jahr. (Wenn jeder Hundebesitzer das auch in Anspruch nimmt.)
    Für die Stadtreinigung wird vermutlich deutlich mehr Geld ausgegeben.
    Durch die Hundesteuer wird vermutlich deutlich mehr Geld eingenommen.
    Ist es mir wert, wenn die Stadt dafür sauberer ist.
    200k EUR sind umgerechnet 0,66 EUR pro Jahr pro Einwohner.
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  •   Kartoffelsalat
    (523 Beiträge)

    05.09.2016 12:41 Uhr
    i
    Laut diesem Artikel 2,5 Mio. Tüten in KA im Jahr.
    Dann sind es bei 2 ct pro Tüte ja nur 50.000 EUR.
    Gibt bestimmt sinnloseres in KA für das 50.000 EUR oder mehr ausgegeben werden. *hust* *Kombilösung* *hust*
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    05.09.2016 12:39 Uhr
    Ein bisschen
    über 8000 Hunde sind es. War letztens hier zu lesen im Rahmen einer Diskussion über die Steuer.
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  •   armeshundele
    (523 Beiträge)

    05.09.2016 11:21 Uhr
    Was kostet
    so ein Hundetütchen im Vergleich zu dem vielen Werbematerial, das mir täglich kostenlos zugesendet wird.
    Könnte man das nicht auch besteuern
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  •   Gelbsocke
    (3959 Beiträge)

    05.09.2016 11:27 Uhr
    Bitte
    doppelt und dreifach versteuern, aber der ROTZ wird über die Werbungskosten von der Steuer abgesetzt.
    Das dies die Umwelt mehr belastet als ein Rudel Rottweiler mit Dünnpfiff zählt auch nicht, weil andere Baustelle.
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