Es ist acht Uhr morgens, Berufsverkehr: Ich begleite die beiden Polizeikommissare Jens Schmittner und Fredrik Römer an diesem Morgen bei ihrer Videokontrolle. Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Mercedes auf dem Hof der Dienststelle ist einer von zwei Videokontrollfahrzeugen des Polizeipräsidiums Karlsruhe. Römer checkt auf dem Handy die Verkehrslage, Kollege Schmittner fährt in Richtung Autobahn - es geht auf die A8. 

Videostreife mit der Karlsruher Verkehrspolizei
Die silbergraue Mercedes C-Klasse hat zwei Blitzleuten und ein mobiles Blaulicht für aufs Dach. | Bild: Lukas Hiegle

Es dauert nicht lange, ich bin noch dabei das Wageninnere zu studieren, da fällt den beiden erfahrenen Polizeibeamten schon der erste Verstoß auf. Ein dunkler Audi hat auf sich aufmerksam gemacht, weil er eine durchgezogene Linie überfahren hat, die Polizisten beginnen mit der Video-Aufzeichnung.

Kamera darf nur aufzeichnen, wenn ein Verstoß vorliegt

Grundsätzlich benötigen sie einen Verdacht oder den Anfang eines Verkehrsverstoßes, um filmen zu dürfen. Knapp vier Stunden können mit dem Videogerät im Fahrzeug aufgezeichnet werden. Ich bin überrascht über das scharfe Auge der Polizisten. "Man entwickelt ein Gefühl dafür, um zu sehen, wenn sich jemand regelwidrig verhält. Das ist ganz normal, wenn man sich mit der Thematik beschäftigt", findet Frederik Römer.

Videostreife mit der Karlsruher Verkehrspolizei
Mit einer Kelle winkt Frederik Römer einen Handynutzer raus. | Bild: Lukas Hiegle

Nur einige hundert Meter weiter werden die Beamten auf einen anderen Verkehrsteilnehmer aufmerksam, der auf dem rechten Fahrstreifen mehrere Autos überholt. Die Polizisten entschließen sich ihm zu folgen. An einer Ausfahrt einige Kilometer weiter lotsen die Polizisten den Mann heraus und klären auf. Im Wagen schaut sich der Mann das Video an.

Er zeigt sich einsichtig, gibt aber an das Verbot nicht gekannt zu haben. "Ein klassischer Fall von Unwissenheit. So etwas erleben wir nicht selten. Viele sind sich ihres Fehlverhaltens nicht bewusst", berichten die Beamten. Daher steht Aufklärung und Sensibilisierung an erster Stelle und nicht die Sanktion in Form einer Geldstrafe. Um eine Geldstrafe kommt der Fahrer des schwarzen Kombis aber nicht herum.

Videostreife mit der Karlsruher Verkehrspolizei
Aufklärung und Sensibilisierung sind für die Polizisten die Hauptprämissen, wenn sie Autofahrer auf ihr Fehlverhalten hinweisen. | Bild: Lukas Hiegle

Polizisten trainieren regelmäßig am Hockenheimring

Als die Beamten wieder in Fahrtrichtung Karlsruhe unterwegs sind, beobachten sie einen Lkw der trotz Überholverbot mehrere Schwerlastfahrzeuge überholt. Am Rasthof Pforzheim wird der polnische Lastwagen rausgewunken, die Kommunikation - schwierig. Polnisch sprechender Fahrer, britischer Führerschein, rumänischer Auflieger. Für die Polizisten nichts Ungewöhnliches! Auch deshalb meistern sie das Gespräch, das zu großen Teilen mittels Google-Übersetzer stattfindet, letztlich souverän. Der Fahrer hinterlegt eine Sicherheitszahlung und darf weiter fahren.

Videostreife mit der Karlsruher Verkehrspolizei
Gerade mit lkw-Fahrern aus dem Ausland läuft die Kommunikation nicht immer optimal. Doch die erfahrenen Beamten haben Tipps und Tricks entwickelt sich zu verständigen. | Bild: Lukas Hiegle

Auf die Polizisten wartet indes schon die nächste Aufgabe: Nach einem Unfall hat sich ein knapp zwölf Kilometer langer Stau gebildet, die Polizisten wollen die Rettungsgasse kontrollieren. Über eine Behelfszufahrt fahren die Kommissare mit dem Mercedes in Fahrtrichtung Karlsruhe. Durch regelmäßiges Fahrtraining am Hockenheimring frischen die Polizisten regelmäßig ihr Können am Lenkrad auf, um auch bei hohen Geschwindigkeiten sicher am Steuer zu sein.

Handkamera soll helfen, Fahrer und Fahrzeuge besser zu identifizieren

Als ich meinen Sitzplatz auf der Rückbank mit Oberkommissar Römer getauscht habe und die Handkamera läuft, mit der die Kennzeichen und Gesichter der 'Blockierer' gefilmt werden sollen, stoppt ein Verkehrsunfall die Kontrolle. Auf dem Mittelstreifen kam es innerhalb des Staus zu einem Auffahrunfall: Schmittner und Römer übernehmen die Unfallaufnahme, leiten die Fahrzeuge auf den Standstreifen und notieren die Personalien und Aussagen.

Videostreife mit der Karlsruher Verkehrspolizei
Auch die Unfallaufnahme kann zu einer Aufgabe bei einer Videostreifenkontrolle werden. | Bild: Lukas Hiegle

Fünfzehn Minuten dauert die Unfallaufnahme, bis die Polizisten die Videokontrolle fortsetzen. Rund 50 Fahrzeuge registrieren die beiden erfahren Polizisten. Schmittner sitzt am Steuer und hält nach Ausschau nach Autos und Fahrern und gibt die Kennzeichen an Römer weiter. Der filmt von der Rückbank aus zunächst seitlich aus dem Polizeiwagen hinaus, und anschließend aus der Heckscheibe heraus.

Videostreife mit der Karlsruher Verkehrspolizei
Mit einer Stativkamera werden Kennzeichen und Gesichter von Verkehrssündern gefilmt, um diese für eine Strafe identifizieren zu können. | Bild: Lukas Hiegle

Neben Rettungsgassenblockierern kommen Frederik Römer auch eine ganze Reihe Handynutzer vor die Linse, sowie ein Motorradfahrer, der ganz dreist auf dem Standstreifen den Stau umfahren will. Neben zu hoher Geschwindigkeit und zu geringem Abstand zählt die Handybenutzung übrigens zu den häufigsten Verstößen, den die Polizisten bei ihren Videostreifen beobachten.

Deutlich mehr Verstöße da, als verfolgt werden können! 

Videostreife mit der Karlsruher Verkehrspolizei
Bild: Lukas Hiegle

Mir wird klar: Es gibt deutlich mehr Verstöße auf der Straße, als Frederik Römer und Jens Schmittner nachverfolgen können. Mithilfe der Stativkamera sollen möglichst viele registriert und identifiziert werden. Doch in den meisten Fällen müssen die beiden Polizisten entscheiden, welchem Vergehen sie letztlich nachgehen und welches im Auge des Gesetzgebers als verkehrsgefährdender gilt.

Nach rund vier Stunden Streife und kurzem Tankstopp bei der Autobahnmeisterei geht es zurück aufs Revier. Nun gilt es das gesammelte Videomaterial zu überspielen, auszuwerten und als Beweismittel tauglich zu machen. Die Polizei schicken ihre Berichte und Protokolle der Kontrolle an die Bußgeldbehörde, die Fahrer zur Kasse bittet.

Videostreife mit der Karlsruher Verkehrspolizei
Auf dem Rechner auf der Dienststelle wird das gesammelte Videomaterial ausgewertet. | Bild: Lukas Hiegle

Für die Blockierer der Rettungsgasse wird es eine Sammelklage geben. Für mich endet ein spannender Tag auf dem Rücksitz eines 250 PS starken Gefährts mit zwei Männern im Cockpit, deren Augen kein Verkehrsvergehen auf der Straße entgeht. Für Römer und Schmittner ist der Arbeitstag nach der Auswertung auch vorbei. Das Videokontrollfahrzeug ist im Übrigen jeden Tag auf den Straßen rund um Karlsruhe unterwegs.

 
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