Noch vor eineinhalb Monaten herrschte unter den Karlsruher Einzelhändlern große Unsicherheit über das Weihnachtsgeschäft. Man fürchtete, dass durch die 2G-Regeln die Kunden ausbleiben könnten, dass ein Großteil der Kundschaft auf Online-Handel umsteigen würden und dass die Weihnachtseinkünfte auf einen Bruchteil des Vorkrisenniveaus zusammenschrumpfen würden. 

"Es wurde in der Weihnachtszeit deutlich schwieriger"

In der Tat haben sich Befürchtungen wie diese Teilweise bewahrheitet, wie auch der Leiter der Postgalerie, Alexander thielemeier bestätigt: "Über die genauen Umsätze der einzelnen Betriebe innerhalb der Postgalerie kann ich keine Aussagen treffen, aber die Zahl der Kunden wurde über die Weihnachtszeit deutlich weniger", sagt er. "Sogar weniger als im letzten Jahr, wo die Einzelhändler innerhalb des Einkaufszentrums schließen mussten."

Andreas Thielemeier vor Postgalerie
Andreas Thielemeier, Geschäftsführer der CEMAGG Management GmbH und Center-Manager der Postgalerie Karlsruhe. | Bild: Andreas Thielemeier

"Für uns als Postgalerie wurde es mit den Weihnachtsgeschäften immer schwieriger in den letzten zwei Jahren", so thielemeier. Ob das allerdings für alle Einzelhändler gleichermaßen gilt - auch außerhalb der Einkaufszentren - bleibt fraglich. "So alles in allem lief das Weihnachtsgeschäft recht gut, zumindest den Umständen entsprechend", sagt beispielsweise Iris Grißtede, Filialleiterin der Buchhandlung Thalia in der Herrenstraße.

"Der Online-Handel hat viel abgefedert"

"Wir sind wirklich froh, diese Weihnachten keinen Lockdown gehabt zu haben", erklärt Grißtede. Es habe innerhalb der Buchhandlung nämlich noch immer rege Nachfrage für Weihnachtsgeschenke gegeben. "Die 2G-Regel war auch kein großes Problem, die meisten Kunden haben sich dahingehend sehr verständnisvoll gezeigt", sagt sie weiterhin. Dennoch habe sich der Weihnachtsumsatz weit unter Vorkrisenniveau befunden.

Iris Grißtede, Filialleiterin der Thalia Buchhandlung in der Herrenstraße.
Iris Grißtede, Filialleiterin der Thalia Buchhandlung in der Herrenstraße. | Bild: Thalia

"Unsere Gewinne lagen dieses Jahr bestimmt 20 Prozent unterhalb der Weihnachtseinahmen vor der Pandemie. Das trifft uns in Baden-Württemberg, wo der Buchhandel nicht so hohe Gewinne erzielt wie in anderen Bundesländern auch besonders hart", so Grißtede. "Allerdings hat auch der Online-Handel einiges abgefedert, der deutschlandweit verläuft und an dem die Filialen durch Provision beteiligt werden."

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Das gelte auch für die Gutscheine, die zu Corona-Zeiten sehr gefragt seien. "Wir haben etwa gleich viele Gutscheine verkauft, wie im letzten Jahr", sagt die Filialleiterin. "Einen gutscheinbedingten Kaufrausch hat es aber noch nicht gegeben, immerhin ist es auch die erste Woche seit Weihnachten." Diesem Eindruck schließt sich auch der Mitinhaber des nachhaltigen Kleidergeschäftes Unikat, Andreas Preißler, an.

"Nach den Schließungen ist die 2G-Regel eine Wohltat"

Im Gegensatz zu Thalia sei Unikat nicht Teil einer Kette und damit unabhängig, aber auch auf sich selbst gestellt. Trotzdem sei es "nicht schlecht gelaufen", wie Preißler bestätigt. Den Umständen entsprechend zumindest. "Wir sind sehr viel schlechter aufgestellt als 2019. Genau genommen liegen wir fast 30 Prozent darunter. Aber nachdem wir schon zu Ostern und zu Weihnachten 2020 schließen mussten, war die diesjährige 2G-Regel eine Wohltat."

Michael und Andreas Preißler (v.l.). Die Brüder sind Gründer und Inhaber des Unikat Lifestyle in Karlsruhe.
Michael und Andreas Preißler (v.l.). Die Brüder sind Gründer und Inhaber des Unikat Lifestyle in Karlsruhe. | Bild: Unikat

Natürlich bringe diese Regel auch Probleme mit sich, doch "die meisten Kunden haben sich schon an die 2G-Regeln gewöhnt, immerhin wurde sie flächendeckend in ganz Karlsruhe eingeführt", so Preißler. "Außerdem blieb auch bei Unikat die Möglichkeit, auf unseren betriebseigenen Online-Shop auszuweichen. Wir haben auch einige Online-Gutscheine verkaufen können." Online-Verkauf sei aber nicht in allen Branchen eine universelle Lösung für die Corona-Situation.

"Die Leute lernen kleine Händler wieder zu schätzen"

"Mode, auch die nachhaltige Mode, die wir anbieten, lebt auch von Beratung", erklärt Preißler. "Diese Beratung ist Teil des Einkaufserlebnisses und das ist in einem Online-Shop natürlich nur schwerlich möglich." Dennoch begrüße der Inhaber die Nutzung seines Online-Shops sehr. "Wir haben trotz allen Einbrüchen immer mehr das Gefühl, dass die Leute kleine Händler wieder schätzen gelernt haben und auch bei Betrieben von unserem Format online shoppen. Dafür sind wir auch sehr dankbar."

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Ein wenig Optimismus bleibe den Einzelhändlern innerhalb der Coronakrise. "Jeder Mensch ist ein Verbraucher und kann seiner Stadt und deren Wirtschaft helfen, indem er bei lokalen Betrieben einkauft. Und Karlsruhe hat immerhin schöne Seitenstraßen, die mit der fertiggestellten Kombilösung auch besser erreichbar sind.

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