Konstantin Pissarsky und sein Freund Julian stehen womöglich vor der Reise ihres Lebens: Sie wollen den Amazonas mit einem Kanu durchqueren. Auf ihrer Reise werden sie von Ecuador aus durch Peru und Brasilien paddeln, bis sie den Atlantik erblicken - und dass alles aus eigener  Kraft. 

Konstantin studiert in Karlsruhe

Konstantin ist 24 Jahre alt und studiert am Karlsruher Institut für Technologie "Industrial Engineering". Seinen Freund Julian hat er 2016 nach dem Abitur in Ecuador kennengelernt, als beide im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres an Schulen, in einer Stiftung und in der Flüchtlingsarbeit dort tätig waren.

Paddling the Ocean
Bild: Paddling the Ocean

An freien Tagen oder am Wochenende haben sich die Jungs auf den Weg gemacht, um das Land zu erkunden. Immer wieder seien sie dort in das Amazonas-Gebiet Ecuadors gelangt. "In einer Rangerhütte sind wir dann auf eine Karte des gesamten Amazonasgebiets gestoßen, zum ersten Mal wurde uns die gesamte Dimension des Flusses etwas bewusster", erzählt Pissarsky.

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"Damals haben wir noch darüber gescherzt, den gesamten Fluss von Ecuador aus zu Durchpaddeln", sagt der Karlsruher Student. Ab Anfang Oktober wird das Realität. Am 13. September heben die Freunde bereits mit dem Flugzeug ab nach Quito, der Hauptstadt nach Ecuador.

Dauer der "Paddel-Tour" unklar

Wie lange sie brauchen werden, um den Amazonas zu durchpaddeln, lässt  sich aktuell noch schwer sagen. "Unser Vorankommen hängt vom Wetter und unserer Gesundheit ab. Wir rechnen aber mit einem halben Jahr." Sollten die Freunde für ihre Tor mehr Zeit benötigen, werden sie sich diese nehmen.

Paddling the Ocean
Bild: Paddling the Ocean

Start ist auf einem Nebenfluss des Rio Napo, der später im Amazonas mündet. "Danach geht es durch Peru, Brasilien bis zum Atlantik. Insgesamt sind das etwas mehr als 5.000 Kilometer", erzählt Pissarsky.

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Wo es möglich sei, werden sie bei den Gemeinden übernachten, die am Ufer liegen. Gerade zu Beginn der Tour sei dies noch gut möglich. Nach der Grenze zu Brasilien sei der Uferbereich aber deutlich weniger besiedelt. "Wenn wir nicht bei Gemeinden unser Zelt aufbauen können, dann schlafen wir in Hängematten am Fluss."

Die Freunde sind keine Profis

Konstantin und Julian sind keine Kanu-Profis, das Paddeln sei eher hin und wieder eine Freizeitbeschäftigung. Für die Tour haben sie durch regelmäßige Kanu-Touren und Lauf- und Fitnesstraining ihre Fitness verbessert. Ein großer Teil der Vorbereitung war aber auch die Organisation.

Paddling the Ocean
Bild: Paddling the Ocean

"Für die Planung der Route war es zum Beispiel gar nicht so leicht, ausreichend genaues Kartenmaterial zu bekommen. Bei der Ausrüstung mussten wir genau recherchieren, was wir brauchen, um auf der Tour nichts zu vermissen. Das ist zum Beispiel die Kleidung, die stichfest gegen Moskitos sein muss. Oder ein Wassersystem, dass unser Trinkwasser zuverlässig filtert."

Wie kommen die Kanus nach Südamerika?

"Die Touren im Kanu waren für uns nicht nur wichtig, um fit zu werden, sondern auch um festzustellen, welche Ausrüstung für uns am besten funktioniert und was wir alles brauchen", sagt Pissarsky. Die größte Herausforderung bei der Planung war aber die Verschiffung der Kanadier von Deutschland nach Ecuador.

Paddling the Ocean
Bild: Paddling the Ocean

Dafür mussten die Freunde eine Kiste bauen, die die Kanadier schützt. "Wir sind keine Tischler und schon deshalb war das ein großes Projekt für uns. Die Lösung musste schnell her und deshalb haben wir zwei Tage lang durchgearbeitet, ohne zu schlafen."

"Dafür muss man sich dann schon sehr gut verstehen, um sich nicht gegenseitig anzugehen", meint Pissarsky. Die Kiste steht, trotz Schlafmangel und Zeitdruck. Das liege auch an der engen Freundschaft, die mittlerweile seit fünf Jahren besteht.

"Herausforderung für unsere Freundschaft"

Zusammen habe man schon viele Probleme und Herausforderungen gelöst. Doch die vielleicht größte Probe der Freundschaft steht erst noch bevor: "Wir sind im Kanu ein halbes Jahr etwa zwei Meter voneinander entfernt, schlafen am selben Ufer, essen am selben Ufer. Das wird auch eine große Herausforderung für unsere Freundschaft."

Paddling the Ocean
Bild: Paddling the Ocean

Finanziert wird das Projekt zum einen von Unternehmen mit Geld-Spenden oder Ausrüstung. Der finanzielle Rahmen sei als Studenten nur schwer stemmbar. "Deshalb haben wir eine Crowdfundingkampagne gestartet, bei der uns jeder, der das Projekt gut findet, unterstützen kann. Der Überschuss an Einnahmen gehe dann an die Stiftung Fundação Vitória Amazônica.

Motivierend sei für die zwei Studenten der Zuspruch von anderen Menschen. Daneben spiele aber auch der Faktor Umwelt eine wichtige Rolle: "Wir wollen auf der Tour die schöne Seite des Regenwaldes zeigen, um aufmerksam darauf zu machen, was es dort alles Schützenswertes gibt."

Paddling the Ocean
Bild: Paddling the Ocean

Konstantin und Julian arbeiten mit der Stiftung Fundação Vitória Amazônica zusammen, die sich für die Menschen im Amazonas-Regenwald einsetzt. Die Zentrale liegt in Manaus, bei der sie auch einen Stopp auf ihrer Tour einlegen werden.