Ohne Menschen könne er nicht leben, sagte Franziskus unlängst in einem Interview. Stadttdessen will er mit ihnen leben, mit ihnen sprechen. Und er spricht gerne über sie. Besonders gesellschaftlich und geistlich "schwierige" Themen spricht er an - so auch die Abtreibung. Diese bezeichnete er als Beweis der mordernen Wegwerfkultur. Nichts und niemand sei schutzloser und Unschuldiger als Ungeborene. Damit hat der gute Mann sicher Recht.

Doch wie will er seine Thesen all jenen erklären, die gute Gründe für eine Abtreibung haben? Diejenigen, die schon ohne Nachwuchs jeden Tag um's Überleben kämpfen. Diejenigen, die Opfer sexueller Gewalt wurden? Jenen, die schon von der ersten Stunde an wissen, dass sie mit der Erziehung des Kindes immer alleine wären?

Abgesehen davon, dass es auch für Franziskus sehr schwierig werden sollte, hier die richtigen Worte zu finden: Ist es nicht "weltfremd" ein -wenn auch ungeborenes- menschliches Wesen mit weggeworfenen Nahrungsmitteln und Gegenständen zu vergleichen? "Weltfremd", genau das, was dieser Papst offenbar gar nicht ist. Warum aber dann dieser Vergleich?

Sicher: Das Wegwerfen hat in vielen Ländern dieser Welt desaströse Ausmaße angenommen. Besonders verwerflich erscheint es im hell leuchtenden Warnlicht der Armen, die weltweit täglich um ihr Überleben kämpfen. Und sicher ist auch: Abtreibung ist kein Mittel, um schnell mal eigene Fehler zu korrigieren. Dafür ist das menschliche Leben viel zu kostbar - da hat der Papst vollkommen Recht.

Doch das furchtbar anmutende, tonnenweise Wegwerfen von völlig brauchbaren Dingen mit der bewussten und meist schweren Entscheidung einer jungen Frau gegen ein Kind - oft aus einer Notlage heraus- zu vergleichen, das hat dieser Papst doch gar nicht nötig. Er trat an, um seine Kirche ein Stück liberaler zu machen, um die ewig gestrigen zumindest in Frage zu stellen. Will er bei diesem bemerkenswerten Kurs bleiben, sollte er solch aberwitzige Vergleiche sein lassen.