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Karlsruhe DRK bei "Das Fest": Kollaps, Alkohol und Bänderriss

Sie fügen sich ein in die Menschenmenge und sind sofort zur Stelle, wenn es ernst wird: Die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Am Wochenende waren sie bei "Das Fest" in der Günther-Klotz-Anlage in Karlsruhe rund um die Uhr im Einsatz. Im Schichtdienst versorgten sie insgesamt 220 Patienten mit Kreislaufbeschwerden und Schnittwunden, leisteten erste Hilfe bei Insektenstichen und Bänderrissen. ka-news durfte die Helfer einen Nachmittag lang begleiten und bekam einen Einblick hinter die Kulissen.

Einem jungen Mädchen ist jegliches Blut aus dem Gesicht gewichen. Sie wird gestützt von einer Freundin in Richtung zweier Helfer des DRK getragen. Selbst laufen kann sie offensichtlich nicht mehr. Die Helfer stürmen ihr sofort entgegen, nehmen sie in ihre Obhut und betten sie im noch nicht eingeräumten aber schattigen Zelt. Schnell steht die Diagnose fest: Kreislaufkollaps, zu wenig getrunken. Verstärkung wird angefordert. Vorfälle wie diese gehören zu den typischen Einsätzen des DRK, die sie routiniert angehen.

"Keine Sorge, wir kennen uns aus"

Im Medical Center am großen See, dem Hauptstandort der DRK Einsatzkräfte bei "Das Fest", herrscht reges Treiben. Der überschaubare Platz hinter abgehängten Bauzäunen wurde in ein Feldlager für Patienten aller Belange umgewandelt. Vom Ersthelfer bis zum Notarzt sind alle bereit Notfälle zu versorgen.

Diejenigen, die selbst den Weg zum Medical Center finden, werden samt Begleitpersonen am Eingang freundlich empfangen. Eine Frau möchte ihren Mann nicht aus den Augen lassen. "Ich kenne mich medizinisch aus", versucht sie eine Erklärung, doch ein Helfer bugsiert sie freundlich zum Bereich für Angehörige: "Keine Sorge, wir auch." Hinter dem Wartebereich für Angehörige befindet sich eine "Kinderauffangstelle", hier können verloren gegangene Kinder abgeholt werden. Dass das Abholen so manches Mal bis nach dem Auftritt eines Topacts dauert nehmen die Helfer gelassen. Eine Helferin sorgt mit Stiften und Papier bewaffnet für genügend Beschäftigung.

Das große Los bei 34 Grad haben die Verantwortlichen für die Funkeinsatzleitung gezogen, dafür ist ihre Aufgabe umso wichtiger: In einem klimatisierten und schattigen Wagen koordinieren sie die Funksprüche über mehrere Funkkanäle sowie Telefonleitungen. "Eigentlich ist hier die Zentrale des Einsatzes", erklärt Holger Schuhknecht, Einsatzleiter der Stadtbereitschaft des DRK und zuständig für die Einsatzplanung vor Ort.

Auch medizinische Versorger müssen versorgt werden

Für die Versorgung der Helfer ist die "gute Fee" Roswitha zuständig. Im Cateringbereich richtet sie das Abendessen her oder sorgt für genügend Getränkenachschub und Kuchen. Schließlich müssen auch die medizinischen Versorger selbst gut versorgt sein. Mit Einsatzleiter Schuhknecht und seinem Vertreter Oliver Knappe geht es schließlich zum abgesperrten Hügelbereich. Bald sei Einsatzbesprechung, aber die beiden Standorte neben der Hauptbühne sowie am Mischerturm sollten doch noch gezeigt werden, so Schuhknecht. Neben dem Mischerturm muss die Station für den abendlichen Topact noch aufgebaut werden.

Das Mädchen mit dem kurzen braunen Bob gewinnt nun auch langsam wieder Farbe im Gesicht, "sie wird das Konzert sicher ganz normal anschauen können".

Für das DRK bleibt am Ende des Wochenendes eine gute Bilanz, größere Einsätze gab es keine und mit nur zehn Patienten wegen starken Alkoholkonsums können Vorurteile gegenüber solchen Großveranstaltungen durchaus zurückgewiesen werden. "Bei 220 Patienten hatten wir überwiegend chirurgische Einsätze, zum Beispiel Schnittwunden oder einen Bänderriss", resümiert Schuhknecht. "Nur zehn davon mussten wir ins Krankenhaus bringen, aber ohne Dringlichkeit, nur zur weiteren Behandlung."

Mehr zum Thema
Das Fest Karlsruhe: Programm, Line-up, Tickets und alle Neuigkeiten und Gerüchte immer aktuell auf ka-news.de
Wann? 19. bis 21. Juli 2019
Wo? Karlsruhe - Günther-Klotz-Anlage
Tickets? 10 Euro pro Tag für Hügelbereich
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Kommentare (4)
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  • unbekannt
    (278 Beiträge)

    23.07.2013 15:24 Uhr
    KLASSE,
    dass man den Leuten, sprich ehrenamtlichen Helfern, ein paar Zeilen widmet. Die leisten ihren Dienst zum Wohle der Allgemeinheit und dafür möchte ich mich an dieser Stelle bei Ihnen bedanken, ob nun beim FEST oder bei anderen Einsätzen. Dies muss einfach gesagt und gewürdigt werden; die kommen sowieso zu wenig in dieser Art und Weise an die Öffentlichkeit.
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  •   80er
    (5660 Beiträge)

    23.07.2013 10:47 Uhr
    Da scheint....
    ....dann wohl der Alkoholmißbrauch nicht das größte Problem beim "Fest" gewesen zu sein, oder? Sind die Leute doch vernüftiger als man (ich) selber dachte?
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  •   felino
    (330 Beiträge)

    23.07.2013 10:29 Uhr
    ein
    schöner artikel und ein gutes thema. danke dafür
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  • unbekannt
    (38 Beiträge)

    23.07.2013 08:39 Uhr
    Guten Job gemacht
    ...ich selbst brauchte zwar noch nie Hilfe..aber grade was ich gesehen hatte, da wurde echt ein super Job gemacht
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