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Karlsruhe Zwischen Selbstschutz und Sterbebegleitung: Zwei Pflegerinnen erzählen von ihrem Alltag auf den Corona-Stationen in Karlsruhe

Ein Jahr Corona, ein Jahr Dauereinsatz. Kaum ein anderes Berufsfeld ist derzeit solchen Belastungen ausgesetzt wie das medizinische Personal von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Besonders im Bereich der Covid-Allgemein- und Intensivstationen wird immer wieder von zermürbenden Arbeitsbedingungen berichtet, welche nach und nach die Mitarbeiter in die Flucht schlagen. Trifft das auch auf das Städtische Klinikum in Karlsruhe zu? ka-news.de hat mit zwei Mitarbeiterinnen über die Arbeit mit Corona-Patienten gesprochen.

Inzidenzen, Patientenzahlen, Intensivbetten: Jeden Freitag finden im Städtischen Klinikum Karlsruhe die Pressekonferenzen statt, in der Klinik-Chef Michael Geißler über die aktuelle Corona-Situation in Karlsruhes größtem Krankenhaus berichtet. Aber wie geht es eigentlich den Personen, die seit über einem Jahr tagtäglich mit dem Virus konfrontiert werden?

Aufschluss darüber geben die 32-jährige Daniela Beck von der Covid-Intensivstation und Laura Grasso, 27 Jahre alt, von der der Covid-Allgemeinstation am Städtischen Klinikum. Beide sind seit Anbeginn der Pandemie auf den jeweiligen Stationen eingesetzt und haben seither viele Corona-Patienten versorgt.

"Geht ein Patient, kommt der Nächste"

Für die Vollzeitkraft Grasso ist da nach einem Jahr die Belastung deutlich spürbar. "Wir haben ja nicht damit gerechnet, dass es sich so lange hinzieht mit der Pandemie. Natürlich fühlt man sich da ausgelaugt", berichtet sie auf Anfrage von ka-news.de.

Laura Grasso, Gesundheits- und Krankenpflegerin im Städtischen Klinikum
Laura Grasso, Gesundheits- und Krankenpflegerin im Städtischen Klinikum | Bild: Markus Kümmerle/ Städtisches Klinikum

Sie arbeitet seit 2016 auf der Station E50 des Klinikums, welche seit den ersten Corona-Fällen in der Fächerstadt als eine der zwei "Covid-Allgemeinstationen" fungiert. 15 Betten stehen hier auf der - in normalen Zeiten - chirurgisch-urologischen Station den Patienten zur Verfügung. Seit Corona sind die dauerhaft belegt. 

"Wenn ein Patient verlegt oder entlassen wird, dann kommt schon gleich der Nächste", erzählt Grasso. Die 15 Patienten werden dann pro Schicht von je vier Fachkräften versorgt. Das heißt: Auf eine Kraft kommen fünf Corona-Fälle. Die vierte erledigt Büroarbeit und Telefondienst.

Der Eingang vom Städtischen Klinikum mit Corona-Warnhinweisen |

Das erscheint im ersten Moment recht viel Arbeit für eine Fachkraft zu sein, doch Grasso bleibt bescheiden. "Es ist jetzt bei uns nicht unbedingt so, dass hier ständig Hektik ausbricht oder dass wir wegen Corona mehr arbeiten müssen oder uns der Urlaub gestrichen wird", erzählt sie.

Psychische Belastung wegen steigender Todesfälle

Dennoch: Die Arbeit auf den Corona-Stationen sei hart, sagt Grasso - speziell im Hinblick auf die zunehmenden Todesfälle. "Die Anzahl ist bei uns enorm gestiegen. Das war eher weniger der Fall. Wir begleiten nun regelmäßig Patienten beim Sterbeprozess, was natürlich auch eine psychische Belastung für viele darstellt." Auf der Corona-Intensivstation C010 ist das nicht anders: "In der zweiten Welle war es besonders heftig", ergänzt Daniela Beck.

Daniela Beck, Fachkraftschwester für Intensivmedizin und Anästhesie am Städtischen Klinikum.
Daniela Beck, Fachkraft für Intensivmedizin und Anästhesie am Städtischen Klinikum. | Bild: Markus Kümmerle/ Städtisches Klinikum

Aufgeben oder gar den Job kündigen? Im Karlsruher Klinikum ist das laut Grasso bisher nicht der Fall. "Selbst wenn einige von uns öfter sagen, dass sie keine Lust mehr haben und erschöpft sind. Es ist unser Job, und viele sind stolz darauf, dass sie mithelfen können", so Grasso weiter.

Eine Krankenschwester und ein Arzt kümmern sich um einen Patienten auf der Corona-Intensivstation in einem Lissaboner Krankenhaus.
Eine Krankenschwester und ein Arzt kümmern sich um einen Patienten auf einer Corona-Intensivstation (Symbolbild) | Bild: Armando Franca/AP/dpa

Einen Unterschied gebe es aber, der für beide Stationen seit der Pandemie stark ins Gewicht fällt: die Schutzausrüstung und die Hygienekonzepte. Der Grund: Die Arbeit in voller Montur - inklusive FFP3-Maske, Schutzkittel, Handschuhe, Brillen und Haube - sei körperlich sehr anstrengend.

Auf der Intensivstation gehe das sogar so weit, dass man durch das ständige "verkleiden und entkleiden" nicht mal zum Trinken komme - je nachdem, wie brisant es auf der Station zuginge. "In Vollschutz zu arbeiten und den Menschen zu helfen ist wirklich schwierig und kräfteraubend", erzählt die 32-Jährige Daniela Beck gegenüber ka-news.de. 

Arbeit in Schutzkleidung strengt zusätzlich an

Ein Beispiel: Wenn die Menschen auf die Intensiv kommen, ist das zumeist mit Atemnot und starkem Reizhusten verbunden. Oft müssen die Fachkräfte dann Methoden anwenden, um sowohl sich selbst, auch den Patienten zu schützen. Darüber hinaus gebe es strenge Vorschriften, wann die Schutzausrüstung gewechselt werden müsse.

"Das ist pflegerisch was ganz anderes und ziemlich aufwendig. Nach acht Stunden Arbeit ist man da richtig erschöpft und müde", so die Intensivfachkraft. Das bestätigt auch Grasso von der Allgemeinstation: "Man ist permanent damit beschäftigt, die Schutzausrüstung zu wechseln. Vor allem, wenn Verdachtsfälle auf der Station sind."

Auf der Intensivstation des Luisenhospitals in Aachen werden Patienten mit Corona-Infektion behandelt.
Auf der Intensivstation | Bild: Henning Kaiser/dpa

Im Bezug auf den Mundschutz bei Patienten mit Atembeschwerden sieht Daniela Beck jedoch klar den Schutz der Mitarbeiter im Vordergrund. "Durch diese Hust-Attacken wurden bei uns schon nachweislich Mitarbeiter angesteckt und wir haben daheim schließlich auch Familie, die wir schützen möchten."

"Unser Schichtdienst ist schon am Minimum"

Ein weiterer Punkt, den Daniela Beck anspricht, ist der akute Personalmangel, der auf der Station vorherrscht. Das Problem: Das Städtische Klinikum musste eine der Intensivstationen aufteilen - in eine für Covid-Fälle und eine normale. Für "beide" Stationen sind rund 100 Mitarbeiter im Einsatz, die über eine entsprechende Ausbildung im Umgang mit Intensivpatienten verfügen. 

Das medizinische Personal der Intensivstation der Klinik Casalpalocco am Stadtrand von Rom kümmert sich um Corona-Patienten.
Das medizinische Personal auf einer Corona-Intensivstation (Symbolbild) | Bild: Cecilia Fabiano/LaPresse/AP/dpa

Davon dürfen jedoch einige gar nicht auf der Covid-Station arbeiten, da sie zum Beispiel Vorerkrankungen haben oder schwanger sind. Normalerweise werden solche Stations-Wechsel allerdings vorgenommen, um den Mitarbeitern eine "Verschnaufspause" von der Covid-Intensivstation zu gewähren. Insofern sind die Stations-Wechsel zwischen der Covid und Nicht-Covid Intensivstation auf gewisse Mitarbeiter beschränkt. Wenn dann noch Kräfte wegen Krankheit ausfallen, wird es zusätzlich eng. 

Da durch Corona-Patienten ein höherer Bedarf an Intensivbetreuung erwartet wird, gibt es drastische Forderungen.
(Symbolbild) | Bild: Fabian Strauch/dpa

"Unser Schichtdienst ist schon am Minimum und durch Corona gibt es auch bei uns mehr Krankheitsfälle. Wenn dann gewechselt wird, müssen die Fachkräfte auf zwei aufeinander folgenden Tagen Zuhause bleiben und zwei negative Corona-Abstriche vorweisen. Das ist natürlich ein enormer Aufwand", erzählt Beck. Sei man jedoch erst auf der Nicht-Covid-Intensivstation angekommen, könne man auch mal "durchatmen oder kurz raus an die frische Luft",

Fachfremde Kräfte sind keine große Hilfe

Dass von anderen Stationen Mitarbeiter abgezogen werden, um auf den Covid-Stationen diesen Fachkräftemangel auszugleichen, sieht die 32-Jährige jedoch nur bedingt als Hilfe an. Der Grund: Es fehlt an dem nötigen Know-How, welches den "Neuen" erst durch erfahrene Kräfte vermittelt werden muss. 

"Wenn eine OP-Schwester zu uns geschickt wird, dann hat die keine Ahnung, was sie eigentlich machen muss und wir müssen sie erstmal einarbeiten. Das kostet auch wieder Zeit", so Beck. Ans Aufgeben denkt sie aber ebensowenig wie ihre Kollegin Laura Grasso. "Wir sind so ein tolles Team, wenn es hart auf hart kommt, dann bauen wir uns gegenseitig wieder auf", ergänzt sie.

Daniela Beck (links) und Laura Grasso (rechts) arbeiten auf den Covid-Stationen des Städtischen Klinikums in Karlsruhe.
Daniela Beck (links) und Laura Grasso (rechts) arbeiten auf den Covid-Stationen des Städtischen Klinikums in Karlsruhe. | Bild: Markus Kümmerle/ Städtisches Klinikum Karlsruhe

Doch aller Anstrengung zum Trotze: Einen Groll auf Bürger, die sich nicht an die Vorgaben halten, habe das Klinikpersonal angeblich nicht. Für Lockerungen sei es aber auch in den Augen von Grasso und Beck zu früh.

"Ich kann die Leute verstehen, die keine Lust mehr haben und raus wollen. Wenn ich frei habe, dann ist es fast, als wäre ich in einer anderen Welt", erzählt Beck gegenüber ka-news.de. "Aber wenn ich dann zurück auf der Arbeit bin, komme ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück."

 

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Kommentare (8)
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  •   Nordwest
    (5 Beiträge)

    26.04.2021 18:00 Uhr
    Danke an alle.....
    die hier ihre Meinung gepostet haben. Ich war gerührt. Ich arbeite selbst im Städtischen und kenne diese Kolleginnen, aber auch die anderen von den Covid-Stationen. Solch eine Empathie und solch einen Zuspruch hätte ich nicht erwartet. Ja wir brauchen mehr Personal und bessere Bezahlung und, ja die Priorisierung in unserer Gesellschaft was die Wertschätzung betrifft die diese Kollegen leisten, tagtäglich, muss besser werden. Sie liebe Kommentatoren haben heute den Anfang gemacht. Hören sie mit ihren Rufen nicht auf, machen sie weiter und sagen sie es allen die sie kennen. Wir zählen auf sie
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  •   Mitsch
    (359 Beiträge)

    26.04.2021 13:58 Uhr
    DANKE DANKE DANKE
    ...was auf diesen Stationen geleistet wird geht weit über das Normale hinaus. Körperliche und psychische Belastung teils ohne Pausen und dann noch Überstunden. Schwerstkranke Patienten und immer mehr COVID Erkrankte zwischen 30 und 50 Jahren! Höchster Respekt! Gut ausgebildet und ein Standard auf höchstem Niveau kommt nicht von alleine. Die alte bzw. dann die neue Bundesregierung sollte schnellstmöglich klare Zeichen pro diesem Personal setzen, ansonsten wird es bald diese Arbeitsgruppe so nicht mehr geben. Dazu zählt ein adäquater Personalschlüssel, Medizin und nicht Verwaltungsaufgaben im Vordergrund, gerechte Bezahlung. Ansonsten sehe ich für die Zukunft düster und jeder von uns könnte ja der nächste Patient auf einer Intensivstation sein egal welches Alter!
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  •   SunCityKA
    (152 Beiträge)

    26.04.2021 11:37 Uhr
    Eine unglaubliche ...
    ... Arbeit, die diese Leute leisten. Die Anstrengung und Belastung kann man sich kaum vorstellen. Die verdienen mehr und das sollte sich auch im Gehalt niederschlagen, während andere "Künstler" aus der warmen Wohnung raus #hashtagblubberschlauesprüche posten.
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  •   IchKA
    (1177 Beiträge)

    26.04.2021 11:26 Uhr
    Idealisten
    haben keine Lobby
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  •   IchKA
    (1177 Beiträge)

    26.04.2021 11:25 Uhr
    Allergrößte Hochachtung
    für diese Einstellungen der beiden Frauen. Die Bezahlung und die Versprechungen der Politik klingt wie Hohn. Genauso skandalös, dass die Helfer in den Impfzentren immer noch auf ihr Geld warten und sich Stadt und Land die Bälle hin und her schieben, aber selbst jeden Monat ihr üppiges Geld einstreichen.
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  •   Winston_Smith
    (801 Beiträge)

    26.04.2021 13:17 Uhr
    Krankenschwestern in D verdienen grob irgendwo im Durchschnittsgehaltsbereich
    Das sieht zB in den USA anders aus (deutlich darüber).
    Viel krasser aber noch in Belgien und vor allem Luxemburg.
    Belgien knapp 72% über! dem allgemeinen Lohnniveau.
    In Luxemburg gar rund 75% über dem Durchschnittslohn und damit rd. 115.000 Dollar, also rund 100.000 €.

    Quelle: Capital (entnommen einer OECD Studie aus 2020)
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  •   Kommentar
    (991 Beiträge)

    26.04.2021 11:13 Uhr
    Mehr Geld
    und damit mehr Personal sind notwendig.

    Wenn man Karstadt, Lufthansa, TUI und den BER mit Milliarden unterstüzt, kann man hier nicht nur mit feuchtem Händedruck "Danke" sagen. Und dann gleichzeitig noch darauf verweisen, dass die Kapazitäten erschöpft sind und man so schnell eh keine neuen Mitarbeiter ausbilden könne (wer will das gerade jetzt für das Gehalt anfangen?). Einfach daneben.
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  •   myopinion
    (98 Beiträge)

    26.04.2021 07:43 Uhr
    Respekt für alle die
    in dieser Zeit, in der übrigen natürlich auch, sich den Hintern aufreißen um die Kranken zu pflegen oder am Leben erhalten.
    Leider wurden und werden diese Menschen von der Politik nur verhöhnt (Klatschen im Bundestag anstatt gerechte Bezahlung). Es verwundert nicht wenn viele diesen so wichtigen Job hinschmeißen wollen. Sie werden nicht gewürdigt. Es gibt natürlich noch viele andere Menschen die sich für die Gesundheit anderer aufopfern. Auch die werden leider nicht gewürdigt. AUCH ein extremes Versagen der Politik. Solange die Gesundheit zur Ware verkommt und Gewinn damit erzielt wird.....wird sich nichts ändern und Menschen sterben für den Profit anderer
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