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Karlsruhe Zu wenig Impfstoff bestellt? Karlsruher Ärzte empört über Spahns Rationierung von Biontech

Impfen sei laut Aussagen der Ärzte die oberste Direktive, um der jetzigen Corona-Krisensituation Herr zu werden. Das ist allerdings nicht ganz so einfach, wenn es an Impfstoff mangelt. Nach einer Ankündigung des Gesundheitsministers, dass der Impfstoff Biontech knapp werde, müssen die Ärzte Ende November bundesweit ihre Bestellungen reduzieren. Sehr zu ihrem Unmut, wie ihre Karlsruher Vertreter erklären.

Nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn ankündigte, den Impfprozess auszuweiten und zu beschleunigen, gibt er nun öffentlich bekannt, dass angeblich nicht genug Impfstoff der Firma Biontech-Pfizer bestellt wurde. Infolgedessen solle es nun zu Engpässen kommen, die durch Rationierung bei Ärzten und Impfzentren abgefedert werden sollen.

"Niedergelassene Ärzte dürfen ab dem 30. November pro Woche nur 30 Dosen Biontech bestellen. Impfzentren 1.200", sagt der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup während einer Pressekonferenz. "Das bedeutet, viele Impfaktionen, die wir ab da geplant haben ein Problem kriegen werden. Alleine die Heinrich-Hertz-Schule wollte für ihre Impfaktion übernächste Woche rund 1.200 Impfdosen bereitstellen."

"Das ist unverschämt"

Dass Spahn erst zu Boosterimpfungen und Impfungen bei Kindern und Jugendlichen aufrufe und nun einen Engpass an Biontech ankündigt, sei aus Mentrups Sicht "unverschämt. Vor allem da es am Donnerstag noch hieß, es sei genügend Impfstoff vorhanden. Natürlich wird mehr Impfstoff gebraucht, wenn nun auch die 5 bis 12 und die 12 bis 16-jährigen geimpft werden. Es wirkt für mich wie mangelnde Organisation, dass nun ein Engpass herrscht." 

Oberbürgermeister Frank Mentrup signalisiert gegenüber ka-news.de seine Bereitschaft Geflüchtete aus Afghanistan aufzunehmen.
Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Carsten Kitter

Gerade Biontech sei für ein Defizit nämlich denkbar ungünstig. "Es gibt noch den Moderna-Impfstoff als Ausweichmöglichkeit - zweifellos ein herausragender Impfstoff unter bestimmten Umständen - aber für Kinder und Jugendliche nicht sicher einsetzbar. Und gerade in dieser Altersgruppe gibt es meines Wissens die höchste Inzidenz", meint Mentrup.

"Wir haben noch Impfstoff bis nächste Woche"

Moderna nämlich sei erst für Patienten ab 30 Jahren empfohlen. "Dort auch sicher und effizient, aber bei jüngeren Geimpften besteht ein erhöhtes Risiko für Myokarditis, also Herzmuskelentzündungen", sagt Marianne Difflipp-Eppele, Vertreterin der niedergelassenen Ärzte Karlsruhe. Kinder und Jugendliche könne der Engpass also am härtesten treffen. "Eigentlich sollte der Impfstoff auch für sie reserviert werden", sagt der OB.

Marianne Difflipp-Eppele, Ärztin aus Karlsruhe Durlach.
Marianne Difflipp-Eppele, Vertreterin der niedergelassenen Ärzte Karlsruhe und Pandemiebeauftragte. | Bild: Klaus Eppele

"Wir haben noch genügend Impfstoff bis nächste Woche, ab übernächster Woche tritt die Limitierung ein", sagt Difflipp-Eppele. "Danach sind die Folgen erst einmal ungewiss. Und das ist geradezu empörend, wenn man bedenkt, dass die niedergelassenen Ärzte wie wild Kapazitäten geschaffen haben. Immerhin wollten wir Herrn Spahns Ankündigung, jeder könne sich impfen lassen auch umsetzen."

"Das Personal ist überlastet"

Die vom Bundesgesundheitsministerium ausgehende Limitierung an Impfdosen brächte die Karlsruher Arztpraxen zusätzlich auch in eine gesellschaftliche Bredouille. "Ich hoffe wirklich, dass wir am Montag erreichbar sein werden. Denn wir können uns eigentlich darauf einstellen, dass ununterbrochen das Telefon klingeln wird, weil sich die Menschen um ihre Impfung sorgen", sagt Difflipp-Eppele.

"Das kostet uns alles Zeit. Zeit, die wir nicht haben, weil wir sie für Impfungen und den Normalbetrieb benötigen. Und das ist auch mehr, als man vom Personal verlangen kann. Auf diese Weise wird es ganz einfach überlastet", sagt die Medizinerin. 

Zwei Appelle an die Bürger

Ob nun wirklich Impftermine in Gefahr sind, lasse sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht voraussehen, wie Mentrup erklärt. "Wir möchten allerdings an die Bürger appellieren, dass sie vielleicht erst dann eine Boosterimpfung vornehmen, wenn ihre Zweitimpfung bereits sechs Monate zurückliegt, um Dosen für Erst- und Zweitimpfungen freizuhalten", so der Oberbürgermeister.

"Außerdem", fügt Difflipp-Eppele hinzu, "möchten wir impfwillige Bürger wirklich bitten, ihre Termine auch einzuhalten. Es kam schon häufiger vor, dass jemand einfach nicht zu seinem Impftermin erschienen ist und wir die Dosis schnellstens an jemand anderen verabreichen müssen, bevor der Impfstoff verfällt."

"Wir müssen das Vertrauen zurückgewinnen"

Ein weiterer, nicht unwichtiger Aspekt, der aus dem Impfstoffmangel hervorgehe, sei das verlorene Vertrauen. "Herr Spahn hat zuerst geäußert, dass sich jeder impfen lassen könne und nun kündigt er an, dass zu wenige Dosen bestellt wurden. Durch solche inkonsistenten Äußerungen verspielt er das Vertrauen der Bevölkerung", meint die niedergelassene Ärztin Difflipp-Eppele.

"Dieses Vertrauen müssen wir dann in endlosen Gesprächen zurückgewinnen. Das kostet alles Zeit, die wir zum Impfen bräuchten", sagt sie. Eine Aussage, die auch Mentrup bestätigt.

"Jede nicht verabreichte Impfung ist ein Risiko. Vielleicht verhindert sich nicht unbedingt die Infektion, aber sie reduziert sowohl die Ansteckungsgefahr als auch den Krankheitsverlauf auf ein Minimum", so der OB. "Das bedeutet, wenn wir Impfungen nicht rechtzeitig verabreichen können riskieren wir damit Leben."

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  •   Toledo
    (82 Beiträge)

    23.11.2021 08:38 Uhr
    Totalversager
    Dieser Gesundheitsminister
    und sein ebenso unfähiger
    Stab sitzt doch nur noch seine
    Restzeit ab und wird dann
    hoffentlich für alle Zeiten
    In der Versenkung Versenkung
    verschwinden.
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  •   AlterMann
    (407 Beiträge)

    22.11.2021 14:08 Uhr
    Bedarf
    Im Sommer wollte sich niemand impfen lassen, da war der Bedarf an Impfstoff minimal.
    Deswegen wurde wohl nicht so viel von dem Biontech-Zeug bestellt.
    Wahrscheinlich auch so einiges ins Ausland verschenkt.
    Dass Bestellung und Lieferung erst wieder Zeit braucht ist klar, aber dass es kein Impfstoff gibt stimmt ja auch nicht, die Alternative ist ja da.
    Biontech wurde halt in Himmel hoch gelobt, weil es eine deutsche Firma ist und der Firmengründer Migrationshintergrund hat. Das andere hingegen wurde schlecht gemacht.
    Ich hatte meine erste Impfung mit Astra und außer Schmerzen im Arm hatte ich keine Beschwerden danach, bei dem von Biontech kam noch Kopfschmerz und Fieber dazu. Wenn ich die Wahl hätte dann würde ich das eher nicht mehr nehmen. Eher Astra, aber das gibt es wohl überhaupt nicht mehr hier zu bekommen.
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  •   kommentar4711
    (3425 Beiträge)

    22.11.2021 15:29 Uhr
    ANTWORT AUF "BEDARF"
    Das entscheidende bei der Impfung ist eher die Wirkung gegen den Virus und nicht die Symptome mit denen man kurz danach zu tun hat.

    Und ja, im Sommer wollte dann keiner mehr. Aber bis August/September hatten sich um die 60% impfen lassen und es hat jeder davon gesprochen, dass vermutlich ein Booster nötig sein wird. Kurzum, der Bedarf von min. 50 Mio Impfdosen bis März (60% der Bundesbürger, 6 Monate nach Zweitimpfung) war absolut abseh- und planbar. Ebenso ein weiterer Bedarf darüber hinaus, da man ja verstärkt für Impfungen unter den Skeptikern werben wollte.
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  •   likeka
    (652 Beiträge)

    22.11.2021 12:00 Uhr
    Spahn
    Jens Spahn macht einen schlechten Job und betreibt eine katastrophal schlechte Kommunikation.
    In besagter Pressekonferenz war auch Landrat Dr. Chirstoph Schnaudigel (CDU), Spahns Parteifreund, sichtlich angepisst auf den Minister. Schnaudigel hat sogar extra dafür die Geburtstagsfeier seiner Mutter unterbrochen.

    Hier kann man die Pressekonferenz im Video anschauen.
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  •   kommentar4711
    (3425 Beiträge)

    22.11.2021 11:09 Uhr
    Spahn
    Spahn hat Vertrauen verspielt? Welches Vertrauen?!?
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  •   Oitastisch
    (455 Beiträge)

    22.11.2021 04:10 Uhr
    Schlechtes Gewissen
    Wenn ich das lese, dass der Impfstoff wieder so knapp ist wie zu Beginn, dann klopfe ich mir erst einmal selber erleichtert auf die Schulter. Ich hätte ein richtig schlechtes Gewissen, wenn ich nicht impffrei geblieben wäre und jemanden den heißbegehrten und hochwirksamen Impfstoff weggenommen hätte.
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  •   FinnMcCool
    (601 Beiträge)

    22.11.2021 10:21 Uhr
    auf die Schulter klopfen
    Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie so selbstlos waren (und auch noch sind), indem Sie auf den Impfstoff verzichtet haben.
    Ich hoffe Sie sind dann genauso selbstlos, sollten Sie sich wider Erwarten doch infizieren und eigentlich intensiv betreut werden müssen. Dann haben Sie hoffentlich eine Patientenverfügung bei sich, die eine Intensivbehandlung - welche Corona-bedingt ist - ablehnen.
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  •   Käsekuchen
    (53 Beiträge)

    22.11.2021 09:21 Uhr
    Danke !
    Ich finde es grossartig, dass es noch richtige Patrioten gibt, welche ihre Impfstoffdosis für Andere spenden.
    Der heroische Mut, welchen sie aufzubringen sich freiwillig bereit erklärt haben, kann ihnen gar nicht hoch genug angerechnet werden. Danke nochmals.

    In der Zwischenzeit, bis die Pandemie vorbei ist, kann man sich ja in neuen Freizeitbeschäftigungen üben, z.B. Briefmarken sammeln oder das Muster der Rauhfasertapete auswendig lernen. Auch ein Blick auf die Webseite darwinawards.com kann nicht schaden, vielleicht wird das ja die neue "Homepage" zwinkern
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  •   silberahorn
    (11052 Beiträge)

    22.11.2021 05:12 Uhr
    Impfstoff
    ist, wie der Gesundheitsminsiter gestern noch einmal erklärte, ausreichend vorhanden. Es geht um Herstellungsprozesse und Verfallsdaten. Bei vorhandenem Moderna sol das Verfallsdatum in ein paar Monaten erreicht sein. Wobei man die Dosen dann an bedürftige Länder spenden könnte. Immerhin ist die Pandemie weltweit ein Problem.
    Und wenn man nur Biontech anbietet (also das was die Arztpraxen machten die ich für Termine anschaute), dann hat man jetzt ein Kommunikationsproblem, falls jemand kein Moderna will, weil der Termin für Biontech gebucht wurde.
    Mit etwas gutem Willen nimmt kein Impfwilliger irgendwem etwas weg. Und dafür gibt es genauso wenig eine Ehrenurkunde, wie für das Verhalten von Oitastisch.
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  •   Chris23
    (751 Beiträge)

    22.11.2021 14:30 Uhr
    Moderna
    Wird von Hersteller selbst bei -20 Grad ausgeliefert, das ist nicht so ganz ohne wenn du es über lange strecken verschenken willst. Auch wenn es lokal auch gerne bei Kühlschranktemperatur gelagert wird.
    Es erfordert dann auch bei dem Empfänger entsprechende Infrastruktur die schnell angeschafft und vermutlich nach dem kurzen Segen wieder abgeräumt wird, wenn du es nicht umständlich in kleinst Mengen verschiffst.
    Spahn und Scheuer sind zwar schon ein Katastrophen team, aber hier dorthin zu steuern dass das vorhandene genutzt wird - finde ich durchaus nachhaltig ... ich denke viele nehmen das was da ist, und mit glück drängen auch ein paar zu dem Impfungen die unbedingt ein Biontech wollen jetzt wo es kanpp wird.
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