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Karlsruhe "Wir haben die Lizenz zum Geld vernichten" - Karlsruher Gastronomen kritisch zur Wiedereröffnung

Seit Montag, 18. Mai, dürfen Gastronomen in Baden-Württemberg unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen. Auch viele Gaststätten in Karlsruhe empfangen wieder Besucher. Jedoch gilt: Abstand halten, Kontaktdaten angeben und bei dem Gang zum Tisch und zur Toilette die Maske aufziehen. Wie erleben die Karlsruher Gastronomen die Wiedereröffnung?

Im Vogelbräu in der Innenstadt-Ost tummeln sich im Innen- und Außenbereich einige Gäste zum Essen und Trinken. Dennoch wirkt noch längst nicht alles wie im normalen Alltag - beim Gang durch die Lokalität muss der Mund- und Nasenschutz aufgesetzt werden und im Innenbereich sollen durchsichtige Trennwände auf den Tischen für Schutz vor einer möglichen Ansteckung sorgen. 

Die Schutzwände sollen die Gäste vor einer möglichen Ansteckung schützen.
Die Schutzwände sollen die Gäste vor einer möglichen Ansteckung schützen. | Bild: Ingo Rothermund

"Die Vorbereitungen und der Betrieb selbst gestalten sich als sehr, sehr aufwändig", sagt Inhaber Rudi Vogel. Den Gästen stehen lediglich rund 50 Prozent der Plätze zur Verfügung. Dennoch sind diese ganz gut gelaunt. "Bisher hat sich noch niemand negativ geäußert. Die Menschen sind froh, dass sie sich wieder hier treffen können", so Vogel gegenüber ka-news.de. "Dennoch ist das alles furchtbar steril". 

Und rentabel ist das Ganze laut Vogel auch nicht. "Wir haben die Lizenz zum Geld vernichten - den vollen Kosten steht nur ein Teil des Ertrags gegenüber." 

Rudi Vogel ist Inhaber der drei Vogelbräu in Karlsruhe, Durlach und Ettlingen.
Rudi Vogel ist Inhaber der drei Vogelbräu in Karlsruhe, Durlach und Ettlingen. | Bild: Ingo Rothermund

So sieht es auch Adrian Sanzillo, Geschäftsführer der Marktlücke in der Karlsruher Innenstadt. "Wir haben bereits schon einiges an Geld für die vorgeschriebenen Maßnahmen ausgegeben - alleine 600 Euro für Masken." Dennoch ist der 48-Jährige froh, dass wieder offen ist. "Ich freue mich vor allem für meine Mitarbeiter, die die vergangenen zwei Monate in Kurzarbeit waren." 

Adrian Sanzillo, Geschäftsführer der Marktlücke.
Adrian Sanzillo, Geschäftsführer der Marktlücke. | Bild: Ingo Rothermund

"Es gilt am Anfang viel zu erklären - die Menschen haben einige Fragen zu ihrem Besuch hier bei uns", sagt Sanzillo im Gespräch mit ka-news.de. "Viele denken, es besteht eine Reservierungspflicht - dem ist nicht so. Die Besucher müssen lediglich ihre Daten angeben." Doch scheinbar wird bei der Angabe von persönlichen Informationen auch gemogelt. "Wir hatten heute auffällig viele Meiers", so Sanzillo.

Der Außenbereich der Marktlücke ist etwas spärlich besetzt.
Der Außenbereich der Marktlücke ist etwas spärlich besetzt. | Bild: Ingo Rothermund

Am Wochenende verwandelt sich die Marktlücke an den Abenden in einen Klub - darauf muss allerdings noch weiterhin verzichtet werden. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr den Klubbetrieb wieder aufnehmen können", sagt Adrian Manzillo im Gespräch mit ka-news.de. Doch immerhin tagsüber können sich ein paar Gäste wieder bedienen lassen - so wie einige wenige am Montagmittag. 

"Kosten bleiben - Umsatz bricht weg"

Noch weniger Besucher zur Mittagsstunde musste das Oxford Ost in der Karlsruher Oststadt begrüßen. Lediglich ein Tisch im Freien war besetzt und Inhaber Daniel Safro fand deutliche Worte: "Die Kosten bleiben, doch der Umsatz bricht immens ein." Von den 200 Plätzen im Freien darf er aufgrund der Abstandsregelungen nur noch 50 besetzen. 

Leerer Biergarten im Oxford Ost in der Karlsruher Oststadt.
Leerer Biergarten im Oxford Ost in der Karlsruher Oststadt. | Bild: Ingo Rothermund

Die Zukunft sieht der 35-Jährige ebenfalls nicht sehr rosig. "Das ganze Ausgehverhalten der Menschen wird sich ändern", so Safro. "Viele Menschen sind oder waren in Kurzarbeit und haben kein Geld, um noch essen zu gehen - sie sparen das Geld lieber für etwas anderes", sagt Daniel Safro im Gespräch mit ka-news.de.

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  •   malerdoerfler
    (6056 Beiträge)

    19.05.2020 15:52 Uhr
    Deshalb gelingt der Soziialismus auch nur dann
    wenn die ganze Welt sozialistisch sein wird und die Menschen keine Alternative mehr haben und auch nicht mehr davon laufen können.
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  •   kunvivanto
    (149 Beiträge)

    19.05.2020 17:09 Uhr
    AW auf "Deshalb gelingt der Soziialismus auch nur dann"
    Das sah man z.B. an den Kibbuzen. Die waren so ein vorübergehend erfolgreiches sozialistisches Modell. Aber die Nachkommen der idealistischen Gründer waren weniger idealistisch, und seit ca. 40 Jahren ist das System am erodieren. Außer dem Namen ist inzwischen nicht mehr viel übrig geblieben.
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  •   schmidmi
    (2585 Beiträge)

    19.05.2020 15:56 Uhr
    Interessant
    nur das bisherige Modell ist ja nun auch nicht gerade von Erfolg gekrönt, oder?
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  •   Schillerlocke
    (222 Beiträge)

    19.05.2020 18:41 Uhr
    Trotz zahlreichen Mankos
    ist der Kapitalismus mit Abstand das erfolgreichste Gesellschaftsmodell, was wir bisher hatten.
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  •   Weichei
    (699 Beiträge)

    20.05.2020 00:54 Uhr
    Das stimmt nicht
    Bereits im Mittelalter waren die Raubritter erfolgreich.
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  •   Schillerlocke
    (222 Beiträge)

    20.05.2020 07:59 Uhr
    So lange sie nicht krank geworden sind ...
    ich würde mich nicht einem mittelalterlichen Quacksalber anvertrauen wollen.
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  •   schmidmi
    (2585 Beiträge)

    19.05.2020 21:05 Uhr
    Erfolgreich
    für wenige. Die enormen Kosten zahlen die anderen. Schon mal überlegt, wer die Finanzkrise und die Coronakrise bezahlt? Und wenn wir einfach weitermachen, werden uns ständig weitere Krisen ins Haus stehen. Wetten?
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  •   Schillerlocke
    (222 Beiträge)

    20.05.2020 07:21 Uhr
    noch nie ging es einer
    breiten Masse so gut wie heutzutage. Da kann selbst der verbohteste Steinzeitkommunist nicht daran vorbei schauen.
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  •   schmidmi
    (2585 Beiträge)

    20.05.2020 08:43 Uhr
    Wer ist die breite Masse
    und wer ist wir?
    Man sollte nicht vergessen, dass die Welt nicht nur aus Europa besteht und wir es geschickt verstanden haben, unseren Wohlstand auf dem Rücken anderer zu mehren!
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  •   andip
    (10381 Beiträge)

    19.05.2020 12:22 Uhr
    Was soll die Politik machen?
    Alle Einschränkungen aufheben in der Hoffnung, dass alles gut geht?
    Und dagegen, dass die Leute trotz aller Lockerungen nichts bis wenig konsumieren, kann auch die Politik nichts unternehmen.
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