65  

Karlsruhe "Wir haben die Lizenz zum Geld vernichten" - Karlsruher Gastronomen kritisch zur Wiedereröffnung

Seit Montag, 18. Mai, dürfen Gastronomen in Baden-Württemberg unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen. Auch viele Gaststätten in Karlsruhe empfangen wieder Besucher. Jedoch gilt: Abstand halten, Kontaktdaten angeben und bei dem Gang zum Tisch und zur Toilette die Maske aufziehen. Wie erleben die Karlsruher Gastronomen die Wiedereröffnung?

Im Vogelbräu in der Innenstadt-Ost tummeln sich im Innen- und Außenbereich einige Gäste zum Essen und Trinken. Dennoch wirkt noch längst nicht alles wie im normalen Alltag - beim Gang durch die Lokalität muss der Mund- und Nasenschutz aufgesetzt werden und im Innenbereich sollen durchsichtige Trennwände auf den Tischen für Schutz vor einer möglichen Ansteckung sorgen. 

Die Schutzwände sollen die Gäste vor einer möglichen Ansteckung schützen.
Die Schutzwände sollen die Gäste vor einer möglichen Ansteckung schützen. | Bild: Ingo Rothermund

"Die Vorbereitungen und der Betrieb selbst gestalten sich als sehr, sehr aufwändig", sagt Inhaber Rudi Vogel. Den Gästen stehen lediglich rund 50 Prozent der Plätze zur Verfügung. Dennoch sind diese ganz gut gelaunt. "Bisher hat sich noch niemand negativ geäußert. Die Menschen sind froh, dass sie sich wieder hier treffen können", so Vogel gegenüber ka-news.de. "Dennoch ist das alles furchtbar steril". 

Und rentabel ist das Ganze laut Vogel auch nicht. "Wir haben die Lizenz zum Geld vernichten - den vollen Kosten steht nur ein Teil des Ertrags gegenüber." 

Rudi Vogel ist Inhaber der drei Vogelbräu in Karlsruhe, Durlach und Ettlingen.
Rudi Vogel ist Inhaber der drei Vogelbräu in Karlsruhe, Durlach und Ettlingen. | Bild: Ingo Rothermund

So sieht es auch Adrian Sanzillo, Geschäftsführer der Marktlücke in der Karlsruher Innenstadt. "Wir haben bereits schon einiges an Geld für die vorgeschriebenen Maßnahmen ausgegeben - alleine 600 Euro für Masken." Dennoch ist der 48-Jährige froh, dass wieder offen ist. "Ich freue mich vor allem für meine Mitarbeiter, die die vergangenen zwei Monate in Kurzarbeit waren." 

Adrian Sanzillo, Geschäftsführer der Marktlücke.
Adrian Sanzillo, Geschäftsführer der Marktlücke. | Bild: Ingo Rothermund

"Es gilt am Anfang viel zu erklären - die Menschen haben einige Fragen zu ihrem Besuch hier bei uns", sagt Sanzillo im Gespräch mit ka-news.de. "Viele denken, es besteht eine Reservierungspflicht - dem ist nicht so. Die Besucher müssen lediglich ihre Daten angeben." Doch scheinbar wird bei der Angabe von persönlichen Informationen auch gemogelt. "Wir hatten heute auffällig viele Meiers", so Sanzillo.

Der Außenbereich der Marktlücke ist etwas spärlich besetzt.
Der Außenbereich der Marktlücke ist etwas spärlich besetzt. | Bild: Ingo Rothermund

Am Wochenende verwandelt sich die Marktlücke an den Abenden in einen Klub - darauf muss allerdings noch weiterhin verzichtet werden. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr den Klubbetrieb wieder aufnehmen können", sagt Adrian Manzillo im Gespräch mit ka-news.de. Doch immerhin tagsüber können sich ein paar Gäste wieder bedienen lassen - so wie einige wenige am Montagmittag. 

"Kosten bleiben - Umsatz bricht weg"

Noch weniger Besucher zur Mittagsstunde musste das Oxford Ost in der Karlsruher Oststadt begrüßen. Lediglich ein Tisch im Freien war besetzt und Inhaber Daniel Safro fand deutliche Worte: "Die Kosten bleiben, doch der Umsatz bricht immens ein." Von den 200 Plätzen im Freien darf er aufgrund der Abstandsregelungen nur noch 50 besetzen. 

Leerer Biergarten im Oxford Ost in der Karlsruher Oststadt.
Leerer Biergarten im Oxford Ost in der Karlsruher Oststadt. | Bild: Ingo Rothermund

Die Zukunft sieht der 35-Jährige ebenfalls nicht sehr rosig. "Das ganze Ausgehverhalten der Menschen wird sich ändern", so Safro. "Viele Menschen sind oder waren in Kurzarbeit und haben kein Geld, um noch essen zu gehen - sie sparen das Geld lieber für etwas anderes", sagt Daniel Safro im Gespräch mit ka-news.de.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (65)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   schmidmi
    (2584 Beiträge)

    19.05.2020 14:34 Uhr
    So wird das nichts.
    Genau richtig beschrieben! Es ist ein irriger Glaube, dass wir unser altes Leben zurückbekommen werden. Die ganze Gesellschaft muss und wird sich ändern. Was uns bisher wichtig und erstrebenswert schien, gehört plötzlich zum alten Eisen. Ich hoffe, die Gesellschaft wandelt sich zum positiven..
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7215 Beiträge)

    19.05.2020 17:12 Uhr
    Corona und danach
    Die Hongkong-Grippe 1968–1970 stellte auch schon unser Gesundheitssystem
    vor Herausforderungen. In Deutschland sind Tausende Menschen gestorben.
    Man ist nicht mehr in Gaststätten gegangen, Ansteckungsgefahr, Einkäufe nur das Notwendigste,
    damals gab es noch den Konsum bei uns gegenüber, die machten zu, kaum noch Kundschaft.
    Der Friseur bei uns im Haus hat ebenso den Laden geschlossen. Diese Grippe wütete einige Monate. Auch in den Industriebetrieben wurde eingeschränkt produziert.
    Sicher hat man damals auch davon geredet, wenn diese Pandemie (war in der ganzen Welt verbreitet) überstanden ist, wird alles ganz anders.
    Was kam danach, die Welt war wieder in Ordnung und es lief weiter wie vor dieser Katastrophe.
    So wird es auch nach Corona sein.
    Ach ja, und Mutter hat sich geärgert, weil beim Konsum einiges teurer geworden ist und der Bäcker doch tatsächlich 10 Pfennig für die Brezel genommen hat, statt 8 Pfennig. 😊
    An alle, die glauben danach wird alles anders, träumt weiter.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Freigeist1
    (1198 Beiträge)

    20.05.2020 11:18 Uhr
    Ganz einfach > Das hängt von
    uns ab.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (2333 Beiträge)

    19.05.2020 15:38 Uhr
    In welche Richtung ändern?
    Wenn Sie das bisherige Leben schlecht und die jetzigen Zustände erstrebenswert finden, dann heißt das: Verbote allerorten, (Teil-)Schließungen, Beschränkungen, Überwachung, Kontrolle. Schulen und Kitas nur zu 50% in Betrieb. Lebenslange Maskenpflicht. Kontaktbeschränkungen. Wirtschaftliches Desaster. Vernichtung von Existenzen. Und so weiter.

    Für Sie erstrebenswert? Für mich nicht. Ich will meine Freiheit zurück, und zwar so bald es die Infektionslage zulässt - keinen Tag später.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (2584 Beiträge)

    19.05.2020 15:41 Uhr
    Erstrebenswert
    ist auf jeden Fall eine gänzlich andere Ausrichtung unserer Gesellschaft. Das hat aber nichts mit irgendeiner Vernichtung zu tun, sondern mit einer Weiterentwicklung...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   fahrbahnteiler
    (323 Beiträge)

    19.05.2020 16:36 Uhr
    Oha.
    Haben die sogenannten Verschwörungstheoretiker dann doch Recht? Geht es gar nicht um Bekämpfung eines Virus, sondern um gesellschaftlichen Umsturz?

    Aber, aber, Herr Schmidmi. Jetzt haben Sie sich aber weit aus dem Fenster gelehnt...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (2584 Beiträge)

    19.05.2020 16:39 Uhr
    Nein, diese Typen haben nicht recht
    aber das Virus zeigt uns sehr deutlich, dass wir nicht einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen.
    Das ist schon aus ökonomischen Gründen nicht sinnvoll...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (2333 Beiträge)

    19.05.2020 15:47 Uhr
    Andere Ausrichtung
    Sie meinen bestimmt ein sozialistisches Modell? Nun ja, da sind die jetzt vorübergehend in Kraft gesetzten Regeln natürlich in der Tat dauerhaft notwendig. Mauer und Stacheldraht müssen natürlich noch dazukommen. Sozialismus lässt sich nämlich nur durch Unterdrückung und Überwachung durchsetzen, siehe DDR, Sowjetunion und Co. - ansonsten begehrt das Volk auf oder läuft davon.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Freigeist1
    (1198 Beiträge)

    19.05.2020 16:32 Uhr
    Oder sowas? Ohne Mauern und Zäune, dafür
    mit freien, selbstbestimmten Menschen, die sich gegenseitig und unsere natürlichen Grundlagen respektieren, gut und ohne Ausbeutung leben (Schlachthöfe müssten sich vielleicht umstellen, sorry) und und und ...
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinwohl-%C3%96konomie
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schmidmi
    (2584 Beiträge)

    19.05.2020 15:53 Uhr
    Nehmen Sie bitte sofort Ihre Hand aus meinem Mund
    und versuchen sie nicht, mir das Wort darin umzudrehen.
    Von Sozialismus habe ich nichts gesagt und strebe diesen auch nicht an.
    Ich denke eher an ein kooperatives Gesellschaftsmodell...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.