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Karlsruhe Weniger Diebstähle, dafür mehr Straftaten zu Hause und im Netz: Macht Corona Karlsruhes Straßen sicherer?

Raub, Einbruch, Gewalt - auch im Jahr 2020 ist Karlsruhe nicht von Verbrechen verschont geblieben. Einziger Vorteil: Durch Corona sind diese in der Gesamtzahl um rund 1,5 Prozent zurückgegangen. Das gab das Polizeipräsidium Karlsruhe am Mittwoch bei der Vorstellung der Kriminalstatistik bekannt. Doch nicht in allen Bereichen sehen die Zahlen "rosig" aus.

Das Jahr 2020 stand ganz im Zeichen von Corona, da sind Straftaten keine Ausnahme. Einziger Pluspunkt: In der Anzahl der Delikte ist in Karlsruhe ein leichter Rückgang zu beobachten. "Mit den Einschränkungen im öffentlichen Leben gingen auch die beim Polizeipräsidium Karlsruhe verzeichneten Straftaten um 1,5 Prozent zurück", erklärt das Polizeipräsidium auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Insgesamt wurden 5.781 Straftaten pro 100.000 Einwohner im Jahr 2020 in der Fächerstadt verübt.

63,8 Prozent konnten hier von der Polizei erfolgreich aufgeklärt werden. Das macht einen Anstieg von 4,2 Prozent aus. "Damit ist das Jahr 2020 das Jahr mit der höchsten Aufklärungsquote der letzten zehn Jahre", erklärt das Polizeipräsidium.

Einbrüche im Stadtgebiet haben zugenommen

Davon entfallen die meisten Straftaten auf einfachen und schweren Diebstahl. Hier verzeichnet das Polizeipräsidium Karlsruhe 283 Delikte im Stadtkreis und 167 im Landkreis. Auch hier befindet sich Karlsruhe auf einem aktuellen Tiefstand.

Einzige Ausnahme: der Wohnungseinbruch. Zwar wird auch hier mit einer Gesamtfallzahl von 450 Einbrüchen ein leichter Rückgang von elf Fällen zum Vorjahr verzeichnet, dennoch habe die Polizei laut Kriminalstatistik im Stadtgebiet eine leichte Zunahme ausmachen können.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Zum Vergleich: Im Landkreis gingen die Einbrüche um 33,2 Prozent zurück. Im Stadtkreis stiegen Sie hingegen um 34,1 Prozent an. Doch wie kann das sein, wenn die Menschen während der Corona-Pandemie so oft und lange zu Hause bleiben wie selten zuvor?

"Dieser Quote liegt unter anderem eine noch ungeklärte Einbruchsserie zugrunde, die gleich zu Jahresbeginn noch vor dem Lockdown verübt wurde", erklärt Thomas Rüttler, Leiter der Kriminalpolizeidirektion des Polizeipräsidiums Karlsruhe.

Bild: Polizeipräsidium Karlsruhe

Das heißt: Die leichte Steigung im Stadtgebiet fand noch vor den ganzen Einschränkungen durch Corona statt. "Allein darauf lassen sich 29 Einbruchs-Fälle zurückführen. Wir glauben aber, dass wir durch unsere Kontroll- und Präsenzmaßnahmen eventuell reisende Täter verdrängen konnten", ergänzt der Kriminalpolizeidirektor.

Anstieg um 16 Prozent bei häuslicher Gewalt

"Leider gab es auch einen Anstieg bei den Körperverletzungsdelikten, die entgegen einem sinkenden Landestrend in der Region Karlsruhe um 5,8 Prozent beziehungsweise von 197 auf nunmehr 3.575 Fälle angestiegen sind", führt das Polizeipräsidium weiter aus.

Darunter fallen auch Delikte, die unter den Bereich "häusliche Gewalt" fallen. Diese umfassen Gewalttaten, die sich zwischen Ehe- und Lebenspartnern ereignen. Waren das im Jahr 2019 noch 442 Fälle, so sind es ein Jahr später bereits 514 Fälle.

Bild: Polizeipräsidium Karlsruhe

259 Fälle entfallen davon allein auf den Stadtkreis Karlsruhe, 255 auf den Landkreis. Das macht einen Zuwachs von 16,3 Prozent aus. Ebenfalls angestiegen seien andere Sexualdelikte wie zum Beispiel Exhibitionismus und die Verbreitung pornografischer Schriften.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Gewalt gegen Kinder zählen hier aber nicht dazu, diese werden in der Statistik gesondert behandelt. Erleichternd: "Bei der Gewalt gegen Kinder ist kein gravierender Anstieg zu beobachten", erklärt Rüttler auf Anfrage von ka-news.de. Diese schlage mit insgesamt 145 Fällen zu Protokoll, zehn mehr als im Jahr zuvor. 

Auf den Straßen ist es sicherer

Eine gute Nachricht gibt es hingegen aus dem Bereich der Straßenkriminalität: Hier konnte die Polizei nach eigenen Angaben einen Rückgang von sieben Prozent verzeichnen. Von insgesamt 7.931 Straftaten entfallen 4.815 auf Diebstähle, 2.413 auf Sachbeschädigungen, 415 auf Körperverletzung und 288 Fälle auf Raub- oder Sexualdelikte. 

Im Vorjahr belief sich die Zahl der Straßenkriminalität noch auf 8.527 Fälle. Damit ist die Zahl der Fälle im Jahr 2020 um 596 gesunken. 

Ähnliches gilt für den Bereich "Gewalt gegen Polizeibeamte". Hier wurden insgesamt 606 Polizeibeamte Opfer einer Straftat, davon wurden 176 Beamte beim Einsatz verletzt. Das macht einen Rückgang von 16 Prozent zum Vorjahr aus. Den Grund hierfür sehen die Beamten zum Beispiel aufgrund ausfallender Fußballspiele und infolge weniger Demonstrationen. 

Schaden durch Cyberangriffe in Millionenhöhe

Ein Zuwachs der Straftaten ist jedoch bei der Cyberkriminalität zu beobachten. Von 1.117 Fällen im Jahr 2019 stieg diese auf 2.063 Fälle im Folgejahr an. Von diesen konnte die Polizei 58,3 Prozent aufklären. 

Bild: Polizeipräsidium Karlsruhe

"Dieser Trend wird auch weiterhin anhalten, da sich durch die Schließung vom Einzelhandel die Verkaufsplattformen ins Internet verlagern", so das Polizeipräsidium. Insgesamt ist durch Cyberkriminalität ein Schaden von fast einer Million Euro zustande gekommen.

Ebenfalls gestiegen: "Anrufstraftaten zum Nachteil älterer Menschen", wie zum Beispiel "Enkeltrick-Anrufe" und "falsche Polizeibeamte". Hier wurden insgesamt 835 Betrugsversuche registriert - mit einem Gesamtschaden von rund 360.000 Euro.

Gegen dieses anhaltende Problem geht das Polizeipräsidium Karlsruhe nach eigenen Angaben daher auch künftig durch Präventionsaktionen wie Vorträge, Verhaltenstipps und Warnhinweisen auf Bäckertüten  vor, um die Menschen vor Betrugsmaschen zu bewahren.

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  •   ALFPFIN
    (7613 Beiträge)

    25.02.2021 09:37 Uhr
    Ein Rückgang
    von 1,5% bei Raub, Einbruch, Gewalt fällt ja fast nicht auf.
    Bei der Zunahme häuslicher Gewalt, es geht ja in der Hauptsache um Männer die gegenüber ihren Ehefrauen gewalttätig werden, frage ich mich, ob sich jetzt mehr Frauen melden, weil das Thema durch Corona angesprochen wurde. Oder ob die Zahl der Angriffe gegenüber der Frauen immer schon höher war, denn diese Kerle waren sicher auch vor Corona gegenüber ihren Frauen gewalttätig.
    Man kann nur hoffen, dass mehr Frauen den Mut haben, sich von solchen Typen trennen.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12254 Beiträge)

    25.02.2021 08:48 Uhr
    Macht Corona Karlsruhes Straßen sicherer?
    niemals, so lange man als Passant aufpassen muss, wer mit und wenn ja mit welcher Maske entgegenkommt...
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