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Karlsruhe Warum viele Karlsruher Clubs trotz Corona-Lockerungen zu bleiben: "Die Auflagen sind nicht zu erfüllen"

Auch der Vorfall im Topsy Turvy hat deutlich gemacht, dass die Karlsruher Clubszene auch nach dem Lockdown keineswegs von Problemen losgelöst ist: Viele Clubs der Fächerstadt verzichten auch jetzt noch aus schwerwiegenden Gründen auf eine Öffnung. Im Gespräch mit ka-news.de verraten Mitarbeiter des Clubs Agostea und des für seine Disco-Veranstaltungen bekannten Restaurants Marktlücke, warum sie ihre Pforten auch weiterhin für tanzfreudige Gäste geschlossen halten müssen.

So manchem kommt es vor, wie eine lange, lange Zeit - vor knapp eineinhalb Jahren, war die Karlsruher Innenstadt erfüllt vom pulsierendem Nachtleben. Das Licht der Clubs, Bars, Kulturveranstaltungen und Konzerte fiel auf die Straßen der Fächerstadt und erstarb erst in den frühen Morgenstunden. Doch das alles war vor der Pandemie.

Der Mainfloor des Clubs Agostea in Karlsruhe.
Der Mainfloor des Clubs Agostea in Karlsruhe. | Bild: Agostea Karlsruhe

Selbst jetzt, wo der Lockdown seit über einen Monat vorbei ist, könne immer noch nicht sicher gesagt werden, dass sich das Nachtleben in absehbarer Zeit erholt. Alleine durch den Vorfall in der Karlsruher Bar und Diskothek Topsy Turvy, wurden einige Zweifel gesät, ob die Fächerstadt überhaupt wieder ins Nachtleben starten solle, selbst dann wenn es die Corona-Verordnung wieder gestattet.

Sowohl Angelika Desch, stellvertretende Geschäftsleiterin im Club Agostea, als auch Hilmar Schäuble, Mitinhaber des Restaurants Marktlücke am Marktplatz sind diese Zweifel nicht fremd. Beide wählten unter den gegebenen Umständen, zunächst auf Tanzveranstaltungen zu verzichten. Die Gründe, die sie dafür nannten sind recht ähnlich.

"Auflagen, die nicht zu erfüllen sind"

"Im Prinzip ist es einfach noch verboten", sagt Schäuble. "Solange die Inzidenz in Karlsruhe über zehn liegt, befinden wir uns bei Öffnungsstufe zwei. Also dürfen wir die Tanzveranstaltungen und Club-Abende, die früher Regelmäßig in der Marktlücke stattfanden, gar nicht abhalten." Doch selbst wenn die Stadt Karlsruhe wieder eine rückläufige Inzidenz erreichen würde, sodass mit Öffnungsstufe eins wieder Disko-Betrieb möglich wäre, sei die Eröffnung des Clubs kaum lohnenswert.

Hilmar Schäuble, Inhaber des Restaurants Marktlücke in der Karlsruher Innenstadt.
Hilmar Schäuble, Inhaber des Restaurants Marktlücke in der Karlsruher Innenstadt. | Bild: Hilmar Schäuble

"Wir dürfen laut Corona-Verordnung genau dreißig Prozent einlassen - und das nur wenn sie geimpft, getestet oder genesen sind", so der Inhaber der Marktlücke. "Das ist eine Auflage, die prinzipiell nicht zu erfüllen ist." Angelika Desch teilt diese Einschätzung in Bezug auf das Agostea.  "Es ist uns einfach zu heikel, um zu öffnen. Auch deshalb weil wir mit den derzeitigen Beschränkungen nicht arbeiten können."

Angelika Desch, leitende Angestellte und Personalzuständige des Club Agostea Karlsruhe.
Angelika Desch, leitende Angestellte und Personalzuständige des Club Agostea Karlsruhe. | Bild: Agostea Karlsruhe

Dreißig Prozent sei ein guter Anfang und Desch rechne auch damit dass mit der steigenden Impfquote auch mehr Freiheiten ins Nachtleben zukehre, dennoch bliebe ein bestimmtes Problem: "Mit nur 30 Prozent an Kundenkapazität könnten wir uns nicht halten", so die stellvertretende Geschäftsführerin.

Das Agostea sei im Gegensatz zur Marktlücke eine eingetragene Diskothek und bezöge all seine Haupteinkünfte aus dem Karlsruher Nachtleben. "Würden wir nun öffnen, fiele die finanzielle Hilfe, die wir vom Staat erhalten weg. Gleichzeitig hätten wir mit 30 Prozent Gästen natürlich nur 30 Prozent Umsatz. Außerdem befindet sich das Agostea die nächsten Wochen in einer Umbauphase."

"Schon ein einziger Infizierter ist eine zu große Gefahr"

Natürlich sei es nicht alleine Umsatz oder Bauarbeiten, der die beiden Betriebe davon abhielte, ihre Tanzveranstaltungen wiederaufzunehmen. "Sollte zum Beispiel ein einziger  Gast die Delta-Variante in sich tragen, könnte er sämtliche anderen Gäste auf unseren Tanzflächen und auch unsere Mitarbeiter infizieren", so Desch. "Das können wir nicht riskieren. Immerhin haben wir auch eine Fürsorgepflicht für unser Personal." Dem stimme auch Hilmar Schäuble zu. 

Neben der Gefahr eines Ausbruchs habe der Vorfall im Topsy Turvy einige weitere Probleme aufgezeigt, die es auch in Zukunft zu lösen gäbe: Beispielsweise sei noch immer die Frage, was gegen falsche Kontaktdaten getan werden könne, die Kontaktnachverfolgung erschweren. 

Die Luca-App als Lösung?

"Da Ausweiskontrollen in unserer Diskothek schon immer Gang und Gebe waren, sind falsche Kontaktdaten auch selten ein Problem", berichtet Desch.  Das bedeute nicht, dass man sich des Problems nicht annehmen wolle: "Wir planen einen digitalen Ticketverkauf, bei dem man zum Erwerb seine Kontaktdaten hinterlassen muss." Diese würden anschließend mit dem Personalausweis abgeglichen und seien nur bei korrekter Übereinstimmung gültig.

Die Marktlücke verlasse sich als Gastronomisches Etablissement auch auf digitale Lösungen. "Wir nutzen eigentlich grundsätzlich die Luca-App", so Hilmar Schäuble, "dort sind in den allermeisten Fällen die korrekten Daten hinterlegt. Nur einige, meist ältere Gäste haben kein Smartphone. Wir haben aber nicht das Gefühl, dass jemand davon falsche Daten angeben würde."

Private Veranstaltungen - Ein Widerspruch in der Verordnung?

Trotz all dieser vorhergenannten Gefahren und Risiken - trotz strenger Auflagen, der Pflicht zu Impfung, Test oder Genesungsnachweis ist es laut Verordnung noch immer möglich, private Veranstaltungen in den Clubräumlichkeiten zu buchen. Veranstaltungen die die fixe Besucherzahl von 300 Personen nicht überschreiten. "An dieser Stelle sind die Corona-Verordnungen sehr widersprüchlich", so Desch.

Dateiname : Aktuelle Corona-Verordnung vom 26. Juli
Dateigröße : 415.72 KBytes.
Datum : 02.08.2021 11:01
Download : Download Now!

"Auch bei den Inzidenzen verstehen wir den Sinn nicht ganz. Bei einem Inzidenzwert von zehn oder mehr werden Diskotheken zum Beispiel geschlossen, aber private Veranstaltungen dürften sie bis zu einer Inzidenz von 35 anbieten. Das ist uns ganz einfach zu riskant." Deshalb verzicht das Agostea darauf, seine Räume für Privatveranstaltungen zu vermieten. "Auch wenn viele Anfragen dazu bei uns eingehen", fährt sie fort. Auch die Marktlücke biete keine Vermietungen für private Feiern an.

Das Land Baden-Württemberg erklärt diese Regelung dadurch, dass solche Privatveranstaltungen nur in freundschaftlichen oder familiären Rahmen, wie etwa Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern gestattet wären. Da solche Privatveranstaltungen nicht dazu dienten, dass fremde Personengruppen aufeinanderträfen, sondern bereits zuvor eine Verbindung der Feiernden bestünde, die ein Risiko auf nicht rückverfolgbare Infektionen reduziere.

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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Kommentare (9)
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  •   barheine
    (743 Beiträge)

    04.08.2021 09:46 Uhr
    Meinetwegen könnten wir alle Hygieneregeln abschaffen, sobald alle Bürger ein Impfangebot erhalten haben. Stellt sich die Frage, wie man jene schützt, die sich nicht impfen lassen konnten. Aber auch das wäre lösbar. Es kann allerdings nicht angehen, dass wir noch bis in alle Ewigkeit auf Impfmuffel Rücksicht nehmen und uns unser Leben einschränken lassen.
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  •   Mondgesicht
    (2789 Beiträge)

    04.08.2021 09:04 Uhr
    Ehrlicher wäre es doch
    von der Politik, die Clubs gleich dauerhaft schließen. Denn unsere Politiker wollen ja die Corona-Maßnahmen "verstetigen". Da man weiterhin an der Inzidenz als Hauptfaktor festhält, wird es ein Leben wie vor der Pandemie nie mehr geben.

    Das Geschäftsmodell der Clubs funktioniert nun mal nicht mit minimalen Besucherzahlen, maximalen Abständen, Masken und Totalüberwachung per App. Bevor man jetzt noch jahrelang Steuergelder hineinbuttert, sollte der Staat eine Abfindung zahlen und die Einrichtungen können schließen. Irgendwann werden dann die Großeltern den Enkeln erklären müssen, was so ein Club war.

    Übertriebene pessimistische Prognose? Nun ja, ich sehe es andersherum: bisher war jeder Optimismus fehl am Platz. So lange die Politik nicht grundsätzlich von ihrer bisherigen Niedrig-Inzidenz-Strategie abrückt, wird es mit den Lockdowns weitergehen, und zwar auf ewig, weil das Virus nicht auszurotten ist.
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  •   ralf
    (3745 Beiträge)

    04.08.2021 08:16 Uhr
    Luca-App
    Aus meiner Sicht ein komplett falsches Konzept allgemein in deutschland, statt auf die Corona-Warnapp auf eine private Lösung zu setzen, welche vom Datenschutz her problematisch ist.
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  •   Mondgesicht
    (2789 Beiträge)

    04.08.2021 09:06 Uhr
    Grundsätzlich
    möchte ich überhaupt nicht durch irgendwelche Apps überwacht werden.
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  •   silberahorn
    (11125 Beiträge)

    04.08.2021 10:22 Uhr
    Warn-App Nina
    vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist aber hilfreich. Jedenfalls für mich.
    Da kommen tagesaktuell auch die Corona Regeln für Karlsruhe und die Sieben-Tage-Inzidenz für den Kreis und das Bundesland, wenn ich hier bin.
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  •   Berty87
    (1149 Beiträge)

    04.08.2021 09:56 Uhr
    Nochmal
    Zwingt sie ja keiner dazu diese zu nutzen.

    Jedoch Facebook, WhatsApp und Co. Nutzen
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  •   Berty87
    (1149 Beiträge)

    04.08.2021 08:22 Uhr
    Zwink
    Sie ja keiner die App zu benutzen bzw. Keiner an die Orte zu gehen qo man Sie doch bräuchte
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  •   Nachteule
    (1043 Beiträge)

    04.08.2021 07:40 Uhr
    Es ist klar, warum die so "vorsichtig" sind
    Der Umsatz abzüglich Wareneinsatz, Personalkosten und sonstige Fixkosten ergibt den Gewinn oder Verlust. In der Gastronomie liegt eine realistische Gewinnspanne im Bereich von 10 bis 15 Prozent des Umsatzes. Nun erhalten z.B. Diskotheken zum einen Kurzarbeitergeld für ihre Mitarbeiter, d.h. sie haben keine Personalkosten, wenn der Laden dicht ist. Auch haben sie keinen Wareneinsatz. Sie haben nur die Fixkosten, wie z.B. die Pacht. Trotzdem erhalten sie zusätzlich zum Kurzarbeitergeld 75% des Umsatzes des Jahres 2019, weil unser genialer Wirtschaftsminister offensichtlich Gewinn mit Umsatz verwechselt hat. Damit ist klar, dass geschlossene Diskotheken heute mehr Gewinn einfahren, als zu Zeiten, in denen sie geöffnet waren. Das sagen die "fürsorglichen" Betreiber natürlich nicht laut... grinsen grinsen grinsen
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  •   kommentar4711
    (3453 Beiträge)

    04.08.2021 09:09 Uhr
    ANTWORT AUF "ES IST KLAR, WARUM DIE SO VORSICHTIG SIND"
    Ja, leider. Denke aber die Hilfen werden nach der Wahl auslaufen. Mal schauen, was dann passiert.
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