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Karlsruhe Volle Intensivstationen in Karlsruhe: Klinik-Chef fordert "Erstimpfung für alle" bis zum 1. Juli

Volle Intensivstationen, mehr Kinder in der Klinik - Die Lage spitzt sich weiter zu. "Wir haben keine Intensivbetten mehr auf der Covid-Station frei" beginnt Klinik-Chef Michael Geißler die dieswöchige Pressekonferenz im Städtischen Klinikum. Klar könnten die Kapazitäten weiter hochgefahren werden, doch das eigentliche Problem liegt seiner Meinung nach woanders: Es bedarf schnellstens einer Veränderung - und diese beinhaltet ein komplettes Umdenken bezüglich Test- und Impfstrategie.

Spätestens jetzt ist Jedem klar: Die dritte Welle - ausgelöst durch die B117 Mutation - ist in Karlsruhe in vollem Gange. Auch wenn die aktuell "niedrigeren" Zahlen vielleicht eine andere Sprache sprechen.

Der Grund: Da an den Feiertagen weniger getestet wird, seien die Zahlen rund um 7-Tage Inzidenz und R-Wert "falsch niedrig" und "mit Vorsicht zu genießen". So befindet sich der R-Wert aktuell unter 1, die Inzidenz vom Stadtkreis Karlsruhe genau bei 100. Klingt zunächst nicht sonderlich tragisch.

Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe.
Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Ein anderes Bild liefert wiederum die aktuelle Situation im Städtischen Klinikum. 25 Covid-Patienten sind inzwischen auf der Allgemeinstation in Behandlung, 11 Patienten liegen auf der Intensivstation, darunter ein Kind. Fünf Patienten müssen außerdem künstlich beatmet werden. Das Klinikum befindet sich weiter in Pandemiestufe 3.

Situation ähnlich wie an Weihnachten

Das bringt vor allem ein Problem mit sich: Nach Angaben des Städtischen Klinikums sei die Covid-Intensivstation mit diesen 11 Patienten jetzt vollständig belegt. Zwar könnten noch weitere Ressourcen hochgefahren werden, doch das würde die Versorgung von Nicht-Covid-Stationen stark beeinträchtigen.

Kurzum:  Die Situation sei ähnlich wie die an Weihnachten.

"Natürlich ist es kein Problem die Betten weiter hochzufahren. Aber Sie können sich vorstellen, dass wenn von insgesamt 50 Intensivbetten 12 dauerhaft betrieben werden, dann ist das eine hohe Einschränkung. Und wenn es dann 16 werden, ist es eine noch größere Einschränkung", erklärt Martin Bentz, Klinikdirektor der medizinischen Klinik III.

Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III.
Martin Bentz, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik III. | Bild: Verena Müller-Witt

Der Punkt: Wenn die 16 Intensivbetten auch noch vollgemacht werden würden, dann müsse der restlichen Betrieb auf zirka 60 bis 70 Prozent heruntergefahren werden. Für einen Maximalversorger wie das Städtische Klinikum "keine gute Situation."

"Wir bekommen es hin, aber es bleibt keine Luft zum Durchatmen, wir arbeiten auf Kante", ergänzt Geißler mit Nachdruck. "Deshalb müssen wir jetzt reagieren."

Klinikum stellt Forderungen

In diesem Zusammenhang stellt Geißler drei Forderungen auf, die aus klinischer Sicht unabdingbar seien, um die dritte Welle zu brechen. 

1. Konsequente Umsetzung der Lockdown-Forderungen

Alle Lockdown Maßnahmen sollten weiterhin umgesetzt werden. Bei zunehmenden Todesfällen und ab einer Inzidenz von 100, spricht sich Geißler sogar für eine Verschärfung der Maßnahmen aus, wie zum Beispiel Ausgangsbeschränkungen.

Gleichzeitig fordert er den Wegfall sämtlicher Lockerungs-Experimente und Projekte. Diese seien, so Geißler, "völlig inakzeptabel". 

2. Teststrategie professionalisieren

Nach Ansicht des Klinikums sei die Teststrategie "vollkommend unzureichend", um der Situation Herr zu werden. Stattdessen soll eine generelle Testpflicht in allen Betrieben mit Großraumbüros und Schulen eingeführt werden. 

3. Änderung der Impfstrategie

Wie Geißler bereits auf den vergangenen Pressekonferenzen berichtet hatte, müsse die Ständige Impfkomission (Stiko) ihre Impfstrategie lockern, um die Impfungen voranzutreiben. Doch nicht nur das.

Inzwischen spricht sich Geißler klar dafür aus, dass man sich zunächst auf eine Durchimpfung der Bevölkerung  mit der Erstimpfung konzentrieren solle. Dafür sollen dann die Zweitimpfdosen aus den Impfzentren verwendet werden. 

Der Grund: Alleine die Erstimpfung schütze gut genug vor dem Virus, um schlimme Krankheitsverläufe oder gar Todesfälle zu verhindern, was der Entlastung der Krankenhäuser zugute käme. Danach wären 12 Wochen Zeit, um die zweite Dosis zu bekommen. 

Wenn das gelinge, könnten so bis zu 10- oder 15.000 Todesfälle verhindert- und schwere Krankheitsverläufe reduziert werden. Des Weiteren könnten so alle Menschen bis zum 1. Juli ihre erste Impfdosis erhalten haben. 

Ein Intensivpfleger ist auf der Covid-19 Intensivstation (ITS) im Städtischen Klinikum Dresden mit der Versorgung von Corona-Patienten beschäftigt.
Ein Intensivpfleger ist auf einer Covid-19 Intensivstation (ITS). | Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Erstimpfung verhindert neue Viren-Stämme

"Es geht bei dieser Impfempfehlung nicht darum, zu sagen, 'wer geimpft ist, ist nicht mehr ansteckend'", erklärt Geißler, "aber wer eine Erstimpfung erhält, agiert nicht mehr als Superspreader. Da bin ich ganz bei Herrn Lauterbach."

Geißler stützt sich dabei auf Studien aus der Harvard University. Die würden nicht nur die Wirksamkeit einer Impfdosis belegen, sondern auch, dass die Chance von sogenannten "Fluchtmutationen" durch diese Strategie verringert werden könnte.

"Wenn wir das umsetzen, dann ist das Problem der Intensivstationen erstmal gelöst und es kommt nicht zu weiteren Virus-Stämmen, die gegen die bisherigen Impfungen bereits resistent sind", führt Geißler weiter aus. "Die Briten haben es ja vorgemacht, die haben das umgesetzt und können jetzt deswegen lockern."

Einen Brücken-Lockdown - sowie wie es von Armin Laschet gefordert wird - sieht Geißler hingegen nicht als Lösung für die vollen Covid-Intensivstationen. "Um da wirklich was zu reißen, wäre es mit zwei bis drei Wochen nicht getan."

 

 

 

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  •   Kicherente
    (151 Beiträge)

    10.04.2021 15:32 Uhr
    Bitte nicht nach härterem Lockdown rufen!
    Was würden die Krankenhäuser eigentlich machen wenn wir eine richtige Pandemie hätten an der die Hälfte der Bevölkerung versterben könnte oder wenn wir im Krieg wären? Das hier ist Klagen auf hohem Niveau. Klar, es ist derzeit schwierig, planbare OPs fallen aus, der Aufwand ist enorm, Mutanten müssen getrennt isoliert werden, die Schutzmassnahmen sind riesig. Aber so überlastet, dass das Gesundheitssystem zusammenbrechen könnte, waren und sind die Krankenhäuser nicht. Wer in dieser Situation nach noch stärkerem Lockdown ruft wird das auch bei der nächsten saisonalen Corona- oder Grippe- oder Was-auch-iimmer-Welle tun. Das ist brandgefährlich für die Grundrechte und überzogen. Ich erinnere daran, dass auch vor Corona immer wieder geplante Operationen verschoben werden mussten wg. Mangel an Intensivbetten oder Grippewelle. Man kann das auch Triage nennen. Das ist nicht neu. Das ist das Ergebnis der Gesundheitspolitik der letzten Jahre.
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  •   likeka
    (606 Beiträge)

    11.04.2021 18:46 Uhr
    Hilfe.
    Sie argumentieren gegen die Maßnahmen, weil die Gesundheitsversorgung ja noch nicht zusammengebrochen sei. Diese Argumentation ist aus zwei sehr banalen Gründen äußerst unschlüssig.

    Erstens kann der Zusammenbruch ja wohl kein Ziel sein. Vielmehr ist nach einem Zusammenbruch alles zu spät. In einem expotentiellen Wachstum muss man rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, denn sobald eine Überlastung eintritt, ist es zu spät für eine effektive Reaktion.

    Zweitens sind es ja genau die von Ihnen kritisierten Maßnahmen, die einen Zusammenbruch verhindern. Sie kritisieren also genau das, was einen Zusammenbruch verhindert als unnötig, da es ja keinen Zusammenbruch gegeben habe.
    Außerdem sei eine harte Grippewelle (25.000 Tote in D) ja genauso schlimm wie die Corona-Pandemie (75.000 Tote in D trotz massiver "Lockdown-" und Schutzmaßnahmen).

    Diese "Argumentation" stimmt mich traurig.

    PS: Laut DIVI ist die Belastung der Intensivstationen, trotz verschobener Eingriffe, auf einem Rekordhoch.
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  •   Genervt_KA
    (47 Beiträge)

    11.04.2021 10:00 Uhr
    PFUI
    Meinen Sie das da draußen ist ein Großer Spaß, oder was? Aluhut ab und Kopf einschalten. #Herrgottskrament #Impfenjetzt
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  •   Motorhead
    (281 Beiträge)

    10.04.2021 20:55 Uhr
    Beschämend
    was Sie hier von sich geben Kicherente. Beschämend.
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  •   tom1966
    (1342 Beiträge)

    10.04.2021 16:30 Uhr
    "Richtige Pandemie"?
    und was denken Sie, Kicherente, was wir gerade haben?
    In D fast 3 Millionen Fälle und ueber 78 000 Tote, weltweit fast 135 Millionen Fälle und fast 3 Millionen Tote (offizielle Zahlen ohne Dunkelziffer) - und das soll keine "richtige" Pandemie sein?

    Wenn die Intensivstationen mit Covid-Patienten voll sind, was ist dann mit den anderen Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen (z.B. Herzinfarkte), soll man die sterben lassen?

    Ja, es stimmt, man hätte die Kapazitäten der Stationen erweitern und entsprechendes Personal vorhalten muessen, aber das ist keine Argument, dass seitens der Politik nicht härtere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ergriffen werden sollten.
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  •   wolkenschauer
    (1458 Beiträge)

    10.04.2021 20:36 Uhr
    Beispiel Klinikum Ludwigshafen, Interview mit Klinikchef
    Ich verlinke das jetzt einfach mal.

    Überschrift: Klinikum Ludwigshafen: "Massiver Anstieg der Zahl jüngerer, schwerkranker Patienten"

    Untertitel: Die Corona-Patienten im Klinikum sind nicht nur jünger und im Schnitt 58 Jahre alt, sondern auch viel schwerer an dem Virus erkrankt. Warum, das erklärt Prof. Günter Layer im Interview.

    https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/ludwigshafen/interview-klinkum-lu-layer-april-21-100.html - mit kurzem Video

    Hier kann sich jeder mal ein Bild von der momentanen Situation vor Ort machen ...
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  •   wolkenschauer
    (1458 Beiträge)

    10.04.2021 20:41 Uhr
    ...
    LINK
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  •   BMWFahrer
    (530 Beiträge)

    10.04.2021 17:20 Uhr
    Das jetzige ist keine richtige Pandemie
    Das hier waren welche: Liste_von_Epidemien_und_Pandemien

    78.000 Corona-Tote in Deutschland

    Zum Vergleich: 74.000 sterben jährlich in Deutschland an den Folgen von Alkoholkonsum und 120.000 an den Folgen des Rauchens. 80.000 Menschen Todesfälle sind auf Luftverschmutzung zurückzuführen.

    Interessiert keinen Politiker.

    Hier ist zu ersehen, dass die Belegung der Intensivbetten in Baden-Württemberg seit einem Jahr nahezu konstant ist und eine Notfallreserve in doppelter Höhe zur Verfügung steht.

    Skandalös ist das Aufschieben bzw. Absagen von Krebsvorsorgen und anderer wichtiger Untersuchungen durch das Klinikum Karlsruhe.
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  •   timo
    (3332 Beiträge)

    11.04.2021 18:47 Uhr
    In der verlinkten Liste ist COVID-19 übrigens aufgeführt...
    ...der ging also daneben. Zumal ca. 2,9 Mio auch im Vergleich innerhalb der Liste relativ hoch ist.

    Und ja, auch gegen Rauchen, Alkohol und Umweltverschmutzung muss mehr getan werden. Das ist aber ein anderes Thema.

    2. Link?
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  •   Motorhead
    (281 Beiträge)

    11.04.2021 10:45 Uhr
    Soso
    Was Sie nicht sagen. Das hier ist keine richtige Pandemie..aha..interessant..NICHT!
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