Browserpush
7  

Karlsruhe Überfüllte Stationen und Omikron: Warum das Karlsruher Klinikum trotz sinkender Corona-Zahlen kaum entlastet ist

Obwohl die Corona-Zahlen im Begriff sind zu sinken, gebe es laut dem Klinikum noch keinen Grund zur Entwarnung. Das Personal werde nur geringfügig entlastet, denn wo die Covid-Patienten noch vor wenigen Wochen die Intensivbetten in Beschlag genommen haben, gebe es nun Überfüllungserscheinungen auf den Normalstationen. Hinzu kommt die nur wenig erforschte Omikron-Variante, die über der abflauenden Welle schwebt.

Noch vor einem Monat seien die Prognosen düster gewesen, wie Dr. Franz Kehl, der Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Klinikums Karlsruhe bestätigt. "Wir haben mit 800 Intensivpatienten in Baden-Württemberg gerechnet und haben nun einen Hospitalisierungswert um 650. Generell sieht die Coronasituation deutlich freundlicher aus, als wir vor vier Wochen befürchteten."

Professor Doktor Franz Kehl, Facharzt für Anästhesiologie und Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe
Professor Doktor Franz Kehl, Facharzt für Anästhesiologie und Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe | Bild: Philip Dehm Fotografie

Die Zahlen seien nämlich in fast allen Bereichen gesunken und Kehl gehe davon aus, dass "die Inzidenzen über Weihnachten auch stabil bleiben werden." Tatsächlich sei die Zahl an Corona-infizierten Intensivpatienten in Karlsruhe sowie in ganz Baden-Württemberg derzeit sogar rückläufig. "Das liegt bis zu einem gewissen Grad auch daran, dass viele Patienten in die umliegenden Bundesländer verlegt wurden um dort behandelt zu werden." Zu viele Entwarnungen könne Kehl aber nicht geben.

Eine weitere Normalstation nur für Corona-Patienten?

Während die Intensivstationen in Karlsruhe einen stabilen bis schwindenden Anteil an Corona-Patienten aufweisen, rücken die Patienten laut Kehl in die Normalstationen nach. "Mittlerweile ist das Verhältnis von Normal- zu Intensivpatienten etwa vier zu eins", so Kehl. Das bedeute das nun eher die Kapazitäten der Normalstation auf die Probe gestellt werden.

Elvira Schneider, Pflegedirektorin am Städtischen Klinikum Karlsruhe. | Bild: Gudrun de Maddalena

"Mit insgesamt 38 Covid-Patienten auf den Normalstationen müssen wir insgesamt drei Vollstationen des Klinikums für Coronainfizierte vorbehalten", sagt die Pflegedirektorin Elvira Schneider. "Und wir können die Patienten natürlich auch nicht außerhalb des Krankenhauses in Behandlung geben. Ein Pflegeheim beispielsweise würde keine positiv getesteten Patienten aufnehmen", sagt sie. Daher existierten Pläne, eine vierte Station nur für Covid-Patienten bereitzustellen.

"Unser Pflegepersonal ist bereits überfordert"

"Wir hoffen aber sehr, dass diese Pläne auf Dauer in der Schublade bleiben", sagt Schneider. "Unser Pflegepersonal ist schon jetzt sehr angespannt. Wir haben sowohl Probleme mit Ausfällen durch Erkrankungen als auch mit offenen Stellen, deren Aufgaben vom vorhandenen Personal übernommen werden müssen", so die Pflegedirektorin.

"Wenn wir jetzt eine neue Station ausschließlich für Patienten von Covid-19 umfunktionieren, müssen wir auch ganz neue Personalpläne erstellen. Und das bedeutet mehr Arbeit für bereits völlig überlastete Pfleger." Leider sei die Eröffnung einer vierten Covid-Station kaum auszuschließen. Insbesondere aufgrund der nun auch in Karlsruhe nachgewiesenen Omikron-Variante.

"Wir wissen zu wenig über die Omikron-Variante"

"Die Omikron-Variante ist jetzt auf einem ganz ähnlichen Stand wie die Delta-Variante vor knapp einem Jahr. Und wir erinnern uns, wie schnell es ging, dass sich die Delta-Variante weltweit durchsetzte und zur dominanten Mutante wurde", rekapituliert Kehl. "Und die Omikron könnte nach bisherigen Erkenntnissen noch infektiöser sein." 

"Momentan ist die Zahl der Infizierten noch im einstelligen Bereich und wir können die Betroffenen einzeln isolieren. Es bliebe außerdem zu hoffen, dass die Omikron-Mutation des Coronavirus zu geringeren Krankheitsverläufen führt als ihre Vorgänger", so der Leiter der Intensivmedizin weiterhin. "Allerdings müssen wir sagen, wir wissen zu wenig über die neue Variante. Wir wissen nicht ob sie eine besonders schwere Fatigue auslöst, ob Kinder stärker davon betroffen sind und auch nicht, wie genau sie sich zu den Impfstoffen verhält."

Kein "optimaler Impfschutz" gegen Omikron?

Nach derzeitigem Stand gehe man zwar durchaus davon aus, dass "die Antikörper, die der Mensch gegen die Delta-Variante des Virus bildet, auch zum größten Teil gegen die Omikron-Mutante wirksam sind", sagt Intensivdirektor Kehl. "Die derzeitigen Boosterimpfungen bieten also auch einen Schutz gegen die neue virale Art. Allerdings muss man auch sagen, dass das kein optimaler Impfschutz ist."

Für optimalen Impfschutz müsse der Impfstoff nämlich genau an die spezifische virale Subspezies angepasst werden. "Es ist ganz ähnlich wie bei der Impfung gegen Influenza. Dort haben die Impfstoffe auch jedes Jahr eine andere Zusammensetzung. Meines Wissens arbeitet Biontech auch bereits an einer Impfstoffanpassung die auf die Omikron-Variante ausgelegt ist. Die dürfte in zirka drei Monaten erste Resultate liefern", erklärt Kehl.

Ein Impfstoff spezifisch gegen Omikron sei also erst für zukünftige Wellen hilfreich. "Trotzdem heißt das nicht, dass man aufhören lassen soll, sich zu impfen", sagt er. Eine flächendeckende Impfung sei so wichtig wie eh und je. "Und auch Testen ist eine sehr wichtige Komponente. Ein negatives Testergebnis kann sicherer sein als eine Impfung." Kehls Appell an die Bevölkerung sei also sich möglichst oft testen zu lassen.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (7)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Ein_Wanderer
    (545 Beiträge)

    19.12.2021 08:53 Uhr
    Geht endlich
    die grundlegenden Probleme unseres Gesundheitswesens an. Da ist doch vieles jahrelang in die falsche Richtung gelaufen. Es kann doch nicht wahr sein, dass in einem wirtschaftlich hochentwickelten Land wegen ein paar Covid-Patienten das Gesundheitssystem fast kollabiert.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Malaika
    (321 Beiträge)

    19.12.2021 08:07 Uhr
    Überbelegung hausgemacht?
    Kam vor einigen Tagen am Sonntag früh wegen lang anhaltendem, starkem Nasenbluten in das städt. Klinikum. Nach vielen vergeblichen Versuchen, die 116 117 zu erreichen, Rettungsdienst angerufen. Nach längerer Wartezeit in der Notaufnahme schaute sich eine Ärztin (?) die Sache an. Kein weiterer Kommentar, keine Erklärung, null. Nase wurde tamponiert, Patientin muss bis Dienstag bleiben. Zuhause am Mittwoch früh: erneut starkes Nasenbluten. HNO aufgesucht, Nase wurde untersucht und eine Ader kauterisiert. Problem gelöst! Fazit: 15 Min. beim HNO waren effizienter als 2 Tage Krankenhausaufenthalt! Zu allem Überfluss wurde mir die Rechnung für diese 2 Tage (> 2.600,- Euro für nichts) direkt zugesandt, obwohl meine Versicherungskarte vorlag und auch die PKV Krankenhausaufenthalte direkt abrechnet. Ein fähiger HNO hätte das Problem binnen kürzester Zeit lösen können und ein Klinikaufenthalt wäre vermeidbar gewesen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Minna
    (139 Beiträge)

    18.12.2021 07:52 Uhr
    diese Klinik hat selbstgemachte Probleme
    selbst wenn wenig Patienten anwesend sind, es fehlt anscheinend an einer richtigen Struktur und Organisation
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   BMWFahrer
    (851 Beiträge)

    18.12.2021 21:53 Uhr
    Städtischer Betrieb
    Was will man da erwarten?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kommentar
    (1284 Beiträge)

    18.12.2021 02:30 Uhr
    Warum braucht man 3 Vollstationen
    für 40 normale Krankenhauspatienten?

    Und warum ist das ein Problem für das städtische Klinikum, so klein sind die nicht?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   likeka
    (659 Beiträge)

    18.12.2021 03:23 Uhr
    Einzelbelegung der Zimmer
    Soweit ich weiß, werden alle Zimmer nur mit einem Patienten belegt.
    Dazu kommt, dass die Infektstation D10 generell nicht so viele Betten hat.
    80 Zimmer auf drei Stationen kommt gut hin.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kommentar
    (1284 Beiträge)

    19.12.2021 13:12 Uhr
    Das ist dann ein
    künstliches Problem. Wenn man eine Station pro Infiziertem nutzt, bräuchte man 40 Stationen - also alle Krankenhäuser in Karlsruhe.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen