57  

Garmisch-Partenkirchen Superspreaderin auf Kneipentour: Corona-Ausbruch in Garmisch

Eine junge Frau hat möglicherweise ziemlich im Alleingang das Nachtleben im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen lahmgelegt. Sie soll zahlreiche Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Dabei hätte sie womöglich nur ein wenig Geduld gebraucht.

Der heftige Corona-Ausbruch im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen geht nach Behördenangaben wohl zu einem großen Teil auf das Konto einer feierfreudigen jungen Frau. Davon ist zumindest das zuständige Landratsamt überzeugt.

Die 26-Jährige soll an verschiedenen Tagen durch mehrere Kneipen in der Marktgemeinde am Fuße der Zugspitze gezogen sein und dabei zahlreiche Menschen angesteckt haben. Eine Superspreaderin. Nach Angaben der Behörde soll sie auf ihrer Kneipentour schon Symptome gehabt und auf die Ergebnisse ihres Corona-Tests gewartet haben.

Quarantäne nicht eingehalten

"Die Dame hat Symptome gehabt, war bei uns bei der Teststation und wurde aufgrund der Symptome aufgefordert, in Quarantäne zu bleiben. Das hat sie aber nicht getan", sagt der Sprecher des Landratsamtes, Stephan Scharf. Die 26-Jährige sei kurz zuvor aus einem Urlaub in Griechenland zurückgekehrt. Ob sie sich auf der Reise angesteckt hat oder danach in Garmisch-Partenkirchen, das sei aber unklar.

"Wo sie sich angesteckt hat, wissen wir nicht", sagt Scharf. Seine vorherigen Angaben, wonach es sich um eine aus den USA eingereiste Touristin handle, korrigierte er. Es habe ein "Übermittlungsproblem" innerhalb der Behörde gegeben. Die Frau sei zwar US-Amerikanerin, wohne aber in der Gemeinde und sei keine Urlauberin.

"Leute warten Testergebnisse öfter nicht ab"

"Fälle, in denen die Leute das Testergebnis nicht abwarten, gibt es ja öfter", sagt Scharf. "Und die Nationalität ist ja im Grunde auch wurscht. Aber wir wollten, dass möglichst viele Menschen sich melden, die sich daran erinnern, in den letzten Tagen in einer Kneipe Kontakt zu der Frau gehabt zu haben."

Weil sich bislang nicht alle Kontaktpersonen nachverfolgen ließen, fordert die Gesundheitsbehörde diejenigen, die an oder vor diesem Abend in örtlichen Bars unterwegs waren, auf, sich bei der Hotline des Gesundheitsamtes (08821/ 751-500) zu melden und sich testen zu lassen. Der Aufruf richtet sich vor allem an junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren, die sich angesteckt haben könnten, sind aufgerufen, sich testen zu lassen.

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt in Langenhagen für einen Cotrona-Test einen Abstrich von einer Frau.
Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt in Langenhagen für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau. | Bild: Moritz Frankenberg/dpa

In einer Unterkunft, in der die Frau arbeitet, wurden nach Angaben Scharfs bislang 24 Menschen positiv getestet. Insgesamt belief sich die Zahl der Neuinfektionen bis Samstag auf 37. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 54 und damit über der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. "Die müssen sich natürlich nicht alle bei ihr angesteckt haben", betont Scharf. 453 Positiv-Fälle seien seit Beginn der Corona-Krise im Landkreis nachgewiesen worden.

Nachtleben wird heruntergefahren

"Aus medizinischer Sicht ist mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Infektionen im Landkreis zu rechnen", teilt das Landratsamt mit und verhängt in der rund 26.000 Einwohner zählenden Marktgemeinde am Freitag Beschränkungen für das öffentliche Leben. "Wir wollen das Nachtleben, das der Auslöser war, runterfahren."

Elektronenmikroskopische Aufnahme des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2), das Covid-19 verursacht. Die Probe wurde von einem Patienten in den USA isoliert.
Elektronenmikroskopische Aufnahme des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2), das Covid-19 verursacht. Die Probe wurde von einem Patienten in den USA isoliert. | Bild: -/NIAID-RML/AP/dpa

Alle Gaststätten müssen dort um 22 Uhr schließen. Nur noch maximal fünf Personen dürfen sich im öffentlichen Raum gemeinsam treffen - das gilt auch für alle Gastronomiebetriebe. Für Privatveranstaltungen wird die Teilnehmerzahl auf höchstens 50 Personen in geschlossenen Räumen oder bis zu 100 Personen unter freiem Himmel beschränkt.

Wegen der hohen Infektionszahlen wurde die für diesen Samstag geplante Veranstaltung "Ausbremst is" von den Organisatoren abgesagt. Auch die Kundgebung von Landwirten aus Protest gegen die Ausbreitung von Wölfen in Bayern an diesem Sonntag fällt coronabedingt aus.

© dpa-infocom, dpa:200912-99-535005/3

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (57)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Beobachter
    (185 Beiträge)

    15.09.2020 12:05 Uhr
    Amerikanerin....
    ... und deshalb an deutsche Ordern nicht gebunden? Hat die etwa Diplomatenstatus? Darf die dann auch verkehrtrum durch Einbahnstraßen fahren? Sollte das wahr sein, wäre es mit der Souveränität wirklich nicht weit her. Nach US Auffassung gelten doch amerikanische Gesetzte anscheinend für alle und überall.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    15.09.2020 14:56 Uhr
    Gesetze
    gelten für alle, die sich in ihrem Geltungsbereich aufhalten (ausgenommen Diplomaten). Also auch für Amerikaner in Deutschland.
    Oder muss man sich seit neuestem beim Urlaub im Ausland nicht an die dortigen Regeln halten? Dann kann ich ja mit 200 durch Österreich fahren und die können mir nichts, weil es ja in Deutschland erlaubt ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10616 Beiträge)

    15.09.2020 14:07 Uhr
    Es gilt
    für Angehörige des US-Militärs das NATO-Truppenstatut. Deutschland hat aber, wahrscheinlich nicht nur weil sie Zivilangestellte ist, das Recht ein Verfahren zu führen und es nicht ans US-Militär abzugeben.
    "Members of a civilian component and dependents shall be so described in their passports." steht im offiziellen Agreement between the Parties to the North Atlantic Treaty regarding the Status of their Forces von 2009. Angehörige einer zivilen Komponente ist sie wohl.

    Problematisch bleibt trotz Recht auf Ermittlungen die Frage, in welcher Weise das Gesundheitsamt die Quarantänepflicht übermittelt hat, weil ein Arzt oder Tester das wahrscheinlich nicht aussprechen darf. Der sicherste Weg ist immer, wenn die Betroffenen unterschreiben mussten, dass sie die Informationen bekommen haben.
    Sich ärgern nützt nichts, den dann lacht Donald nur noch, weil er alles weglacht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (2829 Beiträge)

    14.09.2020 17:35 Uhr
    Nun ermittelt ja
    die Staatsanwaltschaft gegen die Dame. Also wird sie sicherlich nicht mit 100 € und dududu davonkommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    14.09.2020 13:51 Uhr
    Unverständlich
    Es gibt zwei Punkte, die mir beim Lesen des Artikels unverständlich sind:
    - Warum muss jemand andere gefährden, indem er trotz einer möglichen Infektion und der Weisung, in Quarantäne zu gehen, durch die Kneipen zieht. Purer Egoismus und Rücksichtslosigkeit!
    - Wie kann man angesichts solcher Vorfälle immer noch behaupten, das Coronavirus sein ein Fake.

    Beiden Punkte können durchaus zusammenhängen. Und ... ja richtig, das Virus ist ja nur eine Erfindung und die Presse verbreitet Fake-News!

    ??????????? Kann man so etwas wirklich glauben?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Holzbiene
    (137 Beiträge)

    14.09.2020 14:18 Uhr
    Verkürzte Darstellung?
    Zitat von tom1966 Wie kann man angesichts solcher Vorfälle immer noch behaupten, das Coronavirus sein ein Fake.


    Natürlich ist das Virus kein Fake. Es wird nur behauptet, die Kritiker der ganzen Veranstaltung würden das behaupten. Als "Beweis" wird dann entweder ein völlig aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat eines der prominenten Kritiker vom Fach zitiert, oder irgend ein Trottel von einer Straßenumfrage.

    Das Ziel ist immer, die Meinungen der kritischen Experten, wie Wodarg, Bhakdi, Ioannidis, Streeck, Spelsberg… zu verunglimpfen und nicht zu Wort kommen zu lassen.

    Seriös ist das nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    15.09.2020 12:27 Uhr
    Bahkdi u.a.
    Ich habe da einen Artikel gefunden, der auf die von Ihnen benannten "kritischen Experten" eingeht:

    Corona-Leugner

    Wenn Sie das als Verunglimpfung ansehen - bitte schön! Ich für meinen Teil bin immer skeptisch, wenn einige wenige lautstark von der Meinung der übrigen Wissenschaftler abweichen. Für Deutschland mögen die Theorien ja scheinbar zutreffen, aber wie sieht es in anderen Ländern aus? Warum steigen in anderen Ländern die Zahlen stark an, wenn das Virus so harmlos ist? Woher kommen die fast 1 Million Tote? Ein Blick über die Grenzen wirkt manchmal Wunder.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Holzbiene
    (137 Beiträge)

    15.09.2020 13:56 Uhr
    Wodarg, Bhakdi usw. Coronaleugner? Gehts noch?
    Zitat von tom1966 Für Deutschland mögen die Theorien ja scheinbar zutreffen, aber wie sieht es in anderen Ländern aus?


    Wir sind doch in Deutschland, oder?
    Wie sich die Seuche in anderen Ländern verhält, hängt von den jeweiligen Bedingungen dort ab. Sehr erschwerend sind Unterernährung, starke Luftverschmutzung, ein schlechtes Gesundheitssystem, Armut… und nicht zuletzt teilweise himmelschreiende Fehler im Umgang mit der Erkrankung.

    Seien Sie froh, dass es uns (noch) so gut geht, dass das alles keine großen Probleme sind und fordern Sie nicht Dinge, die wir in D nicht brauchen.

    Und vor allem: informieren Sie sich endlich über die Probleme im Umgang mit dem PCR-Test. Die Wahllose Testerei, wie sie bis heute betrieben wurde, ist völliger Unsinn!

    [url=https://www.alm-ev.de/pressemitteilung/rund-eine-million-sars-cov-2-pcr-tests-in-der-vergangenen-woche-labore-mahnen-erneut-zielgerichtete-testung-an.html]Rund eine Million SARS-CoV-2-PCR-Tests in der vergangenen Woche – Labore mahn
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    15.09.2020 14:43 Uhr
    Ich fordere Dinge, die wir nicht brauchen?
    Natürlich bin ich froh, dass wir in D bisher gut davon gekommen sind. Und damit es so bleibt, müssen wir uns auch an ein paar Vorgaben halten, denn genau denen ist doch der gute Verlauf zu verdanken.

    Ihr Problem mit den Tests verstehe ich immer noch nicht. Mir ist es doch lieber, ein Test ist falsch positiv und das wird durch einen Antikörpertest widerlegt, als dass er falsch negativ ist und ich andere anstecke oder selbst erkranke. Eine Fehlerquote von 0.1% kann man doch verschmerzen.
    Wenn man auf Teufel komm alles testet, was nicht schnell genug auf dem Baum ist, kann man (rein rechnerisch) nur anhand der falsch positiven Tests die 50 positiven unter 100 000 Einwohnern erreichen - das ist richtig. Das würde aber auch bedeuten, dass unter den 50 000 getesteten Personen sonst kein "richtig positiver" Test ist. Solche Zahlenspiele sind jedoch reine Theorie und unrealistisch.

    Wo wird denn "wahllos" getestet? Bei Rückkehrern aus Risikogebieten? Da macht es doch Sinn.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Holzbiene
    (137 Beiträge)

    15.09.2020 15:09 Uhr
    Leider nicht
    Zitat von tom1966 Wo wird denn "wahllos" getestet? Bei Rückkehrern aus Risikogebieten? Da macht es doch Sinn.


    Ah, Sie wissen also, was gemeint ist – das ist ja schon mal gut.

    Tests machen nur dann Sinn, wenn es Symptome einer Atemwegsinfektion gibt. Gibt es die nicht, dann ist das blinde Schrotschuss-Testerei, die nur haufenweise falsch positive Egebnisse produziert und damit alles, nur keine Klarheit über die momentane Lage schafft.

    Das RKI gibt mittlerweile ganz verschämt und an einer Stelle zu, an der man es nicht erwartet, dass in den Sentinel-Proben seit KW 16 (Mitte April) kein SarsCov-2 mehr nachgewiesen wurde.

    Influenza-Wochenbericht KW36/2020
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.