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Karlsruhe Streitthema Ausgangssperre: Wie erfolgreich ist die Corona-Maßnahme in Karlsruhe wirklich?

Seit vergangenem Donnerstag gilt in Karlsruhe wieder die Ausgangssperre. Das heißt: Von 21 Uhr bis 5 Uhr des Folgetages dürfen die Bürger nicht mehr ihre Wohnung verlassen - außer, es liegt ein triftiger Grund vor. Aber was bringt diese Maßnahme überhaupt und lässt sich das anhand vergangener Ausgangsbeschränkungen auch nachvollziehen?

Ausgangsbeschränkungen gehören im Bereich der Pandemiebekämpfung zu den wohl heiß diskutiertesten Themen. Während die Regierung diese Maßnahmen zum größten Teil unterstützt, haben sich die Aerosol-Forscher stringent dagegen ausgesprochen.

Der Grund: Die Menschen würden dazu verleitet werden, sich weiterhin drinnen zu treffen - und dort fänden die meisten Infektionen statt.

Kontaktreduzierung als oberste Priorität

Dem stimmt auch das Gesundheitsamt in Karlsruhe zu: Tatsächlich würde die Gefahr "im Inneren" lauern. Die Ausgangssperre wäre aber insofern gerechtfertigt, da sie auf die Kontaktreduzierung des jeweils Einzelnen abziele. 

"Wie oft fälschlicherweise angenommen wird, geht es bei den Ausgangsbeschränkung nicht primär darum, nachts den Aufenthalt im Freien zu untersagen, sondern zu verhindern, dass abends viele 'hinausgehen' um irgendwo wieder 'hineinzugehen' - respektive in geschlossene Räumlichkeiten - um sich zu treffen", heißt es seitens vom Landratsamt auf Anfrage von ka-news.de.

Bild: Thomas Riedel

Speziell angesichts der steigenden Zahlen mit "diffusem" Infektionsgeschehen sei es aber umso wichtiger, persönliche Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Das wurde bereits seit Anbeginn der Pandemie kommuniziert.

Die Ausgangsbeschränkung sei demnach als eine "zusätzliche Maßnahme zur Kontaktreduzierung" zu verstehen, die "gerade jetzt unverzichtbar und weniger eingreifend" sei, als eine Ausgangsbeschränkung am Tag. Auch rechtlich gesehen sei die Ausgangsbeschränkung für Karlsruhe legitim.

Der Grund: "Im Gegensatz zur vorherigen Ausgangsbeschränkung haben wir als Landratsamt diesmal lediglich festgestellt, dass die Eindämmung der weiteren Verbreitung des Corona-Virus erheblich gefährdet ist. Diese förmliche Feststellung löst als gesetzliche Rechtsfolge die Ausgangsbeschränkung aus", so das Landratsamt weiter. 

Ansteckung im Freien ist nicht unmöglich

Wohingegen das Gesundheitsamt Widerspruch einlegt, ist die Aussage, dass eine Ansteckung im Außenbereich nicht möglich sei. Der Grund: Die Infektion kann nicht nur über Aerosole, sondern auch über Tröpfchen weitergegeben werden.

Das heißt: Ohne genügend Abstand und ohne Maske ist es "ohne Weiteres" möglich, sich draußen mit dem (mutierten) Virus anzustecken. Darauf hatten auch Klinik-Chef Michael Geißler und Martin Bentz von der Medizinischen Klinik III in den vergangen Pressekonferenzen hingewiesen und ein Ansteigen der Zahlen für April prognostiziert.

"Die Ausgangssperre ist ja weniger ein Werkzeug, um die Übertragung im Freien zu verhindern. Aber wenn vier bis fünf junge Erwachse draußen eng zusammensitzen, dann ist es mit der B117-Variante selbstverständlich möglich, sich draußen anzustecken. Fünf Minuten ohne Maske reichen da aus", so Geißler am vergangenen Freitag.

(Symbolbild) | Bild: Sophia Wagner

Diese Meinung vertritt auch Martin Volkmann, Chef des gleichnamigen Labors Volkmann in Karlsruhe: "Im Rahmen der Kontaktbeschränkungen machen die Ausgangssperrungen schon Sinn. Da sitzen die meisten abends dann eher vorm Fernseher, statt Leute zu treffen."

Ausgangssperre am Beispiel Karlsruher Landkreis

So wird beispielsweise in Studien aus England darauf hingewiesen, dass nächtliche Ausgangssperren die Verbreitung von Covid-19 um bis zu 13 Prozent verhindern können. Inwiefern sich diese 13 Prozent auf das Infektionsgeschehen infolge der vorigen Ausgangssperren niederschlagen, kann in Karlsruhe nicht angewendet werden.

Der Grund: Da die nächtliche Ausgangssperre mit anderen Maßnahmen kombiniert gewesen sei, könne sie nicht isoliert und eindeutig für solch eine Betrachtung herangezogen werden, so das Gesundheitsamt.

Stattdessen verweist das Gesundheitsamt aber auf die Inzidenzen der vergangenen Wochen im Karlsruher Landkreis. Hier war eine Ausgangssperre zwischen dem 11. Februar und dem 7. März festgelegt worden. Damals wurde noch bei einem 7-Tages-Inzidenzwert von 50 die Grenze gezogen.

"Mit mehrtägiger Verzögerung haben sich die Inzidenzen durchaus nach unten bewegt. Als für Anfang April Lockerungen in Aussicht gestellt wurden haben die Menschen unserer Beobachtung nach gleich ihr Verhalten geändert, was in der Entwicklung der Inzidenzen am Anstieg ab Ende März klar abgelesen werden kann. Dann kam der Wegfall der Ausgangsbeschränkung hinzu und die Inzidenzen liefen weiter deutlich nach oben."

Kurzum: Ob die Ausgangssperre speziell für Karlsruhe als "das" entscheidende Kriterium im Kampf gegen das Corona-Virus angesehen werden kann, ist unklar. Klar ist aber: In Zeiten der Pandemie ist es vor allem wichtig, dass Kontakte reduziert bleiben - egal ob tagsüber oder nachts. Die Ausgangssperre agiere dabei lediglich als ein Baustein des gesamten Maßnahmen-Katalogs. 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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Kommentare (12)
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  •   kritiker_2014
    (784 Beiträge)

    20.04.2021 23:09 Uhr
    Ansteckung im Freien ist nicht unmöglich
    Das hat meines Wissens auch keiner behauptet.
    Die Forscher der irischen Gesundheitsbehörde Health Protection Surveillance Centre (HPSC) untersuchten auf eine Anfrage der "Irish Times" hin 232.164 Infektionen mit Covid-19. Bei 232 machten sie eine Übertragung im Freien aus, also nur bei 0,1 Prozent.
    CORONA-ANSTECKUNGEN: NUR EINE VON 1.000 PASSIERT IM FREIEN
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  •   80er
    (6000 Beiträge)

    20.04.2021 17:44 Uhr
    Also ich...
    ...habe schon zweimal gegen die Ausgangssperre verstoßen. Ich halte viele Maßnahmen für in Ordnung. Auch die Schließung der Geschäfte, Kontaktsverbot, Gaststättenschließung. Aber die Ausgangssperre ist völliger Blödsinn. Zum weiter frisch fröhlich frei die Straßenbahnen und Stadtbahnen nach 21 Uhr weiterhin ihre Runden drehen. Wenn denn schon Ausgangssperren, dann richtig. Und nicht halbgewalkt. Als ich beim letzten Mal gegen Ausgangssperre verstieß, lief ich an einem Streifenwagen vorbei. Darin sasseb zwei Polizisten. Denen winkte ich zu. Die beiden Beamten winkten zurück. Mehr war nicht.
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  •   Nachteule
    (959 Beiträge)

    20.04.2021 17:24 Uhr
    Das Problem ist nicht nur die Ausgangssperre
    sondern auch der Trick, mit dem sie herbeigeführt wird. Sie wird ausgelöst, durch einen willkürlich festgelegten Inzidenzwert, der abhängig ist von der Zahl der getesteten Personen. Denn je mehr Personen getestet werden, umso mehr „Positive“ findet man. Von daher ist klar, dass diejenigen, die zur Drogerie laufen, um Schnelltests zu kaufen, mit dafür sorgen, dass wir uns in den Lockdown testen. In unserem Bekanntenkreis beschweren sich genau diese Leute dann darüber, dass sie nicht in die Kneipe, oder einen Hotelurlaub machen können. Man sieht, der Trick funktioniert tatsächlich. Die Leute kapieren den Zusammenhang nicht.
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  •   FG1961
    (477 Beiträge)

    21.04.2021 06:55 Uhr
    Es werden nur Labor-PCR-Tests gezählt. Laut RKI
    Die Schnelltest werden nicht gezählt. Die privaten Test sowieso nicht. Bei den Apotheken-Test bin ich mir nicht sicher. Denke jedoch, dass das nicht gemacht wird. Der Test ist zu unsicher.
    Das sollte mal geprüft werden.
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  •   FG1961
    (477 Beiträge)

    20.04.2021 06:49 Uhr
    Karl Lauterbach (WDR5 Morgenmagazin Interview)
    "Wir wissen, wo sich die Leute aufhalten."
    Na dann - Hinfahren und die Versammlung auflösen.
    Einfach und zielgerichtet.
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  •   Kruppstahl
    (1306 Beiträge)

    19.04.2021 23:37 Uhr
    Ich wünsche mich echt nach Malle zurück
    Aber wurscht. Falls ich/wir bei unseren Ausflügen ne Anzeige kassieren würden, geht das aus wie das Hornberger Schießen. Mit dem Mist kommen die nicht durch.
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  •   Robert1959
    (2135 Beiträge)

    19.04.2021 22:39 Uhr
    Völlig überzogen!
    Keiner redet mehr über das Immunsystem. Bewegung an der frischen Luft tut gut! Am Tag darf ich das, und nachts nicht! Nicht jeder ist Frühaufsteher!
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  •   Burgman
    (31 Beiträge)

    19.04.2021 22:24 Uhr
    Unglaublich
    Hat unser Gesundheitsamt nicht mitbekommen dass wir schon seit Mitte Dezember die Ausgangssperre hatten. Wie können die sagen die wäre nur im Februar bis März gewesen.
    Ich meine auch dass diese Ausgangssperre total sinnlos ist, weil dem Virus ist es egal ob man sich tagsüber oder nachts trifft. Weil die jüngeren Leute treffen sich tagsüber draußen, wenn sie sich da nicht anstecken stecken sie sich auch nachts nicht an.
    Ich habe solche Treffen schon öfters gesehen wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin. Aber will man es ihnen verdenken, man kann sie doch nicht nur einsperren. Wenn sie mit dem Bus oder der Bahn zur Schule fahren sind sie noch enger zusammen und das in geschlossenen Räumen.
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  •   todi01
    (1183 Beiträge)

    19.04.2021 21:51 Uhr
    Eine Maßnahme mit "unklarem" Erfolg
    kann man machen, aber nicht, wenn dadurch Grundrechte eingeschränkt werden. Wenn die Stadt und das Land nicht in der Lage oder nicht willens sind, ein Kontaktverbot zu überwachen und Verstöße zu sanktionieren, kann man stattdessen nicht einfach alle einsperren. Mit dieser Begründung ließe sich sonst jede Freiheitseinschränkung rechtfertigen, denn Menschen, die nicht aus dem Haus gehen dürfen, begehen z.B. auch weniger Verkehrsstraftaten.
    Selbst wenn die Maßnahme wirksam ist, ist sie in ihrer aktuellen Form nicht verhältnismäßig. Einer gerichtlichen Überprüfung wird sie, außer vielleicht in den untersten Instanzen, nicht standhalten. Was man auch am Verlauf der Verhandlungen auf Bundesebene sieht, da macht man sich sichtlich Sorgen über die Verfassungsmäßigkeit.
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  •   fahrbahnteiler
    (376 Beiträge)

    19.04.2021 19:09 Uhr
    Prinzip Hoffnung
    Es könnte ja vielleicht was bringen, also sperren wir mal die Leute ein... unglaublich.
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