Browserpush
24  

Karlsruhe Strategiewechsel beim Karlsruher Gesundheitsamt: "Es kommt der Punkt, an dem Nachverfolgung nicht mehr möglich ist"

134, 5 im Karlsruher Stadtkreis, 167,4 im Karlsruher Landkreis. Die Lage innerhalb der vierten Corona-Welle spitzt sich weiter - und das wohl noch heftiger als im vergangenen Jahr. Das gaben Oberbürgermeister Frank Mentrup und Ulrich Wagner vom Karlsruher Gesundheitsamt am Donnerstag auf einer virtuellen Pressekonferenz der Stadt Karlsruhe bekannt. So sind inzwischen 25 Prozent der Intensivstation des Städtischen Klinikums mit Corona-Patienten belegt. Auch das Gesundheitsamt kann bei der Nachverfolgung "die Nase gerade noch so oben halten." Aus diesem Grund will das Sozialministerium einen Strategiewechsel bei den Gesundheitsämtern einleiten.

Der Ton wird ernst auf der dieswöchigen Pressekonferenz der Stadt Karlsruhe. "Ich hatte ja gesagt, dass in diesem Jahr alle, die nicht geimpft sind, damit rechnen müssen, sich mit dem Virus zu infizieren", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup am Donnerstagmittag über die Videoschalte.

Oberbürgermeister Frank Mentrup.
Oberbürgermeister Frank Mentrup. | Bild: Carsten Kitter

Das Problem: Die stark ansteigende Inzidenz der Ungeimpften werde "zu einer absehbaren, völligen Überlastung unserer Intensivkapazitäten und einer zunehmenden Gefährdung der medizinischen Versorgung für andere Intensivpatienten führen". "Als Ungeimpfter anzunehmen, um eine Infektion herumzukommen, ist ein Trugschluss", so der OB.

"Wir sehen die Situation mit großer Sorge"

Dem schließt sich auch Ulrich Wagner vom Karlsruher Gesundheitsamt an. Zwar gebe es bei dem diffusen Infektionsgeschehen keine wirklichen Cluster, dennoch müsse das Amt bis zu 400 neue Fälle an einem Tag bearbeiten. Eine "schizophrene Situation" wie Wagner findet. 

"Wir hatten uns das im Frühjahr auch nicht so vorgestellt, dass wir im Herbst nochmal in diese Situation mit ganz hohen Fallzahlen kommen. Und das in einer Größenordnung wie wir das in Karlsruhe noch nicht hatten." Zwar würde die Situation ohne die geimpften Personen noch dramatischer ausfallen, allerdings würden die übrigen Ungeimpften bereits ausreichen, um auf den Intensivstationen für Engpässe zu sorgen. "Das korreliert in keinster Weise mit dem, was wir draußen wahrnehmen. Dass Gefühl, dass man die Pandemie fast hinter sich gelassen hat", so Wagner weiter.

Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht.
Ein Abstrich wird in einem Labor auf das Coronavirus untersucht. | Bild: Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Die Befürchtung: Die Bürger werden infolgedessen und wegen der ständig wechselnden Regelungen (Basisstufe, Warnstufe, Alarmstufe) irgendwann keine Akzeptanz mehr für die Maßnahmen haben. "Wir sehen die Situation mit großer Sorge", beklagt Wagner.

Strategiewechsel bei den Gesundheitsämtern geplant

Um der Situation Herr zu werden wird nun auch über einen Strategiewechsel nachgedacht, um die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg innerhalb der vierten Welle zu entlasten. Denn: Zwar habe das Amt Personal aufgestockt, aber die Bundeswehr ließ wiederum verkünden, dass eine Unterstützung des Amtes ihrerseits nicht mehr geplant sei. "Es wird der Punkt kommen, an dem die Verfolgung so nicht mehr möglich ist", sagt Wagner. 

Soldaten der Bundeswehr helfen in der Region Hannover bei der Nachverfolgung von Infektionsketten.
Soldaten der Bundeswehr helfen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten. | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Darum sei nun geplant, den Fokus auf die vulnerablen Gruppen auszurichten. Zum Beispiel durch mehr Beratungen in den entsprechende Einrichtungen. "Die Strategie wird sein, da zukünftig wieder mehr 'Man Power' reinzustecken. Es wird zum Strategiewechsel der Gesundheitsämter auch eine Pressemitteilung vom Sozialministerium kommen", kündigt der Gesundheitsamt-Leiter an. 

Das bedeutet konkret: In Zukunft wird es zum Beispiel die Aufgabe jedes Einzelnen sein, seine Quarantänezeiten einzuhalten und sich selbst um die Nachverfolgung zu kümmern. Das Gesundheitsamt wird dies nicht mehr in diesem Ausmaß übernehmen können. Mit einem weiteren Lockdown, wie viele Bürger ihn bereits befürchten, rechnet der Leiter des Gesundheitsamtes jedoch nicht.

«Lockdown» steht im Schaufenster eines geschlossenen Kaufhauses: Die «epidemische Lage» war erstmals im März 2020 vom Bundestag festgestellt worden.
Viele befürchten einen weiteren Lockdown | Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

"Relevante Einschränkungen für geimpfte Menschen wären in ihrer Verhältnismäßigkeit nicht vertretbar. Bei Ungeimpften werden diese durch die Warnstufe oder die Alarmstufe gehandhabt. ich glaube da ist der Rahmen dessen, was als Lockdown möglich wäre, inzwischen ausgeschöpft. Wenn wir in Bezug auf die Krankenhaussituation in eine richtige Notlage kommen, dann bin ich selbst gespannt, was dann noch für Varianten kommen."

Aber, so ergänzt der Oberbürgermeister, könnten durchaus wieder Diskussionen über Maßnahmen wie zum Beispiel Ausgangssperren geführt werden, falls die Kapazitätsprobleme sich weiter verschlimmern sollten.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (24)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Grumberekicker
    (106 Beiträge)

    06.11.2021 01:05 Uhr
    Nein natürlich nicht 20%
    bezog sich auf die Aussage von Freddy, daß wohl 80% schon geimpft wären, dies ist aber laut RKI noch nicht der Fall(vermutlich erst 70% vollständig Geimpfte) war etwas mißverständlich von mir ausgedrückt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   RainerBu
    (1499 Beiträge)

    05.11.2021 14:34 Uhr
    Nun
    wenn uns ca 10 Prozent Belegung der Intensivbetten mit Covid angeblich an den Rand des Untergangs bringen , wie gut ist das Land auf eine Seuche vorbereitet wo noch viel mehr Infizierte schwerer erkranken ?
    Gar nicht !
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Eiermann
    (361 Beiträge)

    05.11.2021 13:58 Uhr
    Minister Spahn:
    "vor uns liegen schwierige Wochen".... ich habe gerade ein dejà-vu-Erlebnis. Im November 2020 hörte sich alles genau so an. Und was kam, wissen wir. Über ein halbes Jahr Lockdown. MP Kretschmer aus Sachsen spricht sogar das Wort schon offen aus.

    Wir sollten zur Kenntnis nehmen, dass uns leider die Impfkampagne nicht das gebracht hat, worauf wir alle gehofft hatten: nämlich Rückkehr zu unserer alten Freiheit, unserem normalen Leben. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass wir künftig allenfalls in den Sommermonaten einigermaßen normal leben können. Die Winter werden hart. Sehr hart.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (3452 Beiträge)

    05.11.2021 09:56 Uhr
    Aufgabe jedes Einzelnen
    "die Aufgabe jedes Einzelnen sein, seine Quarantänezeiten einzuhalten und sich selbst um die Nachverfolgung zu kümmern."
    Jaja, gerade bei Impfgegnern wird man da sicher drauf setzen können...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Winston_Smith
    (844 Beiträge)

    04.11.2021 22:04 Uhr
    Strategiewechsel zum zweiten
    Aussetzung war "Fehler"- Habeck will zurück zu Gratis-Corona-Tests

    Das geht dann auch an alle Empörten in diesen Forum, die mit ihren Steuergeldern keine Tests für Ungeimpfte mit bezahlen wollen, und hoffen, diese somit ihrer gerechten Strafe für ihr "asoziales Verhalten" zuzuführen.
    Nachdenken ist doch oft besser als Hass.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Eiermann
    (361 Beiträge)

    05.11.2021 13:54 Uhr
    Es wird wohl eher anders kommen:
    Man liest, dass einige Länder bereits konkret sogenannte "2G- plus-Modelle" planen. Das hieße, Geimpfte und Genesene dürfen nur noch irgendwo rein (z.B. Restaurant, Veranstaltung,...) wenn sie zusätzlich einen negativen Test vorweisen können. Diese Tests für Geimpfte und Genesene sollen dann wieder kostenfrei werden.

    Bei diesem Modell bleiben aber ungeimpfte Menschen trotzdem komplett außen vor. Sie haben trotz Test keinen Zutritt. Und kostenlos soll der Test dann, wie gesagt, nur für Geimpfte/ Genesene sein.

    Gehen Sie mal lieber davon aus, dass es so kommen wird anstatt zu hoffen, dass es wieder Gratis-Tests für alle gibt, und man als nicht Geimpfter wieder mit einem Gratis-Test überall rein darf. Womit ich nicht sagen will, dass ich diese Entwicklung gut finde. Aber realistisch wird man jetzt nicht plötzlich den Druck auf Ungeimpfte wieder reduzieren, im Gegenteil.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Grumberekicker
    (106 Beiträge)

    04.11.2021 20:54 Uhr
    Nein natürlich nicht 20%
    war auf den Beitrag von Freddyy bezogen der schrieb das bereits 80% geimpft seien, diese Zahl halte ich für zu hoch, laut RKI dürften es vielleicht 70% sein. War von mir mißverständlich geschrieben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (1233 Beiträge)

    04.11.2021 18:21 Uhr
    Viel Spaß
    bei der Offerta
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   patrickkk
    (2303 Beiträge)

    04.11.2021 17:26 Uhr
    ...
    Wie viele Wellen noch bis die Politiker mal Konsequenzen ziehen?

    Können wir mal mindestens die die gegen die Tests waren, und dafür verantwortlich sind dass wochenlang viel weniger getestet wurde als möglich zur Verantwortung ziehen?

    Nur mal um so zu tuen als ob es hier noch so etwas wie Verantwortung gibt? Den diese beanspruchen Herr Spahn, Herr Kretschmann, Frau Merkel und wie sie alle heißen ständig.

    Nur verantwortlich ist dann nie jemand.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   myopinions
    (1276 Beiträge)

    04.11.2021 16:59 Uhr
    .................hätten sich alle impffähigen
    auch impfwillig gezeigt und entsprechend versorgen lassen, hätten wir ganz sicher deutlich weniger Probleme mit dieser "Seuche". Dies käme nicht zuletzt auch den Party- und Vergnügungs-Süchtigen zu Gute!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen