1  

Karlsruhe Städtisches Klinikum wächst: Neues "Haus M" könnte zum Corona-Ausweichkrankenhaus werden

Inmitten des Städtischen Klinikum steht ein riesiger Neubau - das "Haus M". Mit über 2.000 Räumen wird es das Karlsruher Krankenhaus erweitern. Obwohl die Inbetriebnahme erst 2021 geplant war, könnten schon Ende des Jahres die ersten Patienten in die Zimmer einziehen. Denn: Sollte im Herbst eine zweite Corona-Welle über das Land hereinbrechen, könnte sich "Haus M" noch vor der Fertigstellung in ein "Ausweichkrankenhaus" verwandeln.

"M" wie "Mitte" - seinen Namen trägt der riesige Neubau des Städtischen Klinikums nicht ohne Grund. Inmitten des Krankenhaus-Areals sticht die rote Fassade hervor und ist Bindeglied einiger der verstreut liegenden Gebäude des Klinikums. 

Das neue Betten- und Funktionshaus "M". | Bild: Lena Kube

Die Eckdaten des neuen Hauses beeindrucken: Über 2.000 Räume umfasst der Bau, darunter eine Intensivstation mit über 60 Betten und 20 Operationssäle. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 194 Millionen Euro, über die Hälfte - 104 Millionen - finanziert das Land. "Bis heute zeichnet sich ab, dass wir diesen Kostenrahmen einhalten können", sagt Markus Heming, kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikums, bei einer Baustellenbegehung am Donnerstag.

Markus Heming, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums. | Bild: Lena Kube

Läuft wie bislang auf der Baustelle alles rund, wird das neue Gebäude im Jahr 2021 Etage für Etage bezogen. Die "Gartenebene" ist als erstes an der Reihe, Ende März kommendes Jahr sollen der zentrale Haupteingang, die Ambulanzen und Notaufnahmen ihre Tätigkeit aufnehmen. 

Platz für 240 Patienten

Haus R? Haus H? Haus B? Wegweiser an jeder Ecke zeichnen das Städtische Klinikum derzeit aus. Sich zu orientieren ist für Patienten mitunter schwer, denn die verschiedenen Bereiche sind in separaten Gebäuden untergebracht. Mit dem großen Eingangsbereich von "Haus M" soll das Klinikgelände künftig einen zentralen Anlaufpunkt erhalten. Von hier aus werden die Besucher dann auf die verschiedenen Bereiche verteilt.

Der Haupteingang: Künftig der zentrale Anlaufpunkt der Klinik. | Bild: Lena Kube

In den oberen Stockwerken des "Betten- und Funktionhauses M", wie der Neubau offiziell heißt, wird Kapazität für rund 240 Patienten sein. "Die Zimmer sind ein kleines bisschen größer als die Vorgabe vom Land es erfordert", sagt Bauleiter Markus Riester. 

So werden die Patientenzimmer im neuen "Haus M" aussehen. | Bild: Lena Kube

Obwohl in der Corona-Pandemie Arbeiter auf der Baustelle ausgefallen sind, liegen die Arbeiten im Zeitplan. Denn da anderenorts Baustellen stillstehen, konnten Handwerker von dort akquiriert werden.

Blutkonserven werden per Rohrpost verschickt

Ein weiterer Aspekt, der wertvolle Arbeitszeit gespart hat: Die an die Zimmer angeschlossenen Bäder wurden als Fertigmodule angeliefert und mussten nur noch "eingesetzt" werden.  Die Arbeiter verschiedener Gewerke arbeiten aufgrund der Infektionsgefahr getrennt und in kleinen Teams, doch "auf einer Großbaustelle sei ein hundertprozentiger Infektionsschutz nicht möglich", sagt Riester.

Rechts: Markus Riester, Bauleiter des Neubaus am Städtischen Klinikum. Links: Geschäftsführer Markus Heming. | Bild: Lena Kube

Das Herzstück des Gebäudes bilden die 20 neuen Operationssäle. "Sie sind ein Quantensprung für die operative Behandlung hier am Klinikum", so der medizinische Geschäftsführer Uwe Spetzger, der selbst als Neurochirurg am Klinikum tätig ist. Mit den neuen Operationssälen könnten die verschiedenen medizinische Bereiche besser zusammenarbeiten und so voneinander profitieren.

Die Operationssäle im neuen "Haus M" sind noch im Bau. | Bild: Markus Kümmerle, Städtisches Klinikum Karlsruhe

Eine weitere Besonderheit: Blutkonserven werden im neuen "Haus M" nicht mühevoll durch die Stockwerke getragen, sondern über Röhren "verschickt". Diese Rohrpostanlage soll die Abläufe vereinfachen und den Transport der Konserven sicherer gestalten. 

Neues Bettenhaus könnte Corona-Ausweichkrankenhaus werden

Obwohl das Gebäude erst im kommenden Jahr in Betrieb genommen werden soll, könnte aufgrund der Corona-Pandemie eine Ausnahme getroffen werden: Sollte im Herbst eine zweite Infektionswelle über Deutschland hereinbrechen, könnten die Bettengeschosse als "Ausweichkrankenhaus" dienen. Diese sollen bis dahin bereits soweit fertiggestellt sein.

Alle 240 Betten könnten dabei zum Einsatz kommen. "Die tatsächliche Auslastung ist aber abhängig von der Zahl des dann verfügbaren Pflegepersonals", teilt das Klinikum mit.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (1)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Reger
    (185 Beiträge)

    29.05.2020 13:28 Uhr
    Beeindruckend
    Ich konnte letztes Jahr an einer Führung teilnehmen. Falls sie nochmal angeboten wird, möchte ich sie jedermann empfehlen. Sehr wissenswert.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.