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Berlin Spahn: Bürger können Impfstoff nicht auswählen

Pfleger, die skeptisch sind. 60-Jährige, die jetzt schon den Ärmel hochkrempeln wollen für die Covid-19-Impfung. Wer wann geimpft wird und welches Vakzin wohl am besten ist, wird heiß diskutiert. Zwei Stunden lang haben Spahn, Wieler und Co. Fragen beantwortet.

Wer vom Staat eine Impfung gegen Covid-19 angeboten bekommt, wird sich den verabreichten Impfstoff vorerst nicht aussuchen können.

Eine solche Auswahl zu treffen, sei aufgrund der derzeit noch herrschenden Knappheit "im Moment und auch absehbar" nicht möglich, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag in einer Online-Diskussionsrunde.

Zu Berichten über überschüssigen, bereits aus der Kühlung genommenen Impfstoff an einzelnen Standorten sagte der Minister, an der festgelegten Priorisierung bestimmter Gruppen müsse unbedingt festgehalten werden. Dennoch müsse im konkreten Fall auch pragmatisch entschieden werden - beispielsweise könnten dann Mitglieder des Impfteams das Vakzin erhalten. "Im Zweifel ist alles besser als etwas wegwerfen", sagte Spahn.

Zulassungsverfahren für weitere neue Impfstoffe noch nicht abgeschlossen

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte, die beiden bislang in Europa zugelassenen Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna seien "äquivalent in Wirksamkeit und Sicherheit". Es sei jetzt noch zu früh, um entsprechende Aussagen für weitere Impfstoffe zu treffen, bei denen das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Um einen ausreichenden Schutz vor Covid-19 zu gewährleisten, muss der Impfstoff nach Angaben der Experten zweimal verabreicht werden - mit einem Abstand von mindestens drei (bei Biontech) bis vier (Moderna) Wochen. Andernfalls droht laut Mertens nicht nur ein zu schwacher Schutz für den Betroffenen. Es bestehe auch die Sorge, dass dadurch die Entstehung von Mutationen des Virus, die gegen den Impfstoff immun seien, begünstigt werden könnten.

Der Hersteller Biontech rät dazu, die zweite Impfdosis 21 Tage nach der ersten zu verabreichen.
Der Hersteller Biontech rät dazu, die zweite Impfdosis 21 Tage nach der ersten zu verabreichen. | Bild: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa/Archiv

Auf die Frage, ob es möglich wäre, einer Person Impfstoffe verschiedener Hersteller zu verabreichen, sagte Mertens, dies sei auch bei Impfstoffen, die auf einem gleichen Wirkprinzip basierten, "auf keinen Fall" möglich. Denn dazu gebe es bislang "Null Daten".

Laut Spahn wurden seit dem Impfstart in Deutschland Ende Dezember über eine halbe Million Menschen ein erstes Mal gegen Covid-19 geimpft. Kritikern, die über den schleppenden Start der Impfkampagne klagen und dies mit den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen verknüpfen, hielt er entgegen: "Das Impfen jetzt würde nicht den Lockdown jetzt unnötig gemacht haben.". Das zeige die Lage in Israel und Großbritannien, wo jeweils bereits ein größerer Anteil der Bevölkerung geimpft wurde.

Niedrige Impfbereitschaft bei medizinischem Personal

Masken, Abstand und andere Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus müssen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) trotz des Impfstarts unbedingt weiter beachtet werden. Das zeige ein Blick auf die Zahl der mit dem Virus infizierten Menschen, die täglich sterben, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Deutschland sei immer noch in einer "schwierigen Situation".

Angesichts der bislang eher niedrigen Bereitschaft des medizinischen Personals, sich impfen zu lassen, rief Wieler dringend dazu auf, alle Informationsangebote der staatlichen Gesundheitsbehörden zu nutzen und im Zweifel dort auch nachzufragen. "Ich höre immer wieder, dass manche Pflegekräfte befürchten, dass sie unfruchtbar werden von Impfungen. Das ist einfach eine Falschmeldung."

Aktuell werden vor allem Hochbetagte sowie Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinisches Personal mit besonders hohem Risiko geimpft. In der zweiten Gruppe kommen unter anderem Menschen im Alter zwischen 75 und 79 Jahren an die Reihe. Wer etwa in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnt oder engen Kontakt mit einer Schwangeren hat, zählt zu Gruppe Drei. Laut der am Freitag aktualisierten Empfehlung der Impfkommission gehören Lehrkräfte und Erzieherinnen zur Gruppe mit Priorität Vier, Beschäftigte im Einzelhandel und Menschen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren zählen zu Gruppe Fünf.

© dpa-infocom, dpa:210109-99-956971/2

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  •   357.Magnum
    (183 Beiträge)

    11.01.2021 13:25 Uhr
    Spahn ignorierte Virologen-Warnung bereits am 19. November 2019
    "Dabei hatten Fachleute schon vor der Pandemie gewarnt. Bereits am 19. November 2019, zwei Monate vor Ausbruch der Pandemie, wandte sich die Gesellschaft für Virologie gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie in einem dringenden Schreiben an Gesundheitsminister Jens Spahn.
    Der Brief liegt NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" vor. Darin heißt es: Ein "ministerielles Eingreifen" von Jens Spahn sei "unausweichlich geworden". Die Virologen und Mikrobiologen warnten den Gesundheitsminister, dass "ein beträchtlicher Teil der aktuell berufenen Expertenlabore seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann". Bei einem Ausbruchsgeschehen fehlten deshalb "die Möglichkeiten der molekularen Surveillance", also der Überwachung mittels eines genetischen Fingerabdrucks."
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  •   kommentar4711
    (2853 Beiträge)

    10.01.2021 20:03 Uhr
    Wichtig für die Akzeptanz
    Ich halte das für einen Fehler. M. E. ist es sehr wichtig für die Akzeptanz in der Bevölkerung, dass man sich (sobald mehrere verfügbar sind) den Impfstoff aussuchen kann. Logistisch sollte das kein all zu großes Problem sein, man muss ja eh einen Termin vereinbaren und die Impfzentren machen nur Termine, wenn sie Impfdosen vorrätig haben. Die Infos zu den vorrätigen Vakanzen und eine entsprechende Auswahl noch in die Terminvereinarungsmaske reinbringen ist kein Hexenwerk.
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  •   Robert1959
    (2094 Beiträge)

    11.01.2021 09:40 Uhr
    Ich halte das auch für wichtig!
    Zwar nicht so sehr bei Moderna und Biontech-Pfizer, aber wenn Zeneca kommt und andere, dann sind das keine RNA Impfstoffe.
    Es gibt zu keinem Impfstoff Langzeitstudien, da sollte man schon wählen können!
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  •   kommentar4711
    (2853 Beiträge)

    11.01.2021 09:41 Uhr
    ANTWORT AUF "ICH HALTE DAS AUCH FÜR WICHTIG!"
    Das ist genau mein Thema. Ich möchte mich Impfen lassen, aber mRNA ist mir zu unerforscht was die Langzeiteffekte angeht. Und was meine Kinder angeht eben auch wie es sich auf deren Erbgut auswirkt.
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  •   Robert1959
    (2094 Beiträge)

    11.01.2021 10:09 Uhr
    RNA wirkt sich nicht auf DNA aus!
    Das einzige, was mich beunruhigt, ist das, das wir nicht wissen, welche Krankheiten noch kommen werden! Das RNA könnte eine andere noch kommende Schutzimpfung blockieren.
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  •   357.Magnum
    (183 Beiträge)

    10.01.2021 19:45 Uhr
    Spahns Opferrolle: Schuld sind immer anderen
    Während der verstolperte Impf-Start in Deutschland für Ärger sorgt, melden andere Länder große Fortschritte. In Israel haben bereits 1,3 Millionen Menschen einen Impfstoff erhalten. Jeder zweite Alte ist schon geimpft. Als Impfweltmeister entlarvt Israel zugleich, was in Deutschland falsch läuft.
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  •   kunvivanto
    (428 Beiträge)

    10.01.2021 16:23 Uhr
    Abweichung in Berlin?
    Soeben in ZDF-Tafel 125 gefunden:

    Wahl des Corona-Impfstoffs: Berlin widerspricht Spahn-Linie
    Impfwillige in Berlin sollen wählen können, mit welchem Impfstoff sie gegen Corona immunisiert werden wollen. "Der Bürger, die Bürgerin sollen die Freiheit haben, sich entscheiden zu können, mit welchen Impfstoff sie geimpft werden wollen", sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) laut einem RBB-Bericht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor gesagt, wer vom Staat eine Impfung gegen Covid-19 angeboten bekommt, wird sich den Impfstoff vorerst nicht aussuchen können.
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  •   Tyr
    (629 Beiträge)

    10.01.2021 17:01 Uhr
    Spahn ist unerträglich und hat vollkommen versagt
    er ist vom Gesundheitsminister zum Selbstverteidigungsminister geworden, täglich gibt er neue Falschmeldungen heraus.
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  •   kunvivanto
    (428 Beiträge)

    12.01.2021 17:42 Uhr
    Heute ZDF-Tafel 133:
    Merkel-Nachfolge: JU-Chef bringt Spahn ins Gespräch Gesundheitsminister Jens Spahn kommt aus Sicht des Chefs der Jungen Union, Tilman Kuban, als Nachfolger von Kanz- lerin Angela Merkel in Frage. Auf die Frage, ob Spahn das Format für eine Kanzlerkandidatur habe, sagte Kuban dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Jens Spahn ist laut Umfragen der beliebteste Politiker in Deutschland. Da ist es klar, dass man auch als Nachfolger von Angela Merkel infrage kommt." Spahn stehe für den Generationenwechsel und werde eine wesentliche Rolle für Deutschland spielen, so Kuban.
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  •   FCKSUV
    (587 Beiträge)

    10.01.2021 11:38 Uhr
    Dürfen Spahn und Konsorten
    sich ihren Impfstoff aussuchen? Das ist die Frage, die mich hierbei interessiert. Oder ist das etwa wieder etwas gaaaanz anderes bei denen?
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