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Karlsruhe Sollte ich mein Kind gegen Corona impfen lassen? Das sagen Karlsruher Mediziner zur Impf-Diskussion

Ein Termin, ein kleiner Piks und fertig. Soweit die Theorie. Doch was schon bei den Erwachsenen für gespaltene Lager sorgt, gewinnt in Bezug auf die Kinder noch mal deutlich an Brisanz: die Corona-Impfung. Während sich Politiker, die ständige Impfkommission (Stiko) und Co. täglich in Diskussionen verstricken, ob die Impfung für Kinder tatsächlich nötig ist, rückt die Delta-Variante immer mehr in den Fokus. Doch wie sieht die Situation in Karlsruhe aus? Was halten Gesundheitsamt, Impfzentrumseiter und Hausärzte von der Impfung für Kinder und wie hoch ist überhaupt die Nachfrage? ka-news.de hat bei den Verantwortlichen nachgefragt.

Es erscheint einem als das Sommer-Dilemma 2021. Einerseits soll das normale Leben, so gut es geht, wieder stattfinden, andererseits werden immer wieder kleinere Ausbrüche des Virus registriert. Erhöht gefährdet für eine Infektion sind ungeimpfte Personengruppen, die in Einrichtungen zusammenkommen. Dazu zählen eben auch Kinder und Jugendliche. 

Kommt der "Sorgen-Herbst"?

Die Bundesregierung spricht diesbezüglich bereits vom "Sorgen-Herbst", da dann die Zahlen erfahrungsgemäß wieder nach oben gehen könnten. Keine guten Aussichten für den Schulbeginn nach den Sommerferien, angesichts der deutlich ansteckenderen Delta-Variante.  

Dies übt wiederum Druck auf die Stiko aus, eine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche auszusprechen, doch die hält sich zurück. Bislang erhalten 12 bis 17-Jährige nur eine Impfempfehlung, wenn das Kind:

  • bestimmte Vorerkrankungen hat
  • Im Umfeld von gefährdeten Personen lebt, die sich selbst nicht schützen können
  • arbeitsbedingt erhöhtem Expositionsrisiko ausgesetzt ist

ka-news.de hört sich um

Eltern und Jugendliche stehen nun einem Dilemma gegenüber und manche fragen sich wohl: impfen oder nicht impfen? Einerseits wäre da die nur eingeschränkte Empfehlung der Stiko, andererseits locken die Vorteile der Impfung im Bezug auf Infektionsschutz und weiteren Erleichterungen im Alltag oder beim Reisen.

Ein Kinder- und Jugendarzt impft einen Jugendlichen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer. Es mehren sich die Forderungen an die Ständige Impfkommission (Stiko), ihre Haltung zur Corona-Impfung von Jugendlichen zu überdenken.
Ein Kinder- und Jugendarzt impft einen Jugendlichen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer. Es mehren sich die Forderungen an die Ständige Impfkommission (Stiko), ihre Haltung zur Corona-Impfung von Jugendlichen zu überdenken. | Bild: Fabian Sommer/dpa

ka-news.de wendet sich deshalb an verschiedene Karlsruher Stellen und fragt: Wie stehen eigentlich diejenigen zur Kinder-Impfung, die diese schlussendlich auch ausführen müssen? Vertreten sie mehr die Meinung der Stiko, oder die der Politik?

Impfzentrumsleiter kann Stiko nachvollziehen

Laut Andreas Ruf, Leiter des Zentralen Impfzentrums in der Messe Rheinstetten, spiegle sich die Verunsicherung auch in der Nachfrage nach Kinderimpfungen wider. Insgesamt seien in den Karlsruher Impfzentren bisher etwa 100 Kinder im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren gegen das Virus geimpft worden. 

Doch das Zögern der Stiko empfindet Ruf angesichts der fehlenden Daten als durchaus "nachvollziehbar". Aber eben auch, weil der Krankheitsverlauf von Covid-19 bei Kindern zumeist ein milderer sei. Ist die Impfempfehlung für sonst gesunde Kinder also trotz Corona-Mutation nicht unbedingt notwendig?

Andreas Ruf, Leiter des ZIZ in Rheinstetten, bei der Eröffnung des Impfzentrums | Bild: Thomas Riedel

"Es besteht ethischer, medizinischer und politischer Konsens, dass die Corona-Schutzimpfung auf freiwilliger Basis erfolgt. Die Entscheidung für eine Impfung sollte dabei stets auf einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung fußen. Gesellschaftliche Aspekte, wie zum Beispiel Herdenimmunität, spielen dabei keine Rolle", so der Impfzentrumsleiter und ergänzt:

Thema: Risiko der Impfung bei Kindern

"Die Sicherheitsprofile der Impfstoffe wurden auf Basis eines relativ kurzen Beobachtungszeitraums erstellt. Um auch sehr seltene Nebenwirkungen sicher zu erfassen, müssen große Fallzahlen über einen möglichst langen Zeitraum untersucht werden"

Auf dieser Basis könnten dann möglichst vollständige Risikoprofile erstellt werden. "In der jetzigen Übergangsphase müssen Impfwillige trotz unvollständiger Risikoprofile bereit sein, mögliche unbekannte Restrisiken einzugehen", erklärt Ruf gegenüber ka-news.de. 

Diese Restrisiken seien auch der Grund, weshalb Ruf die Kinderimpfung kritisch sieht, denn: "Bei Kindern ohne Vorerkrankung wird das Risiko, durch eine Corona-Infektion schwere Schäden davon zu tragen, von den allermeisten Experten als äußerst gering eingestuft. Vor diesem Hintergrund wiegen dann mögliche Restrisiken einer Corona-Schutzimpfung bei Kindern besonders schwer."

Kinderimpfungen müssen freiwillig bleiben

Weniger kritisch fällt die Antwort vom Karlsruher Landratsamt aus, welches für die Impfzentren in Bruchsal und Sulzfeld verantwortlich ist. Nach deren Angaben sollen dort über 750 Minderjährige bereits vollständig geimpft worden sein. Bei den Erstimpfungen ist die Zahl nochmal deutlich höher.  

Allerdings sehen sie die älteren Menschen mehr in der Verantwortung, zur Herdenimmunität beizutragen. Dass es Impfungen für Kinder gebe, sei laut Landratsamt zwar "gut, müsse aber freiwillig bleiben."

Bild: Thomas Riedel

Aus Sicht des Gesundheitsdezernats müsse der Blick zunächst weiterhin in Richtung der älteren Bevölkerungsgruppen gehen. So sei landesweit fast ein Fünftel der über 60-Jährigen noch ungeimpft. Innerhalb dieser Altersgruppe sei die Impflücke sogar noch größer. 

Das Gesundheitsdezernat hinterfrage deshalb ob Menschen für die es keine Risiko-Nutzen-Analyse zugunsten einer Impfung gibt, zur Schaffung einer Herdenimmunität beitragen.

"Wenn wir Herdenimmunität erreichen und zugleich den Schutz der Vulnerableren erhöhen wollen, dann müssen wir die immer noch zahlreichen Erwachsenen ansprechen, die sich bisher nicht für eine Impfung entschieden haben", heißt es gegenüber ka-news.de.

Ärzte verweisen auf Empfehlung der Stiko

Selbst bei den niedergelassenen Ärzten hält sich die Nachfrage nach Kinderimpfungen in Grenzen. Das berichtet zumindest ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung von Baden-Württemberg. Genaue Zahlen, wie viele Kinder bereits eine Impfung durch Kinder- und Jugendärzte erhalten haben, gebe es aber nicht. 

Ein Kinderarzt impft ein Kind mit einem 6-fach-Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B.
Ein Kinderarzt impft ein Kind mit einem 6-fach-Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B. | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

So heißt es in einem Statement der  Kassenärztlichen Vereinigung: "Natürlich werden die chronisch kranken Jugendlichen geimpft oder auch diejenigen, bei denen die Eltern entsprechend erkrankt sind. Ansonsten findet die Impfung nur auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern statt. Im Aufklärungsgespräch weisen die Ärzte auf die Empfehlung der Stiko hin und darauf, dass es bisher noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien gibt, um das Risiko der Impfung fundiert einschätzen zu können." 

Wie die Einstellung der Kinder- und Jugendärzte generell zu dem Thema ist, konnte bis Redaktionsschluss jedoch nicht geklärt werden. Dieser Teil wird aktualisiert, sobald der Redaktion die Antworten vorliegen. 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   Waterman
    (6774 Beiträge)

    12.07.2021 17:22 Uhr
    Warum
    können wir Erwachsene das nicht selbst lösen, Verantwortung übernehmen und uns alle impfen lassen?
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  •   Jossele
    (151 Beiträge)

    12.07.2021 12:13 Uhr
    Herdenimmunität...
    ... beruht nicht auf perfektem vollständigen Schutz, sondern auf einer ausreichend starken Reduzierung der Weitergabe.
    Der Fakt, dass die Coronaimpfung keinen 100%igen Schutz bewirkt, heißt nicht, dass keine Herdenimmunität möglich ist, sondern dass sie erst bei höheren impfquoten erreicht wird.
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  •   Jossele
    (151 Beiträge)

    12.07.2021 12:15 Uhr
    ...das war als Antwort
    auf den gelöschten Kommentar gedacht. Und weg war er...
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  •   10tacle
    (349 Beiträge)

    12.07.2021 10:07 Uhr
    Der Herr
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   barheine
    (743 Beiträge)

    12.07.2021 07:41 Uhr
    Das müssen die Kinder selbst entscheiden. Mit 12 Jahren sollte man alt genug sein, um dazu eine Meinung zu haben. Man stelle sich vor, die Eltern entscheiden sich für eine Impfung und das Kind wird dadurch krank. Oder die Eltern sind gegen eine Impfung und das Kind erkrankt schwer an Corona. Als Eltern wird man doch seines Lebens nicht mehr froh. Irgendwann muss man Eigenverantwortung übernehmen und manche Entscheidung nimmt einem keiner ab – auch nicht die eigenen Eltern.
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  •   Motorhead
    (976 Beiträge)

    12.07.2021 14:17 Uhr
    Kinder sollen entscheiden
    Es sind Kinder! Keine Erwachsenen, die Folgen abschätzen können.
    Sollen Kinder auch wählen und Autofahren?
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  •   andip
    (11294 Beiträge)

    13.07.2021 08:22 Uhr
    Kinder?
    Für mich sind das in dem Alter Teenager, aber keine Kinder mehr.
    Und auch mit 12, 13 und älter ist man kein doofes kleines Baby mehr, das nicht in der Lage ist, selbstständig etwas zu machen oder gar zu denken.
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  •   olafb
    (366 Beiträge)

    12.07.2021 08:09 Uhr
    Ernsthaft?
    Mit 12 Jahren! Wenn man dieser Meinung ist (Kinder können die Folgen ihres handelns in diesem Alter einordnen?) dann Frage ich mich, warum sie da noch nicht voll straffähig bzw. wahlberechtigt sind.
    Meiner Meinung nach kann man diese Entscheidung nicht nur auf die 12 jährigen Kinder abwälzen.
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  •   schlaule2
    (465 Beiträge)

    12.07.2021 08:23 Uhr
    meine Tochter ist 13 und
    mit ihr konnte man das Thema Impfen mit allen Vor- und Nachteilen diskutieren. Sie hat sich dann für eine Impfung entschieden.
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  •   BMWFahrer
    (823 Beiträge)

    12.07.2021 17:54 Uhr
    Vorteile
    https://www.nach-welt.com/pfizer-gibt-grosere-bruste-das-sagen-die-experten-nrk/
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