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Karlsruhe Schluss mit dem Öffnungs-Pingpong! Corona-Regeln nerven Karlsruher Kunden und Einzelhändler

Auf, zu, auf, zu und wieder auf - die Geduld der Einzelhändler wird in diesen Tagen aufgrund des fünfstufigen Corona-Öffnungskonzepts auf eine harte Probe gestellt. Das Problem: Seit dem Beschluss von Bund und Ländern, der die Öffnungen von der Inzidenzzahl abhängig macht, dümpelt Karlsruhe stets um die 100er-Marke herum. Doch das sorgt nicht nur für verlorene Öffnungstage und weniger Einnahmen - auch die Kunden reagieren zunehmend verwirrt auf das ewige Hin und Her.

Kein Shopping, viele Terminverschiebungen und eine nötige Flexibilität, die die Geduld von Kunden auf die Probe stellt - die Rede ist von dem ständigen Richtungswechsel bei den Öffnungen des Einzelhandels.

Seit der Verabschiedung des fünfstufigen Öffnungskonzepts durch Bund-und-Länder Anfang März, welches dem Einzelhandel im Rahmen des Lockdowns zumindest ein Stück weit entgegenkommen sollte, hat es in der Fächerstadt zumeist nur Verwirrung und Empörung ausgelöst.

So schreibt ein ka-news.de-Leser zum Beispiel in Facebook: "Das ist alles nur noch Kindergarten! Jeder macht was er will. Wie soll man da noch durchblicken?" Eine andere Userin kommentiert darunter: "Dieses Hin und Her macht doch alle nur kaputt. Es ist lächerlich geworden!" Zum Vergleich: Zwischen Anfang März und Anfang April musste der Einzelhandel insgesamt vier Mal seine Pforten öffnen und wieder schließen, zuletzt am Dienstag, 6. April.

Mehr Aufwand durch Terminverschiebungen

Mit ihrer Meinung sind die Kunden in und um Karlsruhe aber nicht alleine. Auch einige Geschäftsinhaber teilen diese Ansicht. Dass durch das Öffnungs-Pingpong beispielsweise immer ein immenser Aufwand bei Terminverschiebungen abverlangt wird, empfinden viele Unternehmer als unwirtschaftlich und kundenunfreundlich.

Eine davon ist die staatliche geprüfte Kosmetikerin und Nageldesignerin Alexandra Schwinn. Sie hat sich dazu entschieden, ihr Geschäft in der Karlsruher Kaiserstraße bis zum 18. April in eine "Zwangspause" zu schicken. Das Öffnen und Schließen im ewigen Wechsel rentiere sich für sie nicht. 

"Nachdem das Ganze vier Mal hin und her ging, habe ich mir gesagt 'so geht das nicht'", erklärt Schwinn auf Anfrage von ka-news.de.  Besonders um die Kunden, die jedes Mal vertröstet werden müssen, tue es Schwinn leid. "Jedes Mal die Termine neu zu vergeben und wieder abzusagen, das verwirrt die Kunden nur und zerrt an ihrer Geduld."

Ob es dann tatsächlich ab dem 18. April für ihr Geschäft weitergeht, ist noch offen. Sie möchte jedoch weiter in der Zwangspause bleiben, "bis die Situation sich beruhigt hat". 

"Öffnen macht im Einzelhandel immer Sinn"

Etwas entspannter, aber ebenfalls durchaus kritisch, sieht es Petra Lorenz. Sie selbst ist Inhaberin von zwei Taschengeschäften und Präsidentin des Handelsverbandes Nordbaden und verfolgt das Leid des Einzelhandels seit Anbeginn der Pandemie.

Petra Lorenz am Wahlabend im Rathaus.
Petra Lorenz am Wahlabend im Rathaus. | Bild: Thomas Riedel

Grundsätzlich gelte für Lorenz eines: Öffnen mache für den Einzelhandel immer Sinn, auch wenn es nur von kurzer Dauer sei. "Die Lager sind voll mit Ware, die an den Mann gebracht werden muss und die Leute möchten Geld verdienen", erklärt Lorenz auf Anfrage von ka-news.de. 

Problematisch werde es jedoch, wenn die Kunden zunehmend über die Öffnungszeiten der Läden verunsichert sind. Das sei vor allem im Vergleich zu Ostern deutlich geworden. Während die Stadt am Samstag recht gut besucht gewesen sei, kam in der vorherigen Woche fast niemand zum Einkaufen in die Stadt, so Petra Lorenz. 

"Viele wissen nicht, wann sie kommen können und lassen es dann häufig ganz bleiben"

Der Grund: Viele wussten nicht, ob außerhalb von Ostern die sogenannten "Notbremse" wieder greift und sind deshalb erst am Karsamstag in die Stadt gefahren. "Viele aus dem Umland wissen gar nicht, wann sie kommen können und lassen es dann häufig ganz bleiben", so die Unternehmerin. Dies bedeute aber nicht, dass die Menschen grundsätzlich keine Lust zum Einkaufen hätten.

Das merke Lorenz auch bei den eigenen Geschäften: "Die Kunden sind sehr solidarisch und kommen vorbei oder rufen an, da sie durchaus shoppen wollen." Den Inhabern ergehe es nicht anders, ihnen fehle der regelmäßige Kontakt mit den Kunden, der durch das ewige "Auf und zu" zusätzlich erschwert würde.

Aus diesem Grund tendiere Lorenz dazu, die Öffnungen beizubehalten und die Besuche zum Beispiel durch Zugangsbeschränkungen zu regeln. Denn so könnte nicht nur der Betrieb weiterlaufen, auch die Kunden hätten zusätzliche Sicherheit im Bezug auf die Öffnungszeiten - quasi eine "win-win Situation" für alle.

 

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Kommentare (16)
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  •   Gaensebluemchen
    (584 Beiträge)

    08.04.2021 16:41 Uhr
    Die Mondphasen...
    ... bitte nicht vergessen, die sind für so manche Querphantasten wichtiger als wissenschaftliche Fakten.
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  •   Prof_Arogora
    (85 Beiträge)

    08.04.2021 23:25 Uhr
    Meinst du die wissenschaftlichen Fakten,
    die die hochbezahlten „Berater" liefern?
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  •   jojo
    (823 Beiträge)

    08.04.2021 16:12 Uhr
    Zustimmung
    Gute Idee, der ich voll und ganz zustimmen kann. Warum ist unseren oberschlauen Verwaltungen nicht schon so eine Idee gekommen? Leider schließt sich Innovation und Verwaltung oftmals gegenseitig aus.
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  •   Gevatter
    (520 Beiträge)

    08.04.2021 12:14 Uhr
    Sie wären kein Mitarbeiter
    für eine Verwaltung oder Behörde. Sie denken mit und weiter. 😄
    Ansonsten wäre dies 👍
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  •   Beiertheimer
    (1273 Beiträge)

    08.04.2021 10:44 Uhr
    Bitte nicht zu einfach
    das verwirrt die Leute nur. grinsen
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  •   Kommentar
    (589 Beiträge)

    08.04.2021 15:14 Uhr
    Und wir brauchen regelmäßige
    Krisentreffen mit Fototermin. Wenn man sich da einmal etwas zusammenhängend sinnvolles überlegt, fallen die ganzen Fototermine weg.
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