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Karlsruhe Saubere Stadtluft dank Corona? Die Auswirkungen der Pandemie auf die Karlsruher Umwelt

Das Corona-Virus zwingt die Gesellschaft, einen Gang zurückzuschalten. Die Folge sind unter anderem weniger Verkehr, weniger Industrie und vorerst keine Großveranstaltungen. Was die Menschen ärgert, könnte die Natur freuen. Ob Luftqualität, Lärmpegel oder Müll in der Stadt - die Auswirkungen der Pandemie auf die Umwelt sind spürbar. Oder?

Weniger Verkehr und weniger Produktion bedeutet eine Reduzierung der Emissionen. Insofern lässt sich grundsätzlich ein positiver Einfluss auf die Qualität der Luft nicht abstreiten. Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, kann laut dem Umweltbundesamt derzeit noch nicht eingeschätzt werden.

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Hat die Corona-Krise positive Auswirkungen auf die Natur? (Symbolbild) | Bild: Sarah Ball

Eine Kennzahl dafür, ob die Corona-Krise die Luftqualität verbessert, ist die Konzentration von Stickstoffdioxid (NO2). Das giftige Gas entsteht bei Verbrennungen, wie beispielsweise in Motoren. Vier Mess-Stationen erheben in Karlsruhe die Schadstoffe in der Luft.

Die Daten der Mess-Kästen zu interpretieren, ist jedoch nicht so einfach, denn sie sind vom Wetter abhängig. "Die Meteorologie hat einen wesentlichen Effekt auf die Verbreitung von Luftschadstoffen", teilt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Gäbe es in der Vergangenheit eine vergleichbare Situation, würde das die fachliche Einschätzung erleichtern.

Doch: So eine Situation wie derzeit hat es wohl noch nie gegeben. Ob der Corona-Virus zu einer besseren Luftqualität geführt hat, wird erst im Nachhinein festgestellt werden können. Wie langfristig die Auswirkungen darüber hinaus sein dürften, bleibt fraglich.

Der momentan sehr niedrige Ölpreis könnte laut dem Bundesumweltamt sogar zu einem höheren Absatz von Mineralöl führen, der den positiven Effekt wieder in den Schatten stellen könnte. Günstiges Benzin könnte die Menschen dazu bewegen, aufs Auto zurückzugreifen. Hinzu kommt der Faktor, dass viele Menschen den Öffentlichen Nahverkehr meiden wollen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Weniger Lärm in der Stadt?

Wie sieht es mit der Lärmverschmutzung aus? Während des vierwöchigen "Lockdowns" wurde es in der Fächerstadt spürbar ruhiger. Und messbar? In Karlsruhe, unweit der Innenstadt in der Reinhold-Frank-Straße, steht eine Verkehrslärm-Messstation. Graffiti zieren den Kasten von außen, der mit seinen Mikrofonen seit vielen Jahren den Geräuschpegel der Stadt misst. Ist es in der Straße ruhiger, seit Corona das öffentliche Leben einschränkt?

Die Grafik zeigt: Im Monat März war die Geräuschkulisse in Karlsruhe nicht so hoch wie in den beiden Monaten davor. Doch für das Vorjahr, 2019, sehen die Daten ähnlich aus. Auch hier fielen die Pegel in den ersten Monaten des Jahres ab.

"Oftmals werden die örtlich gemessenen Werte auch von anderen Faktoren aus der Umwelt wie beispielsweise Baustellen beeinflusst, wodurch die Interpretation von Pegelanstiegen oder –abfällen erschwert wird", teilt die LUBW auf Nachfrage von ka-news.de mit. Dennoch sei zu erwarten, dass Corona-Maßnahmen sich auf den Lärm auswirken. Sowohl das Einstellen des Flugverkehres, weniger Autos zu den Stoßzeiten und das Ausbleiben von Großveranstaltungen tragen dazu bei.

Mehr Biomüll - die Menschen kochen zu Hause

Nicht alle Auswirkungen sind positiv: Die Menschen sind mehr zuhause, versorgen sich selbst - und produzieren mehr Müll. "Nach Einschätzung der Müllwerkerinnen und Müllwerker des Amtes für Abfallwirtschaft haben sich die Restmüll- und Bioabfälle erhöht, da in den vergangenen Wochen keine Restaurants und Take-away-Geschäfte offen hatten", teilt die Stadt mit.

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Mehr Bioabfälle werden eingesammelt, seit das Virus die Menschen zum Zuhausebleiben zwingt. (Symbolbild) | Bild: pixabay @ congerdesign

Genaue Zahlen in Tonnenangaben kann das Amt für Abfallwirtschaft jedoch nicht mitteilen. Fest steht: Zu einem veränderten Müllaufkommen in der Öffentlichkeit sei es nicht gekommen. Ein Ausnahme bilden die Abfallbehälter auf den Spielplätzen: Sie sind gesperrt und Mülleimer entsprechend leer.

Mehr Besucher in der Natur - mehr Fehlverhalten

Die Corona-Krise belastet die Natur: Zumindest in nahe gelegenen Erholungsflächen. Wie beispielsweise Parks oder Stadtwälder. "In den städtischen Grünanlagen ist kein niedrigeres Besuchsaufkommen festzustellen", so die Stadt Karlsruhe. Da diese Flächen für die Nutzung durch Menschen gedacht wären und die Vegetation entsprechend ausgebildet sei, würden sie allerdings keinen Schaden nehmen. Anders sieht es bei Wäldern aus.

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Seit Corona zieht es mehr Menschen in die Natur. (Symbolbild) | Bild: pixabay.com/Kapa65

Da viele Freizeitbeschäftigungen aufgrund der Pandemie flachfallen, drängt die Bevölkerung - insbesondere bei schönem Wetter - verstärkt in die Natur. "Das ist dann problematisch, wenn die Leute sich nicht an die Wege halten oder ihre Hunde laufen lassen, gerade jetzt, wo die Wildtiere ihre Jungen aufziehen", so der BUND auf Nachfrage von ka-news.de. 

Ein Fazit

Das Fazit: Ob sich die Qualität der Luft in der Corona-Zeit verbessert hat oder die Lärmbelastung gesunken ist, kann derzeit noch nicht sicher gesagt werden. Feststellen lässt sich unterdessen eine Zunahme des Biomülls und ein erhöhtes Besucheraufkommen in der Natur.

Ein Ersatz für umweltschonende Maßnahmen ist die Corona-Krise nicht. "Grundsätzlich ist das dringend erforderliche nachhaltige Wirtschaften in Bezug auf Klimaveränderung und Artensterben nicht durch zeitweisen Stillstand möglich", so der BUND Karlsruhe abschließend. Um die Umwelt und das Klima zu schonen, sei ein langfristig ressourcenschonendes Handeln ausschlaggebend. 

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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Kommentare (21)
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  •   Thorstenw
    (1 Beiträge)

    27.04.2020 14:48 Uhr
    Seltsam
    dass wir von der Presse immernoch so belogen werden:
    Ich bekomme von einer Luftqualitätsapp fast täglich die meldung, die Feinstaub und Stickoxide wären in Karlsruhe zu hoch. Die letzten Beiden Jahre bekam ich diese Werte erst 2 Monat später.
    Und die Leute die angeblich zu Hause bleiben? Die Innenstadt von Karlsruhe ist wieder so voll wie vor den ersten Maßnahmen, jetzt haben nur mehr Leute Alltagsmasken oder sogar richtige Medizinische Masken auf und du musst vor lauter Schlangen in Schlangenlinien durch die Kaiserstraße laufen (ja, die Ironie fällt auch mir auf).
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  •   myopinions
    (1088 Beiträge)

    27.04.2020 12:56 Uhr
    ................ich frage mich immer
    wieder:

    Wie konnten wir die vielen Jahre nach dem Krieg überleben, ohne Luft-Überwachung, ohne Meßstationen für was auch immer, mit Autos und deren kaum gefilterten Abgasen , vor allem aber ohne die geldgierige DUH!
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  •   Freigeist1
    (1220 Beiträge)

    28.04.2020 00:07 Uhr
    Man hat früher überlebt
    weil es da, viel, viel weniger Autos gab, die viel viel weniger gefahren sind, und die Motorisierung in viel viel weniger Ländern so angekommen war wie heute zwinkern
    Die DUH Aktionen sind eine logische Reaktion auf den vielfach (noch) herrschenden Autowahnsinn.
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  •   Joerg_Rupp
    (2715 Beiträge)

    27.04.2020 13:12 Uhr
    überleben
    ging schon. Die Frage ist nur: wie.
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  •   kunvivanto
    (153 Beiträge)

    27.04.2020 14:49 Uhr
    Wie?
    Weniger genervt. :-P
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  •   rheinstrandsiedler
    (87 Beiträge)

    27.04.2020 11:38 Uhr
    Komisch.....
    habe vor kurzem mal die erfassten Daten aus der Hans-Thoma Strasse und anderen gesehen. Die Werte waren alle schlechter als vor dem Kontaktverbot. Und nun sagt man dass es am Wetter liegt. Lag es dann ja auch vorher schon! Ich mache mir die Welt witte witte wie sie mir gefällt!
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  •   Freigeist1
    (1220 Beiträge)

    28.04.2020 00:09 Uhr
    Hier die Antwort:
    https://www.br.de/nachrichten/wissen/faktenfuchs-ist-wegen-der-coronakrise-die-luft-besser,RvYMtql
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  •   runner
    (482 Beiträge)

    27.04.2020 12:59 Uhr
    Quelle?
    Gibt es da auch Quellenangaben oder ist das mehr so ein Bauchgefühl?
    Meines Wissens gibt es in Karlsruhe zwei Messstellen - Karlsruhe-Nordwest sowie Reinhold-Frank-Straße, von einer Messstelle in der Hans-Thoma-Straße habe ich bisher noch nichts gehört und finde auch nirgendwo Messwerte.
    Wenn man die anderen beiden Stationen betrachtet, sind die Werte zumindest nicht schlechter als vor den Kontaktbeschränkungen. Hier kann sich jeder selbst ein Bild machen.
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  •   rheinstrandsiedler
    (87 Beiträge)

    28.04.2020 09:54 Uhr
    stimmt
    Sorry Reinhold Frank Strasse stimmt natürlich! Ich sehe in den letzten 6 Wochen außer den Wochenenden keinerlei signifikanten Unterschied. Wenn alles stimmt was uns erzählt wird müssten die Werte ja jetzt vorbildlich sein. Aber das sind sie nicht, genauso wie in anderen Städten. Am Verkehr liegt es wohl nicht. Man kann jetzt wieder alles so hindrehen dass es passt. Je nachdem welche Meinung man vertritt.
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  •   Iglaubsnet
    (773 Beiträge)

    27.04.2020 09:12 Uhr
    Nach
    dem Motto, wir wissen nix, aber schreiben halt mal was.
    Sicher sind die Umwelteinflüsse durch Verkehr zurückgegangen, aber andere Einflüsse überlagern das.
    Feinstaub und Stickoxid dürften auch zurückgegangen auf Grund des wetterbedingt reduzierten Heizaufwandes.
    Also was Genaues weiss man nicht.
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