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Karlsruhe Bundeswehr unterstützt Gesundheitsamt: "Der Kampf ist nicht verloren"

Infektionsketten durchbrechen und Betroffene kontaktieren. Seit März ist das die Hauptaufgabe des Gesundheitsamtes in Karlsruhe - die ohne Fremdhilfe nicht mehr zu stemmen ist. Aus diesem Grund hat sich das Amt jetzt Unterstützung von der Bundeswehr geholt, die als "Containment-Scouts" beziehungsweise als "Corona-Detektive" bei der Nachverfolgung mithelfen. Hinzu kommen 20 Mitarbeiter von der Stadt Karlsruhe. Somit sind allein 150 Mitarbeiter kontinuierlich damit beschäftigt, Infektionsketten und deren Quellen ausfindig zu machen.

870 infizierte allein in Karlsruhe, eine 7-Tagesinzidenz von 141, 6 - und dann noch zuständig für rund 750. 000 Bürger. Das Karlsruher Gesundheitsamt hat in der Corona Pandemie alle Hände voll zu tun. Das Ziel: Infektionsketten unterbrechen und die Quellen des Ausbruchs nachvollziehen.

Das Gesundheitsamt erhält jetzt Unterstützung von der Bundeswehr | Bild: Thomas Riedel

3.500 Anrufe pro Tag

Doch genau da fängt das Problem schon an. Das Gesundheitsamt ist wegen der starken Auslastung im Verzug - einige Ausbruchsquellen bleiben somit unentdeckt.

Inzwischen müssen an einem Tag bis zu 3.500 Anrufe getätigt werden. Diese betreffen Personen, die entweder infiziert sind oder als Kontaktperson angegeben wurden. Ein Gespräch dauert im Schnitt 15 Minuten.

Kurzum: Die Mitarbeiter sind "bis zum Anschlag" ausgelastet - es kam bereits zu Ausfällen.

"Uns bleibt nichts anderes übrig als weiterzumachen", verkündet Peter Friebel, Leiter des Gesundheitsamtes Karlsruhe, auf der Pressekonferenz am 04. November. "Auch wenn es uns an unsere Grenzen bringt und darüber hinaus."

Peter Friebel, Leiter des Gesundheitsamtes Karlsruhe | Bild: Thomas Riedel

Dennoch sehen Friebel und Landrat Christoph Schnaudigel den "Kampf nicht als verloren" an.

16 Soldaten beim Gesundheitsamt im Einsatz

Um das bewerkstelligen zu können hat das Gesundheitsamt inzwischen einen zweiten Antrag bei der Bundeswehr gestellt, um das Personal aufzustocken.  

 

So sollen 16 Soldaten als "Containment Scouts" beim Gesundheitsamt zum Einsatz kommen, 20 weitere "Containment Scouts" wurden von der Stadt Karlsruhe hinzugezogen - das soll verhindern, dass es zu weiteren Ausfällen bei den Mitarbeitern kommt, die seit März kontinuierlich Überstunden machen müssen.

Corona Detektive: Paul Bohnert und Leon Eichler | Bild: Thomas Riedel

Insgesamt sind rund 150 Mitarbeiter als sogenannte "Corona-Detektive" beim Gesundheitsamt beschäftigt, selbst am Wochenende wird gearbeitet - doch das reicht immer nicht aus. Deshalb soll schon bald ein dritter Antrag an die Bundeswehr erfolgen.

16 Soldaten kommen beim Gesundheitsamt zum Einsatz - weitere sollen folgen. | Bild: Thomas Riedel

"Der Vorteil ist, dass wir relativ kurzfristig viel Personal zur Verfügung stellen können", erklärt Oberst Thomas Köhring, Kommandeur vom Landeskommando Baden-Württemberg. Aber: Die Bundeswehr darf nur Vermittlungsaufgaben übernehmen. Das heißt: "Hoheitsvolle Aufgaben" obliegen immer noch dem Gesundheitsamt. 

Oberst Thomas Köhring, Kommandeur Landeskommando Baden-Württemberg. | Bild: Thomas Riedel

Insgesamt sind zirka 3500 Soldaten bei deutschen Gesundheitsämtern im Einsatz. Davon sind rund 350 in Baden-Württemberg stationiert.

 

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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Kommentare (4)
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  •   patrickkk
    (1842 Beiträge)

    05.11.2020 07:03 Uhr
    ...
    Danke für eure Arbeit!
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  •   Kommentar
    (342 Beiträge)

    04.11.2020 19:37 Uhr
    Kurze Liste
    - Das hat noch nicht richtig angefangen, der "Kampf" damit auch nicht
    - Gebt den armen Soldaten gute Einwegmasken
    - Optimiert die Verfahren des Gesundheitsamtes mit Technik, die nach 1945 entwickelt wurde
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  •   barheine
    (449 Beiträge)

    04.11.2020 19:15 Uhr
    Bundeswehrsoldaten? Da gäbe bestimmt viele bereitwillige Helfer fürs Gesundheitsamt, die momentan von der Regierung in Zwangsurlaub geschickt worden sind und nun unter Existenzängsten leiden. Die gäbe es aber wohl nicht für lau.
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  •   staffi
    (42 Beiträge)

    04.11.2020 22:20 Uhr
    Datenschutz
    ich denke mal das hat auch mit Datenschutz zu tun, das da eher Soldaten eingesetzt werden als "normale" Bürger. Denn Soldaten lassen sich besser zur verschwiegenheit "vergattern" .
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