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Karlsruhe Obdachlosen-Hilfe im Corona-Winter? "In Karlsruhe muss niemand frieren"

Kalt, grau, nass - das Winterwetter in Karlsruhe ist alles andere als angenehm. Besonders für Obdachlose sind die kalten Monate oft eine Tortur. Wie gut, dass es da helfende Hände und Unterkünfte gibt, die den Bedürftigen so gut es geht unter die Arme greifen. Aber sind die in Zeiten des Corona-Lockdowns so einfach verfügbar? ka-news.de hat mit den Karlsruher Hilfestellen gesprochen.

Mietschulden, Krankheit, Arbeitslosigkeit - die Gründe, weshalb Menschen ihr Dach über dem Kopf verlieren, sind vielseitig. Umso wichtiger ist es, Anlaufstellen aufzusuchen und sich helfen lassen zu können. Speziell in den Wintermonaten sind Erfrierungsschutzräume und Co. für viele Menschen überlebenswichtig.

Doch aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie und des damit verbundenen verschärften Lockdowns müssen viele Einrichtungen und Geschäfte ihre Türen geschlossen halten oder zumindest auf ein Minimum ihrer Leistung heruntergefahren werden. Betrifft das auch die Unterstützung für Obdachlose?

In Karlsruhe sind aktuell 500 Menschen als wohnsitzlos gemeldet. Rund 50 davon sind obdachlos. Laut der Diakonie variiert dieser Wert jedoch von Jahr zu Jahr.

"Es geht um Leib und Leben"

Doch Glück im Unglück: Laut der Diakonie Baden ist die Hilfe für Bedürftige weiterhin gewährleistet. Der Grund: Baden-Württemberg ist eines der wenigen Bundesländer, das Organisationen wie die Diakonie als systemrelevant eingestuft haben.

Bereits im ersten Lockdown hat die Diakonie reagiert und Hygienekonzepte erarbeitet, um die Anlaufstellen und Lokalitäten weiter betreiben zu können. Kurzum: Sämtliche Kooperationen zu anderen Trägern und Angebote bleiben auch im kalten Corona-Winter bestehen.

Bild: Diakonisches Werk Karlsruhe

Lediglich die Anzahl der Plätze in den Aufenthaltsräumen - wie zum Beispiel in der Vesperkirche - mussten jeweils auf 25 Sitzplätze reduziert werden, damit die Menschen den nötigen Abstand von 1,5 Metern einhalten können. 

Auch Julia Schlembach vom Referat Wohnungslosenhilfe und Schuldnerberatung der Diakonie Baden begrüßt diese Entscheidung. "Es geht schließlich um Leib und Leben, da mussten die Kommunen nachkommen. Allein schon, weil die Ausweichmöglichkeiten durch die ganzen Schließungen wegfallen und viele der Betroffenen einen strukturierten Tagesablauf benötigen."

"Niemand muss in Karlsruhe frieren"

Das heißt: Platzmangel oder Schließungen seitens der Hilfsorganisationen gibt es durch die Corona Pandemie nicht. "Wir hatten die große Befürchtung, dass die Anzahl der Kältetoten steigt", sagt Schlembach im Gespräch mit ka-news.de. "Fakt ist aber, dass einige gar keine Unterkunft in Anspruch nehmen wollen." 

Bild: Diakonie Baden

Das bestätigt auch Anita Beneta, Sozialarbeiterin und Abteilungsleiterin für Migration und Integration beim Diakonischen Werk Karlsruhe: "Einige wollen nicht institutionalisiert werden, die möchten dann auch draußen bleiben, weil sie mit den Regeln nicht klarkommen." 

Anita Beneta, Abteilungsleitung Migration und Integration an der Diakonie | Bild: Andreas Friedrich

Diese Personen nutzen dann, wenn überhaupt, nur die Erfrierungsschutzräume - und davon gibt es in Karlsruhe knapp 65 Stück. "Meistens sind nicht alle Plätze besetzt, niemand muss in Karlsruhe frieren", erklärt Beneta.

Selbst das Problem mit den Bußgeldern, die den Obdachlosen wegen angeblicher Verstöße gegen Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum erhielten, sei inzwischen geklärt. "Wir hatten da ein paar Probleme", gibt Beneta auf Anfrage von ka-news.de zu. "Aber inzwischen sind die Behörden sensibilisiert und man hat individuelle Lösungen gefunden", so die Sozialarbeiterin weiter.

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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  •   Suedweschter
    (447 Beiträge)

    17.01.2021 22:22 Uhr
    Warum muss das über die Diakonie laufen?
    Das ist doch eine Aufgabe der Stadt! Warum kümmern die sich nicht direkt darum? Wieso nötigt man diese bedauernswerten Menschen sich von einer konfessionellen Einrichtung helfen zu lassen. Die können sich um ihre eigenen Schäfchen kümmern, aber öffentliche Behörden müssen säkular, transparent und vollkommen unabhängig sein. Es wird Zeit, dass diesen Kirchen XYL GmbHs keine öffentlichen Aufträge mehr erteilt bekommen. Das ist in einer multikulturellen Gesellschaft, in der die größte Gruppe der Menschen nicht religiös ist, nicht mehr zeitgemäß! Wenn unsere Landesregierung aufhörte, die verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu unterstützen, wäre Geld für sehr viele soziale Projekte da. Noch und nöcher, hör!
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  •   Ullermann
    (180 Beiträge)

    17.01.2021 16:17 Uhr
    Und diesen Bericht...
    ...glaube ich jetzt mal so auf Anhieb, ummmpppfffff
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  •   kritiker_2014
    (701 Beiträge)

    17.01.2021 14:49 Uhr
    Eine Unterkunft nur zum Schlafen
    reicht bei weitem nicht.
    Natürlich gibt es Obdachlose die nicht in die Obdachlosenheime wollen.
    Das hat Gründe.
    Die Leute brauchen einen festen Wohnsitz wo sie die Tür hinter sich zumachen können.
    Zumindest für die Obdachlosen die einen festen Wohnsitz suchen.
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