64  

Karlsruhe Aktuelle Corona-Situation: Es droht Personalmangel - Städtisches Klinikum am Limit

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und vorsichtigen Lockerungen konnte die Lage stabilisiert werden - doch wohin geht der aktuelle Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage - Neuinfektionen steigen weiter

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen verrät: Die Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe spitzt sich weiter zu. Waren in der vergangenen Woche noch 932 Personen der Fächerstadt mit dem Virus infiziert, sind es am Freitag, 13. November, 973.

Damit ist die Anzahl der Infizierten innerhalb einer Woche ein wenig angestiegen. Der 7-Tage Inzidenzwert liegt in Karlsruhe bei 121,8.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt deshalb in seinem aktuellsten Lagebericht: "Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert."

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Grund zur Entwarnung gibt dieser kleine Rückgang jedoch nicht. Denn gerade jetzt, wenn die Maßnahmen allmählich beginnen im Alltag greifen,  ist es umso wichtiger, sich daran zu halten. Das machte auch der neue Leiter vom Städtischen Klinikum, Michael Geißler, auf einer Pressekonferenz am Freitag deutlich.

Bild: Thomas Riedel

Denn: je mehr Covid-19 Patienten auf die Intensivstation müssen, desto mehr muss der sonstige Betrieb heruntergefahren werden.

Das bedeutet aber auch, dass mehr Personal in die allgemeine Covid-Station und in die Covid-Intensivstation verlagert werden muss, um die Versorgung der betroffenen Patienten gewährleisten zu können.

Bereits Ende Oktober hatte das Städtische Klinikum hierfür einen Corona-Pandemieplan erstellt, der sich in drei  Stufen unterteilt:

Von Stufe 1, was gewohnter Betrieb bedeutet, bis Stufe 3, was massive Unterversorgung bedeutet. Derzeit befindet sich das Städtische Klinikum nach eigenen Angaben in der Stufe 2. 

Hierfür ist vor allem ein bekanntes Dilemma verantwortlich: Genügend Betten und Geräte sind theoretisch da, aber es mangelt an ausgebildetem Personal. Deswegen appelliert Michael Geißler ganz deutlich: "Wir dürfen nicht in die dritte Stufe rutschen."

Intensivstation: Covid-19 Patienten brauchen Eins zu eins Versorgung 

"Die Personalanteile müssen im Prinzip verdoppelt werden", sagt Josef Hug, Geschäftsbereichsleiter der Pflegedirektion und Prokurist.

"Das heißt, dass eine Krankenschwester auf der normalen Krankenstation im Schnitt fünf Covid-Patienten versorgen muss. Auf der Intensiv muss eine eins zu eins Betreuung stattfinden, das heißt, pro Schicht ist eine Schwester für einen  Patienten verantwortlich." 

Josef Hug, Geschäftsbereichsleiter Pflegedirektion und Prokurist | Bild: Thomas Riedel

"Noch können wir die Covid-Patienten und Nicht-Covid-Patienten gleich gut versorgen, aber wir haben jetzt schon mit Einschränkungen zu kämpfen", erläutert der Klinikchef.  So konnten viele Operationen, die im Frühjahr verschoben werden mussten, immer noch nicht abgearbeitet werden. Inzwischen wurden die OP-Säle von 19 auf 15 heruntergefahren.

Aus diesem Grund sei es unabdingbar, die "Welle zu brechen" und anschließend "weiterhin klein bleiben zu lassen". Laut Geißler wäre hierzu ein Tagesinzidenzwert von 50 bis 70 pro 100.000 Einwohner von Nöten, damit der Betrieb sachgemäß weitergeführt werden.

"Nicht alle Intensivbetten können für Covid-Patienten sein"

Ein weiterer Punkt, der die Auslastung des Krankenhauses deutlich macht, ist die Belegung der Intensivbetten. Insgesamt 67 Intensivbetten stehen dem städtischen Klinikum zur Verfügung, Acht davon sind von Covid-19 Patienten belegt, fünf müssen beatmet werden, drei nicht. Dazu kommen 23 Patienten die künstlich beatmet werden, aber keine Covid-19 Patienten sind.

Das Problem: Covid-Patienten, die bereits derartig pflegebedürftig sind, können erst nach zirka drei Wochen die Klinik verlassen.

Michael Geißler vom Städtischen Klinikum auf der Jahres PK | Bild: Thomas Riedel

Durch den dadurch entstandenen "Rückstau", müssen dann immer mehr Ressourcen geschaffen werden, um weitere Corona Patienten aufnehmen zu können. Das hieße, noch mehr Personal abziehen, um noch mehr Covid-Betten zu versorgen.

"Wir können ohne Probleme Intensivbetten in Covid-Betten umwandeln, aber dann leiden andere Patienten darunter", so Geißler. 

Unfaire Verteilung der Patienten

Doch wie soll das Problem gelöst werden?

Geißler kritisiert in diesem Zusammenhang das Fehlen von regionalen und überregionalen Konzepten, die eine Verteilung der Covid-19 Patienten auf Krankenhäuser vorsieht, die sich noch in Stufe 1 befinden.

Eingangsschild vom Städtischen klinikum | Bild: ErS

Bis dato erfolgt das nur, wenn die Klinik die Zustimmung des anderen Krankenhauses einholt. Das Städtische Klinikum fühlt sich da von der Politik alleingelassen und fordert ein "Durchgriffsrecht."

"Es kann nicht sein, dass wir als Maximalversorger in Stufe drei rutschen, was unverantwortlich ist, wenn es in anderen Landkreisen Kliniken gibt, bei denen kaum Covid-Fälle liegen."

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen während der Sommermonate und zum Schulbeginn wieder in die Höhe. Inzwischen steigen die Neuinfektionen so schnell, dass in Baden-Württemberg die Pandemiestufe 3 ausgerufen wurde.

Neben den Lockerungen der Corona-Verordnungen ist der Anstieg inzwischen auf Privatfeiern zurückzuführen. Reiserückkehrer spielen laut Gesundheitsamt nahezu keine Rolle mehr. Corona Infektionen im Schulbetrieb halten sich bis dato in Grenzen.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es beispielsweise aufgrund der Urlaubsrückkehrer und der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften weiterhin zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : RKI Lagebericht 12.11
Dateigröße : 1.21 MBytes.
Datum : 13.11.2020 16:32
Download : Download Now!
Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (64)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   tom1966
    (1281 Beiträge)

    16.11.2020 13:01 Uhr
    Ehrlich jetzt?
    Sie argumentieren mit so alten Kamellen (2003, 2015)? Und Sie denken tatsächlich, da hat niemand etwas draus gelernt?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Oitastisch
    (359 Beiträge)

    17.11.2020 02:44 Uhr
    Gelernt?
    Aber wie Sie sehen, habe ich doch etwas daraus gelernt. Kennen Sie Verurteilungen diesbezüglich? Vielleicht Prozesse, Personalkonsequenzen, Gesetze, welche nahelegen, dass diese "Praxis" des VS so nicht mehr stattfinden kann? Dann muss man eben davon ausgehen, dass dies weiterhin passiert.
    Enttarnter V-Mann wirkte bei G-20-Blockaden in Hamburg mit
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (1281 Beiträge)

    18.11.2020 09:14 Uhr
    Ermittlungen
    Es sind doch zwei paar Stiefel, ob - wie in V-Mann-Affäre - ein sog. V-Mann eine führende Rolle einnimmt oder ob jemand lediglich als Mitläufer in Erscheinung tritt.

    Wo sollen denn Informationen über Gruppen, gegen die ermittelt wird, herkommen, wenn nicht durch Personen aus deren Umfeld?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Sherlock
    (346 Beiträge)

    14.11.2020 11:20 Uhr
    Hetze?
    Die betreiben Sie und zwar ziemlich geschickt möchte ich mal sagen. Gehen Sie ruhig zu Ihrer Ansteckdemo und fühlen sich mutig. Endlich gilt man mal etwas in einem Teil, ca. O,3%, der Gesellschaft und fühlt sich wichtig, egal wer auf der Strecke bleibt dafür. Ich finde es gut, dass die Leute ihre Gesichter bei den Demos offen zur Schau tragen. So weiß man wenigstens, wen man von sich fern hält, sehr fern. Auch nach der Pandemie. Und ich bin auch froh, dass das Internet nichts vergißt. Kann man so wunderbar am Wendler sehrn und seinen Löschorgien..die ja leider vergebens waren. Dann wünsche ich Ihnen mal, daß Sie heute niemand anstecken.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   likeka
    (605 Beiträge)

    14.11.2020 01:32 Uhr
    Hetze
    Wer sich mit einer Gruppe gemein macht, die Wissenschaftler*innen und Politiker*innen einsperren und oder töten möchte, bei der es schon mehrfach Umsturzaufrufe gab, bei denen Leute mit Judensternen rumlaufen und die auf "Systemmedien" schimpft, der sollte mal zum Thema Hetze ganz ruhig sein.

    Sie gehören zu den Hetzern, Spaltern, zu den unsolidarischen Egomanen.

    Gerade weil es wenig Personal in Krankenhäusern gibt, muss man doch alles tun, um eine Katastrophe zu verhindern.
    Seltsam ist daran nichts. Seltsam sind lediglich Menschen wie Sie, die ein paar Artikel rauskramen und dann meinen sie wären da einer ganz großen Sache auf der Spur.

    Und nochmal ganz deutlich: Wer in einer Pandemie so einen Terz macht und sich Masken verweigert, Corona immernoch mit einer Grippe gleichsetzt, der ist unvernünfig. Punkt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Oitastisch
    (359 Beiträge)

    14.11.2020 02:42 Uhr
    Bitte was?
    Zitat von likeka Wer sich mit einer Gruppe gemein macht, die Wissenschaftler*innen und Politiker*innen einsperren und oder töten möchte, bei der es schon mehrfach Umsturzaufrufe gab, bei denen Leute mit Judensternen rumlaufen und die auf "Systemmedien" schimpft, der sollte mal zum Thema Hetze ganz ruhig sein.

    grinsenErnsthaft? Man die Hetze der Massenmedien funktioniert bei manchen wirklich zu gut. Können Sie diese Behauptung belegen? Da wäre ich ja schon ein Fall für das Gefängnis, wenn ich so etwas fordere, oder?
    Die "paar Artikel" belegen einfach nur, dass das Problem im Gesundheitswesen schon länger Sorgen macht. Covid-19 hat damit nichts zu tun. Wenn ich Ihnen einen Vorschlag machen darf: Schauen Sie doch weniger Propaganda-Fernsehen und gehen stattdessen im Krankenhaus oder Pflegeheim ehrenamtlich aushelfen, anstatt hier den Moralapostel zu spielen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   likeka
    (605 Beiträge)

    14.11.2020 16:02 Uhr
    Stopp.
    Ich habe eben nicht gesagt, dass Sie das fordern. Ich schrieb von gemein machen. Das ist etwas anderes und das wissen Sie.

    Also zumindest auf "Systemmedien" bzw. "Propaganda-Fernsehen" schimpfen Sie ja selbst.
    Der Herr mit dem Judenstern stand in Karlsruhe , habe ihn selbst gesehen und extra für Sie ein Bild (nicht von mir selbst gemacht) rausgesucht. Dieses stammt aus dem Mai, der Herr war aber auch später noch zu finden. Ebenfalls gleiche Vorfälle auf Demos bundesweit.

    Zu Morddrohungen nur ein bespielhafter Artikel (aus der bösen "Systempresse").

    Übrigens man kann sich ehrenamtlich engagieren und sich trotzdem noch aus seriösen Quellen informieren zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   olafb
    (354 Beiträge)

    14.11.2020 10:27 Uhr
    nicht einschüchtern lassen
    Hallo Oitastisch, lass dich nur nicht von diesen so"vernünftigen und solidarischen" Menschen, kleinkriegen. Kommentier bitte weiter. Lege deinen Daumen auf so manche Fehlentwicklung.
    Es gibt halt hier so manche Kommentatoren, welche nur noch emotional und mit Behauptungen agieren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Oitastisch
    (359 Beiträge)

    14.11.2020 00:01 Uhr
    Weiter gehts...
    Februar 2017, überfüllte Krankenhäuser und Personalmangel
    März 2018, Drastische Maßnahmen am Ende der Versagenskette
    Dezember 2017, Pflegenotstand - Personalmangel, der an Körperverletzung grenzt
    März 2015, Branche warnt vor dem Kollaps
    2015, Krankenhausreform: Der Personalmangel wird bleiben
    Das gleiche Problem, ganz ohne "unvernünftige" Querdenker? Seltsam, nicht?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Route66
    (2991 Beiträge)

    14.11.2020 11:32 Uhr
    Und was haben
    Ihre uralten Zahlen mit der jetzigen Situation während einer Pandemie zu tun?
    Richtig: nichts.

    Und dann gehen Sie mal in die Krankenhäuser und sprechen mit dem Personal. Die warten genau darauf von Ihnen belehrt zu werden warum sie auf dem Zahnfleisch gehen und diese ganze Coronaleugner satt haben. Quelle: mehrere Freunde die im Krankenhaus arbeiten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.