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Karlsruhe Aktuelle Corona-Situation: Es droht Personalmangel - Städtisches Klinikum am Limit

Seit mehreren Monaten beeinflusst das Corona-Virus das alltägliche Leben. Mit zahlreichen Einschränkungen und vorsichtigen Lockerungen konnte die Lage stabilisiert werden - doch wohin geht der aktuelle Trend? Von den Anfängen bis heute: Jede Woche gibt es einen Überblick über die Entwicklung der Corona-Pandemie in Karlsruhe und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen.

1. Aktuelle Corona-Lage - Neuinfektionen steigen weiter

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen verrät: Die Corona-Lage im Stadt- und Landkreis Karlsruhe spitzt sich weiter zu. Waren in der vergangenen Woche noch 932 Personen der Fächerstadt mit dem Virus infiziert, sind es am Freitag, 13. November, 973.

Damit ist die Anzahl der Infizierten innerhalb einer Woche ein wenig angestiegen. Der 7-Tage Inzidenzwert liegt in Karlsruhe bei 121,8.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt deshalb in seinem aktuellsten Lagebericht: "Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert."

Bild: Landratsamt Karlsruhe

Grund zur Entwarnung gibt dieser kleine Rückgang jedoch nicht. Denn gerade jetzt, wenn die Maßnahmen allmählich beginnen im Alltag greifen,  ist es umso wichtiger, sich daran zu halten. Das machte auch der neue Leiter vom Städtischen Klinikum, Michael Geißler, auf einer Pressekonferenz am Freitag deutlich.

Bild: Thomas Riedel

Denn: je mehr Covid-19 Patienten auf die Intensivstation müssen, desto mehr muss der sonstige Betrieb heruntergefahren werden.

Das bedeutet aber auch, dass mehr Personal in die allgemeine Covid-Station und in die Covid-Intensivstation verlagert werden muss, um die Versorgung der betroffenen Patienten gewährleisten zu können.

Bereits Ende Oktober hatte das Städtische Klinikum hierfür einen Corona-Pandemieplan erstellt, der sich in drei  Stufen unterteilt:

Von Stufe 1, was gewohnter Betrieb bedeutet, bis Stufe 3, was massive Unterversorgung bedeutet. Derzeit befindet sich das Städtische Klinikum nach eigenen Angaben in der Stufe 2. 

Hierfür ist vor allem ein bekanntes Dilemma verantwortlich: Genügend Betten und Geräte sind theoretisch da, aber es mangelt an ausgebildetem Personal. Deswegen appelliert Michael Geißler ganz deutlich: "Wir dürfen nicht in die dritte Stufe rutschen."

Intensivstation: Covid-19 Patienten brauchen Eins zu eins Versorgung 

"Die Personalanteile müssen im Prinzip verdoppelt werden", sagt Josef Hug, Geschäftsbereichsleiter der Pflegedirektion und Prokurist.

"Das heißt, dass eine Krankenschwester auf der normalen Krankenstation im Schnitt fünf Covid-Patienten versorgen muss. Auf der Intensiv muss eine eins zu eins Betreuung stattfinden, das heißt, pro Schicht ist eine Schwester für einen  Patienten verantwortlich." 

Josef Hug, Geschäftsbereichsleiter Pflegedirektion und Prokurist | Bild: Thomas Riedel

"Noch können wir die Covid-Patienten und Nicht-Covid-Patienten gleich gut versorgen, aber wir haben jetzt schon mit Einschränkungen zu kämpfen", erläutert der Klinikchef.  So konnten viele Operationen, die im Frühjahr verschoben werden mussten, immer noch nicht abgearbeitet werden. Inzwischen wurden die OP-Säle von 19 auf 15 heruntergefahren.

Aus diesem Grund sei es unabdingbar, die "Welle zu brechen" und anschließend "weiterhin klein bleiben zu lassen". Laut Geißler wäre hierzu ein Tagesinzidenzwert von 50 bis 70 pro 100.000 Einwohner von Nöten, damit der Betrieb sachgemäß weitergeführt werden.

"Nicht alle Intensivbetten können für Covid-Patienten sein"

Ein weiterer Punkt, der die Auslastung des Krankenhauses deutlich macht, ist die Belegung der Intensivbetten. Insgesamt 67 Intensivbetten stehen dem städtischen Klinikum zur Verfügung, Acht davon sind von Covid-19 Patienten belegt, fünf müssen beatmet werden, drei nicht. Dazu kommen 23 Patienten die künstlich beatmet werden, aber keine Covid-19 Patienten sind.

Das Problem: Covid-Patienten, die bereits derartig pflegebedürftig sind, können erst nach zirka drei Wochen die Klinik verlassen.

Michael Geißler vom Städtischen Klinikum auf der Jahres PK | Bild: Thomas Riedel

Durch den dadurch entstandenen "Rückstau", müssen dann immer mehr Ressourcen geschaffen werden, um weitere Corona Patienten aufnehmen zu können. Das hieße, noch mehr Personal abziehen, um noch mehr Covid-Betten zu versorgen.

"Wir können ohne Probleme Intensivbetten in Covid-Betten umwandeln, aber dann leiden andere Patienten darunter", so Geißler. 

Unfaire Verteilung der Patienten

Doch wie soll das Problem gelöst werden?

Geißler kritisiert in diesem Zusammenhang das Fehlen von regionalen und überregionalen Konzepten, die eine Verteilung der Covid-19 Patienten auf Krankenhäuser vorsieht, die sich noch in Stufe 1 befinden.

Eingangsschild vom Städtischen klinikum | Bild: ErS

Bis dato erfolgt das nur, wenn die Klinik die Zustimmung des anderen Krankenhauses einholt. Das Städtische Klinikum fühlt sich da von der Politik alleingelassen und fordert ein "Durchgriffsrecht."

"Es kann nicht sein, dass wir als Maximalversorger in Stufe drei rutschen, was unverantwortlich ist, wenn es in anderen Landkreisen Kliniken gibt, bei denen kaum Covid-Fälle liegen."

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun seinen dritten Höhepunkt hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen während der Sommermonate und zum Schulbeginn wieder in die Höhe. Inzwischen steigen die Neuinfektionen so schnell, dass in Baden-Württemberg die Pandemiestufe 3 ausgerufen wurde.

Neben den Lockerungen der Corona-Verordnungen ist der Anstieg inzwischen auf Privatfeiern zurückzuführen. Reiserückkehrer spielen laut Gesundheitsamt nahezu keine Rolle mehr. Corona Infektionen im Schulbetrieb halten sich bis dato in Grenzen.

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem RKI fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es beispielsweise aufgrund der Urlaubsrückkehrer und der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften weiterhin zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

Dateiname : RKI Lagebericht 12.11
Dateigröße : 1.21 MBytes.
Datum : 13.11.2020 16:32
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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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Kommentare (64)
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  •   likeka
    (605 Beiträge)

    14.11.2020 15:44 Uhr
    Kredite
    Im Rahmen der Stabilisierungsmaßnahmen wandelt die Stadt Kredite in Zuschüsse um.
    In meiner Oberen Antwort habe ich es verlinkt.
    Zudem wurden die Investitionszuschüsse aufgestockt.
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  •   Grumberekicker
    (87 Beiträge)

    14.11.2020 09:33 Uhr
    Was würde passieren wenn....
    die Bundesregierung ähnlich wie Bolsonaro oder Trump auf die Pandemie reagiert hätte. Ich vermute mal das die Querdenker auch wieder in der ersten Reihe stehen würden beim Demonstrieren. Man kann sicher über manche Maßnahme diskutieren aber alles in Frage zu stellen erscheint mir doch etwas realitätsfern. Ich bin jedenfalls dankbar dafür das ich hier leben kann und trotz der Pandemie mein Leben nicht so massiv eingeschränkt ist wie bspw. in China. Die haben es offensichtlich jedoch hin bekommen die Pandemie in Schach zu halten, die gewählten Mittel waren jedoch wesentlich massiver, da würde ich mal einige Querdenker gerne sehen wie diese dort demonstrieren würden.
    Für mich ist es jedenfalls wichtiger bei dieser Pandemie die schwachen in der Gesellschaft zu schützen (alten und kranke Menschen) und nicht die Egomanen zu befriedigen.
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  •   fahrbahnteiler
    (375 Beiträge)

    14.11.2020 09:20 Uhr
    Ka-news, wo bleibt eigentlich
    der Artikel, dass das Verwaltungsgericht Karlsruhe die Auffassung von OB Mentrup zur Maskenpflicht widerlegt hat? Vergessen, übersehen?

    Es wurde doch auch mehrfach berichtet, wie Mentrup beharrlich daran festgehalten hat, auch Personen aus demselben Haushalt müssten Maske tragen, weil sie untereinander die anderthalb Meter Abstand nicht einhalten. Rechtswidrig.

    Bitte auch solche Dinge berichten. Das ist wichtig. Gerade jetzt.
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  •   Kojak
    (615 Beiträge)

    14.11.2020 08:31 Uhr
    Am Montag
    wollen Frau Merkel und die Ministerpräsidenten den Lockdown verlängern und vermutlich auch die Maßnahmen weiter verschärfen. Es war bisher immer so, dass vor solchen Treffen die dazu passenden Meldungen mit Schreckensszenarien verbreitet wurden. Neulich hieß es an gleicher Stelle noch, man sei hervorragend gerüstet.
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  •   likeka
    (605 Beiträge)

    14.11.2020 11:33 Uhr
    Genau
    Das Klinikum Karlsruhe ist ein Handlanger von Frau Merkel, sonst geht's aber noch?
    Da wird haarklein beschrieben wie die Situation ist, warum wann und wie das Klinikum reagiert und Sie wollen einfach die Realität nicht sehen.

    Das Beschriebene ist real. Ob es Ihnen passt oder nicht.
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  •   Kicherente
    (145 Beiträge)

    14.11.2020 08:22 Uhr
    Bitte die Kirche im Dorf lassen
    Das Personal des Klinikums ist seit Jahren am Limit. OP- und Bettenschliessungen aus Mangel an Personal gehören zum Alltag. Das ist politisch gewollt. Das von der Politik verordnete Freihalten von Coronabetten hat zu Wartelisten in anderen Bereichen geführt. Auch jetzt ist die Situation relativ entspannt. Pandemiestufe 3 heisst, dass dann wieder normale Behandlungen zurückgefahren werden. In Deutschland ist man das nicht gewohnt. In anderen Ländern ist das schon lange so.
    Der erwartete exponentiale Anstieg an Coronapatienten ist bisher ausgeblieben. Auch für die doppelte oder dreifache Menge an Coronapatienten ist das Klinkum vorbereitet. Viele periphere Krankenhäuser haben auch noch Kapazität. Die tägliche Entwicklung der Coronafälle kann jeder auf der Website des Klinikums einsehen.
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  •   likeka
    (605 Beiträge)

    14.11.2020 11:36 Uhr
    Pandemiestufe 3
    Pandemiestufe drei heißt das zurückfahren der Leistung auf 50 bis 60 Prozent.
    Das ist nicht normal!
    Pflegemangel ja, Bettensperrung ja das gab es lange vorher bundesweit.

    Genau deshalb muss jetzt ja alles getan werden um eine gute Versorgung zu sichern.

    Normal ist da nichts!
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  •   Kicherente
    (145 Beiträge)

    14.11.2020 19:39 Uhr
    Bitte die Realität zur Kenntnis nehmen
    Pandemiepläne kommen auch bei jeder grossen Grippewelle z.B. 2018 zum Einsatz. Ist es denn so schlimm wenn eine elektive Galle oder eine HüftTEP verschoben wird? Notfälle werden selbstverständlich behandelt. Andere Häuser haben noch genügend Kapazität. Das Klinikum hat zu Recht darauf hingewiesen, dass fast alle Coronapatienten bei ihnen gelandet sind. Andere Häuser konnten weiterhin mehr lukrative Behandlungen durchführen und waren nicht so belastet. Das ist nicht fair. Wer Angst und Panik vor fehlenden Intensivbetten verbreitet trägt dazu bei dsss akut Erkrankte nicht mehr den Notarzt rufen. Auch das kostet Leben.
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  •   Sherlock
    (346 Beiträge)

    14.11.2020 11:16 Uhr
    Aha
    So legen Sie sich das also zurecht. Interessant.
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  •   ALFPFIN
    (7620 Beiträge)

    14.11.2020 07:28 Uhr
    @DeNunziant
    Ja, wir müssen alle mit Corona leben, Sie natürlich ohne Hygienemaßnahmen zu beachten. Da möchte man ja fast hoffen, dass Covid 19 bei Ihnen vorbeikommt und es Sie ordentlich erwischt.
    Wenn da nicht alle die Menschen um Sie herum wären, die Sie anstecken.
    Wenn es denn so wäre, dann können Sie hoffentlich noch rechtzeitig Ihr Hirn einschalten und sich an Ihren Kommentar erinnern, na ja das ist halt die Natur, wenn ich jetzt möglicherweise ins Gras beißen muss.
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