Karlsruhe Neuer Grenzübergang nahe Karlsruhe: Wenn die Bundespolizei plötzlich in einem Dorf kontrolliert

Viele Übergänge der deutsch-französischen Grenze, wie der an der Bundesstraße in Iffezheim, sind derzeit überlastet. Dort müssen Pendler mitunter lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Nicht so bei den beiden kleinen Dörfern Berg und Lauterbourg: Seit Dienstag ist der Übergang geöffnet - eine Erleichterung für viele Pendler, die täglich kontrolliert werden.

Rund 20 Kilometer liegt die "neue" Grenzstelle von Karlsruhe entfernt. Die beiden Orte, das deutsche Berg und das französische Lauterbourg, zählen jeweils nur knapp über 2.000 Einwohner. Dennoch ist genau hier - zwischen Sportanlage und Gasthof - seit zwei Tagen einer der spärlich gesäten Grenzübergänge. Von 5 bis 9 Uhr und von 15 bis 20 Uhr können Berufspendler von einem in das andere Land gelangen.  Aufgrund der Corona-Pandemie darf die Landesgrenze nur noch an wenigen Punkten überschritten werden.

Bild: Kube

Wieso wurde die Grenze ausgerechnet an dieser Stelle geöffnet? "Dafür gab es eine Vielzahl von Gründen", teilt die zuständige Bundespolizei Koblenz mit. Zum einen habe das Daimler-Werk in Wörth den Betrieb wieder aufgenommen. Laut dem Landkreis Rastatt zieht allein dies täglich über 1.000 Berufspendler aus Frankreich an. "Zum anderen möchten wir auch Fußgängern und Radfahrern den Übergang ermöglichen, denn bei Grenzstellen an Bundesstraßen oder Autobahnen ist das nicht möglich", so die Bundespolizei im Gespräch mit ka-news.de weiter.

Infektionsschutz: Polizei trägt Schutzmasken

In der Tat: Zwischen 6.30 Uhr und 7 Uhr am frühen Mittwochmorgen kontrollieren die Beamten bei Lauterbourg nicht nur Autofahrer, sondern vereinzelt auch Passanten und Radler. Sie müssen der Polizei - sofern sie keine deutschen Staatsbürger sind - ihren Personalausweis und einen Nachweis für den Grenzübertritt vorzeigen, ehe sie ihren Weg fortsetzen dürfen. 

Kontrolle der Bundespolizei am Grenzübergang Lauterbourg/Neulauterburg. | Bild: Kube

Diejenigen Beamten, die in direkten Kontakt mit den Pendlern treten, sind verpflichtet, eine Schutzmaske zu tragen. Denn selbst bei der Prüfung durch das geöffnete Autofenster können die Polizisten den Mindestabstand nicht einhalten. "Allen anderen unserer Angestellten ist es freigestellt, ob sie eine Maske tragen", so die Bundespolizei. 

Militärgrünes Schutzzelt markiert den Grenzposten

Direkt am Grenzpunkt - auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht das französische Landesschild - ist ein grünes Militärschutzzelt aufgebaut. Es dient zum Schutz gegen Wind und Wetter und als Lagerplatz für Equipment. "Es kann auch für Personendurchsuchungen zum Einsatz kommen", teilt die Bundespolizei mit. Ein weiterer Verwendungszweck: Die Beamten können dort, von der Öffentlichkeit geschützt, ihre Mittagspause einlegen. 

Witterungs-Schutzzelt am Grenzübergang bei Lauterbourg/Berg. | Bild: Kube

Zuvor sind die meisten Pendler weiter südlich, bei Iffezheim, über die Grenze gefahren. Die Folge: "Unhaltbare Zustände, kilometerlange Staus und Wartezeiten von teilweise mehreren Stunden", so Toni Huber, Landrat des Kreises Rastatt in der vergangenen Woche. Die Bundespolizei bestätigt den großen Ansturm am Grenzpunkt Iffezheim und empfiehlt, auf die weiter südlich gelegene Stelle bei Rheinau auszuweichen.

Extra Übergang für Krankenhauspersonal und Co.

Damit französisches Krankenhauspersonal und Angestellte anderer systemrelevanter Einrichtungen nicht zu spät zur Arbeit kommen, wurde für sie ein Sonderübergang eingerichtet: In Wintersdorf, in unmittelbarer Nähe des überlasteten Grenzpunktes Iffezheim, täglich von 5.30 Uhr bis 8.30 Uhr. 

"Grundlage ist eine Vereinbarung mit den Landkreisen Rastatt/Baden-Baden", teilt die Bundespolizei Stuttgart mit. Die Landkreise stellen den Pendlern, die den Weg nutzen dürfen, eine entsprechende Bescheinigung aus.

Das Schild zur Markierung der Landesgrenze bei Lauterbourg. | Bild: Kube

Neben den elf offiziellen deutsch-französischen Grenzübergängen des Bundesinnenministeriums wurden nahe Karlsruhe bereits zwei weitere Stellen ins Leben gerufen. Sollten auch die neuen Verkehrswege in Wintersdorf und Lauterbourg nicht zur gewünschten Entlastung führen, kann die regional zuständige Bundespolizeidirektion über die Öffnung weiterer Straßen entscheiden.

ka-news.de-Hintergrund: Arbeitgeber zur Situation an der Grenze

Wie gehen große Karlsruher Unternehmen mit der aktuellen Lage um? Was bedeutet die Corona-Krise für die französischen Mitarbeiter der Firmen?

"Wir haben rund 40 Kollegen und Kolleginnen, die in Frankreich wohnen, aber regulär in Deutschland arbeiten", teilt 1&1 auf Nachfrage von ka-news.de mit. Seit die französische Grenzregion zum Risikogebiet erklärt wurde, würden alle dieser Angestellten von zu Hause aus arbeiten. Insgesamt sind 90 Prozent der 1&1-Mitarbeiter im Home-Office.

Ähnlich sieht es bei Siemens in Karlsruhe aus. "Generell gilt: Wo es möglich ist, sollen Siemens-Mitarbeiter bis auf weiteres von zu Hause arbeiten", so das Unternehmen. "Derzeit fahren keine unserer Mitarbeiter über die französische Grenze." Der Anteil der Angestellten im Home-Office beträgt bei Siemens am Standort Karlsruhe rund 75 Prozent.

Am Karlsruher Institut für Technologie arbeiten rund 60 Menschen mit Wohnort in Frankreich. Die meisten würden derzeit im Home-Office arbeiten, eine offizielle Statistik gäbe es jedoch nicht. Von Problemen an den Grenzübergängen hat das KIT laut eigenen Angaben keine Kenntnis. 

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