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Karlsruhe Nach Experimenten von Impfgegnern: Karlsruher Mediziner klären auf - Kann eine Pferde-Wurmkur wirklich gegen Corona helfen?

In der Geschichte der Medizin kam es schon häufiger durch Zufälle oder abwegig scheinende Experimente zu weltverändernden Erkenntnissen. Ob allerdings eine Wurmkur für Pferde gegen das Coronavirus hilft, ist eine andere Frage. Da aber eben jenes Mittel wohl massenhaft als Corona-Arznei gekauft und eingenommen wurde, fragt ka-news.de bei Tier- und Humanmedizinern nach, inwieweit es wirklich nutzen könnte, bevor dieser Trend auch in Karlsruhe auftritt.

Vor wenigen Tagen sorgte folgender Bericht für Aufsehen in den sozialen Netzwerken: In Oberösterreich kam es zu Masseneinkäufen der Wurmkur Ivermectin, wie unter anderem die Tagesschau berichtet. Mindestens ein Fall endete dabei sogar tödlich. Angeblich soll das Medikament hilfreich gegen eine Corona-Infektion wirken.

Um herauszufinden wie effektiv oder eben gefährlich diese Art der Behandlung ist, entschließt sich ka-news.de bei verschiedenen Medizinern nachzufragen, was die Substanz Ivermectin eigentlich sei und welche Nutzbarkeiten sie in dieser Hinsicht bieten könnte.

Die Pferde-Wurmkur Ivermectin

"Ivermectin wird sehr häufig bei Pferden eingesetzt, um Parasiten wie Fadenwürmer zu beseitigen", sagt Elke Ingwersen, praktizierende Tierärztin in Karlsruhe mit Spezialisierung auf Pferdemedizin. "Es ist streng genommen ein Nervengift, dass die Parasiten über sogenannte Chloridkanäle aufnehmen, was zu Spasmen und einer vollständigen Lähmung führt, wodurch die Würmer nach und nach verhungern", so Ingwersen.

Elke Ingwersen, Karlsruher Tierärztin mit Spezialisierung auf Pferdemedizin.
Elke Ingwersen, Karlsruher Tierärztin mit Spezialisierung auf Pferdemedizin. | Bild: Elke Ingwersen

"Säugetiere haben allerdings nicht dieselben Chloridkanäle wie wirbellose Tiere. Infolgedessen ist Ivermectin für Pferde, aber auch für Menschen kein Gift, sondern birgt einen medizinischen Nutzen", erklärt die Tierärztin. Dies bestätigt auch der Humanmediziner  Michael Viapiano, ärztlicher Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.

"Der Wirkstoff ist gut verträglich, aber..."

"Der Wirkstoff Ivermectin ist im Allgemeinen gut verträglich.", erklärt Viapiano. "Daher ist er auch durchaus bei Menschen als Wirkstoff gegen Würmer und Parasiten zugelassen." Das bedeute allerdings nicht, dass man ihn nach Gutdünken und ohne medizinische Beratung einnehmen solle. "Mal angenommen jemand erwirbt über ein Onlineportal ein Präparat für Pferde statt für Menschen. Das hätte einige Nebenwirkungen zur Folge", sagt Tierärztin Ingwersen.

Dr. Michael Viapiano, ärztlicher Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.
Dr. Michael Viapiano, ärztlicher Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. | Bild: Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg

Diese Nebenwirkungen beschreibt Humanmediziner Viapiano mit "Müdigkeit, Bauchschmerzen, Appetitmangel, Verstopfung, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Juckreiz oder Nesselsucht." Bei unkontrollierter Einnahme sogar mit "schwerwiegender Vergiftungserscheinungen, die bis zu Asthma-Anfällen oder Erhöhung der Leberwerte führen können."

Ivermectin gegen Corona-Viren?

Doch selbst bei einer angemessenen Dosis beschränke sich die Wirkung fast ausschließlich auf die Parasitenbekämpfung. "Man wird eben entwurmt, wenn man es einnimmt", wie Ingwersen zusammenfasst

Woher die Annahme stamme, die Pferde-Wurmkur könne ein wirksames Mittel gegen Corona - oder Viren allgemein bieten, erklärt Ingwersen mit verschiedenen medizinischen Laborversuchen: "Es gibt Studien, die vermuten lassen, dass Ivermectin eine antivirale Wirkung entfalten könnte", sagt sie.

Keine Verbesserungen durch die Wurmkur

Eine Aussage, die sich auch mit Viapiano deckt: "Ivermectin hat im Reagenzglanz zwar einige antivirale Effekte gegen Sars-CoV-2 gezeigt", doch dies geschah ausschließlich innerhalb des Labors, "in höheren Dosen als bei der zugelassenen Anwendung gegen Würmer und Parasiten, als es dem Menschen zuträglich wäre". Einen praktischer Nutzen an einem menschlichen Organismus konnte damit also nicht festgestellt werden.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: pixabay/jarmoluk

"Das Uniklinikum Würzburg hat eine übergreifende Studie, eine sogenannte Cochraine-Review durchgeführt, die ergab, dass sich der Zustand einer Virusinfektion durch Einnahme der Wurmkur nicht nennenswert verbessert hat - zumindest nicht um Vergleich zu einem Placebo", sagt Ingwersen. Diese Studie habe die europäische Arzneimittelbehörde mit bewogen "sich gegen eine Anwendung von Ivermectin im Covid-Bereich auszusprechen", so Viapiano.

"Den Pferden fehlt die Wurmkur"

Somit sei die Pferde-Wurmkur laut dem Humanmediziner "explizit nicht für die Behandlung von Covid-19-Infektionen zugelassen." Ein Zustand, den auch Ingwersen nur für angemessen halte. "Ivermectin gegen Corona einzunehmen wird alles in allem nichts bringen außer Gesundheitsrisiken. Von dem her kann man es sich auch sparen." Zusätzlich spricht die Pferdemedizinerin auch von einem gesellschaftlichen Problem der Massenkäufe.

"In Österreich gab es einen so großen Ansturm, dass das Ivermectin knapp wird. Gerade jetzt aber, im Spätherbst, erhalten sehr viele Pferde eigentlich ihre Wurmkur - und denen fehlt nun die Medizin", so Ingwersen. Eine zusätzliche Gruppe Leidtragender dieses Trends seien also die langschnäuzigen Unpaarhufer, die diesen Winter womöglich weit weniger vor Parasitenbefall geschützt sind.

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Kommentare (25)
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  •   mueck
    (12410 Beiträge)

    20.11.2021 12:10 Uhr
    !
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   klampfer62
    (228 Beiträge)

    20.11.2021 12:22 Uhr
    Einige Fake-News:
    Ivermectin ist seit 1987 ein zugelassenes Medikament.

    >>Einen inzwischen 100-millionenfach angewendeten und bewährten Impfstoff als zu suspekt ablehnen,
    Selbst die Hersteller können Stand heute nichts über die Langzeitfolgen sagen, weil eben noch keine Daten vorliegen. "Angewendet", ja, aber "bewährt"??

    Und solche volksverhetzenden Kommentare rauszuhauen ist voll daneben.
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  •   BMWFahrer
    (825 Beiträge)

    20.11.2021 15:37 Uhr
    "Mueck" wurde zensiert
    Dass es sowas gibt. Was hat er wohl Schlimmes geäußert?

    @Mueck, gerne als PM
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  •   mueck
    (12410 Beiträge)

    20.11.2021 13:21 Uhr
    !
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   klampfer62
    (228 Beiträge)

    20.11.2021 11:59 Uhr
    Deshalb wird Ivermectin so vehement bekämpft:
    Wirksam und billig.

    "Der Großversuch in Indien sollte genügen um Ivermectin weltweit als wirksame Behandlung anzuerkennen. Dann müssten allerdings den Impfstoffen die Notfalls- bzw bedingte Zulassung entzogen werden. Es würde auch die Ausnahme von der EU Gentechnik Verordnung ungültig werden, und die „Durchführung klinischer Prüfungen mit genetisch veränderte Organismen enthaltenden oder aus solchen bestehenden Humanarzneimitteln“ gestoppt werden, denn diese Ausnahmegenehmigung endet, wenn die „beispiellose gesundheitlichen Notlage“ nicht mehr gegeben ist. Und von Notlage kann keine Rede sein, wenn es ein wirksames Medikament gibt. Deshalb wird Ivermectin so vehement bekämpft. Und wem nützt das?"

    die-echtzeit-studie-von-ivermectin-in-indien/https://tkp.at/2021/05/26/die-echtzeit-studie-von-ivermectin-in-indien/
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  •   tom1966
    (1715 Beiträge)

    22.11.2021 08:01 Uhr
    Vorschlag
    Googeln Sie mal zur Seriosität von tkp.at!
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  •   klampfer62
    (228 Beiträge)

    22.11.2021 16:15 Uhr
    typisch...
    wenn man argumentativ bzw. faktisch nicht die Botschaft angreifen kann, greift man eben den Boten an.
    Wenn Ihnen der Bote nicht gefällt, schauen Sie direkt auf die Meldungen aus Indien...
    ... übrigens wurden ähnlich gute Ergebnisse auch schon in USA und in Deutschland erzielt - inoffiziell, aber wirksam. Was ist wichtiger?
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  •   tom1966
    (1715 Beiträge)

    23.11.2021 14:44 Uhr
    Antwort auf "Typisch"
    Eine kurze Google-Suche ergab, dass das Medikament zwar im Labor Corona-Viren abtötet, aber die Dosierung für die Anwendung beim Menschen zu hoch wäre. Vor einer Anwendung wird gewarnt.

    Richtig ist, es handelt sich um ein für Menschen zugelassenes Medikament gegen Parasiten.

    Daher mein Rat, Quellen nach Möglichkeit immer gegenzuprüfen.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (775 Beiträge)

    20.11.2021 15:24 Uhr
    Und hier
    mal die Infos zu diesem "Wissenschaftsjounalisten", der diese Ivermectin-Erzählung verbreitet:
    https://www.derstandard.de/story/2000129237378/clemens-arvay-co-die-impfangstmacher
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  •   Beiertheimer
    (1369 Beiträge)

    20.11.2021 09:27 Uhr
    Tja, wenn man dann im Internet eine Kur für Pferde kauft
    und diese als Mensch einnimmt ist das dann eine Roßkur?

    Noch eine Theorie: Wenn man Zyankali einnimmt bekommt man keine Coronainfektion. Stimmt, oder?
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