23  

Karlsruhe Mütter zu Corona-Schulschließung: "Mir graut es vor dem Schuljahr"

Das vergangene Schuljahr war für viele Eltern eine große Herausforderung: Fernunterricht, Home-Office und das Betreuen der Sprösslinge bedeutete für viele Familien über Monate hinweg nicht nur eine Doppel-, sondern eine Dreifachbelastung. Drei Mütter aus Karlsruhe erzählen von ihrem Alltag zwischen Home-Office und Kinderbetreuung.

In rund zwei Wochen, am 14. September, geht es für die Kinder in Baden-Württemberg zurück in die Klassen. Doch Corona wird an den Schulen weiterhin zu spüren sein: Außerhalb der Klassenräume ist für die Schüler eine Maske Pflicht, haben Eltern Bedenken, können Sie ihre Kinder sogar weiterhin zu Hause behalten. Das geht aus einem Rahmenkonzept des Kultusministeriums des Landes hervor.

"Mir graut es vor dem kommenden Schuljahr"

Wie haben die Eltern die Corona-Zeit erlebt und welche Sorgen und Ängste begleiten sie im Hinblick auf den anstehenden Schulstart? "Mir graut es vor dem kommenden Schuljahr", sagt Desiree Bauer, zweifache Mutter, im Gespräch mit ka-news.de. Ihrer jüngeren Tochter steht die Einschulung bevor, die ältere besucht ab September die fünfte Klasse.

Desiree Bauer, Mutter zweier Töchter aus dem Raum Karlsruhe.
Desiree Bauer, Mutter zweier Töchter aus dem Raum Karlsruhe. | Bild: Desiree Bauer

Sie selbst ist Erzieherin und während ihre Töchter zu Hochzeiten der Pandemie zu Hause blieben, musste sie täglich zur Arbeit, um die Notbetreuung in der Kita sicherzustellen. Unterdessen war ihr Mann im Home-Office und täglich ab 7.30 Uhr am Laptop. Die Betreuung der beiden Kinder eine Herausforderung.

"Es war eine arge Belastung"

"Zu arbeiten, auf die Kinder aufzupassen parallel unserer Großen bei den Schulaufgaben zu helfen war eine arge Belastung", sagt Desiree Bauer. Sie zerbreche sich oft den Kopf, wie es im kommenden Schuljahr weitergehen soll, sollte der Schulbetrieb nicht wie geplant regulär anlaufen.

(Archivbild)
Die Schulschließungen waren für viele Familien eine große Herausforderung. (Archivbild) | Bild: Silvia Marks/dpa-tmn

Wie sehr die Zeit der Corona-Pandemie die Eltern gefordert hat, bekam auch Carola H. (Name von der Redaktion geändert) zu spüren.

"Ich möchte nicht immer nur in diesen Kasten gucken!"

Die Alleinerziehende ist Mutter von vier Kindern. Während drei von ihnen die Schulzeit bereits hinter sich gelassen haben, besucht ihre elfjährige Tochter - das Nesthäkchen - die sechste Klasse.

Die Schülerin hat auf einem Laptop eine Lernplattform geöffnet. Mit dieser Anwendung können Kinder auch bei Schulschließungen digital unterrichtet werden.
Die Schülerin hat auf einem Laptop eine Lernplattform geöffnet. (Symbolbild) | Bild: Stefan Puchner/dpa

"Als gut empfunden habe ich, dass die Lehrer immer per Mail erreichbar waren", sagt sie im Gespräch mit ka-news.de. Doch schnell stellt sich heraus: Die Zeit war auch für sie alles andere als leicht. Denn: Einen Teil des Schulstoffes sollten sich die Kinder im letzten Schuljahr anhand von Arbeitspaketen selbst aneignen, zur Unterstützung gab es vier Video-Fernunterrichtsstunden pro Woche.

Ultramobil, robust und mit Toucheingabe: Ein Tablet ist das von vielen Experten favorisierte Endgerät für digitales Lernen.
(Symbolbild) | Bild: Florian Schuh/dpa-tmn

Doch zwei der Online-Unterrichtsstunden verweigerte die Elfjährige mit den Worten: "Ich möchte die anderen sehen und nicht immer nur in diesen Kasten gucken!" Sie habe die anderen Kinder und den Kontakt zu den Lehrern sehr vermisst und nicht verstehen können, aus welchem Grund zwar der tägliche Einkauf möglich war, nicht aber der Schulbesuch.

Wird das kommende Schuljahr den Eltern die Last nehmen?

Janina Rabold ist ebenfalls Mutter. Von ihren drei Kindern gehen bereits zwei zur Schule, ihre älteste Tochter besucht die sechste Klasse eines Gymnasiums.

Wie hat sie die Betreuung ihrer Kinder organisiert, als im März die Schulen aufgrund der Pandemie schließen mussten? "Ich habe mein Büro im Haus und konnte zum Glück parallel weiterarbeiten", erzählt sie.

Laut einer Umfrage haben es Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst deutlich schwerer, in der Corona-Krise erfolgreich von zu Hause aus zu arbeiten, als Beschäftigte in der freien Wirtschaft.
(Symbolbild) | Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Als Mitglied des Gesamtelternbeirates Ettlingen erfährt Janina Rabold hautnah von den Sorgen anderer Eltern. Das mit größte Problem im vergangenen Schuljahr: Das Bereitstellen der digitalen Geräte für den Fernunterricht. 

"Mit zwei schulpflichtigen Kindern wird einfach vorausgesetzt, dass die Familien zwei freie Laptops oder Tablets zur Verfügung haben - doch was, wenn die Eltern zeitgleich im Home-Office sind und die Geräte benötigen?", so Rabold.

Sowohl Janina Rabold, Carola H. als auch Desiree Bauer hoffen, dass das kommende Schuljahr regulär ablaufen kann und den Eltern, die in dieser schweren Zeit nicht nur als "Mama" und "Papa", sondern auch als Lehrer und Betreuer gefragt waren, einen Teil der Last nehmen wird.

Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (23)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Chris23
    (589 Beiträge)

    02.09.2020 19:01 Uhr
    Allerdings
    Gab es in vielen der Länder die nichts gemacht haben, ein viel stärkeres aufgeben des Staatsleben (Wirtschaft, Schlen, Staatliche Einrichtungen etc) ... Während bei uns der großteil der Wirtschaft durchgelaufen ist. Das ist auch der historische Stand, die regionen die früh und 'drastisch' auf Pandemien reagiert haben standen danach wirtschaftlich besser da. Nur zu sagen wir machen nichts, dann haben wir keine Einschränkungen nur ein paar Tote stimmt so nicht wirklich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Holzbiene
    (77 Beiträge)

    02.09.2020 11:57 Uhr
    Das Gesundheitssystem muss vor Überlastung geschützt werden
    – das war das ursprüngliche Ziel der Conona-Maßnahmen.
    Im Moment wird allenthalben von einer starken Zunahme der Infektionen gesprochen und deswegen übertreffen sich die Politiker gegenseitig mit Forderungen nach noch rigoroseren Maßnahmen.

    Die Realität sieht etwas anders aus:
    - im Moment sind 1% der Intensiv-Betten in den Krankenhäusern mit Coronapatienten
    belegt – von einer Überlastung kann noch nicht einmal ansatzweise die Rede sein
    - an der Kapazitätsgrenze sind die Labore, die die Flut von Tests verarbeiten müssen,
    die in letzter Zeit so stark zugenommen hat, dass schon die erforderlichen Materialien
    knapp werden
    - die Tests haben eine Falsch-Positiv-Rate von 1%, wenn der Proband mit einem anderen
    Coronavirus infiziert ist, sogar von 2% aller durchgeführten Tests

    Die derzeit als "erwiesener maßen" Infizierten sind zum weit überwiegenden Anteil falsch positive!

    Das alles rechtfertigt keine Verschärfung der Maßnahmen, im Gegenteil!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2660 Beiträge)

    02.09.2020 19:28 Uhr
    Schreiben Sie Ihre Meinung ANTWORT AUF "DAS GESUNDHEITSSYSTEM MUSS VOR ÜBERLASTUNG GESCHÜTZT WERDEN"
    Statistiken muss man verstehen. Wenn 1% der Tests positiv sind und DAVON 1% falsch positive Tests sind, dann sind immer noch 0,99% positiv.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Holzbiene
    (77 Beiträge)

    02.09.2020 20:17 Uhr
    Statistiken muss man verstehen.
    Richtig. Da die Prävalenz sehr niedrig ist, haben wir es hier mit dem Paradoxon vom Falsch-Positiven zu tun.

    Wie das funktioniert, wird in diesem Video erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=-I3LZLFTxdk
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (409 Beiträge)

    03.09.2020 08:34 Uhr
    Falsch positiv
    1 von 1 000 ist falsch positiv, wo liegt da das Problem? Diese Zahl fällt doch wohl kaim ins Gewicht.

    Wäre es Ihnen lieber, es wären 10 falsch negativ?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Holzbiene
    (77 Beiträge)

    03.09.2020 18:46 Uhr
    So einfach ist es leider nicht
    Zitat von tom1966 1 von 1 000 ist falsch positiv, wo liegt da das Problem? Diese Zahl fällt doch wohl kaim ins Gewicht.


    Richtig, 1 von 1000 ist falsch positiv. ABER: wir haben z.Zt. eine Inzidenz von ca. 25 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Karlsruhe. Man muss also 4000 Tests durchführen, um einen Infizierten zu finden.

    Bei diesen 4000 Tests fallen zusätzlich 4 Tests falsch positiv aus – die Anzahl der falsch positiven ist also 4 mal so groß, wie die Zahl der tatsächlich Infizierten.

    Je kleiner die Inzidenz, um so drastischer wird dieses Problem:
    Bei einer Inzidenz von 10 pro 100.000 muss man 10.000 Tests durchführen, um einen Infizierten zu finden. Dabei fallen 10 falsch positive an – wir haben also schon 10 mal mehr falsch positive, als tatsächlich Infizierte.

    Ganz krass wird es im Idealzustand, wo niemand vom Virus befallen ist: die Quote der falsch Positiven beträgt dann 100% und deren Anzahl hängt nur noch von der Anzahl durchgeführter Tests ab…
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2660 Beiträge)

    03.09.2020 20:03 Uhr
    Antwort auf "So einfach ist es leider nicht"
    Sie begehen gleich mehrere Fehler:
    1) Sie gehen davon aus, dass man vorbehaltslos alle Bürger testet. Das findet aber nicht statt. Die meisten Tests finden nach wie vor aufgrund von Risikoindikation oder konkretem Verdachts statt.
    2) Sie gehen davon aus, dass die falsch-positiv Rate fix ist. Dabei ist es nur die Garantie, die der Testhersteller gibt. Die Tatsächliche Fehlerquote kann deutlich kleiner sein. Und scheinbar ist sie das auch, siehe 4)
    3) Sie unterschlagen, dass bei positivem Test in vielen Fällen eine B-Probe vom gleichen Patienten genommen wird und diese mit einem Test von einem anderen Hersteller validiert wird. Das in dem Fall beide falsch Positiv sind - nun ja, unwahrscheinlich...
    4) Auf SPON gab es kürzlich einen Artikel zum Thema. Eines der Covid-19 Testlabore führt seit Beginn der Epidemie ständige Tests mit dem eigenen Personal durch. Bislang ca. 20.000 Tests, davon 0 falsch positiv. So viel zur Fehlerrate.

    Aber ich vermute ein Bisschen, Sie wollen das nicht hören
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Holzbiene
    (77 Beiträge)

    03.09.2020 20:32 Uhr
    Sie begehen gleich mehrere Fehler
    1. Getestet wird nach völlig vagen Kriterien, z.B. wenn jemand in einem "Risikoland" war. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, ob er dort nur allein im Wald unterwegs war, oder von einer Fete zur nächsten gerannt ist.

    Diese Teststrategie ist nicht besser als Auswahl der Kandidaten per Würfel. Wenn nur Personen mit eindeutigen Symptomen – wie von den Infektiologen gefordert – getestet würden, sähe die Sache anders aus. Nur auf den Rat der Infektiologen – den eigentlichen Fachleuten für Seuchen –, wird nicht gehört.

    2. Wir haben es hier mit statistischen Phänomenen zu tun, es handelt sich also um Abschätzungen, von denen der konkrete Fall selbstverständlich abweichen kann. Ein große Anzahl von Einzelfällen wird sich aber in Summe der statistischen Abschätzung beliebig nahe annähern.

    3. Ich bitte um Beleg dieser Behauptung.

    4. Es handelt sich um einen Einzelfall, der die Statistik nicht widerlegen kann.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haku
    (4160 Beiträge)

    02.09.2020 14:15 Uhr
    Das war das Ziel der Notbremse
    Und wäre klar, dass es keinen Impfstoff geben wird, könnte man eine höhere Belastung des Gesundheitssystems akzeptieren. Aber in der aktuellen Situation ist jeder, der an COVID-19 stirbt ein Toter, der vermeidbar ist wenn es einen Impfstoff gibt. Wer bestimmt, wieviele Todesfälle akzeptabel sind?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kojak
    (444 Beiträge)

    02.09.2020 17:23 Uhr
    Es kann nicht sein
    dass wir unser komplettes Staatsleben (Wirtschaft, Schulen, Universitäten, staatliche Einrichtungen usw.) lahmlegen, nur weil es nicht einen einzigen Toten geben darf. Schon in einer relativ frühen Phase der Pandemie hat Bundestagspräsident Schäuble sehr deutlich klargestellt, dass es eben kein absolutes Recht jedes Einzelnen gibt, vom Staat vor jeder Krankheit geschützt zu werden.

    Wir alle nehmen wahrscheinlich täglich am Straßenverkehr teil. Dort werden Jahr für Jahr viele Tausende Menschen schwer verletzt und einige getötet. Auch das akzeptieren wir. Natürlich könnten wir alternativ den Straßenverkehr verbieten, dann gäbe es keine Verkehrstoten mehr. Aber das zieht ja auch keiner ernsthaft in Erwägung.

    Wir müssen immer eine Abwägung treffen. Und die heißt: Wir können eben nicht Millionen von Kindern ein weiteres Jahr ohne regulären Schulunterricht allein lassen. Der Schaden wäre nicht mehr gutzumachen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.