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Berlin Merkel warnt vor Corona-Leichtsinn: "Lage ist ernst"

Die Kanzlerin warnt weiter vorm Corona-Virus und nimmt die Bürger in die Pflicht. Fakt ist aber auch: Die Zahl der registrierten Neuinfektionen ist momentan relativ niedrig. Und nur ein einziger Kreis reißt derzeit die Marke von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bürger angesichts der weiter bestehenden Gefahren durch das Coronavirus vor leichtsinnigem Verhalten gewarnt.

"Die von dem Virus ausgehende Gefahr ist weiterhin ernst", sagte sie am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Merkel wiederholte explizit ihren Appell vom Anfang der Krise Mitte März: "Nehmen Sie es ernst, denn es ist ernst."

Gefahr noch nicht gebannt

"Wir vergessen es leicht, weil Deutschland bislang einigermaßen gut durch die Krise gekommen ist, aber das heißt nicht, dass wir geschützt wären, dass die Gefahr gebannt wäre", betonte die Kanzlerin jetzt. "Dass dies nicht so ist, zeigen die sich aktuell rasant ausbreitenden regionalen Ausbrüche."

Wenn es darum gehe, die Verbreitung des Virus einzudämmen, seien neben der Politik weiterhin alle Bürger gefragt, sagte Merkel. "Wir alle müssen es weiter als unsere gemeinschaftlich empfundene Verpflichtung verstehen, dass jeder und jede Einzelne unser aller Schicksal in der Hand haben, indem wir uns an die Regeln halten: Mindestabstand, Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Raum und Händewaschen."

Wie aus den am Samstag veröffentlichten Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht, liegt die wichtige Kennziffer der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage im Kreis Gütersloh trotz einer Abwärtstendenz weiter deutlich über der entscheidenden Marke von 50. Der Kreis Gütersloh ist der einzige Kreis in Deutschland oberhalb dieser Marke.

Nach den jüngsten RKI-Daten gab es im Kreis Gütersloh 164,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen - nach zuvor 177,7 Fällen am Freitag. Am Dienstag betrug der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2. Hintergrund ist der massive Corona-Ausbruch beim Fleischwerk von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück.

Im benachbarten Kreis Warendorf war die wichtige Kennziffer für die Pandemie-Bekämpfung schon am Freitag mit 47,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen unter die Marke von 50 gefallen. Nach den Daten von Samstag sackte sie nun sogar auf nur noch 19,8 Fälle ab. In beiden Kreisen gelten stärkere Beschränkungen.

Ärztliche Nachweise für Reisende aus Corona-Hotspots

Nachdem bereits mehrere Bundesländer Einschränkungen für Reisende aus einem Corona-Hotspot wie dem Kreis Gütersloh auf den Weg gebracht hatten, gab es am Freitagabend eine Bund-Länder-Einigung dazu.

Die Länder werden nach dem Beschluss in den besonders betroffenen Gebieten Vorsorge treffen, dass, so wörtlich, "Reisende aus einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mit kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb der letzten 7 Tage nur dann in einem Beherbergungsbetrieb untergebracht werden dürfen beziehungsweise ohne Quarantänemaßnahme in ein Land einreisen dürfen, wenn sie über ein ärztliches Zeugnis in Papier- oder digitaler Form verfügen, welches bestätigt, dass keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 vorhanden sind".

Der Kreis Gütersloh ist der einzige Kreis in Deutschland oberhalb der Marke von «50 auf 100.000».
Der Kreis Gütersloh ist der einzige Kreis in Deutschland oberhalb der Marke von "50 auf 100.000". | Bild: David Inderlied/dpa

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte die Einigung von Bund und Ländern zu den Reiseregeln. "Der Einsatz hat sich gelohnt. Gut, dass wir nun gemeinsame Regelungen aller Länder mit dem Bund dafür haben, wie wir Risiko-Vorsorge und Reisefreiheit miteinander verbinden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verteidigte den strikten Kurs ihres Landes, in dem Urlauber aus dem Kreis Gütersloh bereits zurückgeschickt worden waren. "Es ist nicht so, dass wir keine Gäste aus Risikogebieten haben wollen", sagte sie am Freitagabend im ZDF. Es gehe aber um sicheren Tourismus. "Ich glaube, das kommt gut an bei den Gästen, aber auch bei den Einheimischen."

Infektions- und Reproduktionszahlen steigen

Bezogen auf ganz Deutschland meldeten die lokalen Behörden dem RKI 687 Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Damit haben sich seit Beginn der Corona-Krise 193.243 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am frühen Samstagmorgen meldete (Datenstand 27.06., 0.00 Uhr).

8954 mit dem Virus infizierte Menschen starben nach RKI-Angaben in Deutschland - das bedeutet ein Plus von 6 im Vergleich zum Vortag. Etwa 177.500 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Das sind etwa 400 mehr als noch einen Tag zuvor.

Blutentnahmeröhrchen mit Blutproben für einen Corona-Antikörper-Test in einem Lavor.
Blutentnahmeröhrchen mit Blutproben für einen Corona-Antikörper-Test in einem Lavor. | Bild: Marijan Murat/dpa

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 26.6., 0.00 Uhr, bei 0,57 (Vortag: 0,59). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen sank dieser Wert mit Datenstand 25.6., 0.00 Uhr, auf 1,02 (Vortag: 1,11). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

© dpa-infocom, dpa:200627-99-584499/4

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  •   Kojak
    (414 Beiträge)

    29.06.2020 19:48 Uhr
    Kein Wunder
    dass Mutti immer so tolle Umfragewerte hat. Man merkt an den Kommentaren hier wie viel Propagandaopfer tatsächlich glauben, Merkel persönlich habe das Virus besiegt. Ein paar bevormundende Reden hatse gehalten, das wars. Die Coronapolitik ist von den Ländern gemacht worden.
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  •   kritiker_2014
    (471 Beiträge)

    28.06.2020 20:01 Uhr
    Frau Merkel hat schon lange nichts mehr
    zu sagen.Sie kann nur noch appelieren an die MP die schon lange das Heft des Handelns in der Hand haben.
    Es ist an der Zeit die Frau zum Rücktritt zu zwingen.
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  •   tom1966
    (181 Beiträge)

    29.06.2020 15:48 Uhr
    Demokratie
    ist wohl nicht ihr Ding, Kritiker_2014?
    Frau Merkel ist gewählt, warum sollte man sie zum Rücktritt zwingen? Weil sie nicht Ihre Politik vertritt? Bei der nächsten Bundestagswahl haben Sie die Chance mit Ihrer Stimme für eine andere Regierung zu stimmen.

    Frau Merkel und die Ministerpräsidenten haben meiner Meinung in Sachen Corona einen guten Job gemacht. Die relative niedriegen Infektionszahlen beweisen dies.
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  •   andip
    (10390 Beiträge)

    29.06.2020 12:11 Uhr
    Die MPs
    hatten schon immer das Sagen in dieser Frage, da dies Ländersache ist und keine vom Bund. Allerdings stimmt man sich mit der Bundesregierung zusammen ab, damit nicht wie sonst jeder sein eigenes Süppchen kocht sondern auf einen (halbwegs) gemeinsamen Nenner kommt .
    Wieso soll Merkel zurücktreten?
    Weil sie nicht wie der grosse Diktator auftritt, nach dem sich so mancher hier wieder sehnt?
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  •   Propagandahilfskraft
    (1419 Beiträge)

    29.06.2020 12:57 Uhr
    Die Bedrohungslage vor Ort ist auch sehr unterschiedlich ....
    ... daher muss auch vor Ort entschieden werden. Das ist eine der großen Stärken des Föderalismus. Warum soll ein dünn besiedelter Kreis ohne Cluster im Osten genau so harte Maßnahmen erlassen wie eine stark durchseuchte Großsstadt im Westen? Da ist die Bundesregierung schon viel zu weit weg von der Basis. Das müssen Kreise und Kommunen unter Leitung des Landes machen. Und das bevorzugt auf der Basis geltenden Rechts und nicht ausschließlich auf Anweisungen und Notstandsverordnungen von oben.

    Seien wir doch ehrlich: Der Föderalismus hat uns vor schädlichen Einwirkungen unserer obersten, verheerenden Leitung bewahrt und trotzdem noch pragmatische Lösungen vor Ort möglich gemacht, trotz massiver Fehlsteuerungen aus dem Reichstag. Hätte Kanzlerettes Dilletantenstadl freie Hand bekommen sähe vermutlich es sehr viel schlechter aus.
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  •   Kojak
    (414 Beiträge)

    29.06.2020 19:53 Uhr
    Hätte Merkel alleine entscheiden dürfen
    wärs uns wohl gegangen wie den Franzosen. Zwei Monate eingesperrt mit einer Stunde Hofgang am Tag. Die Panikkanzlerin hätte uns keinen Millimeter Freiraum gelassen, da bin ich überzeugt. Gebracht hätte es (wie wir ja wissen) nix, aber die Tagesschau hätte jeden Abend verkündet dass es die weltbeste Coronapolitik ist.
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  •   andip
    (10390 Beiträge)

    30.06.2020 08:37 Uhr
    Ja klar
    Sich was zusammen zu spinnen ohne irgendwelche Belege und das dann für die Realität halten.
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  •   Kojak
    (414 Beiträge)

    30.06.2020 10:45 Uhr
    Die Aussage, es "wäre" uns wohl so gegangen...
    ... ist natürlich eine Vermutung, nicht die Realität. Denn tatsächlich sind ja die Entscheidungen gerade nicht alleine von Frau Merkel getroffen worden, sondern in erster Linie durch die Ministerpräsidenten (mal mehr, mal weniger untereinander abgestimmt).

    Fakt ist aber, dass Frau Merkel immer für möglichst starke Beschränkungen war. Es liegt schon nahe, dass sie sich damals eher an den sehr strengen Maßnahmen ihres Freundes Macron orientiert hätte als einen liberaleren Kurs zu fahren.

    Ich sage daher: der Föderalismus hat uns vor einem Total-Lockdown mit absoluter Ausgangssperre bewahrt.
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  •   HerrNilson
    (1454 Beiträge)

    30.06.2020 15:46 Uhr
    Na
    wenn DU das sagst.
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  •   andip
    (10390 Beiträge)

    29.06.2020 15:55 Uhr
    ??
    Noch einmal, weder die Bundesregierung und schon gar nicht Merkel haben irgendwelche Vorschriften befohlen, an die sich die Länder zu halten haben.
    Das haben einzig die jeweiligen Landesregierungen gemacht und nicht auf Befehl sondern nach gemeinsamer Absprache.
    Dieser Unsinn, die böse Bundesregierung/Merkel sei an allem schuld ist nur eine schwachsinnige Verschwörungstheorie.
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