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Karlsruhe "Lockerungen sind fast alternativlos": Städtisches Klinikum Karlsruhe will Corona-Stationen reduzieren

Die Corona-Inzidenz in Karlsruhe sinkt, die Lage beginnt sich zu entspannen - das trifft nicht nur auf das öffentliche Leben, sondern auch auf das Städtische Klinikum Karlsruhe zu. So könnte etwa die Zahl der Covid-Stationen bald reduziert werden.

Die Corona-Situation hat sich "erfreulich entspannt" - das sagt der Direktor der Medizinischen Klinik, Martin Bentz, bei der wöchentlichen Pressekonferenz am Freitag. "Bundesweit ist die Inzidenz rasch nach unten und die Impfzahlen rasch nach oben geschossen."

38 Prozent der Bürger seien inzwischen ein Mal geimpft, zwölf Prozent bereits zwei Mal. Das sei besonders erfreulich, da doppelt Geimpfte laut Bentz ein weit geringeres Risiko bergen, das Virus weiter zu verbreiten, als nur negativ Getestete, wo eine höhere Fehlerquote bestehe.

Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III am städtischen Klinikum Karlsruhe.
Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III am städtischen Klinikum Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

"Lockerungen sind medizinisch verantwortbar"

Dass aufgrund der sinkenden Inzidenzzahlen ab Samstag die Bundesnotbremse endlich auch in Karlsruhe aufgehoben werden kann, begrüßt der Chefarztes: "Wir haben hier in Karlsruhe eine Inzidenz von 51 in der Stadt und 61 im Landkreis. Damit sind wir noch besser als der Bundesdurchschnitt. Mit dieser Entwicklung sind gewisse Lockerungen fast alternativlos", so Bentz.

Dennoch sei die Einführung der Notbremse wichtig und richtig gewesen. "Und es gab auch durchaus in der Vergangenheit Situationen, in denen die Öffnungsschritte zu früh unternommen wurden. Diesmal ist die Situation aber ein bisschen anders." Im Hinblick auf die aktuellen Impf- und Inzidenzzahlen benennt der Klinikdirektor die Wiedereröffnung als "mutig, aber nötig" und ebenso als "medizinisch verantwortbar".

Bild: Lars Notararigo

Seiner Einschätzung nach habe die Bevölkerung - bundesweit - hier in den vergangenen Monaten "sehr viel Disziplin" bewiesen. Das sei für ihn der Anlass zu "einer gewissen inneren Überzeugung", dass die Infektionszahlen trotz der Lockerungen weiter sinken werden. "Und falls es doch schlechter wird, ist von der Bundesregierung eine klare Bremse eingebaut."

"Eine gewisse Entspannung im Klinikum"

Die sinkenden Inzidenzzahlen schlagen sich laut dem Direktor auch im Klinikum selbst nieder. "Wir spüren hier im Klinikum Karlsruhe - trotz der nach wie vor hohen Belastung - eine gewisse Entspannung innerhalb der Normalstationen", so Bentz.

In Anbetracht der Lage überlege das Krankenhaus daher, die Zahl der Covid-Stationen von zwei auf eine zu reduzieren. Am Samstag, 22. Mai, solle hierzu eine interne Beratung stattfinden. Besonders auf den Intensivstationen entstehe damit die Hoffnung auf eine baldige Stressreduktion.

"Bisher waren wir sehr stark belastet, weshalb wir einige Patienten auf die Intensivstationen anderer, weniger unter Druck stehender Krankenhäuser verlegen mussten. Viele Kliniken haben einander dabei unterstützt", so Bentz. Mit einer solchen Verlegung sei die Isolation, die einige Intensivpatienten fühlen würden, nur noch verstärkt worden.

Doch gerade diese Isolation könnte bald der Vergangenheit angehören. Mit dem Wiedereinlass von Besuchern ab diesem Freitag führe das Städtische Klinikum eine ganz eigene Lockerung durch. "Wir haben lange mit uns gerungen", so der Direktor, "doch wenn wir sehen, wie Patienten von der Einsamkeit eingeschränkt werden, wird uns klar, dass wir wieder Besucher erlauben sollten."

Krankenhausbesuche wieder erlaubt

Auch das Pflegepersonal begrüße diese Entscheidung. "Bisher fand sämtlicher Austausch der Patienten nur mit dem Pflegepersonal statt", so die Pflegedirektorin Elvira Schneider. "Dass Patienten nun die Chance bekommen, mit Besuchern zu sprechen, ist auch für uns eine Entlastung." Dennoch verliefe die Öffnung des Krankenhauses für Freunde und Verwandte keineswegs ohne Sicherheitsmaßnahmen.

Bild: Gudrun de Maddalena

"Vorausgesetzt sind die berühmten drei Gs", sagt Bentz: "Geimpft, getestet oder genesen." Somit müsse eine dieser Anforderungen erfüllt sein, damit ein Besuch überhaupt möglich sei. Zusätzlich gelte die strikte Regel "Eine Person, eine Stunde lang", die einen Besuch vornehmen dürfte.

Dazu müsse zuvor ein Termin vereinbart werden, was täglich von 15 bis 18 Uhr auf der Webseite des Städtischen Klinikums möglich sei. Patienten mit schweren Erkrankungen oder in kritischem Zustand dürfen allerdings weiterhin nicht besucht werden.

Das beweist: Trotz Lockerungen hat Karlsruhe die Corona-Pandemie noch nicht überstanden. "Noch vor einem Jahr befand sich die Sieben Tage-Inzidenz bei 0,3", so Martin Bentz. "Ich weiß nicht, ob wir innerhalb der nächsten zwei Jahre noch einmal auch nur annähernd auf diesen Wert kommen werden. Corona wird bis auf Weiteres bei uns bleiben."

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus hält Karlsruhe in Atem: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für die Fächerstadt und die Region in diesem Dossier.
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  •   BMWFahrer
    (603 Beiträge)

    23.05.2021 15:43 Uhr
    Das der SWR seinen Beitrag zwischenzeitlich
    selbst äh, gekürzt, hat - hier der Link auf das Thesenpapier des Gesundheitsökonoms Matthias Schrappe

    http://www.matthias.schrappe.com/index_htm_files/thesenpapier_adhoc3_210516_endfass.pdf
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  •   Waterman
    (6559 Beiträge)

    23.05.2021 16:59 Uhr
    Was soll der Quatsch?
    Wer in seiner Blase leben will, kann jetzt weiter BMW fahren.

    Die Antwort auf das "Thesenpapier" der DIVI ist hier.

    Dazu noch eine ausführlichere Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling mit Download.
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  •   107
    (767 Beiträge)

    22.05.2021 20:06 Uhr
    "Nebelkerzen gegen die Aufklärung des Intensivbettenschwindels"
    "Feigheit und Dummheit bei der "Welt"

    Ein Gastbeitrag von Thomas Maul
    auf reitschuster.de

    Lesenswert
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  •   Motorhead
    (378 Beiträge)

    22.05.2021 21:19 Uhr
    Danke
    Aber von Reitschuster muss man nichts lesen.
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  •   BMWFahrer
    (603 Beiträge)

    22.05.2021 07:28 Uhr
    Geht das einträgliche Geschäftsmodell
    dem Ende entgegen?

    Intensivstationen
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  •   AhmedDerAufklärer
    (347 Beiträge)

    22.05.2021 14:13 Uhr
    Also
    Entwarnung statt angeglicher "Panikmache" gefällt auch nicht.
    Selbst positive Nachrichten taugen immer noch für schräge Unterstellungen.
    Manchen kann man es eben nicht recht machen.
    Ob es denen vielleicht eigentlich um etwas ganz anderes geht?
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  •   Waterman
    (6559 Beiträge)

    22.05.2021 16:48 Uhr
    Eben
    weder der Artikel noch der Film gibt den Verdacht eines Geschäftsmodells her. Da wird etwas insinuiert mit Vorsatz.

    Vielleicht mal eine kleine Retourkutsche:

    Viel Leute sagen: BMW-Fahrer sind in der Regel Raser, weil sie Länge mit Geschwindigkeit kompensieren wollen.
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